wie sich die Zeiten nicht ändern
"... Manchmal lächle ich still vor mich hin, mit einem Anflug von Traurigkeit, wenn ich merke, dass es Menschen gibt, die meinen, ich würde dich und andere in eine sehr schwierige, hohe und seltsame Sache einführen, die nur für große und gelehrte Köpfe verständlich sei. Wohlgemerkt, dies sagen nicht die einfachen Menschen ohne Bildung, sondern Gelehrte und berühmte Theologen. Diesen möchte ich sagen, ihre Auffassung sei zu bedauern und gäbe Aufschluss über den inneren Zustand derer, die sich Gott geweiht haben. Ausser dem einen oder anderen Freund Gottes sind heute fast alle durch eine unkontrollierte Jagd nach der neuesten Theologie oder nach den Erfindungen der Naturwissenschaft so blind geworden, dass sie den Sinn dieser einfachen Übung nicht mehr verstehen. Eine Übung, so einfach, dass selbst ein Mensch ohne viel Bildung dadurch zu einer echten Vereinigung mit Gott finden kann in der erfüllten Ungeteiltheit vollkommener Liebe. Leider können jene verbildeten Menschen das kaum verstehen, so wenig wie ein Schulanfänger die schwierigen Gedanken gescheiter Theologen. ..."
Oh, wie sich die Zeiten nicht ändern! Diese Schelte wider die Theologen und Gelehrten, jene Blinden, die dennoch führen wollen, sie stammt von dem unbekannten Verfasser von "The Cloud of Unknowing" und "The Book of Privy Counseling" (Die "Wolke" hier auf Englisch im Public Domain), kleinen Werken zum geistlichen Leben, dessen Einfluss im angelsächsischen Raum wohl jenem der Nachfolge Christi des Thomas von Kempen vergleichbar ist. Auch damals, im 14. Jahrhundert, pochten sie auf ihre Deutungsmacht, dass nämlich nur das gut sei, was von ihnen gutgeheissen werden; und was den Horizont dieser Jäger nach der jeweils "neuesten Theologie oder nach den Erfindungen der Naturwissenschaft" nicht berührt, was sie aus Verbildung nicht verstehen, das wird von ihnen als abwegig verworfen und als seltsame Sache verschrien. Bevor ich mir aber wieder unfreundliche Kommentare einhandle ob dieser Attacke wieder die Berufschristen und Theologen, ich gar wieder einer Verleumdung bezichtigt werde: nicht ich habe diese Attacke geritten, nicht aus meiner Feder ist diese Beurteilung geflossen, sondern aus dem Kiel jenes längst schon heimgegangenen Mannes, dessen Name und Stand unbekannt blieb. Von mir stammt nur die Überzeugung, die Zeiten, die Menschen, sie ändern sich nicht. Mensch ist Mensch geblieben, in seinen Stärken, in seinen Schwächen.
Eine lange Einleitung für die wenigen Worte, die ich eigentlich über dieses Buch schreiben wollte. Verfasst wurde es also von Thomas Keating, Trappist und vormaliger Abt der Abtei 
