Mittwoch, März 30, 2005

Die Furcht des Herrn ist der Anfang der Weisheit
Es ist immer noch Ostern, liturgisch feiert die Kirche die Auferstehung des Herrn die ganze Woche nach Ostern. In diesen Tagen der Osteroktav werden im Stundenbuch die Psalmen des Ostersonntags gebetet. So begegne ich in der Vesper Tag für Tag dem Psalm 111 , insbesondere Vers 10: "Die Furcht des Herrn ist der Anfang der Weisheit; alle, die danach leben, sind klug."

Die Furcht des Herrn ist der Anfang der Weisheit ... kein sehr zeitgemäßes Thema. Seine Liebe zu den Menschen liegt eher im Trend. Ja, von der Liebe redet sich's leicht. Es tun und danach handeln ist allerdings ein anderes Ding. Vielleicht wäre es gar nicht dumm - vielmehr der Anfang der Weisheit - sozusagen mit etwas leichterem zu beginnen, sich nicht an der Kunst der Liebe zu überheben, sondern in diesen Tagen, in denen mir der Psalm 111 wieder und wieder vor das Angesicht tritt, die völlige Fremdheit Gottes zu meditieren. Vielleicht geht es dann auch mit dem Schwereren, der Liebe, ein wenig leichter.

Sonntag, März 27, 2005

 Christ ist erstanden

Victimae paschali laudes immolent
christiani.
Christ ist erstanden von der Marter alle,
des sollen wir alle froh sein,
Christ soll unser Trost sein.
Kyrie eleison.

Freitag, März 25, 2005

Mein erwählter Weinberg
Vinea mea electa, ego te plantavi: quomodo conversa es in amaritudinem, ut me crucifigeres et Barrabam dimitteres. Sepivi te et lapides elegi ex te et aedificavit turrim.

Mein erwählter Weinberg, ich habe Dich gepflanzt: Warum bist Du bitter geworden, dass Du mich kreuzigst und Barrabas loslässt? Ich umfriedete Dich und entfernte die Steine aus Dir und erbaute einen Turm.
Francis Poulenc (1899-1963): Quatre motets pour un temps de pénitence, Vinea mea electa

Dienstag, März 22, 2005

Bücher
2 Neuerwerbungen.
Irene Harand, Sein Kampf - Antwort an Hitler.
Romano Guardini, Der Herr - Betrachtungen über die Person und das Leben Jesu Christi.

Freitag, März 18, 2005

Vom Tanken
"Man darf nicht vergessen, das was die Linken versucht haben im letzten Jahrhundert ist gescheitert, die sind im Moment nicht in der Lage eine Moral für die Mitte der Gesellschaft zu entwickeln. Der Kapitalismus ist eine Konkurrenzgesellschaft. Er setzt ja auch darauf, dass es einem anderen sozusagen schlecht geht, damit wiederum ein Anderer Erfolg hat. Moralische Grundsätze können bei uns eigentlich nur aus der Religion kommen. Dieses Fundament muss man erkennen und dann hätten die Kirchen eine Aufgabe, von der ich meine, dass sie nicht ausreichend wahrnehmen. ... Sie müssen eben auch an die Gläubigen appellieren, sich das immer wieder zu überlegen, dass man sich in Konfrontation begibt, dass man dafür da ist auch als Politiker, dass es Menschen besser geht und nicht schlechter. Wenn es andere tun als die Kirchen werden sie scheitern, denn die Kirchen können noch relativ allgemeinverbindlich solche Dinge setzen in der Gesellschaft." ... - [Radio Vatikan].

Das wurde in Deutschland gesagt, aber nicht von einem Bischof oder Pfarrer oder Pressersprecher einer Diözese, sondern von Gregor Gysi, dem ehemaligen PDS-Vorsitzenden und bis 2002 Wirtschaftssenator in Berlin. Da müsste dann eigentlich Gregor Gysi für den Religionsunterricht in Berlin sein. Denn wenn ich den Nutzen von Religion für die Gesellschaft abschöpfen will, muss ich dafür auch die Basis legen. Seine Partei allerdings scheint das in der politischen Praxis anders zu sehen. In Berlin soll nun quasi in Konkurrenz zum rein freiwilligen Religionsunterricht (Religionsunterricht ist kein ordentliches Schulfach in Berlin) ein schulisches Pflichtfach "Interkulturelle Bildung" einführen.

Lieber Gregor - ich darf doch Gregor sagen? - mit der Moral ist es wie mit einem Auto. Sagen wir, die Moral wäre das Auto. Was braucht ein funkelnagelneues Auto, um jeden Morgen brav anzuspringen? Richtig. Benzin. Wenn man nicht regelmäßig (Glaube) tankt, wird das Auto (religiös motivierende Moral) keinen Meter Land gewinnen. Wenn Du also meinst, Religion sei als moralischer Impulsgeber in Zeiten eines mittlerweile wohl in hemmungslose Fressgier verfallenen Kapitalismus unverzichtbar, ein notwendiges Korrektiv, dann solltest Du (oder vielleicht vielmehr Deine Partei) bedenken, dass auch die Religion - wie das Benzin - irgendwo vermittelt und weitergegeben werden muss.

Ich gestehe allerdings ein, dass es für die Kirche vermutlich höchst an der Zeit ist, sich Alternativen neben der Schule, andere Orte und andere Gelegenheiten zur religiösen Erziehung und Bildung, zu überlegen und allmählich solche Strukturen aufzubauen. Sonst steht sie am Ende irgendwann ohne eindeutigen Religionsunterricht an den Schulen und ohne andere »"Tankstellen« da.

Donnerstag, März 17, 2005

Der katholische Minister Hirtsiefer in der Folterkammer
Aber nicht nur Juden hatten diese furchtbaren Qualen zu erdulden, sondern auch Katholiken. Ein Kapitel in der aufwühlenden Broschüre Abrahams tragt den Titel: »Der katholische Minister Hirtsiefer in der Folterkammer«.

Es lautet: »An einem Sonntag, Mitte September — ich lag noch immer im Revier — kam ein neuer Schutzhäftling mit Besen und Schrubber in unsere Station, um die Kranken­zimmer zu reinigen. Es war der frühere preußische Wohlfahrtsministe Hirtsiefer, ein bekannter Führer des Zentrums, der am Morgen des gleichen Tages aus einem württembergischen Konzentrationslager nach Papenburg überführt worden war. Hirtsiefer machte den Eindruck eines seelisch verstörten Menschen. Ich hatte Gelegen­heit, ein paar Worte mit ihm zu sprechen und versuchte ihm Mut zu machen.

Dicht neben unserer Revierstube lag die Kleiderkammer. Gleich nach der Einlieferung wurden alle neuen Häftlinge hierhergebracht, um Lagerkleidung zu emp­fangen. Bei dieser 'Anprobe' mußten sich die Häftlinge bis aufs Hemd entkleiden und wurden fast ausnahmslos schrecklich mißhandelt. Was in Oranienburg Zimmer 16 gewesen war, das war hier die Kleiderkammer: Eine Folterstätte voll mittelalterlichen Grauens. Hirtsiefer wurde in diese Kammer gerufen. Plötzlich hörten wir gellende Schreie. Da die Kleiderkammer unmittelbar gegenüber der Krankenstube lag, konnten wir durch die Fenster alle Vorgänge beobachten.

Wir sahen, wie Hirtsiefer sich entkleiden mußte. Er ist ein untersetzter, korpulenter Mann. Mehrere SS-Leute standen um ihn herum. Sie schlugen mit Gummiknüppeln aus Leibeskräften auf ihn ein. Wir hörten, wie Everling brüllte: "Hast du, Schweinehund, heute schon gebetet? — Warst du schon mal beim Papst? — Hast du schon Rosenkranz geleiert? — Du hast Millionen deutscher Volksgenossen betrogen, dazu hat dich der Papst auf­gefordert. — Zeige mal, du Schwein, wie man Rosen­kranz betet!" Als Hirtsiefer sich weigerte, vor dieser rohen Meute zu beten, wurde er unausgesetzt weiter geschlagen.

Nun kam die 'Anprobe'. Um Hirtsiefer lächerlich zu machen, zog man ihm eine halbe Hose an, einen kurzen Rock, lange Stiefel und beschmierte sein Gesicht mit Stiefelwichse. So wurde er von Station zu Station ge­jagt, um sich den Mithäflingen vorzustellen.

Erst spät abends konnte sich Hirtsiefer in seine Ka­bine begeben. Er war vollkommen erschöpft. Kaum hatte er sich auf die Pritsche gelegt, als mehrere SS-Leute eindrangen. Er wurde von ihnen aufgefordert, die Hand zum Hitler-Gruß zu erheben. Er gehorchte. Die SS-Leute gaben sich den Anschein, als hätten sie die Be­wegung mißverstanden und brüllten: "Was, du Schwein, du willst SS-Leute schlagen?" Hirtsiefer versuchte sich zu verteidigen — er hätte nur die Hand zum Gruß er­hoben, wie ihm befohlen war. Die SS-Leute: "Nein, du Schwein, du wolltest uns schlagen." Nun wurde Hirt­siefer über seine Pritsche geworfen und aufs neue fürch­terlich mißhandelt... «
Irene Harand, Sein Kampf - Antwort an Hitler, 11. Kapitel, Seite 295-296.

Heinrich Hirtsiefer (26.4.1876 - 15.5.1941). Hirtsiefer enstammt einfachen Verhältnissen. Er erlernte den Schlosserberuf und engagierte sich bei den christlichen Gewerkschaften. 1920 wurde er Verbandsekretär der christlichen Metallarbeiter, 1921 Minister für Volkswohlfahrt. Seit 1919 gehörte er zur Zentrumsfraktion der Preußischen Landesversammlung. Als Abgeordneter der demokratischen Deutschen Zentrumspartei war er Mitglied des Deutschen Reichstages. Nach dem überraschenden Wahlerfolg der NSDAP im September 1930 plädierte er für eine engere Zusammenarbeit zwischen seiner Partei mit der SPD. Nach den Wahlen vom Mai 1932 nahm er für den Ministerpräsidenten Otto Braun bis zum 20.7.1932, dem Tag des Staatsstreiches, die Geschäfte in der Preußischen Landesregierung wahr. Am 22.3.1933 legte er gezwungenermaßen die Amtsgeschäfte nieder. Am 11. September wurde er verhaftet und als "Schutzhäftling" ins KZ Kemna bei Wuppertal, später dann ins KZ Börgermoor gebracht. Nach seiner Entlassung aus dem KZ wurde er von der SA unter Gejohle mit einem Schild um den Hals durch die Stadt Rüttenscheid (heute Essen) geführt, auf dem "Ich bin der Hungerleider Hirtsiefer" geschrieben stand. Er starb an Leib und Seele gebrochen.

Mittwoch, März 16, 2005

Soundblox: Hinzufügungen
Jussi Björling, 12 Arien und Duette: Del tempio (I Pescatori di Perle)- im Duett mit Robert Merrill; Se quel guerrier io fossi ... Celeste Aida (Aida); Ch'ella mi creda libero (La Fanciulla del West); Canzone Indu; Che Gelida Manina (La Boheme); E lucevean le stelle (Tosca); La fleur (Carmen); Salut! demeure chaste et pure (Faust); In fernem Land (Lohengrin); O Paradiso (L'Africana); Entrata di Paride (La Belle Helene); Si' pel ciel (Otello) - im Duett mit Robert Merrill. The Jussi Björling Page; Historic Opera Singers.
Belcanto, 4 Arien: Alfredo Kraus, Mariella Devia "Verranno a te sull'aure" (Lucia di Lammermoor); Alfredo Kraus "Sol da te... Dio possente" (Ali Baba); Alfredo Kraus "E la solita storia del pastore" (L'Arlesiana); Alfredo Kraus "Di Pescatore Ignobile" (Lucrezia Borgia). Verschiedene.

Mein Tipp für ein Reinhören: Jussi Björlings Duett mit Robert Merrill aus den "Perlenfischern".

Montag, März 14, 2005

Irene Harand, Gerechte der Völker
Irene HarandHeute nachmittag hörte ich mir neben der Arbeit einiges von der zwölfstündigen Marathonlesung aus Irene Harands Buch "Sein Kampf - Antwort an Hitler" per Video-on-Demand an. Nun muss ich mir das Buch kaufen. Da war so vieles für mich neu, an so viele Punkte anrührend, durchaus auch schmerzhaft. Das Buch ist nicht von der Zeit überholt. Gewiss, der Nationalsozialismus ist lange schon in der Geschichte verschüttet, von ihr verurteilt und abgetan. Doch das, wofür er letztlich steht, stirbt nie. Mir wurde auch durch einige vorgelesene Passagen aus dem Buch klar, dass das Christentum im Kern eine jüdische Religion ist und stets bleiben wird. Die Kirche ist, denke ich, ein Stamm der Juden, eine jüdische Nation eigener Prägung. Der Gedanke ist nicht neu; auch damals, zur Zeit der Nazibarbarei, haben ihn manche Vertreter der Kirche gedacht, gesagt und geschrieben. Die Kirche ist ein Kind jüdischen Glaubens.

Irene Harand war tiefgläubige Katholikin. Dabei war sie politisch kein Niemand, sondern zeitweilig Obmann-Stellvertreterin der Christlichsozialen Partei. Gegen den Aufstieg der Nationalsozialisten und deren Programm, das sie schon früh als mörderisch erkannte, gründete sie in Wien 1933 die "Weltbewegung gegen Rassenhass und Menschenmord", die schnell 36.000 Mitglieder in aller Welt umfasste. Die österreichische Harand-Bewegung mit einigen Tausend Mitgliedern in Österreich - vorwiegend aus christlich-konservativen Kreisen - diente nur einem Zweck: der Bekämpfung des Nationalsozialismus und des von ihm propagierten Antisemitismus.

Als Katholikin war sie überzeugt, dass es zwischen Christentum und Nationalsozialismus nur ein "entweder – oder", aber kein "sowohl als auch" geben kann. 1935 publizierte sie im Eigenverlag ihre Abrechnung mit der Hitlerei und dem Hakenkreuz: "Sein Kampf - Antwort an Hitler". Nach dem Einmarsch Hitlerdeutschlands in Österreich flüchtete sie in die Vereinigten Staaten. Ihr Stellvertreter in der Harand-Bewegung, Moritz Zalman, wurde gefasst und 1940 im KZ Sachsenhausen ermordet. Nach dem Krieg (1969) wurde Irene Harand von Yad Vashem als "Gerechte der Völker" geehrt.

In einem Kapitel ihres Buches, das ich heute vorgelesen bekam, zitiert sie Tomáš Garrigue Masaryk, den Gründer und ersten Staatspräsident der Tschechoslowakei, der in einer Rede im tschechoslowa­kischen Parlament erklärte: "Ich bin überzeugt, wer Jesum zu seinem Führer in der Religion hat, kann kein Antisemit sein. Das ist mir so klar, nicht, weil Jesus selbst ein Jude war, weil die Apostel Juden waren und weil das alte Christentum, speziell der Katholizismus, sehr viel Jüdisches an sich hat, nein; aber wenn ich Jesum annehme, kann ich nicht Antisemit sein. Eines oder das andere, Christ oder Anti­semit!"

Christ oder Antisemit, eines oder das andere: das war auch Irene Harands Überzeugung.

Das Buch ist auch im Internet verfügbar:
Sein Kampf - Antwort an Hitler - Vorwort, Kapitel I-IV
Sein Kampf - Antwort an Hitler - Kapitel V - VIII
Sein Kampf - Antwort an Hitler - Kapitel IX - X
Sein Kampf - Antwort an Hitler - Kapitel XI- XII, Schlußbetrachtung

Samstag, März 12, 2005

Irene Harand "Sein Kampf - Antwort an Hitler"
Harand-Lesung auf der Vidiwall vor dem StephansdomLive im Internet: die 12-stündige Lesung aus Irene Harands Buch "Sein Kampf - Antwort an Hitler". Die Wienerin Irene Harand veröffentlichte bereits im Jahr 1935 auf eigene Kosten diese Abrechnung mit Hitler und dem Regime der Nationalsozialisten. Zu einer Zeit, in der in Deutschland und später dann in Österreich die Masse der Menschen Hitlerdeutschland bejubelte, schrieb sie gegen das kommende Unrecht, das sie sehr klar - Kardinal Schönborn sprach von "prophetisch" - beim Namen nannte.

Nach dem Einmarsch in Österreich wurde ihr Buch in Salzburg öffentlich verbrannt und auf Harand ein Kopfgeld in Höhe von 100.000 Reichsmark ausgesetzt. Sie konnte sich aber der Festnahme durch Flucht entziehen.

Marathonlesung live im Internet: Irene Harands "Sein Kampf" | Heute, am 12. März findet im Konsistorialsaal des erzbischöflichen Palais in Wien eine Marathonlesung des 1935 erschienenen Buches "Sein Kampf - Antwort an Hitler" von Irene Harand statt. Religion.ORF.at überträgt die Lesung live ins Internet und bespielt die Vidiwall vor dem Stephansdom.

Als eine "prophetische Stimme" gegen Antisemitismus und Rassenwahn hat Kardinal Christoph Schönborn die Wiener Katholikin Irene Harand (1900-1975) bezeichnet, deren vor 70 Jahren erschienenes Buch "Sein Kampf - Antwort an Hitler". ... - [ORF Religion].

Die Lesung ist auf ORF Religion als Video-on-Demand (Windows Media Video, 17 separate Teile) dokumentiert.

Vom Nichts geht, zum Alles geht
Wie sich die Zeiten änderten. Vom Tridentenischen bis zum 2. Vatikanischen Konzil hatten Liturgie und Theologie der römisch-katholischen Kirche etwas von einem Mikadospiel an sich: am Besten nichts bewegen. Dann, nach dem 2. Vatikanum, wurde diese Haltung völlig über den Haufen geworfen. Heute gilt tendenziell das Gegenteil. Wer nunmehr theologisch und liturgisch mit traditionellen Inhalten aufwartet, ist den Innovationsenthusiasten ein Ärgernis. Dabei hat die Stimmung derart umgeschlagen, dass nicht mehr die "Innovateure", die das Neue in Kirche, Theologie und Liturgie einführen, ihre vorgeschlagenen und vorgenommenen Änderungen begründen müssen, vielmehr sind jene, die am Althergebrachten festhalten wollen, einer Rechenschaft pflichtig. Das Althergebrachte, 500, 1000 oder mehr Jahre alt, ist es nicht alleine schon dadurch verdächtig? Ist es nicht schon alleine deshalb, weil es Althergebracht ist, zu Reform, Veränderung oder Abschaffung bestimmt?

Die Begeisterung, mit der Theologie und Liturgie verändert, ausgetauscht, erneuert und modernisiert wird, gemahnt an einen Innovationsfuror, der weder willens noch fähig ist, sich zur Abwechslung einmal selber in Frage zu stellen. Mit wahrhaft religiösem Eifer werden wir, ob wir wollen oder nicht, auf das jeweils Neue eingeschworen. Und wer seine Stimme kritisch erhebt, gar in Zweifel zieht, ob diese oder jene Innovation wirklich der Tradition überlegen ist, tatsächlich besser das der Kirche durch und durch eingeschriebene Ziel, das - in aller Kürze - Jesus Christus heisst, anzusteuern versteht, findet sich schnell als Reaktionär und Fundamentalist in eine recht finstere Ecke gestellt.

Freitag, März 11, 2005

Soundblox: was zu hören ist
Johannes Brahms, "Ein deutsches Requiem". Vollständig. Chor und Orchester der Columbia University.
Antonin Dvorak, "Stabat Mater". Vollständig. Chor der Universität Witten/Herdecke.
Guiseppe Verdi, "Requiem". 5 Stücke (Tuba mirum, Lacrymosa, Sanctus, Libera me, Libera me). Chor der Universität Witten/Herdecke.
Joseph Haydn, "Die Schöpfung". 12 von 34 Stücken. Chor der Universität Witten/Herdecke, Collegium Musicum Salzburg, u.a.
Francis Poulenc, "Gloria". Vollständig. Pauluschor Stuttgart.
Francis Poulenc, "Quatre motets pour un temps de pénitence". 3 von 4 Stücken. Verschiedene.
Georg Friedrich Händel, "Der Messias". 27 von 47 Stücken. Collegium Musicum Salzburg und andere.
Rosa Ponselle, 9 Arien: Pace, pace, mio Dio (La Forza del Destino); Alzatevi... La Vergine degli Angeli (La Forza del Destino); Ernani! Ernani, involami (Ernani); O Nume tutelar (La Vestale), Songs My Mother Taught Me (von Dvorak); Casta Diva (Norma); Mira, o Norma (Norma); Ideale (von Tosti); A L'Aime (von Dortzal-de Fontenailles). Official Site for Rosa Ponselle.
Alessandro Moreschi, 4 Stücke aus dem Jahr 1902: Crucifixus (Rossini); Ave Maria (Gounod); Preghiera (von Tosti); Incipit Lamentatio (Greogrianische Musik). Verschiedene.
Thomas Tallis, "Lamentatio Jeremiae Prophetae", Lamentations of Jeremiah I. Rimini International Choral Workshop.
Antonio Vivaldi, "Magnificat". Vollständig. Chor von Rousso 2002.
Musik zur Fastenzeit, 11 Stücke: Lamentations of Jeremiah I (Tallis); O Tod, wie bitter bist du (Reger); Timor et tremor (Poulenc); Vinea mea electa (Poulenc); Tristis est anima mea (Poulenc); Miserere Mei, Deus (Lotti); Aus der Tiefe rufe ich, Herr (Kaminski); Meine Seele, warum bist du betruebt? (Bartmann); Ich aber bin elend (Brahms); Super Flumina Babylonis (di Lasso); Warum ist das Licht gegeben dem Muehseligen? (Brahms). Verschiedene.
Oper auf 78rpm Schellack, 18 Stücke: Amato "Largo al Factotum" (Il Barbiere di Siviglia); Caruso "E lucevan le stelle" (Tosca); Caruso "O Souverain! O Juge! O Pere!" (Le Cid); Caruso "E Scherzo, od e Folia" (Un Ballo in Maschera); Caruso "Celeste Aida" (Aida); Caruso "O sole mio"; Galli-Curci "Ah, non crdea mirarti" (La Sonnambula); Galli-Curci "Il dolce suono" (Lucia di Lammermoor); Kurz "D'Amor sull' ali Rosee" (Il Trovatore); Litvinne "I sacri nomi" (Aida); De Lucia - Ernesto Badini "Ecco il magico liquore... Obbligato, obbligato" (L'Elisir d'Amore); Melba "Aubade" (Le Roi D'Ys); Schaljapin "Song of Prince Galitsky" (Prince Igor); Schaljapin "Mephistos Flohlied" (von Mussorgsky); Slezak "Magische Toene, berauschender Duft" (Die Königin von Saba); Supervia "Il Etait un Roi de Thule" (Faust); Tamagno "Morte d'Otello" (Otello); Tetrazzini "Ombra Leggera" (Dinorah). Roger Wilmut.
Johann Sebastian Bach, "Matthäuspassion". 15 von 78 Stücken. Collegium Musicum Salzburg, VU-Kamerkoor Amsterdam und andere.
Tomas Luis de Victoria, "Oficio de Semana Santa". 12 Stücke. Coro Polifónico de la UPV.
Tomas Luis de Victoria, Motetten und Hymnen. 11 Stücke. Coro Polifónico de la UPV.
Tomas Luis de Victoria, Messen. 12 Stücke aus den Messen "Missa Dum Complerentur" (Kyrie; Gloria; Sanctus - Benedictus; Agnus Dei), "Missa Quarti Toni" (Kyrie; Gloria; Sanctus; Benedictus; Agnus Dei), Officium Defunctorum (Taedet animam meam; Kyrie; Versa est in luctum). Coro Polifónico de la UPV.
Orlando di Lasso, Madrigale und Chansons. 9 Stücke (Io to voria; Matona mia cara; Voir est beaucoup; O che bon echo; Ist keiner hie; Ich liebe dich; Tre Volte haveva; Audite Nova). Verschiedene.

Wenn es nichts Göttliches gibt: ein gedankliches Experiment über das Natürliche
Wenn es nichts Göttliches gibt, wie immer auch dieses Göttliche definiert sein mag, gibt es nichts ausser Natur: die Summe all dessen, was ist, was war, und was sein wird. Sie umfasst alles. Damit ist auch das scheinbar Unnatürliche natürlich, andernfalls es nicht wäre.

Der Stern in der Tiefe des Weltraums ist natürlich, der Wechsel von Tag und Nacht, der Tropfen Wasser, der zu Boden fällt, der Löwe auf der Jagd: alles natürlich. Natürlich ist der Fluss, der über seine Ufer tritt, das Feuer, das Häuser, Menschen und Tiere verzehrt, der Ebolavirus, der sich durch die Bevölkerung eines afrikanischen Dorfes frisst: alles natürlich. Natürlich ist auch der Mensch natürlich, was er ist, und was er tut. Einem Bettler Geld zu schenken, ist natürlich. Ihm aber aus einer Laune heraus den Schädel einzuschlagen, was wäre natürlicher als das? Nichts. Alles ist gleicherweise im gleichen Ausmaß natürlich, da es ist. Ausserhalb der Natur ist nichts, kann nichts sein.

Florence Nigthingale? Natürlich. Adolf Hitler? Natürlich. Wolfgang Amadeus Mozart? Natürlich. Josef Stalin? Natürlich. Der Holocaust war natürlich. Die Nürnberger Prozesse waren es auch. Es gibt keine Perversion. Nichts, das unnatürlich wäre. Der Kinderschänder ist nicht weniger natürlich, als es der grösste Heilige ist. Natur schliesst alles ein.

Ein wild tosender Gebirgsfluss wird wohl im allgemeinen als natürlich gelten. Die Fusion von Wasserstoff zu Helium im Inneren der Sonne ist es sicherlich auch. Natürlich sind die Biberbaue, die ich auf einer Kanureise entlang von Flüssen im Bereich des Lake Temagami in Kanada sah. Termitenbauten in der Savanne, sind sie natürlich? Diese Frage werden die meisten bejahen.

Die Probleme beginnen, sobald der Mensch ins Spiel kommt. Ist der Mensch natürlich? Den Indianern im tiefsten Amazonasdschungel billigen wir noch den Status der Natürlichkeit zu: sie sind ein Naturvolk. Ab wann hört der Mensch auf natürlich zu sein? Mit der Erfindung des Ziegels? Einem aus Stahl und Beton erbauten Haus?

Natur verstanden als Summe all' dessen, was ist: Galaxien und Sterne, Planeten und Kometen, Löwen und Tiger, Frösche und Menschen. Ich selber vertrete in diesem Experiment die Ansicht, dass, wenn es keinen Gott gibt, der Mensch mit allem, was er zu leisten imstande ist, natürlich ist, da ausser der Natur - schliesst man Gott aus - nichts existiert. Und dennoch abstrahieren wir die Natur von uns, sie wird zu einem Gegenüber, einem Gegenstand, den wir gebrauchen, oder etwas Persönliches, das wir entweder verehren oder fürchten. Aber ohne Gott ist selbstverständlich auch der Mensch vollkommen und für immer Teil von dem was ist, somit Teil der Natur. Der Mensch ohne Gott kann sich nicht ins Göttliche heben, weil es in diesem Gedankenexperiment - es gibt keinen Gott - nichts Göttliches gibt. Alles, wirklich alles, selbst noch die größte Scheußlichkeit, selbst noch das abscheulichste Verbrechen, ist natürlich, auch das, was wir im Sprachgebrauch als Widernatürlich bezeichnen. In der Natur als die Summe von allem was ist, kann es nichts widernatürliches geben. Indem es ist, ist es natürlich Natur.

So ist die Welt ohne Gott, natürlich. Und welche Früchte wird eine solche Welt naturgemäß gebären? Welche der Mensch, der nur die Natur als innere und äussere Grenze kennt?

Da sagte David zu Gad: "Ich habe große Angst. Ich will lieber dem Herrn in die Hände fallen, denn seine Barmherzigkeit ist groß. Den Menschen aber möchte ich nicht in die Hände fallen." (1Chr 21,13).

Mittwoch, März 09, 2005

[aufgelesen]
"... Ich meine, das Bewußtsein, Vater zu sein, ist das Wesentliche eines Papstes. Für wie gering hält er sich, wenn er sich selbst betrachtet. Mein bisheriges Leben erscheint mir wie ein Geheimnis. Alles, was mir darin zugestoßen ist, erklärt sich aus dem, was am Ende von mir gefordert wurde: Meine Armseligkeit blieb dieselbe, das Wissen um meine Grenzen ist gewachsen. Aber eine Kraft, die nicht von mir stammt, hält mich von einer Stunde zur anderen aufrecht. Ich begreife, dass der Heilige Paulus vom Elend seines Daseins nicht befreit werden wollte. Diese universale Vaterschaft ist ein drückendes und süßes Joch, an jedem Tag anders erscheinend, wie der Schmerz oder das Licht, die sich ebenfalls täglich erneuern. Und auch die Hilfe ist stets neu." ...

"Im Leben eines Papstes", fuhr er fort, "gibt es keinen Augenblick der Ruhe und Entspannung, und die Vaterschaft wie die Sohnschaft wird niemals unterbrochen. Und da die Aufgaben die Fähigkeiten stets überfordern, bleibt nichts anderes übrig, als sich der Gegenwart hinzugeben, das heißt dem Herrn. Ein Papst lebt von einer Dringlichkeit zur anderen, von einem Augenblick zum anderen. Er wandert wie die Hebräer in der Wüste von Manna zu Manna." ...

"Er [Paulus, als er noch Saulus war] verjagte die Christen. Durch seine Verfolgung zwang er sie, sich zu zerstreuen, das heißt, sich auszusäen. Wie seltsam! Wenn man die Christen von einem Ort verjagt, nötigt man sie, das Evangelium anderswo zu verkündigen, so daß die Samen verstreut werden. Zu sehr zusammengedrängt, drohen sie zu verfaulen." ...
Papst Paul VI (1897 - 1978): "Dialog mit Paul VI" von Jean Guitton

Dienstag, März 08, 2005

Schlechte Nachricht aus China
Abseits der Sonderzone Hongkong sieht die Lage der Kirche allerdings wesentlich düsterer aus. AsiaNews listet 19 Bischöfe und 18 Priester auf, die von den Behörden auf Grund ihres Glaubens festgenommen, isoliert, bespitzelt und streng überwacht werden.

Bischof James Su Zhimin, Diözese Baoding, Hebei. 72 Jahre alt, festgenommen im Jahr 1996, seither verschwunden; nur einmal noch wurde er in einem Spital gesehen, wo er unter Polizeibewachung wegen Herzprobleme und einer Augenerkrankung behandelt wurde. Seitdem fehlt jede Nachricht von ihm.

Weihbischof Francis An Shuxin, Diözese Baoding, Hebei. 54 Jahre alt, festgenommen im Jahr 1997, seither verschollen.

Bischof Han Dingxian, Diözese Yongnian/Handan, Hebei. 66 Jahre alt, festgenommen im Dezember 1999. Schon zuvor brachte er seines Glaubens wegen 20 Jahre seines Lebens im Gefängnis zu. Seit seiner Festnahme wurde er in völliger Isolation gehalten.

Bischof Cosma Shi Enxiang, Diözese Yixian, Hebei. 83 Jahre alt, festgenommen am 13. April 2001. Monsignore Shi wurde 1982 zum Bischof geweiht. Zuvor verbrachte er seines Glaubens wegen insgesamt 30 Jahre im Gefängnis. Die letzte Festnahme (vor der derzeitigen) erfolgte 1990; 1993 wurde er entlassen. Anschließend wurde er unter besonders strenger Isolation gehalten.

Bischof Philip Zhao Zhendong, Diözese Xuanhua, Hebei. 84 Jahre alt, festgenommen im Dezember 2004. Er wird an einem unbekannten Ort festgehalten, ohne dass es zu einer Anklage oder gar einem Gerichtsverfahren gegen ihn gekommen wäre.

Bischof Li Side, Bischof von Tianjin. 78 Jahre alt, 1989 verhaftet, 1991 freigelassen, seither in Internierung.

Bischof Julius Jia Zhiguo, Diözese Zhengding, Hebei. 68 Jahre alt, in mehrfacher Abfolge verhaftet und wieder entlassen. Im vergangenen Jahr wurde er zweimal festgenommen. In regelmäßigen Abständen wird Bischof Jia Zhiguo zwangsweise einer Indoktrination über die Regierungslinie der Volksrepublik China unterzogen.

Bischof Zhang Weizhu, Diözese Xinxiang, Henan. 45 Jahre alt, unter polizeilicher Überwachung in der Provinz Hebei.

Bischof Bartholomew Cengti, Bischof von Hanzhong, Shaanxi. 74 Jahre alt, krank; seit Dezember 2001 unter Hausarrest, wird in Isolation gehalten und ist krank.

Bischof Li Hongye, Diözese Luoyang, Henan. 83 Jahre alt, festgenommen im Jahr 1997. Auch er ist krank.

Bischof Liu Guandong, Diözese Yixian, Hebei. 84 Jahre alt, ebenfalls krank. Unterliegt einem Reiseverbot.

Bischof Joseph Fan Zhongliang, Diözese Shanghai. 85 Jahre alt, krank. Steht unter Überwachung.

Bischof Han Jingtao, Diözese Sipin, Jilin. 82 Jahre alt, krank; steht unter polizeilicher Überwachung.

Erzbischof John Yang Shudao, Diözese Fuzhou, Fujian. 84 Jahre alt, sehr krank. Erzbischof Yang Shudao verbrachte seines Glaubens wegen 30 Jahre im Gefängnis. 1955 verhaftet, nach 26 Jahren entlassen, später nochmals verhaftet und drei Jahre lang festgehalten. Er wird immer wieder für einige Zeit festgenommen und steht unter ständiger Überwachung.

Bischof Thomas Zeng Jingmu, Diözese Yujiang, Jiangxi. 83 Jahre alt. Unter Überwachung.

Bischof Xie Shiguang, Diözese Mingdong, Fujian. 86 Jahre alt, festgenommen im Oktober 1999. An einem unbekannten Ort festgehalten, dann wieder entlassen. Seither unter ständiger Überwachung.

Bischof James Lin Xili, Diözese Wenzhou, Zhejiang. 84 Jahre alt, festgenommen im September 1999, festgehalten bis ins Jahr 2002. Steht unter Überwachung und ist großem Druck ausgesetzt sich von Rom loszusagen und sich der sogenannten "Patriotischen Vereinigung", der von Peking kontrollierten "Nationalkirche Chinas", anzuschließen.

Bischof Shi Hongzhen, Bischof in Tianjin. 75 Jahre alt, krank.

Die Priester Zhang Zhenquan und Ma Wuyong, Diözese Baoding, Hebei. Festgenommen im Juli-August 2004 während einer Zeremonie anläßlich der Feier des Jahrestages ihrer Weihe. Sie wurden gemeinsam mit Bischof Huo Junlong verhaftet.

Die Priester Li Wenfeng, Liu Heng und Dou Shengxia, Diözese Shijiazhuang, Hebei. Sie wurden zusammen mit einigen Seminaristen am 20. Oktober 2003 festgenommen, als sie an Exerzitien teilnahmen.

Der Priester Chi Huitian, Diözese Baoding, Hebei. Er wurde am 9. August 2003 verhaftet, als er in einem Glaubensjugendcamp eine Messe feierte.

Die Priester Kang Fuliang, Chen Guozhen, Pang Guangzhao, Yin Ruose und Li Shujun, Diözese Baoding, Hebei. Verhaftet am 1. Juli 2003, weil sie den Priester Lu Genjun besuchten, der gerade aus dem Gefängnis entlassen worden war. Lu Genjun war wegen des "Verbrechens der Evangelisation" für drei Jahre eingesperrt gewesen.

Der Priester Lu Xiaozhou, Diözese Wenzhou, Zhejiang. Verhaftet am 16. Juni 2003, als er einem Sterbenden die Sterbesakramente spendete.

Der Priester Lin Daoming, Diözese Fuzhou, Fujian. Verhaftet am 3. Mai 2003, als er seine Mutter besuchte. Seine Mutter war gerade aus dem Gefängnis entlassen worden; sie wurde eingesperrt, weil sie die Köchin eines Untergrund-Priesterseminars gewesen war.

Der Priester Zheng Ruipin, Diözese Fuzhou, Fujian. Verhaftet am 12. April 2003, gemeinsam mit 18 Seminaristen. Die Seminaristen wurden wieder entlassen, Zheng Ruipin hingegen ist weiterhin im Gefängnis.


Die Priester Pang Yongxing, Ma Shunbao und Wang Limao, Diözese Baoding, Hebei. Verhaftet im Dezember 2001 und März 2002, am Palmsonntag und Ostersonntag. Am 7. Juli 2003 wurden sie zu Zwangsarbeit verurteilt.

Der Priester Li Jianbo, Diözese Baoding, Hebei. Verhaftet am 19. April 2001, verurteilt zu Zwangsarbeit und "Umerziehung". Er soll sehr krank sein.

2008 werden in Beijing, der Volksrepublik China, die Olympischen Spiele stattfinden. AsiaNews will die Gelegenheit nutzen, um die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit auf die Christenverfolgung in China zu richten. Damit soll auf das Land Druck ausgeübt werden, diese Männer im Vorfeld der Spiele freizulassen. Die Olympischen Spiele beanspruchen für sich Spiele des Friedens und der Völkerverständigung zu sein. Wie können aber diese Spiele stattfinden, wenn zugleich im Gastgeberland Männer im Gefängnis sitzen, deren einziges Verbrechen es ist, an Jesus Christus und sein Volk, die Kirche, zu glauben?

AsiaNews fordert alle Leser auf, entsprechende Botschaften per Mail, Fax oder auch brieflich an folgende Adressaten zu richten:

National People's Congress
e-mail: xwzx2005@peopledaily.com.cn

International Olympic Committee
Beijing: President Qi Liu
e-mail: 2008@beijing-olympic.org.cn

Lausanne: President Jacques Rogge
Address: International Olympic Committe
Château de Vidy
1007 Lausanne, Switzerland
Tel: +41-21-621-6111
Fax: +41-21-621-6216

Weiters noch an die Botschaften der Volksrepublik China im jeweiligen Heimatland. Das wären für Österreich, Deutschland und die Schweiz folgende Adressen:

Botschaft der Volksrepublik China
Metternichgasse 4, A-1030 Wien
Tel: (01) 714 31 49 48. Fax: (01) 713 68 16.
Mo-Fr 08.00-12.00 und 14.00-17.00 Uhr.

Botschaft der Volksrepublik China
Märkisches Ufer 54, D-10179 Berlin
Tel: (030) 27 58 80. Fax: (030) 27 58 82 21.
E-Mail: chinesischebotschaft@debitel.net

Botschaft der Volksrepublik China
Kalcheggweg 10, CH-3006 Bern
Tel: (031) 352 73 33. Fax: (031) 351 45 73. Konsularabt.: Tel: (031) 351 45 93.
E-Mail: china-embassy@bluewin.ch


Petition to Chinese Parliament: free bishops and priests | AsiaNews, together with the Holy Spirit Study Centre of Hong Kong and various Christian communities and web-sites in Europe, has decided to publish a list of Chinese bishops and priests who have vanished under detention or have been locked up in labour and re-education camps, or are otherwise kept from carrying out their ministry. These ecclesiastics are all part of the so-called underground Church, made up of Catholics who refuse the government's minute and asphyxiating control over religious activity, preferring to practise their faith outside of official and registered structures. They do so not to challenge the government, but to demand religious freedom which, even if only in theory, is guaranteed by China's constitution, as well as to maintain fidelity to the Pope, a bond which Beijing wants to undermine. ... - [AsiaNews].

List of bishops and priests in prison, isolation or labour camps
| Here is a list of bishops held in prison or prevented from exercising their ministry, and priests who were arrested and sentenced to forced labour. AsiaNews and other Christian websites are launching a campaign for their liberation. ... - [AsiaNews].

Eine gute Nachricht aus China
Die Fastenzeit ist traditionell die Zeit der Taufkatechese, der Vorbereitung für die Aufnahme in das Volk Gottes, die "Ethnie" der Kirche, die nach der gleichen Tradition in der Osternacht erfolgt. In der Praxis ist das mittlerweile hierzulande ein rares Ereignis. Aber nicht überall. In Hongkong finden in der Osternacht über 2300 Menschen durch das Tor der Taufe Zutritt zur Kirche.

Hong Kong diocese will baptize over 2000 at Easter | A great effort for mission undertaken by the diocese of Hong Kong is bearing fruit. According to the diocesan bulletin Kong Ko Bao, about 2,300 people will be baptized during Easter vigil Masses this year. ... - [Catholic World News].

Montag, März 07, 2005

Wie Paul VI. die Kirche vor einem Disaster rettete
Am 22. Februar verstarb Monsignore Luigi Giussani, der Gründer von Comunione e Liberazione (Gemeinschaft und Befreiung), eine jener katholischen "movimenti", die im Sog vor und nach dem 2. Vatikanum entstanden oder groß wurden. Sandro Magister gedachte in chiesa des Gründers von CL mit der Publikation eines Interviews, das bereits im Jahr 1988 mit Monsignore Giussani geführt worden war.

The "Right Way" of Fr. Luigi Giussani | The memorable interview in which the founder of Communion and Liberation recounted how popes Montini and John Paul II saved the Church from disaster. ... - [chiesa].

Gestern wurde auf kreuz.net eine deutsche Übersetzung publiziert. Das wirklich lesenswerte Interview, wie schon erwähnt erstmals im Jahr 1988 unter dem Titel "Quando Paolo VI salvò la Chiesa dal disastro" (Wie Paul VI. die Kirche vor einem Disaster rettete) publiziert, widmet sich vor allem dem Gedenken Paul VI, dessen Pontifikat Giussani für eines der bedeutendsten hielt. Als eine besonders wichtige Doktrin hob Giussani eine anläßlich der Generalaudienz am 23. Juli 1975 gehaltene Rede des Papstes hervor, in der dieser in völligem Widerspruch zum Zeitgeist von der Kirche als einer "ethnic identity sui generis" sprach, für sie also eine ethnische Identität eigener Art in Anspruch nahm. Die Kirche als Volk Gottes nicht in einem gewissermaßen übertragenen, religiös-poetischen Sinne, sondern ganz konkret. Eine Ethnie nicht anders als es beispielsweise die Juden nach ihrem Selbstverständnis als Gottes auserwähltes Volk sind. Ein solcher Gedanke ist tatsächlich entgegen allem Denken der Zeit, heute noch ausgeprägter als damals, mir selber aber Teil meiner Identität. Österreicher bin ich durch den Zufall der Geburt, katholisch hingegen aus freier Entscheidung. Das Land könnte ich im Prinzip jederzeit verlassen und andernorts eine irdische Heimat finden, meinen Glauben aber nähme ich mit, wohin immer es mich auch verschlüge. Vor allen anderen Zugehörigkeiten bin ich zuerst katholisch, und dann erst irgendwas. Ja, ich bin Angehöriger des Volk Gottes, wie es sich nicht abstrakt, sondern ganz konkret in der katholischen Kirche vergegenwärtigt.

Im Interview kommt Giussani auch auf den französischen Philosophen Jean Guitton zu sprechen, der ein Buch über Paul VI schrieb, "Dialog mit Paul VI", er zitiert eine Passage aus dem Buch, die in mancherlei Hinsicht geradezu prophetisch einige Tendenzen in der Kirche nach dem Tod Paul VI skizziert.

"There is a great disturbance at this moment in the world and in the Church, and what is in question is the faith. It happens now that I find myself repeating the obscure saying of Jesus in the Gospel of Saint Luke: 'When the Son of man returns, will he find faith on the earth?' It happens that books are published in which important points of the faith are undermined, that the bishops are silent, that these books are not found to be strange. [...] What strikes me, when I consider the Catholic world, is that a non-Catholic type of thought seems to predominate sometimes within Catholicism, and this non-Catholic thought might become the stronger one within Catholicism in the future. But it will never represent the thought of the Church. A small flock must remain, however small it may be."

Als ich das las, erinnerte ich mich daran, dass sich unter meinen Büchern schon seit langem auch dieses Buch befand, irgendwo - einem Flohmarkt? - aus zweiter Hand erworben, aber nie gelesen. Jetzt habe ich damit begonnen (und es auch schon in meine Leseliste aufgenommen), und bin, wie ich feststelle, von der Persönlichkeit Paul VI, wie sie sich in der Wahrnehmung seines Freundes Jean Guitton bricht, fasziniert. Paul VI war ein "Radikaler", nämlich ein radikaler Christ; und einsam. Ihm war wohl das Amt des Petrus die ganze Zeit seines Pontifikats hindurch eine recht beschwerliche Last, mehr noch vielleicht wurde ihm damit ein Leids getan. Er hat sicherlich schwerer daran getragen als dieser Hüne aus Polen, der selbst jetzt noch, als alter und kranker Mann, in seinem Rollstuhl gebeugt, alle seine Kritiker um mehr als nur Haupteslänge überragt.

Sonntag, März 06, 2005

Das Christentum hat ja nur eine utilitaristische Ethik
Im Deutschlandfunk, vorgestern abend in der Sendung "Hintergrund Kultur: Religion in der säkularen Gesellschaft - Christliche und islamische Wertvorstellungen im Spiegel des Verfassungsstaates" von Joachim Weiner. Das Christentum, erfahre ich da, hätte ja nur eine utilitaristische Ethik, sei auf persönlichen Nutzen fixiert, nämlich auf Belohnung von Gott in Form ewigen Heiles. Die Christen suchten nicht das Gute um seiner selbst willen, erzählt mir der Sprecher mit tadelnder Stimme. Nun ja, bei dieser Gelegenheit, in dieser Sendung, wird mir auch gleich verraten, dass das Christentum und seine Ethik ein Rückschritt gegenüber dem Judentum war. Der Kreuzestod Jesu, das sei ja doch nur ein überaus bedauerliches Wiederaufleben des längst schon überwundenen blutigen Menschenopfers gewesen. Und auf dieser Basis eine fortgeschrittene Ethik, eine unserer Zeit angemessene Moral?

Was wäre denn tatsächlich eine angemessene Basis für das richtige Handeln, da der Glaube an Gott, der christliche Glaube, zu "schmutzig" für eine "richtige" Moral ist? Diese Gedanken im Radio, die Überzeugungen eines sicherlich weltklugen und weltweisen Mannes, erinnerten mich an eine Diskussion, die ich vor längerem schriftlich mit einigen Leuten führte. "Edel sei der Mensch, hilfreich und gut." Ja, warum eigentlich? Ich führte die Diskussion unter dem Namen Rodion. Rodion argumentiert als Mensch, der den Himmel leer sieht. Er weiss keinen Gott über sich. Ich gebe die Diskussion im wesentlich so wieder, wie sie tatsächlich geführt wurde; an einigen Stellen kürzte ich argumentative Wiederholungen heraus; auch die Namen der Diskussionpartner wurden anonymisiert (ein Weiser etc.).

_______________________________

Rodion: Ich bin jung, sagen wir: Mitte 20. Nun wohnt in meiner Nachbarschaft so eine alte Vettel, ein Mensch, der durch große Härte im Geschäftsleben zu großem Reichtum kam, ein Mensch, der seinen Reichtum, wie in meinem Viertel jeder weiss, durch das Unglück und Elend anderer Mensch erkaufte. Durch Zufall wurde mir unlängst bekannt, dass sie in ihrer Wohnung ein großes Vermögen an Bargeld hortet, weil sie den Banken nicht traut. Daraufhin kam mir der Gedanke auf kurzem Wege meinerseits Reichtum zu erwerben. Dafür bräuchte ich nichts weiter zu tun, als der Alten den Schädel einzuschlagen und das Geld zu rauben. Ich habe einen genauen Plan ausgearbeitet, mit dem es mir möglich ist ungesehen in ihr Haus einzudringen und die Tat zu vollbringen. Mit einem einzigen Schlag könnte ich so ein böses Leben auslöschen und mir die Tat darüber hinaus auch noch selber reichlich entlohnen.

Und nun sagt mir, Ihr überaus geschwätzigen Klugen und Weisen im Lande, da ich an keinen Gott glaube, an keine über dem Menschen thronende Wesenheit, die mich einstmals richten wird, da ich weiss, ich lebe nur einmal, hier und jetzt, und dann nicht mehr, und was ich nicht hier und jetzt erringe, erringe ich nimmermehr, warum sollte ich diesen Streich nicht führen?

Ein Weiser: Willst Du in einer Welt leben, in der Du ständig Angst um Dein Leben haben musst, weil da lauter so Typen wie Du herumlaufen? Warum willst Du so reicht sein, wie Dein zukünftiges Opfer, wo Du doch selber siehst, dass das nur Ärger einbringt?

Rodion: Ich danke Dir für Deinen Beitrag, o Weiser. Warum ich es vorziehe reich zu sein, o Kluger? Weil es mir besser erscheint reich und satt zu sein, denn arm und hungrig. Darum, o Kluger und vermutlich gesättigter Weiser, will ich reich sein und satt, und nicht arm.

Will ich, sagst Du, in einer Welt leben, in der jeder so handelt wie ich? Ein gutes Argument, o Weiser, ein gutes Argument. Gewiss, es wäre mir unangenehm, würde auch mir der Schädel eingeschlagen. Andererseits jedoch, bedenke, lässt sich aus dem, dass ich bereit bin der alten Vettel den Schädel einzuschlagen, erschließen, auch andere handelten so? Bislang haben sie es noch nicht getan. Eben noch sah ich das alte Weib an meinem Fenster vorüberhumpeln, und ihr Schädel war heil. Und auch ich lebe noch. Also ist die Welt nicht so, dass ich dies fürchten müsste. Und wenn ich nun der Alten den Schädel einschlüge, o Weiser, was bringt Dich auf den Gedanken, sie änderte plötzlich in diesen Dingen ihren Lauf? Warum sollte aus dem, dass ich den Mut zu dieser Tat aufbringe, folgen, es brächte auch andere den Mut und die Entschlossenheit dazu auf? Getötet und gemordet wird, wie ich den Zeitungen entnehme, dort und da und immer wieder einmal, auch ohne dass jeder danach strebt, jemand anderen den Schädel einzuschlagen.

So ist Dein Argument bei näherer Betrachtung doch nicht so gut, und ich weiss weiterhin nicht, o Kluger und Weiser, warum ich der Alten nicht den Schädel einschlagen sollte, wird doch die Welt sich deshalb nicht ändern, sich ganz unverändert weiterdrehen. Einzig die Alte ist tot. Und ich reich.

Ein Weiser: ... oder hinter Gittern.

Rodion: Ich danke Dir für Deinen Beitrag, o Kluger und vermutlich gesättigter Weiser.

Oder hinter Gitter, sagst Du, nicht mit einem Schlage über den Schädel der Alten reich, sondern gefangen. Ein gutes Argument, o Weiser, ein gutes Argument. Gewiss, es wäre mir unangenehm, gefangen zu werden. Und die Strafen für Raubmord, die staatliche Sanktion der Verletzung dessen, was Du als "moralisch" bezeichnest, sind in meinem Lande sehr hart. Andererseits jedoch, bedenke, ist nicht jegliches Handeln, ist nicht das Leben selbst voller Gefahren? Gestern morgen unternahm ich einen kleinen Spaziergang den Newskij Prospekt entlang, den Kopf voller Pläne, wie ich denn gerade diese Gefahr, nach meiner Tat gefangen zu werden, so klein als nur möglich halten könnte. Während ich so gemächlich ausschritt, sah ich vor mir einen Mann, der mit großer Hast dahineilte. Der Kleidung und dem Benehmen nach ein kleiner Angestellter, der seiner Arbeitsstätte zustrebte. Weil um diese Zeit auf dem Prospekt großes Gedränge herrschte, ging er ganz aussen an dessen Rand zur Fahrbahn, über die unentwegt Fahrzeuge strömten. Plötzlich stolperte der Mann und stürzte über die Bordsteinkante; ein Fahrzeug erfasste ihn seitlich, riß ihn herum und unter die Räder. Blut entstömte dem leblosen Körper. Der Mann war tot. Er wollte sein täglich Brot erwerben, darum ging er auf diesem Weg. Und nun ist er tot. So, o Weiser, ist das Leben: voller Gefahren; selbst noch eine so einfache Sache wie der Weg zur täglichen Arbeit ist nicht ohne Risiko. Und wie hoch war der Preis des Mannes für dieses Risiko, was mag er dafür erhalten haben? Was hat er verdient? Vielleicht gerade einmal genug Entlohnung für diesen und ein oder zwei weitere Tage.

Ich für mein Teil kann mit einem Streich und bei geringer Gefahr Lohn für ein ganzes Leben erwerben. Das scheint mir ein faires Geschäft zu sein.

So ist Dein Argument bei näherer Betrachtung doch nicht so gut, und ich weiss weiterhin nicht, o Kluger und Weiser, warum ich der Alten nicht den Schädel einschlagen sollte, ist doch alles im Leben mit Risiko und Gefahren verbunden, und in diesem Falle scheint mir der Lohn (die Alte ist wirklich unglaublich reich) die Gefahr reichlich aufzuwiegen.

So bitte ich Dich auch weiterhin mir moralische Gebote per Logik zu begründen, weil ich sonst anders nicht kann, als aus logischen Gründen der Alten den Schädel einzuschlagen und reich zu sein.

Ein Weiser: Was für ein schlechter Mensch Du ohne einen Glauben bist. Ich brauche derlei Krücken nicht. Man braucht keinen Gott, um ein guter Mensch zu sein.

Rodion: Ich danke Dir für Deinen Beitrag, o Weiser.

Ich sei, sagst Du, ein schlechter Mensch? Nun ja, dies mag so sein, o Du Kluger und gesättigter Weiser, alleine, mir will's sich so recht nicht erschließen, was denn ein schlechter Mensch sei? Warum bin ich schlecht, wenn ich diese Alte, die ja doch nicht mehr viele Jahre vor sich hat, die mit ihrem vielem Geld nichts anfängt und nichts anzufangen weiss, den Lebensfaden derart verkürze, dass ich ihr flugs den Schäder zertrümmere? Zudem, o Du Kluger, welchen Inhalt hat dieses Wort: schlecht? Was ist "schlecht"? Woran wird "schlecht" gemessen? Gibt es ein "schlecht", muss es auch ein "besser", gar ein "gut" geben. Woran bemißt sich das "gut"? Wo kann ich's wiegen und messen? Ist es groß oder klein? Was ist "gut"? Und gesetzt selber, ich wäre denn gut, was wohl, wie ich vermute, bedeutet, dass ich den Schädel der Alten verschone, ihr Geld nicht raube, und weiterhin arm bin und bleibe, was wäre denn für mich dadurch gewonnen? Sage mir, o Kluger, der Du das Geheimnis zu kennen scheinst, was habe ich davon "gut" zu sein? Wird mir deswegen der Magen weniger knurren? Werde ich, wenn ich "gut" bin, nicht sterben? Wird meine Existenz ohne Ende sein? Ach, das Schickal der Menschen zeigt doch, dass alle, seien sie in Deinem Sinne gut oder schlecht, in ihren Gräbern verfaulen. Heute noch hat man von ihnen gesprochen, morgen ist selbst das Gedenken an sie schon erloschen. Wozu also sollte ich gut sein?


So ist Dein Argument bei näherer Betrachtung doch nicht so gut (im Sinne von weise), und ich weiss weiterhin nicht, o Kluger und Weiser, warum ich denn gut sein soll, auch und gerade weil ich nicht an höhere Mächte über dem Menschen glaube. Nur einmal lebe ich, dann nicht, und was ich heute nicht habe, habe ich nie. So ist es wohl, Du wirst es mir zugestehen müssen, o überaus Kluger und überaus Weiser, für mich klüger, logischer, wie ihr es hierzulande wohl nennt, gut zu leben, gut, o Kluger, in der Bedeutung von reich. Reichtum und Wohlstand, Wohlleben in diesem einzigen Leben, das ich mein eigen nenne, kann ich leicht, o so leicht!, mir erwerben, nämlich mit einem einzigen Schlag. Warum also, o Weiser, sollte ich ihn nicht führen, diesen einen einzigen Schlag?

Ein anderer Weiser: Der eine Weise hat recht, niemand würde in einem Land leben wollen, wo man so einfach bestohlen und umgebracht werden kann. Mehr noch: Wenn unsere Vorfahren das so zugelassen hätten, dann hätten sie sich vermutlich gegenseitig umgebracht und wären folglich nicht unsere Vorfahren geworden.

Wenn ich also nicht in einem Land leben möchte, in dem man so einfach umgebracht wird, dann muss ich dafür einen gewissen Preis zahlen: Ich muss es allen verbieten, andere zu schädigen, womit ich als logische Folge dieses auch mir selbst verbiete. Das ist wie ein Vertrag: Einen Vertrag zu schließen macht nur dann einen Sinn, wenn ich ihn auch durch alle Nachteile hindurch einhalte, weil ich nur so erwarten kann, dass mein Vertragspartner ebenso handelt.

Hinzu kommt dann noch die simple Tatsache, dass selten ein Plan gelingt, es gibt also eine gewisse Wahrscheinlichkeit, dass der Mord auffliegt und der Atheist den Rest seines einzigen Lebens im Gefängnis verbringen wird. Und diese Wahrscheinlichkeit ist um ein Millionenfaches höher als die Wahrscheinlichkeit, dass es eine jenseitige ausgleichende Gerechtigkeit gibt.

Rodion: Du, so hörte ich sagen, bist unter den Klugen und Weisen hier der weiseste und klügste von allen. Und gewiss muss dies stimmen, scheint doch der Fluss Deiner Rede schier endlos zu sein. So mag es vielleicht Dir möglich sein mir Auskunft zu geben, warum es nicht logisch und angebracht ist mir Reichtum durch den Tod jener alten Pfandleiherin zu erkaufen.

Und ich sehe, Du hast mir bereits die Ehre erwiesen Notiz zu nehmen von meiner Frage. Niemand, sagst Du, würde in einem Land leben wollen, wo man so einfach bestohlen und umgebracht werden kann. Und recht hast Du, o eminent Weiser, ein gutes Argument, ein gutes Argument.

Alleine, o Weiser, mein Land ist wie viele andere Länder auch: es wird hier und dort gemordet, hier und dort gestohlen. Viele Menschen, ich stimme Dir zu, tun weder das eine, noch das andere. Manche aber setzen sich darüber hinweg. Sie haben den Mut und den Willen sich zu nehmen, wonach es ihnen begehrt. Wenn nun auch ich so handle, o Weiser, was würde denn dies am sozialen Gefüge des Landes groß ändern? Läßt ein Bettler mehr das Land verarmen? Macht ein Reicher mehr das Land unglaublich reich? Ach, auch wenn ich mir selber wichtig, ja, der unermeßlich wichtigste bin, ist dessen ungeachtet dem Rest der Welt kaum bewusst, dass ich existiere. Weder mir zuliebe noch mir zuleide ändert die Welt ihren Lauf. Erwerbe ich mir Reichtum durch Mord, wird das Land nicht ärmer, nicht reicher, nicht besser, aber auch nicht wesentlich schlechter, als es zuvor schon war. Die Welt beachtet mich nicht.

Doch gilt zu bedenken - und Du wendest es ein - dass hätten nur unsere Vorfahren allesamt so gehandelt, wie ich es erwäge, sie wären unsere Vorfahren nicht geworden. Alleine, o Weiser, ich bin da, und auch Du bist da. So haben unsere Vorfahren nicht gehandelt wie ich es erwäge, und Dein Argument zielt ins Leere. Was kümmert mich heute, was sie damals nicht taten? Vergangenes ist vergangen. Und hätten sie es getan, kümmerte es mich ebensowenig, denn dann, o Weiser, gäbe es mangels meiner Person mein Problem nicht. Und auch Dich, so undenkbar der Gedanke auch ist, gäbe es nicht.

So sind, alles in allem, Deine Argumente, o eminenter und wortreicher Weiser, Kluger unter den Klugen, denn doch nicht so gut und nicht ausreichend klug und weise, weiss ich doch weiterhin nicht, warum ich der Alten nicht den Schädel einschlagen sollte, da doch die Welt nahezu unverändert bliebe, wie sie ist. Nahezu unverändert schrieb ich, nahezu unverändert, nur die Alte, die wäre tot, ich hingegen, ich wäre reich. Das wäre denn doch eine Veränderung, mehr noch: eine Verbesserung für mich, denn war ich zuvor arm, so bin ich nun reich. Gebietet mir daher nicht die Logik, die Du, so hörte ich, gerne beschwörest, zu handeln wie ich es beschrieb? Sage mir, Weiser?

Ein dritter Weiser: Bist Du völlig bescheuert, oder was. Muss man denn darüber überhaupt diskutieren, warum man andere Menschen nicht erschlagen darf? Soll ich Dir begründen, warum es selbstverständlich ist, dass man keinen Menschen umbringt? Was hat diese Frage mit Moral zu tun. Es ist völlig selbstverständlich, dass so etwas nicht erlaubt ist. Du hast kein Recht dazu jemanden umzubringen! Ganz einfach. Wenn Du das nicht verstehst, wäre ich geneigt, Dich in Therapie zu schicken!

Ein anderer Weiser: Wenn Du es für gerechtfertigt hältst, einen Schmarotzer umzubringen, dann erklärst Du es für richtig, dass man auch Dich umbringen darf, denn Du bist dann ja auch ein Schmarotzer, sogar ein schlimmerer als es die alte Vettel war.

Du negierst damit das Recht auf Deine eigene Existenz. Aber damit, dass Du selbst existieren möchtest, und zwar gut, rechtfertigst Du ja die Tat. Du begehst also einen Denkfehler, und zwar den des gestohlenen Konzepts.

Dieser Fehler besteht darin, ein Konzept als Grundlage zu nehmen ("Ich will gut leben bzw. existieren"), damit zu einem Schluss zu kommen ("Daher darf ich die alte Vettel umbringen"), womit Du aber anderen das Recht einräumst, auf derselben Basis Dich umzubringen, womit Du Dir das Recht auf Deine eigene Existenz bestreitest, die aber eben die Grundlage für Deine Schlussfolgerung war. Du ziehst Dir damit quasi den Boden unter den eigenen Füßen weg.

Damit ist Deine geplante Tat völlig unlogisch. Das ist ein Einwand, der Dich aber nicht daran hindern kann, die Tat trotzdem auszuführen, so wenig wie man Menschen davon abhalten kann, etwas völlig Unlogisches zu glauben. Ich würde sogar sagen: wer Menschen dazu ermutigt, etwas für richtig zu halten, was völlig unlogisch ist, der ermutigt sie auch, eine Tat zu tun, obwohl sie völlig unlogisch ist und das auch noch für richtig zu halten!

Rodion: Geschätzter Weiser! Ich danke Dir für Deinen Beitrag!

Ich entzöge, sagst Du, mir selber, mir, Rodion, die Existenz, brächte ich nur diese Alte um die Ecke? Seltsamer Gedanke! Sterbe ich denn, wenn ich die Alte erschlage? Ich habe übrigens gar nichts gegen Schmarotzer, wie Du die Alte (und wohl auch mich) benennst. Versucht nicht jeder, so gut er eben kann, über die Runden zu kommen? Und natürlich: bin erst ich im Besitz des Vermögens der Alten, mag es Leute geben, die es nach diesem Vermögen gelüstet, das ist der Lauf der Welt, war immer so, und wird wohl auch immer so sein. Wer hat, sperrt seine Habe gut fort, will er ihrer nicht entledigt sein.


Vor zwei Jahren wurde der stadtbekannte Juwelier Schatow auf offener Straße ermordet und ausgeraubt. Die Täter wurden nie gefasst (und nein: ich bin es nicht gewesen). Sind nun, weil einer oder einige wenige zu Raubmördern wurden, alle zu Raubmördern geworden? Müssen die Raubmörder nun fürchten, sie würden ihrerseits ermordet und ausgeraubt? Aber gewiss! Jedoch nicht einen Deut mehr als alle anderen Menschen in unserer Stadt auch. So brauche auch ich, und wäre ich tausend und tausende Male Raubmörder gewesen, nicht mehr und nicht minder wie alle anderen zu befürchten, Opfer eines Raubmordes zu werden. Und dass ich es, wie Du zu meinen scheinst, mehr verdiente als alle die anderen, was kümmert es mich, wenn dieser Verdienst keine konkrete Folgerung hat? Das sind leere Schatten, aber keine eines intelligenten Menschen würdigen Gründe nicht jene eine einzige Tat zu begehen, die mir Einkünfte für mein Leben erbringt.

Eine Weise: In keiner Gesellschaft wird es funktionieren, wenn man sich seinen Reichtum auf diese Art und Weise besorgt. Daher wird das bei Strafe verboten werden müssen. Und außerdem möchte niemand, daß er der Ausgebeutete ist. Verhalte Dich einfach so, wie Du anstelle des Betreffenden behandelt werden möchtest. Und da ist ein nettes "Guten Tag" halt am angebrachtesten. Das ist übrigens wirklich etwas, was schon Kindergartenkinder verstehen. Wieso hast Du nur solche Schwierigkeiten damit?

Rodion: Geschätzte Weise! Sei auch Du bedankt für Deinen Beitrag!

Die Gesellschaft, meinst Du, würde nicht funktionieren, wenn man sich Reichtümer auf diese Art holt. Ich schrieb ja bereits über den Mord am Juwelier Schatow, der zu später Stunde auf offener Straße überfallen und all seiner Pretiosen beraubt wurde, die er unvorsichtigerweise mit sich führte. Siehe, o Weise, er wurde beraubt, und "die Gesellschaft" funktionierte nach dieser Tat nicht anders als zuvor. Und soll ich tatsächlich glauben, es würde die Gesellschaft aufhören zu funktionieren, weil es eine alte Frau weniger auf der Welt gibt? Nun billige ich mir, das darfst Du mir, Weise, getrost glauben, keinen geringen Wert zu, mehr noch, ich bin mir selber der wichtigste aller Menschen, keiner ist mir bedeutender, als ich es mir selber bin, aber dass die Welt oder die Gesellschaft sich wegen einer meiner Taten änderte, so wichtig nun nehme ich mich denn doch wieder nicht. Die Gesellschaft wird unverzagt weiterfunktionieren, ob nun die Alte lebt, oder von meiner Hand stirbt.


Das ist übrigens wirklich etwas, das hier in meinem Viertel schon hungrige Straßenkinder verstehen. Wieso hast Du nur solche Schwierigkeiten damit?

Ein dritter Weiser:
Wo kämen wir hin, wenn wir alles in Frage stellen und immer und immer wieder analysieren bis der Relativismus über alle Prinzipien siegt! Mir platzt der Kragen! Das gibt es doch nicht! Erbärmliche Kreatur!
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Ich schätze, darauf müssen wir unsere Hoffnungen setzen in einer nachchristlichen Ära, die die christliche "utilitaristische Ethik" verwirft: auf das Fundament rechtschaffener moralischer Empörung. O weh! Wenn das nicht auf Sand bauen heisst.

Samstag, März 05, 2005

Byzanz - Europas östliches Erbe
Elfenbeinschnitzerei: Christus zwischen Petrus und PaulusIn der Archäologischen Staatssammlung in München ist zur Zeit die Sonderausstellung Die Welt von Byzanz - Europas östliches Erbe zu bestaunen, und zwar noch bis zum 3. April. Heute nachmittag bin ich durch die Ausstellung geschlendert. Ich muss meine Eindrücke erst noch sortieren und verinnerlichen, um ausführlicher über die Inhalte schreiben zu können. Die Ausstellungspädagogik der Archäologischen Staatssammlung, soviel kann ich sagen, ist nicht unbedingt überragend. Das mag nicht für den wissenschaftlichen Anspruch gelten, wohl aber für die Vermittlung an den normalen Besucher, also in etwa 99% aller jener, die von Exponat zu Exponat wandern. Das ist vielleicht die Achillesferse der Ausstellung von über 1000 Exponaten: ihre konventionelle Präsentation. Recht starr in Vitrinen oder Nischen aufgestellt und abgelegt, mit viel Text, sei es im Ohr mittels Audio-Guide, sei es im Auge bei den Exponaten mittels beschreibender Täfelchen. Es fehlt die sinnliche Komponente, die nicht vorrangig den Verstand anspricht. Religion und Liturgie waren zentrale Elemente der byzantischen Kultur. Warum dann nicht beispielsweise einen Hörraum schaffen, in dem etwa gesungene byzantinische Liturgie (Quicktime Audio) einen über den blossen Verstand hinaus gehenden akustischen Eindruck von dem geben kann, was zahlreiche Exponate lautlos benennen: die Ausrichtung von Byzanz auf den Christus Pantokrator, dessen (nicht nur) weltlicher Stellvertreter der - nein, nicht der Papst in Rom - sondern der oströmische Kaiser ist? So bleibt zu vieles an den Exponaten hängen, und für den Besucher, der sich ja nur für wenige Stunden Byzanz annähern kann, partikularisieren die vielen Gegenstände das große Ganze einer unglaublich reichen Kultur. Dass es auch anders geht, zeigte beispielsweise die letztjährige Ausstellung HerrschaftsZeiten - Glanz und Ende des Fürstbistums Passau, in der Veste Oberhaus in Passau, die weniger einzelne Exponate, als vielmehr den großen geschichtlichen und kulturellen Rahmen und Zusammenhang in den Mittelpunkt stellte. Sie erzählte die Geschichte von Menschen. Und damit wurde diese Epoche und diese Kultur, die ja versunken in der Zeit nicht minder erloschen ist wie jene der Byzantiner, über die Exponate für uns Heutige ein wenig lebendig und verständlich. Hinter den Exponaten, den Ikonen, Schmuckstücken, liturgischen Gerätschaften, Grabstelen, Stempel, Siegel und Messgeräten, hinter all diesen reich verzierten Gegenständen stehen Menschen, die sie schufen, benutzten, verehrten. Ein Exponat ist mehr als ein Ding, es ist Teil einer Geschichte.

Wer die Ausstellung sah - damit gebe ich einen einzelnen Gedankensplitter von meinem Gang durch die Ausstellung wieder - versteht, warum die Araber, die im 7. Jahrhundert plötzlich aus ihrer Wüste hervorbrachen, binnen kurzem mit großer Vehemenz als kraftvolle eigenständige Kultur hervortreten konnten: sie haben Schritt für Schritt Byzanz enterbt (beerben kann man's kaum nennen, denn freiwillig ging das byzantinische Reich sicher nicht unter).

des Blogs neue Kleider
Ich musste das Template meines Blogs ändern, die Archiv-Funktion, habe ich sie mir selber völlig zerschossen? oder unterstützt Blogger die alten Templates nicht länger? Jedenfalls wurden die Archive der letzten beiden Monate nicht mehr korrekt aufgelistet. Ohnehin war ich des etwas grellen Blaugrüns meines alten Templates müde geworden. Nun gut, die meiste Arbeit ist getan. Kleinigkeiten dort und da sind noch anzupassen.

Donnerstag, März 03, 2005

Konzert
Wolfgang Amadeus Mozart: Symphonie D-dur KV 202
Joseph Haydn: Konzert für Violoncello und Orchester D-Dur Hob. VIIb:2
Leonard Bernstein: Drei Meditationen aus "Mass" für Violoncello und Orchester
Ludwig van Beethoven: Symphonie Nr. 1 C-Dur op. 21

Mozarteum Orchester Salzburg, Dirigent Hubert Soudant, Solistin (Violoncello) Nina Kotova

Ohne Noten, mit beständig geschlossenen Augen: Nina Kotova heute abend, Mozarteum, Großer Saal, Bernstein und Haydn. Ein virtuoses Erlebnis. Der Dirigent als Erfüllungsgehilfe für ihr Spiel. Unglaublich, was der Mensch, diese eine von uns, zu leisten imstande ist.

Mittwoch, März 02, 2005

Wer wird der nächste Papst?
Eigentlich ist man (bin ich) der Spekulationen überdrüssig; Gerard o'Connells Artikel im Cicero-Magazin ist dennoch lesenswert. Ihm geht es weniger um ein Name-dropping, das Durchhecheln von mehr oder minder papabilen Kandidaten, als um das Ausleuchten diverser Hintergründe. o‘Connell sieht im kommenden Konklave mehrere Kräfte und Gruppierungen um einen Nachfolger Johannes Paul II ringen, die er als »Glaubensschützer«, »Brückenbauer«, »Versöhner« und »Neue Horizonte« sortiert.

Die »Glaubensschützer« sehen nach o'Connell die Gefahr, dass die katholische Identität verwässert wird oder im Ozean des modernen Relativismus, Säkularismus und Agnostizismus verloren geht. Zu den Vertretern dieser Richtung zählt er "Hardliner" wie Lopez-Trujillo (Kolumbien), Egan (USA) und Medina-Estevez (Chile), aber auch gemäßigte Vertreter wie Ratzinger (Deutschland), Scola (Italien) und Schönborn (Österreich) - diese drei werden auch als mögliche Nachfolger gehandelt - weiters Meißner (Deutschland), Pell (Australien), Martinez Somalo und Herranz (Spanien) und George (USA).

Die »Brückenbauer« bejahen den Dialog mit anderen Christen und anderen Religionen, und streben eine Zusammenarbeit in Fragen des Friedens, der Gerechtigkeit und der Menschenrechte an. Nach o'Connell könnte ihr Wahlspruch »Weniger Strenge, mehr Barmherzigkeit« lauten. Die »Brückenbauer« zerfallen ihrerseits in zwei Gruppen: die »Versöhner« und die Vertreter der »Neuen Horizonte«.

Die »Versöhner« versuchen Differenzen auszuräumen, Konflikte zu überwinden, gegensätzliche Positionen zu versöhnen. Kommunikation anstelle von Exkommunikation, Einbeziehen statt Ausschließen. Als Vertreter dieses Ansatzes nennt o'Connell Agnelo und Hummes (Brasilien), Bergoglio (Argentinien), Tettamanzi (Italien), Arinze (Nigeria) und Dias (Indien). Sie alle wurden schon als Kandiaten für die Felsenspitze des Amtes der Kirche genannt. Weitere Vertreter sind Martino, Re und Ruini (Italien), Wetter (Deutschland), Toppo (Indien), Vlk (Tschechien), Barbarin (Frankreich) und McCarrick (USA).

Die »Neue Horizonte« sind die risikofreudigste Gruppe. Sie drängen besonders auf den Dialog mit den anderen Christen sowie den Anhängern anderer Religionen, fordern ein höheres Maß an Kollegialität zwischen Papst und Bischöfen, streben eine Reform der Kurie an, und wollen die Kluft in Fragen der Sexualmoral zwischen dem kirchlichen Lehramt und jenen Katholiken überbrücken, die sich um diese Lehre und das Lehramt nicht kümmern. Wie sie allerdings dieses letztere Kunststück zustande bringen wollen, ist mir ein völliges Rätsel. Da wäre es vermutlich einfacher, vom Nachfolger in den Schuhen des Fischers das Jonglieren mit zwei Dutzend scharf geschliffener Schwerter zu verlangen. Als Vertreter dieser Position nennt o'Connell Danneels (Belgien) und Polycarpo da Cruz (Portugal, die nach ihm durchaus als Papst in Frage kämen, weiters Kasper und Lehmann (Deutschland), Darmaatmadja (Indonesien), Hamao (Japan), Napier Fox (Südafrika), Murphy O’Connor und Pompedda (Italien).

Wahlentscheidene Themen im Konklave sind nach Ansicht o'Connells die Beziehungen zu den anderen Weltreligionen, Gerechtigkeit und Friede, die Entchristlichung Europas, die Einheit der Christen sowie eine Begrenzung des Papstamtes. Auch wenn man (ich) nicht in allem zustimmen mag, ist der Artikel doch sauber recherchiert und nicht uninteressant.

Wer wird der nächste Papst? | Glaubensschützer oder Brückenbauer, Versöhner oder Dogmatiker? Je kränker Papst Johannes Paul II. ist, umso akuter wird die Suche nach einem geeigneten Nachfolger. Im Konklave des Vatikan werden am Tag X119 Kardinäle zusammenkommen und die Frage beantworten: Wer wird der nächste Papst? ... - [Cicero].

Das Geheimnis des Amtes
Klaus Berger über das Amt des Dieners der Diener Gottes, über den Dienst des Papsttums.

Friedrich: "Was ist dir geblieben von deinem Glauben?"
Anselm: "Das Wort, das Kreuz, die Felsenspitze des Amtes; gerade so viel, dass sie im Meer zu erkennen ist."
Reinhold Schneider (1903-1958): Innozenz und Franziskus

Die Felsenspitze des Amtes, "der Oberste", wie Berger es nennt, der eine, der gerade weil er ganz oben als der Eine steht, in Wahrheit der Letzte ist, jener eine eben, der unwiderruflich einstehen muss für das, was er vertritt. Jean Guitton schreibt in seinem »Dialog mit Paul VI« Papst Johannes XXIII hätte sich in den ersten Tagen seines Pontifikats bei dieser oder jener Frage, diesem oder jenem Problem, bei dem Gedanken ertappt: "Ich werde den Papst fragen" - um sich dann zu erinnern: "Aber das bin ja ich." Ein, wie Guitton schreibt, "unendlicher Unterschied. Man kann nicht mehr gehorchen und sich die Hände (in Unschuld) waschen."

In seinen Entscheidungen ist der Papst mit sich und seinem Glauben alleine. Er kann nichts nach oben hin abschieben, ihm ist die Unschuld des Gehorchens unwiederbringlich verloren, er steht alleine und nackt vor Gott, "einsam, in letzter, unaufschiebbarer Verantwortung", wie Berger sagt. Ausgesetzt auf der Felsenspitze des Amtes.

Das Geheimnis des Amtes | Die Welt hält den Atem an, wenn der Papst auch nur hustet. Das war bei Pius XII. nicht anders als bei Johannes XXIII. und bei Johannes Paul II. Die Welt blickt auf den Papst. Alle übrigen Staatsmänner und verbliebenen Monarchen wirkten stets nur wie dritte Wahl und waren seltsam blass und schemenhaft angesichts der ausnahmslos hervorragenden Päpste, die der Kirche im 20. Jahrhundert geschenkt wurden; denn zu den genannten kommen noch hinzu Leo XIII. in seinen letzten Jahren, Pius X. und Paul VI. Sie haben das Papsttum insgesamt zu einer Höhe des Ansehens geführt, die es in seiner Geschichte vielleicht unter Gregor dem Großen (+604), sonst aber nur selten hatte. – Gewiss, am Papsttum scheiden sich die Geister. Unvergessen ist der Aufschrei deutscher evangelischer Landesbischöfe vor etlichen Monaten: "Papst? Nie!" ... - [Cicero].

Dienstag, März 01, 2005

Papst Sylvester II: Papst Johannes Paul II wird wieder gesund
Nicht Sankt Peter, sondern San Giovanni in Laterano, die Lateranbasilika - CAPUT ET MATER ECCLESIARUM URBIS ET ORBIS | Haupt und Mutter der Kirchen der Stadt und des Erdkreises - wie die Inschrift an ihrem Eingang besagt, ist die eigentliche Bischofskirche des Papstes. In der Sakristei der Basilika befindet sich eine Statue, die marmorne Darstellung des Papstes Sylvester II. Um diese Statue rankt sich eine Legende. Sie soll, heisst es, bei einer tödlichen Erkrankung eines Kardinals feucht anlaufen; erkrankt aber gar ein Papst zum Tode, fällt die Feuchtigkeit in dicken Tropen zur Erde. Die Legende weiss auch zu berichten, dass man A.D. 1684 das Grab des Papstes Sylvester öffnete; sein Leichnam ward gänzlich unversehrt und unverwest aufgefunden, löste sich sodann aber in Luft auf.

Übrigens: vor drei Tagen noch soll die Statue völlig trocken gewesen sein.

Video-on-Demand: Sophie Scholl – Die letzten Tage
Bei den 55. Internationalen Filmfestspielen von Berlin ("Berlinale") hat der Film für Aufsehen gesorgt und viel Beifall ausgelöst: "Sophie Scholl – Die letzten Tage". Sophie Scholl war, wie auch ihr Bruder Hans, Mitglied der antifaschistischen Widerstandsgruppe "Die weiße Rose". Sie wurde am 22. Februar 1943 hingerichtet. Der Film schildert die letzten fünf Tage ihres Lebens und greift dabei auch auf bisher unveröffentlichtes Material zurück: auf Verhörprotokolle der Geheimen Staatspolizei des NS-Regimes. Im aktuellen ORIENTIERUNG-Beitrag kommen u.a. Oberkirchenrat Michael Bünker, der Zeithistoriker Winfried Süß und der ehemalige bayerische Kultusminister Hans Maier zu Wort. - [Orientierung: Kinofilm "Sophie Scholl – Die letzten Tage"].

Video-on-Demand-Beitrag aus Orientierung, dem aktuellen Religionsmagazin des ORF, über den Film Sophie Scholl – Die letzten Tage (Windows Media Video, 8:43): Video starten.

10 ml Glaube, intravenös
Glauben und Gesundheit »Die meisten Menschen beten für die eigene Gesundheit. In der Nacht vor einer Herzoperation, so zeigte eine US-Untersuchung, tun dies 97 Prozent aller Patienten.«

Eine alte Erfahrung: Not lehrt Beten. Mit gutem Grund: es hilft. Das Märzheft von Psychologie Heute widmet sich dem Thema Glaube und Gesundheit. Warum Hoffnung heilen kann. Laut dem Magazin bestätigen 1200 wissenschaftliche Untersuchungen, dass religiöse Menschen weniger leicht erkranken, im Krankheitsfalle schneller gesunden, sich nach Operationen rascher erholen, für Depressionen weniger anfällig sind, und weniger Schmerzmittel benötigen. Aus diesen Gründen beschäftigt sich auch die Schulmedizin vermehrt mit der heilenden Kraft der Religion. Dabei ist sie allerdings mit einem bislang ungelösten Problem konfrontiert: in welcher Form verabreicht man einem Patienten eine Dosis Glauben? Als Spritze, Pille, Tropfen oder Zäpfchen gibt es ihn nicht.