Montag, Februar 28, 2005

bemerkenswertes Tondokument
"As with all good things, the age of the castrati came to an end." - [The Last Castrato].
Schon seit der späten Antike wurden in Italien Knaben kastriert, um derart die Knabenstimme zu konservieren und zu erhalten. Das goldene Zeitalter der italienischen Opera seria ist zugleich das goldene Zeitalter der großen Kastratensänger, Virtuosen des androgynen Gesangs: Carestini, Caffarelli, Farinelli. Letzterer ist einem breiteren Publikum durch den ausgezeichneten Film Farinelli - Il castrato bekannt. Neben der Oper war es vor allem die Kirchenmusik, in der Kastraten brillierten. Zwar verbot die Kirche 1587 die Kastration, dennoch ignorierte sie selber in der Praxis dieses Verbot. 1780 sangen mehr als 200 Kastraten in Roms Kirchen. Im 19. Jahrhundert änderte sich der Geschmack, der Gesang der Kastraten war nicht mehr gefragt. 1870 schließlich verbot die Kirche endgültig die Kastration, wenngleich die bereits vorhandenen Kastraten im Chor der Sixtinischen Kapelle weiterhin beschäftigt wurden. Etwa 5 Jahre vor diesem Verbot wurde Alessandro Moreschi (1858-19229) der Kastration unterworfen. 1902 wurde seine Stimme auf Grammophon aufgenommen, die einzigen Soloaufnahmen eines Kastraten. Die Qualität der Aufnahme ist naturgemäß nicht berauschend, die Stimme gewöhnungsbedürftig; zudem ist Moreschi im Jahr 1902 wohl schon weit über seinen stimmlichen Höhepunkt hinaus, auch ist nicht gesagt, dass er einer der Großen seiner Zunft war. Schön ist, nach heutigen Maßstäben gesprochen, sicherlich anders. Dennoch: in Hinblick auf die Geschichte des künstlerischen Gesangs ein bemerkenswertes Tondokument. Ich habe vier Stücke dieser Aufnahme aus dem Jahr 1902 meiner SoundBlox-Sammlung hinzugefügt (Playlist »Alessandro Moreschi«).

Sonntag, Februar 27, 2005

woran wir glauben
Im Märzheft von Readers Digest wird über eine im Auftrag des Magazins durchgeführte Meinungsumfrage berichtet, die um 4 Fragen kreist:
  1. Glauben Sie an Gott?
  2. Glauben Sie an ein Leben nach dem Tod?
  3. Brauchen wir Religion, um zu erkennen, was richtig und was falsch ist?
  4. Sind Religionsgemeinschaften eine positive Kraft in der Welt?
Über 8000 Europäer in 14 Ländern bekamen Gelegenheit auf die Gretchenfrage zu antworten: "Nun sag, wie hast du's mit der Religion?"

1. Glauben Sie an Gott?
Polen: 97%
Portugal: 90%
Russland: 87%
Österreich: 84%
Spanien: 80%
Schweiz: 77%
Finnland: 74%
Ungarn: 71%
europ. Durchschnitt: 71%
Deutschland: 67%
Großbritannien: 64%
Frankreich: 61%
Belgien: 58%
Niederlande: 51%
Tschechien: 37%

2. Glauben Sie an ein Leben nach dem Tod?
Polen: 81%
Österreich: 67%
Schweiz: 64%
Spanien: 60%
Großbritannien: 58%
Portugal: 57%
europ. Durchschnitt: 53%
Finnland: 51%
Russland: 51%
Frankreich: 45%
Niederlande: 45%
Deutschland: 43%
Ungarn: 43%
Belgien: 37%
Tschechien: 36%

3. Brauchen wir Religion, um zu erkennen, was richtig und was falsch ist?
Polen: 86%
Russland: 78%
Schweiz: 54%
Ungarn: 53%
Portugal: 44%
Spanien: 44%
europ. Durschnitt: 43%
Österreich: 41%
Deutschland: 37%
Finnland: 32%
Belgien: 32%
Großbritannien: 31%
Tschechien: 27%
Niederlande: 25%
Frankreich: 24%

4. Sind Religionsgemeinschaften eine positive Kraft in der Welt?
Portugal: 79%
Polen: 78%
Spanien: 72%
Schweiz: 61%
Finnland: 53%
europ. Durchschnitt: 53%
Deutschland: 52%
Österreich: 51%
Ungarn: 50%
Großbritannien: 46%
Frankreich: 43%
Tschechien: 42%
Belgien: 39%
Russland: 36%
Niederlande: 34%

Das Abschneiden der Österreicher hat mich persönlich etwas überrascht. Wenn man der Umfrage glauben darf, sind nur die Polen, Portugiesen und Russen mehr von der Existenz Gottes überzeugt; bei der Frage nach dem Glauben an ein Leben nach dem Tod liegen gar nur die Polen vor den Österreichern. Bemerkenswert ist das Ergebnis für Russland, und zwar in der Betrachtung über alle Fragen hinweg. Zum einen der rasche Anstieg des Glaubens an Gott: 1990 bezeichnete sich gerade mal eine knappe Mehrheit der Russen als religiös; fünf Jahre später waren es schon beinahe 2/3, und nun also 87%. Zum anderen, dass die hohe Zustimmung zum Glauben an Gott nicht von einer ebenso hohen Zustimmung bezüglich des Glaubens an ein Leben nach dem Tode getragen wird: nur 51% der befragten Russen bekannten sich dazu. Den scheinbaren Widerspruch zwischen den Fragen 3 und 4 kann ich mir da schon eher erklären: vielleicht hätte man fragen sollen, ob sie (die Russen) die eigene Religion als positive Kraft in der Welt sehen; da hätte das Ergebnis vielleicht ganz anders ausgesehen. Die Russen sind in Hinblick auf andere Glaubens- und Religionsgemeinschaften, insbesondere dem Islam, gebrannte Kinder. Dass die (West- und Mittel)Europäer mehrheitlich meinen, die Frage nach Gut und Böse alleine und ohne die Richtschnur einer in Gott begründeten Ethik beantworten zu können, ist nicht weiter überraschend. Der Mensch als Maß aller Dinge. Die Früchte dieser Überzeugung zeichnen sich bereits ab, wenngleich natürlich die Nutznießer dieser "Moral" jener, die es ins Leben schafften und sich dort bislang zu halten verstanden, und die sich als Humanismus hochstapelt, nicht erkennen, wie bitter diese mitunter sind. Dieser Glaube an den Menschen hat schon etwas furchtbar Naives. Furchtbar ist das treffende Wort: eine solche Naivität ist nämlich nicht unbedingt liebenswert, viel eher schon Grund zum Fürchten.

Donnerstag, Februar 24, 2005

PhotoBlox
PhotoBlox - die naheliegende Fortsetzung zu SoundBlox. In meinem Blog am Ende der Linkleiste, im Anschluß an den MP3-Player. Die Slideshow Pietà besteht aus Aufnahmen des Fotographen Robert Hupka. 1964, bei der Präsentation von Michelangelos Meisterwerk auf der Weltausstellung in New York, versuchte Hupka den Zauber dieses Stücks fotographisch auszuleuchten. 5000 Fotos umfasst dieser Versuch. Einige Dutzend davon konnte meine Frau und ich im Juni 2004 bei einer Sonderausstellung im Braccio di Carlo Magno in Rom bewundern.

Jetzt wird mein Elend voll, und namenlos
erfüllt es mich. Ich starre wie des Steins
Inneres starrt.
Hart wie ich bin, weiß ich nur Eins :
Du wurdest groß -
... und wurdest groß,
um als zu großer Schmerz
ganz über meines Herzens Fassung
hinauszustehn.
Jetzt liegst du quer durch meinen Schoß,
jetzt kann ich dich nicht mehr
gebären.
Rainer Maria Rilke (1875-1926): Marienleben, Pietà

Mittwoch, Februar 23, 2005

Liquide
Die Zukunft des Web? Oder Informationoverflow? An der Universität London wird an einer Steigerung der Interaktivität von Texten im WWW gearbeitet. Liquid Web nennt sich das Vorhaben, das auf nichts geringeres denn die Etablierung eines neuen Standards für das Internet abzielt. Neben die herkömmliche Verlinkung von Websites soll ein umfassendes System aus verlinkten Hyperwörtern treten. Das System lässt sich bereits testen, jede beliebige Website kann auf diese Art "verhypertextet" werden; ich hab's an meinem Blog ausprobiert.

Video-on-Demand: Die Prophezeiungen von Fatima - Der Tod der letzten 'Seherin'
Als letztes der drei portugiesischen Hirtenkinder, denen im Jahr 1917 in der Nähe von Fatima sechs Mal die Gottesmutter Maria erschienen sein soll, ist am vergangenen Sonntag Lucia dos Santos gestorben. ... - [Orientierung: Die Prophezeiungen von Fatima: Der Tod der letzten 'Seherin'].

Video-on-Demand-Beitrag aus Orientierung, dem aktuellen Religionsmagazin des ORF, anläßlich des Todes von Schwester Lucia de Jesus dos Santos(Windows Media Video, 4:26): Video starten.

Video-on-Demand: Lust auf Askese
Fasten ist wieder "in". Alle Religionen kennen das Ritual vorübergehender Entsagung. In unserer Wohlstands- und Wellness-Gesellschaft kehrt die Lust auf Askese in Form von Fastenkuren, Nulldiät und anderen Formen des Verzichts zurück - mindestens jeder vierte Österreicher reduziert nach Feiertagen und in der vorösterlichen Fastenzeit seinen Fleisch- und Alkoholkonsum. ... - [ORF philosophicum: Lust auf Askese].

Die ORF Philosophicum-Diskussion als Video-on-Demand (Windows Media Video, 55:40): Video starten.

[aufgelesen]
In einem Schauspielhause geschah es, daß die Kulissen Feuer fingen; der Bajazzo trat vor, um das Publikum davon zu benachrichtigen. Man glaubte, es sei ein Witz, und applaudierte. Er wiederholte die Anzeige: man jubelte noch lauter. So, denke ich, wird die Welt unter allgemeinem Jubel witziger Köpfe zu Grunde gehen, die da glauben, es sei ein Witz.
Søren Kierkegaard (1813-1855): Entweder-Oder.

Dienstag, Februar 22, 2005

Doch besser fürwahr lacht keiner, als wer am Ende lacht
Einer alten Tradition zufolge lade ich meinen besten Freund, den Maler Ruben R. Baumgartner, zu seinem Geburtstag in eine Opernaufführung ein. Und einer ebenso alten Tradition folgend, erwidert er diese Einladung zu meinem Geburtstag. Seinen Geburtstag verbrachten wir mit Don Giovanni, Il Dissoluto punito; zu meinem suchten wir den wohlbeleibten Ritter Sir John Falstaff heim, wenngleich mit leichter Verspätung: mein Geburtstag war bereits im November - doch besser fürwahr lacht keiner, als wer am Ende lacht.

Tutto nel mondo é burla. | Alles ist Spass auf Erden.
L'uom é nato burlone, | Der Mensch ein geborener Tor,
La fede in cor gli ciurla, | Und glauben wir weise zu werden,
Gli ciurla la ragione. | Sind dümmer wir als zuvor.
Tutti gabbati! Irride | Lauter Gefoppte! Weil Einer
L'un l'altro ogni mortal. | Den Andern zum Narren macht.
Ma ride ben chi ride | Doch besser fürwahr lacht Keiner
La risata final. | Als wer am Ende lacht.

Eine Rezension zur Premiere von Verdis Alterswerk - die amourösen Abenteuer des alten Haudegens sind seine letzte Oper »ma ride ben chi ride la risata final« - gegeben auf der kleinen, intimen Bühne des Salzburger Landestheaters, im Ö1 Morgenjournal vom 29. Jänner 2005: Salzburg "Falstaff"-Premiere (Windows Media Audio, 2:40).

Klagen des Propheten Jeremia
Incipit lamentatio Ieremiae prophetae: | Hier beginnen die Klagen des Propheten Jeremia:
Aleph. Quomodo sedet sola civitas plena populo: facta est quasi vidua domina gentium, princeps provinciarum facta est sub tributo. | 1. Wie liegt die Stadt so wüst, die voll Volks war! Sie ist wie eine Witwe! Die Fürstin unter den Heiden; und die eine Königin in den Ländern war, muss nun dienen.

Beth. Plorans ploravit in nocte, et lacrimae eius in maxillis eius: non est qui consoletur eam ex omnibus caris eius: omnes amici eius spreverunt eam, et facti sunt ei inimici. | 2. Sie weint des Nachts, dass ihr die Tränen über die Wangen laufen; es ist niemand unter allen ihren Freunden, der sie tröstet; alle ihre Nächsten sind ihr untreu und ihre Feinde geworden.

Ierusalem, Ierusalem, convertere ad Dominum Deum tuum. | Jerusalem, Jerusalem, kehr zurück zu Gott, deinem Herrn.
Thomas Tallis (1505 - 1585): The Lamentations Of Jeremiah, Lamentations I (MP3).

Montag, Februar 21, 2005

(K)eine Sensation: der Sarkophag des Heiligen Paulus
Laut CWN wurde von vatikanischen Archäologen der Sarkophag des Heiligen Paulus entdeckt. Der Sarkophag beindet sich unter dem Hauptaltar der Basilika Sankt Paul vor den Mauern in Rom. Der heutige Kirchenbau erhebt sich auf den Mauern der ersten Sankt-Pauls-Basilika, die Kaiser Konstantin über dem Grab des Apostels errichten ließ. Auf Höhe der Grundmauern dieses ersten Kirchenbaus entdeckte die Archäologen eine Marmortafel mit der Inschrift "PAULO APOST MART". Einer der Archäologen meinte, dass überraschenderweise niemand jemals daran gedacht hätte, hinter diese Tafel zu schauen. Als ihr Team dies tat, entdeckte es den Sarkophag, der mutmaßlich die Gebeine des Apostelfürsten enthält.

Archeologists discover St. Paul's tomb
| Vatican archeologists believe that they have identified the tomb of St. Paul in the Roman basilica that bears his name. A sarcophagus which may contain the remains of St. Paul was identified in the basilica of St. Paul Outside the Walls, reports Giorgio Filippi, a archeology specialist with the Vatican Museums. The sarcophagus was discovered during the excavations carried out in 2002 and 2003 around the basilica, which is located in the south of Rome. Having reached what they believe is a positive identification of the tomb, Vatican experts will soon make a public announcement of their discovery. - [Catholic World News].

Etwas ausführlicher in diesem Blog: St. Paul's tomb found | An initial survey enabled archeologists to reconstruct the shape of the original basilica, built early in the 4th century. A second excavation, under the main altar of the basilica, brought the Vatican team to the sarcophagus, which was located on what would have been ground level for the original 4th-century building. Under the altar was a marble plaque was still visible, dating back to the 4th century, and bearing the inscription: "Apostle Paul, martyr." Filippi remarks that surprisingly, "Nobody ever thought to look behind that plaque." When the Vatican team looked, they found the sarcophagus. ... - [Ecce Homo].

Eine sensationelle Entdeckung?

Early Roman Christian Cemeteries | ... Tomb of St. Paul. The body of St. Paul was buried on the Ostian Way, near the place of his martyrdom (ad Aquas Salvias) on the property (in proedio) of Lucina, a Christian matron. St. Anacletus, second successor of St. Peter, built a small memoria or chapel on the site, and about 200 the Roman priest Caius refers to it (Euseb., H.E., ii, 25) as still standing. From 258 to 260 the body of St. Paul with that of St. Peter lay in the "Platonia" of St. Sebastian; in the latter year, probably, it was returned to its original resting-place. In the meantime a cemetery had been growing in the aforesaid proedium of Lucina. Constantine replaced the little oratory of Anacletus with a great basilica. Under Gregory XVI, the sarcophagus of St. Paul was discovered, but not opened. Its fourth-century inscription bears the words PAULO APOST MART (Paul, Apostle and Martyr). ... - [The Catholic Encyclopedia].

Vielleicht hätten die Archäologen mal in ein gutes katholisches Lexikon schauen sollen.

Westerwelles moralische Fehlleistung
In der Franziskanerkirche in Salzburg wurde die letzten beiden Sonntage, erster und zweiter Sonntag der Fastenzeit, Erzbischof Alois Kothgassers diesjähriger Fastenhirtenbrief Wähle das Leben! in leicht gekürzter Form verlesen. Der Brief an die Gläubigen ist sehr lange, ich glaube, so an die 15 Manuskriptseiten, daher auch die Aufteilung auf zwei Sonntage. Zur Zeit empört sich wieder halb Deutschland über den Papst, Guido Westerwelle, der ja stets mit Begeisterung die jeweils aktuelle Welle der Volksmeinung reitet, brachte die öffentliche Empörung auf folgenden Punkt: "Den Holocaust und Abtreibung in einen Zusammenhang zu stellen ist eine bestürzende moralische Fehlleistung. Wer wie die katholische Kirche Verhütung verdammt, hat kein Recht, Frauen in Not zu kriminalisieren."

Von der Öffentlichkeit fast unbeachtet blieb hingegen der Fastenhirtenbrief unseres Erzbischofs. Was eigentlich verwunderlich ist, denn der Brief ist in manchen Passagen von ungewohnter Schärfe und Deutlichkeit. Nicht nur, dass darin wiederholt Abtreibung und Euthanasie als verabscheuungswürdige Verbrechen bezeichnet werden, wird in der Sache auch zur Absage und zum zivilen Ungehorsam und Widerstand gegen einen Staat und eine Gesellschaft aufgerufen, die Leben vernichtet, als wäre es nur eine chemische Reaktion, das hektische Zucken einiger Zellen, die ohne Gewissensbisse im nächsten Ausguss entsorgt werden können.

"... Abtreibung und Euthanasie sind also Verbrechen; diese für rechtmäßig zu erklären, kann sich kein menschliches Gesetz anmaßen. Gesetze dieser Art rufen nicht nur keine Verpflichtung für das Gewissen hervor, sondern erheben vielmehr die schwere und klare Verpflichtung, sich ihnen mit Hilfe des Einspruchs aus Gewissensgründen zu widersetzen. Seit den Anfangszeiten der Kirche hat die Verkündigung der Apostel den Christen die Verpflichtung zum Gehorsam gegenüber der rechtmäßig eingesetzten staatlichen Autoritäten eingeschärft (vgl. Röm 13,1-7; 1 Petr 3,13-14), sie aber gleichzeitig entschlossen ermahnt, dass man »Gott mehr gehorchen muss als den Menschen« (Apg 5,29). ..."

Westerwelle, auf Höhe der Schaumkrone der Empörung, wirft der Kirche vor, sie würde "Frauen in Not kriminaliseren". Erzbischof Kothgasser hingegen erinnert in seinem Brief daran, dass keine Schuld ohne Vergebung bleibt, wenn nur die Schuld eingesehen und angenommen wird.

"... Als Christen wissen wir, dass selbst das Unrecht des Tötens durch Gott Vergebung finden kann. Vor Gott muss keine Frau mit ihren Ängsten, Selbstzweifeln und Schuldgefühlen allein bleiben. Vergebung und Versöhnung meinen jedoch etwas anderes als die in unserer Gesellschaft weit verbreitete Haltung der Gleichgültigkeit gegenüber dem geschehenen Unrecht. Vergebung ist nur möglich, wenn Schuld nicht heruntergespielt oder verdrängt, sondern eingesehen und angenommen wird. Wo dies geschieht, ist bereits der erste Schritt zur Vergebung und Versöhnung und damit zur Neuorientierung des Lebens getan.

In diesem Zusammenhang gewinnt das Wort »Ich spreche dich« los im Namen und im Auftrag Jesu ein unerhörtes Gewicht. Papst Johannes Paul II. wendet sich an die Frauen, die sich in solcher Situation befinden, und bittet sie: »Die Wunde in eurem Herzen ist noch nicht vernarbt. Was geschehen ist, war und bleibt in der Tat zutiefst unrecht. Lasst euch jedoch nicht von Mutlosigkeit ergreifen und gebt die Hoffnung nicht auf. Sucht vielmehr das Geschehene zu verstehen und interpretiert es in seiner Wahrheit. Falls ihr es noch nicht getan habt, öffnet euch voll Demut und Vertrauen der Reue: Der Vater allen Erbarmens wartet auf euch, um euch im Sakrament der Versöhnung seine Vergebung und seinen Frieden anzubieten. Ihr werdet merken, dass nichts verloren ist, und werdet auch euer Kind um Vergebung bitten können, das jetzt im Herrn lebt.« ..."

Bei diesem Zitat des Papstes unterbrach der Priester seinen Vortrag des Briefs und meinte, noch nie hätte das Lehramt in so eindeutiger Weise darauf verwiesen, dass alle diese Kinder nicht an einen diffusen limbus infantium verloren sind, vielmehr leben diese Kinder im Herrn. Das ist weitab der Verlorenheit von Schuld, fern jeglicher Kriminalisierung. Da ist Hoffnung. Aber ein Westerwelle, hoch oben auf der Woge schäumender Empörung - oder was immer er gerade für eine Welle hält - kann einen solchen Gedanken natürlich nicht begreifen. Dazu ist er zu seicht.

Sonntag, Februar 20, 2005

Soundblox
Eigentlich hatte ich nur nach einer Möglichkeit gesucht Firefox die lästige Angewohnheit auszutreiben ein in diesen Beitrag eingebettetes Video-on-Demand bei Aufruf des Blogs automatisch abzuspielen. Da half kein "autostart=false", schon gar nicht Heulen und Zähneknirschen: bei jedem Aufruf des Blogs begann das rund einstündige Video abzulaufen und musste sozusagen händisch per Mausklick gestoppt werden. Zwar wurde ich nicht fündig, dafür stieß ich bei meiner Suche auf Soundblox, einen MP3-Player als Internet-Applikation. Ich zitiere ja öfter einmal Musikstücke in meinem Blog, die dann über die Monate hinweg im Archiv versinken, zudem noch sich über etliche Seiten hinweg völlig unsystematisch verteilen. Warum also nicht alle diese Stücke in diesem Player sammeln?

Nach einigen Anlaufschwierigkeiten konnte ich Soundblox dann schließlich doch noch zum Laufen bringen. Der Player ist in meine Linkleiste eingebettet, ganz an deren Ende. Bislang habe ich Stücke von Francis Poulenc (Quatre motets pour un temps de pénitence; Gloria) sowie von Georg Friedrich Händel (Der Messias) im Player aufgelistet. Im Laufe der Zeit werde ich die Sammlung noch ausbauen.

Beim ersten Abspielen der Stücke kann es zu gewissen Verzögerungen kommen: "There is a longer delay when playing an MP3 file for the first time. This occurs because the source MP3 must be transferred from the original URL location to the server hosting the SoundBlox application, and from there to the requesting client Web browser. After the first request of the MP3, it is cached on the SoundBlox server to speed up subsequent requests. MP3 files are also cached at each requesting Web browser, speeding up any replays of the file at the requesting client computer. To speed response for your users, you may wish to invoke the first play of each song in your playlist."

Die Stücke von Poulenc sind schon "gespeeded" (wie es so schön auf Internetdeutsch heisst), Händel ist noch in Arbeit. Falls etwas nicht klappt mit dem Player, oder auch ein Stück sich nicht abspielen lässt, schreibt mir bitte einen entsprechenden Kommentar. Mag ja auch sein, dass ich mich einfach nur bei der Webadresse einer MP3-Datei verschrieb, und der Player deshalb keinen Mucks von sich gibt.

Die Bedienung des Players ist ziemlich einfach, wer den Media-Player kennt, wird damit keine Schwierigkeiten haben. Übrigens: ich gebe es zu, der Player ist ein gut Stück auch Spielzeug von mir. Nicht unbedingt notwendig, aber halt Spass.

Freitag, Februar 18, 2005

Mein erwählter Weinberg
Vinea mea electa, ego te plantavi: quomodo conversa es in amaritudinem, ut me crucifigeres et Barrabam dimitteres. Sepivi te et lapides elegi ex te et aedificavit turrim. | Mein erwählter Weinberg, ich habe Dich gepflanzt: Warum bist Du bitter geworden, dass Du mich kreuzigst und Barrabas loslässt? Ich umfriedete Dich und entfernte die Steine aus Dir und erbaute einen Turm.


Francis Poulenc (1899-1963): Quatre motets pour un temps de pénitence, Vinea mea electa

Donnerstag, Februar 17, 2005

Der Blogmos wider »Vatikan-ähnliche Geheimbünde«
Vor einigen Tagen trat der CNN-Nachrichtenchef Eason Jordan von seinem Posten zurück. Oder wurde von CNN zurückgetreten. Der Auslöser für den Rücktritt: die Blogosphäre, der Blogmos. Wenig durchdachte Äusserungen, früher folgenlos dahingesagt, mutieren in ihr zu Steine. Einmal in den Blogmos versenkt, werfen sie Wellen auf. Manche davon türmen sich auf zu richtigen Brechern.

Bei lockerer Plauderei in kleinem Kreise am Rande des Weltwirtschaftsforums von Davos deutete Jordan an, die US-Armee hätte im Irak wissentlich Journalisten getötet. Das hörte Rony Abovitz, der vom Weltwirtschaftsforum aus bloggte. Und er schrieb auch über diese Äusserung: "Schießen US-Truppen auf Journalisten im Irak?" Ein kleiner Stein im großen Teich des Blogmos. Und der schlug Wellen. Der Bericht hüpfte von Blog zu Blog. Sieben Millionen Blogger umfasst die informelle Gegenöffentlichkeit zu den üblichen Medien. Da wird aus einer ganz kleinen Welle mitunter sehr schnell ein Brecher. Die sich hochschaukelnde Diskussion brach Jordan am Ende das Genick: er trat zurück (oder wurde zurückgetreten). Die Macht des Blogmos war gegen ihn.

Und was hat das mit »vatikan-ähnliche Geheimbünde« zu tun? "Vor fünf Jahren hatten die Macher der 'New York Times' noch mehr Macht als heute. Wenn sich Journalisten der 'Times' geirrt hatten, dann brachte man Tage später eine kaum auffindbare Korrektur. (...) Ein vatikanähnlicher Geheimbund ließ größere Kritik erst gar nicht nach außen dringen. Doch das Internet hat das alles geändert. Die Öffentlichkeit der Weblogs hat einen ganzen Chor öffentlicher Kritik und ein kritisches Bewusstsein über die Macher der 'Times' geschaffen. Diese Formen neuer Öffentlichkeit haben letztlich Transparenz in eine der geheimsten und verschworensten aller Institutionen gebracht." (Andrew Sullivan: The Internet did it, 5.6.2003).

Neue Öffentlichkeiten, neue Codes | Äußerungen in scheinbar vertraulichen Runden können im Zeitalter von Blogs nachhaltige Folgen haben. Der Rücktritt des CNN-Nachrichtenchefs Eason Jordan sorgt seit einigen Tagen nicht nur für Aufsehen bei Medienmachern. "Guardian", "Business Week" und Co. sehen in dem Rücktritt ein weiteres Indiz für einen Umbruch in der Medienlandschaft.Was war passiert? Jordan hatte bei einem "Kamingespräch" am Rande des Weltwirtschaftsforums von Davos Andeutungen gemacht, dass die US-Armee im Irak wissentlich Journalisten getötet habe. ... - [ORF].

Karl Kraus und die Blogger | War die "Fackel" von Karl Kraus ein Vorläufer der Blogs? In einer Zeit, da Blogger zeigen, dass man zur Bildung publizistischer Öffentlichkeiten nicht mehr etablierte Medienhäuser braucht, erfährt auch das "Fackel"-Projekt von Karl Kraus neue Bedeutung. Vieles, was die "Fackel" gerade in ihren ersten Jahrzehnten auszeichnete, macht deutlich, wie eng das Projekt von Kraus mit dem eines Weblogs verwandt ist. ... - [ORF].

Bei uns allerdings sind Blogs noch nicht einmal ein Kräuseln in der öffentlichen Wahrnehmung, von katholischen Weblogs ganz zu schweigen. Der Vatikan und seine Geheimbünde haben vor uns nichts zu fürchten. Der katholische Blogmos ähnelt eher einer seichten Pfütze, denn einem wilden Ozean.

Der Rebell
In der Zeit ein Artikel über Karol Wojtyla, den Papst aus Polen. Alte Freunde, Zwangsarbeiter unter den Nazis, Schauspieler, Priester, Erzbischof, Nowa Huta, Solidarnosz: Anekdoten. Etwas Kritik darunter gemischt. Ziemlich seicht.

Der Rebell | Viele Deutsche halten den Papst für reaktionär. Das versteht kein Pole. In seiner Heimat verehrt man ihn als charismatischen Widerstandskämpfer – und leidet ganz besonders mit dem Schwerkranken.

Mieczyslaw Malinski zelebriert das Mysterium der Wandlung. Der Priester steht in goldglitzerndem Messgewand in der Kirche des heiligen Franz Sales in Krakau und hält die Hostie in die Höhe. Von ferne sieht Malinski ein wenig aus wie Samuel Beckett: Sein Gesicht ist tief zerfurcht, er trägt einen kurzen Igelschnitt. Es ist bitterkalt. Und es kommt einer Erlösung gleich, als die Gemeinde – Geschäftsmänner und alte Mütterchen, Arbeiter und kleine Kinder – ein letztes, etwas schleppendes Lied anstimmt und schließlich in die Gassen der Altstadt strömt. In der Sakristei, einem kleinen Nebenraum des Gotteshauses, empfängt Malinski Besucher. »Über den Papst wollen Sie etwas erfahren?«, fragt er nach langem Zögern. »Und Sie kommen aus Berlin?« Er überlegt. »Gut, ich möchte mal wieder Deutsch sprechen.« ... - [Die Zeit].

zwielichtige Investitionen
Diözese Gurk durchforstet Aktiengeschäfte | Die Diözese Gurk trennt sich von bedenklichen Finanzgeschäften. Bischof Alois Schwarz hat angeordnet, alle "unethischen Investitionen" aufzugeben. Die Diözese Gurk habe bisher ohne ihr Wissen Kriegsflugzeuge, Abtreibungen, Korruption, Kinderarbeit und Tierversuche mitfinanziert. ... - [ORF Kärnten].

Die Meldung kam auch im Radio, als Beitrag im Ö1 Mittagsjournal: Diözese Gurk trennt sich von "unethischen Investitionen (Windows Media Audio, 2:14).

Mittwoch, Februar 16, 2005

Furcht und Zittern
Timor et tremor venerunt super me; et caligo cecidit super me miserere mei Domine miserere quoniam, in te confidit anima mea. | Furcht und Zittern kamen über mich und Finsternis überfiel mich, erbarme dich meiner, Herr, erbarme dich, denn meine Seele vertraut auf Dich.

Exaudi Deus deprecationem meam quia refugium meum es tu et adjutor fortis Domine invocavi te non confundar. | Gott, erhöre mein Flehen, denn du bist meine Zuflucht und mein starker Helfer, o Herr. Ich rufe dich an und werde nicht verderben.


Francis Poulenc (1899-1963): Quatre motets pour un temps de pénitence, Timor et tremor

Kreuz & Quer: Soll der Papst zurücktreten?
Die ORF Religion-Diskussion von gestern als Video-on-Demand heute (Windows Media Video, 57:19): "Doris Appel stellt drei Papst-Experten Fragen zu einem möglichen Rücktritt des Papstes, zur Person Johannes Pauls II. und zur Zukunft des Petrus-Amtes."



Firefox startet das Video bei Aufruf des Blogs jedesmal automatisch, ein nicht gewünschter Effekt, den ich leider nicht zu beheben weiss. Aus diesem Grund habe ich den Link zum Video unwirksam gesetzt. Wer das Video sehen will, klicke hier: Video starten. Es läuft im Windows Media Player.

Dienstag, Februar 15, 2005

Soll der Papst zurücktreten?
Heute im ORF 2: Kreuz & Quer Spezial: Soll der Papst zurücktreten? Eine Live-Diskussion mit prominenten Experten.

Wie wird man eigentlich zum Experten für Papst-Rücktritt? Wie qualifiziert man sich dafür? Laut der Wikipedia ist ein Experte "... eine Person, die über umfangreiches Wissen auf einem oder mehreren bestimmten Fachgebieten oder über spezielle Fähigkeiten verfügt. Auch ein Wissensvorsprung gegenüber dem Durchschnitt kann einen Fachmann definieren. Neben dem theoretischen Wissen ist auch eine kompetente Anwendung desselben, also praktisches Handlungswissen, kennzeichnend. Solche Fertigkeiten gründen sich meist auf Training sowie Talent."

Umfangreiches Wissen bezüglich Papstrücktritte? Wann trat nochmal Coelestin V. zurück? Vor über 700 Jahren? Und welche Fähigkeiten sowie praktische Fertigkeiten sollen die geladenen Experten besitzen, die sie sich durch "Training sowie Talent" erwarben? Das ist wohl schon eine Weile her, das da jemand praktische Erfahrungen sammeln konnte.

Der ORF jedenfalls lud als "Experten" den ökumenischen Theologen Gisbert Greshake, Pater Eberhardt von Gemmingen, Chef der deutschsprachigen Redaktion von Radio Vatikan, sowie Adolf Holl, Kulturphilosoph und Autor des Buches Falls ich Papst werden sollte. Interessant, was Holl zum Experten deklariert. Damit könnte ich auch dienen. Im zarten Alter von 6 oder 7 Jahren entzückte ich meine Großmutter mit der Ansage, ich wollte, wenn ich erst groß bin, Papst werden. Es war wohl bei der Übertragung des päpstlichen Segens Urbi et Orbi im Fernsehen. Ich schätze, damit habe ich mich eindeutig lange vor Holl als Experte qualifziert. Warum nur hat der ORF mich nicht in die Runde geladen?

Übrigens fängt die Sendung jetzt an. Ohne mich!

Viel zu lange hat eine fundamentalistische Auffassung der Liturgie unsere Möglichkeiten zur kreativen Gestaltung der Eucharistie behindert
Stones. Ein Cartoon auf Catholicism Wow. Sieht man mal wieder, dass der Linzer Slogan - »in Linz beginnt's« - lokalpatriotisch übertrieben ist. Linz hüpft auch nur nach, was andere vorgesprungen sind.

Laufe dem Glauben nicht nach
"... Wenn ich deinen Gott gesehen hätte, in Fleisch und Blut, so käme eine Art Fieber über mich. Wenn ich davon überzeugt wäre, dass es wirklich einen Gott gibt, dem das Schicksal der Menschen nicht völlig schnurz ist, der sie wie ein Vater beobachtet und sich wie eine Mutter ihrer annimmt ... In dem Falle käme mir bestimmt kein Unsinn in der Art von »Bei jeder Frage gibt es unterschiedliche Aspekte« und »Wir müssen den Glauben anderer Menschen respektieren« in den Sinn. Ich würde nicht einfach nur deshalb zu anderen Leuten nett sein, weil ich hoffe, dafür irgendwann einmal göttlichen Lohn zu empfangen. Solch ein Verhalten wäre mir unmöglich, wenn die Flamme des Glaubens wie ein erbarmungsloses Schwert in mir brennen würde. Ich spreche hier von »brennen«, Herr Himmelwärts, und genau darauf läuft es hinaus. Du sagst, dass eure Kirche inzwischen niemanden mehr auf dem Scheiterhaufen verbrennt oder opfert, aber wahrer Glaube würde genau das bedeuten, verstehst du? Das eigene Leben der Flamme opfern, Tag für Tag, die Wahrheit verkünden, dafür arbeiten, ihre Essenz atmen. Das ist Religion. Alles andere beschränkt sich darauf, einfach nur ein wenig nett zu sein und ein gutes Verhältnis zu den Nachbarn zu pflegen. ... So würde ich denken und fühlen, als wahre Gläubige. Und ich fürchte, so etwas kommt derzeit nicht in Frage, denn wenn man heute etwas Böses sieht, muss man offenbar mit den Händen ringen und sagen: »Ach du meine Güte, wir müssen darüber diskutieren.« Nein, davon halte ich nichts, denn es hieße die Dinge ruhen zu lassen. Laufe dem Glauben nicht nach, denn du wirst ihn nie einholen. ... Aber vielleicht kannst Du ein Leben auf seiner Grundlage führen."
Terry Pratchett (1948- ): Ruhig Blut!

Ach du meine Güte, darüber müssen wir aber wirklich diskutieren!

Montag, Februar 14, 2005

St. Valentin
Das ist nicht so einfach mit dem Heiligen Valentin und seinem Tag. War er nun Bischof von Terni oder ein Priester in Rom? Oder ist der römische Priester oder der Bischof von Terni mit dem Heiligen Valentin von Viterbo ident? Sein Festtag, der 14. Februar, das ist heute, war im Mittelalter ein Tag schlechten Omens, da an diesem Tag Judas Iskariot geboren worden sein soll. Feiert einer von Euch, liebe Besucher meines Blogs, heute Geburtstag? Hoffentlich nicht! Dem Volksbrauch zufolge soll alles, was am 14. Februar geboren wird, wenig Glück, dafür aber einen frühen Tod haben. Auch für das Vieh ist heute ein Unglückstag, daher musste es an diesem Tage nicht arbeiten - Glück im Unglück für's liebe Vieh, könnte man sagen.

Dabei ist der Heilige Valentin, ob er nun Priester in Rom oder Bischof in Terni war, eher zufällig auf diesen Tag gekommen. Weihnachten wurden früher nämlich nicht am 24. Dezember, sondern am 6. Jänner gefeiert. Nach mosaischem Gesetz musste ein Neugeborener 40 Tage nach der Geburt in den Tempel gebracht werden. 40 Tage nach Weihnachten, das war, rechnet man vom 6. Jänner aus, der 14. Februar. Als Papst Liberius im Jahr 354 Weihnachten auf den 25. Dezember verlegte, verlor der 14. Februar sein Fest, nämlich die Darstellung des Herrn - Mariä Lichtmess - und damit seine Bedeutung. Der Heilige Valentin musste die Lücke füllen. 1970, bei der Reform des römischen Generalkalenders, flog Valentin aus dem Kalender. Dennoch hat der Tag des Heiligen Namen behalten, ob ihm nun der Priester oder der Bischof Pate stand.

Mein Valentinstaggeschenk an meine Frau: ein Blumengebinde in einer kleinen Vase aus rotem Glas.

Schwester Lucia de Jesus dos Santos gestorben
Im Alter von 10 Jahren soll ihr, ihrem Cousion Francisco Marto und dessen Schwester Jacinta in der Nähe des Dorfes Fatima die Jungfrau Maria erschienen sein. Am Sonntag ist Schwester Lucia, als letztes der "Seherkinder", verstorben.

Sister Lucia, Last of Children to See Fatima Virgin Dies at 97 | Lucia de Jesus dos Santos, the last of three children who saw the Virgin at Fatima and who revealed a vision the Catholic Church said foretold the attempt to kill Pope John Paul, died on Sunday, the Church said. Dos Santos, 97, who later became a nun, was the eldest of the shepherd children who in 1917 told of seeing apparitions of the Virgin Mary six times. She died at her Carmelite convent at Coimbra in central Portugal. ... - [Catholic online].

"Das sind die, welche aus der großen Drangsal gekommen sind"
Am Samstag wurde in Brasilien, nahe der Gemeinde Anapu im nördlichen Urwald-Bundesstaat Pará, die Dominikanernonne Dorothy Stang ermordet. Schwester Stang setzte sich besonders für die Erhaltung des Regenwaldes und die Rechte der örtlichen Landbevölkerung ein. Der Tat verdächtig sind zwei Auftragskiller. Sie hielten den Wagen der Nonne ausserhalb von Anapu an und töteten diese durch 3 Schüsse.

Mord an Nonne erschüttert Brasilien | Der Mord an einer 74-jährigen Dominikanernonne aus den USA erschüttert Brasilien. Menschenrechtsminister Nilmario Miranda und Umweltministerin Marina Silva eilten am Sonntag an den Tatort im östlichen Amazonasbecken, um sich über den Stand der Ermittlungen zu unterrichten. Dorothy Stang, eine Vorkämpferin für die Erhaltung des Regenwalds und die Rechte der örtlichen Landbevölkerung, wurde am Samstag in der Nähe von Anapu, 2.100 Kilometer nördlich von Sao Paulo mit drei Schüssen getötet. ... - [Yahoo! Nachrichten].

Da fragte mich einer der Ältesten: "Wer sind diese, die weiße Gewänder tragen, und woher sind sie gekommen?" Ich erwiderte ihm: "Mein Herr, das musst du wissen." Und er sagte zu mir: "Es sind die, die aus der großen Bedrängnis kommen; sie haben ihre Gewänder gewaschen und im Blut des Lammes weiß gemacht. Deshalb stehen sie vor dem Thron Gottes und dienen ihm bei Tag und Nacht in seinem Tempel; und der, der auf dem Thron sitzt, wird sein Zelt über ihnen aufschlagen. Sie werden keinen Hunger und keinen Durst mehr leiden und weder Sonnenglut noch irgendeine sengende Hitze wird auf ihnen lasten. Denn das Lamm in der Mitte vor dem Thron wird sie weiden und zu den Quellen führen, aus denen das Wasser des Lebens strömt, und Gott wird alle Tränen von ihren Augen abwischen." (Offb 7, 13-17).

Sonntag, Februar 13, 2005

Vor Kuhn und Feyerabend
" ... In Wirklichkeit war dieses Fortschreiten [der Wissenschaft], wie wir sahen, weder kontinuierlich noch organisch. Die Naturphilosophie entwickelte sich durch gelegentliche Sprünge und Sätze, die mit Wahnvorstellungen, Sackgassen, Rückschritten, mit Zeiten der Blindheit und der Verbohrtheit abwechselten. Die großen Entdeckungen ... waren manchmal völlig unerwartete Trophäen der Jagd nach ganz anderen Hasen. ... Es dürfte tatsächlich zweckdienlicher sein, die Geschichte des Denkens nach biologischen Gesichtspunkten zu behandeln (auch wenn diese bloß Analogien zu bieten vermöchten) als vom Gesichtspunkt einer arithmetischen Progression. Der Ausdruck «intellektueller Fortschritt» ruft sozusagen lineare Assoziationen hervor - eine stetige Kurve, ein ständig ansteigender Wasserspiegel, wogegen die «Evolution» als ein äußerst verschwenderischer, unübersichtlicher Prozess bekannt ist, gekennzeichnet durch momentane Mutationen unbekannter Ursache, durch das langsame Mahlen der Selektionsmühle, durch die Sackgasse der Überspezialisierung und Anpassungsfähigkeit. Der Fortschritt kann seiner Definition nach nie eine falsche Richtung einschlagen, die Evolution tut es immer wieder, und das gleiche gilt von der Evolution des Denkens einschließlich der «exakten Wissenschaft». Neue Ideen tauchen plötzlich auf wie spontane Mutationen, der größte Teil von ihnen ist nutzlos oder verschroben, das Gegenstück zu lebensunfähigen Mißbildungen. ... Auch der Vorgang der «natürlichen Auslese» findet in der geistigen Evolution sein Gegenstück; unter der Unzahl neuer Ideen, die auftauchen, überleben nur diejenigen, die dem intellektuellem Milieu der Zeit - das heisst, dem Ensemble der Beobachtungstatsachen - gut angepasst sind. ..."
Arthur Koestler (1905-1983): The Sleepwalkers, Epilog.

Das wurde etwa 5 Jahre vor Thomas Kuhn (Die Struktur wissenschaftlicher Revolutionen) und nahezu 20 Jahre vor Paul Feyerabend (Wider den Methodenzwang) geschrieben. Manche Ideen liegen eben, wie Koestler in den «Sleepwalkers» anmerkt, sozusagen in der Luft und warten nur darauf, endlich ausgesprochen zu werden. Treuen Popperianern sind Koestlers Überlegungen vermutlich suspekt, fast schon eine Lästerung von Wissenschaft.

Samstag, Februar 12, 2005

Wem die Stunde schlägt
LAUDO DEUM VERUM | ich lobe den wahren Gott
PLEBEM VOCO | rufe das Volk
CONGREGO CLERUM | versammle den Klerus
DEFUNCTOS PLORO | betrauere die Toten
PESTUM FUGO | vertreibe die Seuche
FESTA DECORO | schmücke das Fest

Das Kluniazenserläuten (Real Audio, 19:40) der Glocken von St. Ottilien.

Kluniazenserläuten, der Name leitet sich von der mittelalterlichen Benediktinerabtei Cluny ab und spielt auf die Läutordnung in den großen Kirchen und Klöstern dieser Zeit an. Da es den Glockengießern im Mittelalter nicht immer vollends gelang, ein mehrglockiges Geläute harmonisch abzustimmen, wurden die Glocken nicht zusammen, sondern nacheinander und jede für sich geläutet, so dass sich ihr Klang nicht mißtönend mischen konnte.

Nur fünfmal im Jahr, zu den höchsten Festen, erklingen die Glocken von St. Ottilien zum Kluniazenserläuten. Ostern ist selbstverständlich eines davon. 22 Minuten vor Beginn des feierlichen Pontifikalamtes beginnen sämtliche Glocken der Erzabtei, 8 an der Zahl, zu schlagen. Dann verstummen sie nacheinander, bis zuletzt nur mehr die Hosannaglocke (Real Audio, 2:17), auch Salvatorglocke genannt, ihren Ruf über das Land wirft. Schließlich verstummt auch sie. Nun werden alle acht Glocken einzeln geläutet. Nach dem Schlagen der kleinsten und damit klanglich hellsten, der Benediktusglocke (Real Audio, 0:33), vereinigen sich alle anderen mit ihr zum Geläute. Nach einer Weile des gemeinsamen Rufens verstummen die Glocken der Abtei, der Festgottesdienst beginnt.

Freitag, Februar 11, 2005

Fastenzeit im Vatikan
Sandro Magister in chiesa über die Räder, die die Kirche am Laufen halten, mag auch der Griff des Lotsen am Steuerrad nicht mehr so fest wie ehedem sein, und über die zur Zeit aktuellen Favoriten für eine allfällige Nachfolge. In Kurzform: Ratzinger, drei Italiener (Angelo Comastri, Dionigi Tettamanzi, Angelo Scola) und ein Aussenseiter (Jorge Mario Bergoglio).

Lent in the Vatican: The Pope, the Curia, and the Conclave | Sickness is not preventing John Paul II from fighting out his last battle. But in the meantime, maneuvers over his succession are underway. The contenders are Ratzinger, three Italians, and one outsider.

From the microphone in his room on the tenth floor of the general hospital operated by the Catholic University of the Sacred Heart, “Policlinico Gemelli,” John Paul II's post-Angelus blessing came to St. Peter's Square, his voice hoarse and broken. In addition to his infirmity, silence will now be increasingly more pronounced in the life of this pope. But nothing can stop him, much less induce him to resign: "Here in the hospital, too, I continue to serve the Church and all humanity." ... - [chiesa].

Interludium
Blanche de la Force: Sie glauben wohl immer, Gott erfülle Ihre Wünsche?
Schwester Constance: Warum nicht? Was wir Zufall nennen, ist vielleicht Gottes Logik.
Francis Poulenc (1899-1963): Dialogues des Carmélites, 2. Akt, Zwischenspiel vor dem Vorhang

Donnerstag, Februar 10, 2005

Psalm 130: sechster Bußpsalm
Aus der Tiefe rufe ich, Herr, zu dir, erhöre meine Stimme.
Laß deine Ohren merken auf die Stimme meines Flehens!
So du willst, Herr, Sünden zurechnen, wer wird bestehen?
Denn bei dir ist die Vergebung, daß man dich fürchte.


Heinrich Kaminski (1886-1946): Aus der Tiefe rufe ich, Herr (1. Satz, 1:35)

Hans
Natürlich hat auch er etwas zur gegenwärtigen Krankheit des Papstes zu sagen. Zu sagen? Sagte ich "sagen"? Er sagt nicht, er fordert, nämlich dessen sofortigen Rücktritt. Man muss aber auch verstehen, um verzeihen zu können: nie wird er der Kirche vergessen, dass sie nicht ihn, sondern diesen Bauern aus Polen zum Papst erkor. Dabei ist ihm doch die Unfehlbarkeit auf den Leib geschrieben.

Gott ist gnädig: das (der) zumindest blieb uns erspart.

Theologe Küng fordert Rücktritt des Papstes | Der Tübinger Theologe Hans Küng hat Papst Johannes Paul II. zum Rücktritt aufgefordert. Die Kirche sehe in bestimmten Fällen die Möglichkeit eines Rücktritts vor, sagte Küng am Donnerstag im ARD-Morgenmagazin. ... Küng prophezeite eine schwierige Suche nach einem Nachfolger für Johannes Paul II. Es bestehe das "Problem, dass wir einen Nachfolger finden, der uns aus dieser elenden Krise herausführt, in die uns dieser Papst hinter einer glänzenden Staffage hineingeführt hat". Die Kirche sei mittlerweile "so altersschwach wie dieser Papst". ... - [ORF Religion].

Avantgard
Hinkt man seiner Zeit nur weit genug hinterher, ist man ihr schon wieder voraus. In diesem Sinne habe ich das Vergnügen, sie hinter mir herlaufen zu sehen.

Mittwoch, Februar 09, 2005

Man könnte meinen, die Oberösterreicher hätten keine Sünden mehr
Das Sakrament der Buße: ein Ladenhüter? Weder hipp noch trendy? Ich für mein Teil habe mir heute, zu Beginn der Fastenzeit, erlaubt, zu meiner Schuld zu stehen und zu beichten: Miserere mei, Deus, miserere mei.

Immer weniger gehen zur Beichte | Immer weniger Oberösterreicher gehen beichten. Das heilige Sakrament hat auch in der "Beicht-Hochburg" in Linz - bei den Jesuiten im Alten Dom - stark an Beliebtheit eingebüßt. Die Zahl der Beichten ging in den vergangenen Jahren stark zurück. Man könnte meinen, die Oberösterreicher hätten keine Sünden mehr. Zumindest redeten sie nicht darüber, sagt der Linzer Jesuiten-Pater Heinz Urban. Die Zahl der Beichten ging in den vergangenen Jahren stark zurück. ... - [ORF Oberösterreich].

Ash Wednesday
... und weil ich weiss, was immer ist,
ist nur für seine Zeit an seinem Ort, sonst nicht ...

T.S. Eliot liest sein Gedicht Ash Wednesday (Aufnahme aus dem Jahr 1955): Anhören (Real Audio, 14:05).

Bedenke, Mensch
dass du Staub bist und wieder zum Staub zurückkehren wirst.

Miserere mei, Deus, secundum misericordiam tuam; et secundum multitudinem miserationum tuarum dele iniquitatem meam. | Erbarme dich meiner, oh Gott, nach deiner Güte, nach der Fülle deiner Barmherzigkeit tilge meine Missetaten.


Antonio Lotti (1667-1740): Miserere Mei, Deus

Dienstag, Februar 08, 2005

Grabtuch von Turin: Fortsetzung der Diskussion
Stoffstück oder keines? Die nächste Runde der Diskussion.

Grabtuch von Turin: Neue Entdeckungen heben mittelalterliche Datierung auf | ... Rogers Untersuchungsergebnisse haben die Debatte rund um das berühmte Turiner Grabtuch neu entfacht. Am 22. Januar erklärte Msgr. Giuseppe Ghiberti, Vorsitzender der Untersuchungskommission für das Grabtuch (Sindone) in der Diözese Turin, "die Schweizer Doktorin Mechtild Flury-Lemberg hat das Leinenstück aufmerksam untersucht und dabei überhaupt kein Anzeichen für ein aufgesetztes Gewebestück gefunden (…). ... Mich überrascht es, dass ein Fachmann wie Rogers in seinem Artikel so unpräzise sein kann. Man könnte höchstens erwarten, dass die Datierung der C14 (Kohlenstoffmethode) zu berichtigen wäre (die Methode ist nicht frei von Ungenauigkeiten), aber sicher nicht wegen der Theorie über den Stoffleck." ... Gegenüber Emanuela Marinelli hat Prof. Rogers für ZENIT seine Untersuchungsergebnisse erläutert: Der Chemiker hält daran fest, dass man ihn nicht genau verstanden hat. Es handle sich eben nicht um den Beweis eines unsichtbaren Flickens, vielmehr gebe es einen "Unterschied zwischen dem für die Radiokarbonprobe untersuchten Stück und dem Originalstoff des Grabtuchs". ... - [ZENIT].

Vielfältige Presselandschaft
Man sollte sich seine Meinung nicht einfach aus den Meldungen einer einzigen Zeitung bilden. Aus diesem Grunde ist die Lektüre mehrerer Zeitungen anzuraten, um sich derart über die Fülle unterschiedlicher Standpunkte ein differenzierteres Bild zu verschaffen. Sehen wir also, was die österreichische Presselandschaft zu Erzbischof Kothgassers Fastenbrief Wähle das Leben zu vermelden hat.

Erzbischof: Abtreibung und Euthanasie sind Verbrechen | Dem Thema Schutz des Lebens widmet Salzburgs Erzbischof Alois Kothgasser einen sehr umfangreichen Hirtenbrief zur bevorstehenden Fastenzeit. Dabei rief er dazu auf, sich jenen Gesetzen zu widersetzen, die Abtreibung oder Euthanasie legitimieren. Zwar habe sich die Kirche seit Anbeginn zum Gehorsam gegenüber den staatlichen Autoritäten bekannt, gleichzeitig aber verlangt sie, dass man "Gott mehr gehorchen muss als den Menschen". ...
Gleichzeitig warnte der Oberhirte aber vor Fanatismus von Abtreibungsgenern. "Gruppen, die aktiv und engagiert für das Leben eintreten, sollten nicht in blinden, nahezu fanatischen Eifer verfallen, der mehr zu feindseliger Konfrontation als zur Überwindung der Schwierigkeiten beiträgt." Anders Denkenden sollte stets mit Achtung begegnet werden. - [Salzburger Nachrichten].

Kothgasser: Abtreibung und Euthanasie sind Verbrechen | Dem Thema Schutz des Lebens widmet Salzburgs Erzbischof Alois Kothgasser einen sehr umfangreichen Hirtenbrief zur bevorstehenden Fastenzeit. Dabei rief er dazu auf, sich jenen Gesetzen zu widersetzen, die Abtreibung oder Euthanasie legitimieren. Zwar habe sich die Kirche seit Anbeginn zum Gehorsam gegenüber den staatlichen Autoritäten bekannt, gleichzeitig aber verlangt sie, dass man "Gott mehr gehorchen muss als den Menschen". ...
Gleichzeitig warnte der Oberhirte aber vor Fanatismus von Abtreibungsgenern. "Gruppen, die aktiv und engagiert für das Leben eintreten, sollten nicht in blinden, nahezu fanatischen Eifer verfallen, der mehr zu feindseliger Konfrontation als zur Überwindung der Schwierigkeiten beiträgt." Anders Denkenden sollte stets mit Achtung begegnet werden. - [Tiroler Tageszeitung].

Abtreibung für Kirche ein Verbrechen | Dem Thema Schutz des Lebens widmet Salzburgs Erzbischof Alois Kothgasser einen sehr umfangreichen Hirtenbrief zur bevorstehenden Fastenzeit. Dabei rief er dazu auf, sich jenen Gesetzen zu widersetzen, die Abtreibung oder Euthanasie legitimieren. Zwar habe sich die Kirche seit Anbeginn zum Gehorsam gegenüber den staatlichen Autoritäten bekannt, gleichzeitig aber verlangt sie, dass man "Gott mehr gehorchen muss als den Menschen". ...
Gleichzeitig warnte der Oberhirte aber vor Fanatismus von Abtreibungsgegnern. "Gruppen, die aktiv und engagiert für das Leben eintreten, sollten nicht in blinden, nahezu fanatischen Eifer verfallen, der mehr zu feindseliger Konfrontation als zur Überwindung der Schwierigkeiten beiträgt." Anders Denkenden sollte stets mit Achtung begegnet werden. - [Kurier].

Aha.

Montag, Februar 07, 2005

Wähle das Leben
Ab kommenden April werden auf Betreiben der SP-Landeshauptfrau Gabi Burgstaller an den Salzburger Landeskliniken Abtreibungen durchgeführt. Salzburgs Erzbischof Alois Kothgasser wendet sich mit dem Fastenbrief Wähle das Leben an die "Schwestern und Brüder auf dem Weg des Lebens!" und in dem Brief mit unerwartet deutlichen, sehr harten Worten gegen dieses Bestreben.

Wähle das Leben | ... Die Gesetze, die Abtreibung und Euthanasie zulassen und begünstigen, stellen sich also nicht nur radikal gegen das Gut des Einzelnen, sondern auch gegen das Gemeinwohl, und sind daher ganz und gar ohne glaubwürdige Rechtsgültigkeit. ... Abtreibung und Euthanasie sind also Verbrechen; diese für rechtmäßig zu erklären, kann sich kein menschliches Gesetz anmaßen. Gesetze dieser Art rufen nicht nur keine Verpflichtung für das Gewissen hervor, sondern erheben vielmehr die schwere und klare Verpflichtung, sich ihnen mit Hilfe des Einspruchs aus Gewissensgründen zu widersetzen. Seit den Anfangszeiten der Kirche hat die Verkündigung der Apostel den Christen die Verpflichtung zum Gehorsam gegenüber der rechtmäßig eingesetzten staatlichen Autoritäten eingeschärft (vgl. Röm 13,1-7; 1 Petr 3,13-14), sie aber gleichzeitig entschlossen ermahnt, dass man "Gott mehr gehorchen muss als den Menschen" (Apg 5,29). ...
Erzbischof Dr. Alois Kothgasser, Fastenbrief 2005: Wähle das Leben

the power of a jpeg
Samy's Mystery Eucharist TheatreOb skandalisiert oder nicht, die liturgischen Wellen aus der Welser Seelsorgestelle St. Franziskus brechen sich nun schon an fremden Küsten. In den USA berichtet der Nachrichtendienst Catholic Word News über "Samy's Mystery Eucharist Theatre"; auf Radio Vatikan wird mit vorsichtigen Worten über den Vorwurf berichtet, in der Diözese Linz werde ein vom Vatikan nicht erlaubter Predigtdienst nicht etwa nur geduldet, sondern gar noch von höchster Stelle, nämlich der Personalstelle des Bischöflichen Ordinariats, angeordnet. Bislang, so mein Eindruck, wollte die Diözese die Vorwürfe aussitzen und durch eisernes Schweigen ins Leere laufen lassen. Aber ob das noch gelingt? Ist nicht die Meldung auf Radio Vatikan bereits ein Hinweis darauf, dass die Wellen, die nun schon an fremde Küsten schlagen, sich so leicht nicht wieder beruhigen?

the power of a jpeg | We've seen it happen already in Minnesota, South Africa, and Austria: the faithful complain about irregular or deviant practices; they get brushed off by the Chancery; someone posts a photo illustrating the situation on the Net and -- quicker than you can say, "We're on a learning curve here" -- a midlife change in career has been announced for another clergyman. ... - [Catholic World News].

Österreich: Predigende Assistenten | Die Macher der Nachrichtenagentur kath.net sind davon überzeugt, dass die liturgische und die Predigt-Praxis im Bistum Linz gegen römische Vorgaben verstößt. Nach Angaben der Nachrichtenagentur soll ein "Predigtdienst für Pastoralassistenten, der vom Vatikan nicht erlaubt wird, in der Diözese Linz von höchster Stelle angeordnet" sein. ... - [Radio Vatikan].

Der Blick von aussen
Europäer wissen alles über Amerika. Darum geben sie auch sehr gerne den Amerikanern über Amerika Bescheid. Ist doch nett, wenn diese uns diesen Gefallen erwidern. Tatsächlich finde ich diese Einblicke von aussen häufig recht interessant. Die LA Times sehen in Europa einen Kulturkampf toben, der sich an drei unterschiedlichen Themenkomplexen entzündet. Eines der Schlachtfelder ist die Religion. Nur mehr einer von zehn Franzosen hält Religion für etwas, das in seinem Leben eine bedeutende Rolle spielt. Ähnliches dürfte wohl auch für andere Länder West- und Mitteleuropas gelten. Umso irritierender muss es da sein, wenn Religion plötzlich wieder vermehrt Raum auf der gesellschaftlichen und politischen Bühne begehrt. Und das gilt nicht nur für den in Europa fast unbemerkt stürmisch wachsenden Islam, sondern auch für das Christentum.

(Culture) War Is Declared in Europe
| ... But lately, cultural issues have begun to force their way back into the mainstream of European politics, stoked by three things. ... The second factor is the revival of religion — or at least its refusal to die. Europe has long been the world's most secular continent — fittingly so given that the great prophets of secularization such as Emile Durkheim and Max Weber were European. But now religion is again entangling itself with politics. ... But Christians are also causing more fuss in Europe these days. Look at Rocco Buttiglione, who was stopped from becoming the EU's justice commissioner because he had said that homosexuality is a sin and that women should stay home and have children. Look at the thousands of calls to the BBC when the broadcaster decided to show an expletive-filled opera about Jerry Springer. And look at the enthusiasm for religion in Downing Street. Tony Blair boasts about sleeping with a copy of the Bible beside his bed. Gordon Brown, his chancellor of the exchequer, claims he learned his socialism listening to his preacher father's sermons (five every Sunday). The new education minister, Ruth Kelly, has close links with Opus Dei, the ultraconservative Catholic movement. ... - [LA Times].

Sonntag, Februar 06, 2005

Verzicht auf die Insel
Der Mönch ist ein Mensch, der volle Verwirklichung erreicht hat oder sie zu erreichen versucht. Er lebt inmitten der Gesellschaft als jemand, der die Verwirklichung erreicht hat - er weiss Bescheid. Nicht, als ob er aussergewöhnliche oder nur für Eingeweihte bestimmte Informationen bekommen hätte. Aber er hat die Grundlagen seiner eigenen Existenz in einer Weise erfahren, dass er das Geheimnis der Befreiung jetzt kennt und irgendwie an andere weitergeben könnte.

In der patristischen Lehre und in den Lehren der Mönchsväter kann man das ausdrücklich finden. Zum Beispiel sprechen die Zisterzienser des 12. Jahrhunderts von einer monastischen Therapie. Adam Perseignes Idee war, dass man in ein Kloster gehe, um sich heilen zu lassen. Die Zeit der monastischen Ausbildung sei eine Zeit der Heilung, der Rekonvaleszenz. ...
Thomas Merton, Asian Journal, Ansprache "Marxismus und Perspektiven des Mönchtums"

"Illusion", würde Madame de Croissy, Priorin des Karmelitinnenklosters bei Poulenc und Bernanos, vielleicht sagen. Dennoch stimmt es, dass gerade die Zisterzienser, gerade auch Bernhard von Clairvaux, das Kloster als rettendes Eiland sahen, auf das es galt, sich um des eigenen Seelenheiles willen zu retten. Peter Dinzelbacher zitiert in seiner Biographie des wohl bedeutsamsten Zisterziensers einen zeitgenössischen Dichter. Ins Kloster gehe man, schrieb dieser, um sein Fleisch zu kasteien und seine Seele zu retten. Die Zisterzienser, mit Bernhard an ihrer Spitze, sahen sich als moderne Märtyrer, modern natürlich für ihre Zeit. Da es ihnen versagt war unter den Zangen und glühenden Eisen glaubensfeindlicher Imperatoren Zeugnis für ihren Glauben abzulegen, wüteten sie mit härtester Askese gegen sich selbst. Bei Poulenc und Bernanos hingegen weist die nach dem Tode von Madame de Croissy zur neuen Priorin gewählte Madame Lidoine das Martyrium als Versuchung zurück. Nicht das Martyrium sei oberste Pflicht der Schwestern, sondern das Gebet, das stille Brennen der Kerze, die sich allmählich aufzehrt in dieser Pflicht. Allem sei zu misstrauen, was dem Gebet entgegenstehe, selbst dem Martyrium, sei es doch nicht etwa eine zu leistende Pflicht, sondern unverdiente Belohnung. Unverdiente Belohnung. Welchen Glauben muss man haben, welche Stärke, um das zu leben? Am Ende wird den Schwestern diese Belohnung zuteil. Nicht allein in der Oper, sondern tatsächlich. Am 17. Juli 1794 sterben die 16 Märtyrerinnen von Compiègne unter der Guillotine.

Allein den Betern
Allein den Betern kann es noch gelingen
Das Schwert ob unsern Häuptern aufzuhalten
Und diese Welt den richtenden Gewalten
Durch ein geheiligt Leben abzuringen.

Denn Täter werden nie den Himmel zwingen:
Was sie vereinen, wird sich wieder spalten,
Was sie erneuern, über Nacht veralten,
Und was sie stiften, Not und Unheil bringen.

Jetzt ist die Zeit, da sich das Heil verbirgt,
Und Menschenhochmut auf dem Markte feiert,
Indes im Dom die Beter sich verhüllen,

Bis Gott aus unsern Opfern Segen wirkt
Und in den Tiefen, die kein Aug' entschleiert,
Die trockenen Brunnen sich mit Leben füllen.
Reinhold Schneider (1903 - 1958)

Wider die Illusion
Blanche de la Force: Es muss wundervoll sein, sich so lang in Entsagung zu üben, dass man nicht mehr umzukehren wüsste.
Priorin: Mein armes Kind, Entsagung ist eine andere Form der Gewohnheit. Was nützt es einer Nonne sich von allem loszusagen, wenn sie sich nicht loslöst von sich selbst, wenn sie nicht ihrer eigenen Entsagung entsagt? ...
Was führt sie in den Karmel?
Blanche de la Force: ... Das heldische Leben reizt mich. ... Wenn ich Illusionen habe, möge man sie mir nehmen.
Priorin: Möge man sie ihnen nehmen. Darum müssen sie sich allein kümmern. Hier hat jede genug mit ihren eigenen Illusionen zu tun. Mein Kind, die Leute fragen sich, wozu wir nütze sind und sie haben guten Grund sich das zu fragen. Nein, meine Tochter, wir sind kein Kasteiungsunternehmen und keine Bewahrungsanstalt der Tugend. Wir sind ein Haus des Gebetes. Das Gebet allein rechtfertigt unsere Existenz. Wer nicht an das Gebet glaubt, hält uns für Heuchler und Schmarotzer. Wenn der Glaube an Gott allumfassend ist, gilt das nicht ebenso für das Gebet? Jedes Gebet, auch das eines kleinen Hirten, der seine Herde hütet, ist ein Gebet der ganzen Menschheit. Der Hirte betet gelegentlicht, wenn sein Herz ihn dazu ermahnt. Wir müssen Tag und Nacht beten. Rührung und Mitleid widersprechen dem Orden.
Francis Poulenc: Dialogues des Carmélites, 1. Akt, 2. Szene

Kontemplation und Ordensleben: nach Poulenc, der Bernanos folgt, keine Arzenei der Selbstheiligung und Selbstheilung, keine Schule der Askese, auch kein Rettungsfloß aus einer heillosen Welt, kein heroischer Tugendkampf - das alles sind Illusionen, denen widersagt werden muss - sondern ein Dasein im Gebet. Mit nicht mehr Nutzen als den des Gebets, mit vielleicht nicht mehr Nutzen als jene kleinen Lichter haben, die selbst Menschen, die Gott sonst kaum mehr etwas in Worten zu sagen wüssten, in Kirchen vor Altären und Kreuzen und Heiligenbildern entzünden. Die Menschen gehen, die Kerzen bleiben und brennen nieder. Vielleicht, dass man manchmal ein leises Knistern vernimmt. Vor Altären und Kreuzen und Bildern brennen sie nieder. Ungerührt und ohne Mitleid - Rührung und Mitleid widersprechen dem Beruf - verzehren sie sich vor Gott und tun ihren Dienst bis zum Erlöschen.

Spaltung
Nicht nur die Kirche ist in unserem Land gespalten. Von 1999 bis 2004 stieg das Finanzvermögen der österreichischen Bevölkerung von 262 auf 323 Euro, das sind 7500 Euro pro Kopf. Das verfügbare Einkommen wuchs um 16 Milliarden Euro an. Die Jahresbruttolöhne der Arbeitnehmer erhöhten sich in dieser Zeit um 2500 Euro, die privaten Konsumausgaben pro Jahr und Kopf um 2300 Euro.

Zugleich sind in diesem offensichtlich reichen Land 5,9 Prozent der Bevölkerung akut arm, weitere 13 Prozent zumindest armutsgefährdet.

Nicht nur die Kirche ist gespalten, auch unsere Gesellschaft. Nur scheint dies kein Thema zu sein, wird als unvermeidbare Folge eines Strukturwandels, der Globalisierung, des weltwirtschaftlichen Rahmenbedingungen - und was es für Begründungen sonst noch geben mag - achselzuckend akzeptiert. Und die davon Betroffenen, die von der Achsel gezuckten, sie schweigen, wie sie wohl auch schon zu Zeiten Jesu ohne Stimme waren. Zu Zeiten Jesu: ist das nicht immer?

"Denn die Armen habt ihr immer bei euch und ihr könnt ihnen Gutes tun, so oft ihr wollt" (Mk 14,7).

Samstag, Februar 05, 2005

[aufgelesen]
aus Thomas Mertons Red Diary (Eintrag January 22, 1959):
Une philosophie qui n'est pas
antique est tout de suite vieille.
J. Maritain

[A philosophy which is not ancient is immediately old.]

Poem
Geliebtes Licht.
Die Liebe blüht. Fortwährend stürzt
ihr Blühen durch die Nacht. Des Sturzes Nacht
in Deines Lichtes Schatten grünt.

The Red Diary
Merton's Red DiaryRalf bespricht in seinem Blog Thomas Mertons Keiner ist eine Insel. Im Laufe der Jahre las ich einiges von Merton. Am besten gefielen mir Der Berg der sieben Stufen, seine Autobiographie bis zum Eintritt in die Abtei Gethsemani, ein Trappistenkloster, sowie sein 'Das Zeichen des Jonas' (auf deutsch nur mehr antiquarisch erhältlich), das die ersten Jahre nach dem Eintritt ins Kloster beschreibt. Beide sehr persönlich gehalten, und vielleicht gerade deshalb anrührend. Auch sein letztes Buch besitze ich, genauer: sein letztes Tagebuch, Asian Journal, bei uns unter dem Titel 'Wie der Mond stirbt' erschienen, aber auch schon wieder vergriffen. Merton hat einen weiten Weg zurückgelegt von der Tagen seiner Kindheit in Frankreich über die Jahre im Kloster Gethsemani bis hin zu jenem Hotelzimmer in Bangkog, wo er durch einen Stromschlag starb. Ein weiter Weg, und nicht nur geographisch. In den Tagebuchnotizen dieser letzten Tage, die vor dem einsamen Ende in jenem Hotelzimmer stehen, ist sein persönlicher Glaube an Christus kaum mehr sichtbar. Fast scheint es, als wäre er zu dieser Zeit mehr Mönch als Christ gewesen, als erfüllte für ihn der konkrete Glaube nur mehr die Rolle eines Rahmens, innerhalb dessen sich sein Mönchtum vollzieht. Das war in früheren Tagen und früheren Werken anders, oder es war vielleicht auch nur sein Glaube, seine Bindung an Christus, von aussen betrachtet darin leichter zu erkennen. Trotz all der vielen Begegnungen und Gespräche, von denen er in seinem 'Asian Journal' berichtet, kann ich nicht anders als ihn darin als einsamen Menschen zu sehen. In gewisser Weise ein trauriges Buch, die Dokumentation eines Verlustes. Mag aber auch sein, dass sein Ende, sein stiller Tod auf den nassen Fliesen, durchzuckt von Stromschlägen, von hinten nach vorne einen Schatten auf die Seiten des Buches warf, als ich es las.

Auf meiner Erkundung nach einigen seiner Gedichte stieß ich auf eine Faksimilie-Ausgabe eines seiner Tagebücher: The Red Diary. Aufzeichnungen in einem alten Taschenkalender aus dem Jahr 1959. Merton dürfte sie 1964 und 1965 in den Kalender eingetragen haben, möglicherweise Bruchstücke und Passagen aus seiner Lectio divina. Wer will, kann Father Louis online durch die 61 Faksimilie-Seiten des Kalenders begleiten.

Donnerstag, Februar 03, 2005

... dass auch Laien ohne den priesterlichen Vorsitz Eucharistie feiern ...
In diversen katholischen Internetforen wird zur Zeit eifrig über die Seelsorgestelle St. Franziskus diskutiert: haben, wie einige Fotos nahezulegen scheinen, tatsächlich Pastoralassistentin und Pastoralassistent einer Eucharistiefeier vorgestanden? Ein Missbrauch? Oder vielleicht auch nur seelsorgliche Praktiker, die einfach das vollziehen, was ihnen andere vordenken?

Der Grazer Theologe Peter Trummer von der Theologischen Fakultät der Universität Graz vertritt in seinem neu erschienen Buch "Dies ist mein Leib" die These, bei der Feier der Eucharistie wären im frühen Christentum Brote und Fische, in den Bechern Wein, aber auch Wasser und Milch, kredenzt worden. Um Speisung gehe es, und nicht um Abendmahl. Eucharistie: eine Art Lunch? Und natürlich hätte es bei diesem Essen auch keiner Wandlungsworte bedurft. Aus diesem Grunde sei eigentlich auch nichts einzuwenden, wenn Laien ohne Priester Eucharistie feiern.

Grazer Bibelwissenschafter: Neuinterpretation der Eucharistie
| Mittelpunkt der christlichen Religion ist die Eucharistie, die im katholischen Bereich vor allem als Heilige Messe und seit der Reformation als Abendmahl bekannt ist. Bemerkenswerte neue Perspektiven dazu legt der Grazer Bibelwissenschafter Peter Trummer an der Theologischen Fakultät der Universität Graz in seiner Publikation "Dies ist mein Leib" vor. ... - [ORF Religion].

Video on demand: Peter Trummer im Orientierungbeitrag - Neue Perspektiven zu Eucharistie und Abendmahl?

Es gibt die eine katholische Kirche in unseren Landen nicht mehr, sie ist vielmehr zutiefst gespalten. Wo allerdings bei Anschauungen, wie sie die beiden Theologen Peter Trummer und Rudolf Pacik in dem Videobeitrag vertreten, noch das "katholische" ist, der Unterschied zu den protestantischen Kirchen liegt, will sich mir nicht so recht erschließen. Und der Gedanke, es würde damit der Verlust an Glaube in unserer Gesellschaft behoben, ist einfach nur kindlich. Längst wird auf evangelischer Seite das gelebt, was hier gefordert wird. Und der Erfolg? Eher noch mehr gesellschaftliche Bedeutungslosigkeit und Mitgliederschwund als in der katholischen Kirche. Sicherlich muss man gelegentlich die Flucht nach vorne antreten. Wenn aber vorne der Abgrund liegt, ist ein solches Verhalten zuallererst eines: dumm.

Il vangelo secondo Matteo
Pier Paolo Pasolini: Il vangelo secondo MatteoNoch eine Neuerwerbung: Pier Paolo Pasolinis getreue Verfilmung des Evangeliums nach Matthäus - Il vangelo secondo Matteo. Vor etwa 27 Jahre sah ich den Film das erste und letzte Mal. Dennoch haben einige wenige erinnerte Bilder den langen Marsch durch die Zeit überstanden. Voriges Jahr sah ich Mel Gibsons viel geschmähten und ebenso viel gepriesenen Film The Passion of the Christ. Seltsamerweise war es gerade die Erinnerung an den so viel älteren Pasolini-Film, noch dazu gedreht in Schwarz-Weiss, die an den Eindrücken der 'Passion' kratzte. Pasolinis Werk ist, wie gesagt, in kargem Schwarz-Weiss gedreht. Jedes einzelne Wort, das im Film gesprochen wird, ist tatsächlich bei Matthäus nachzulesen. Angeblich soll Pasolinis Drehbuch auch nur aus dem Evangelium selbst bestanden haben. Ich hatte noch keine Zeit mir den Film zur Gänze anzuschauen, zudem das ein Unterfangen ist, das gut in die nächste Woche beginnende Fastenzeit passt. Die wenigen Szenen, die ich mir gönnte, haben den erinnerten starken Eindruck nicht als Chimäre entlarvt. Ich persönlich ziehe Pasolinis karge Fassung der opulenten Verfilmung der Passion nach Mel Gibson vor. Bei Gibson grenzt Golgotha - filmästhetisch gesprochen - nach meinem Geschmack etwas zu sehr an Hollywood an.

Mittwoch, Februar 02, 2005

Les Dialogues des Carmélites
Eine Neuerwerbung, Francis Poulencs Oper Les Dialogues des Carmélites auf DVD. Poulenc kenne ich aus einer Zeit, in der ich trotz sehr beschränkter stimmlicher Mittel Gelegenheit hatte, als einer unter glücklicherweise etlichen anderen Bässen an einer Aufführung seines Gloria mitzuwirken. Ein unglaubliches Werk, diese Oper, der beste Kauf, den ich seit langer Zeit tätigte. Sie ist die musikalische Umsetzung des Drehbuchs 'Die begnadete Angst' von George Bernanos, der damit die eindringliche Erzählung 'Die Letzte am Schafott'von Gertrud von Le Fort dramatisierte. Le Fort's Erzählung beruht auf einer wahren Begebenheit. Im Jahr 1794 wurden die Karmelitinnen von Compiègne hingerichtet, weil sie sich entgegen bestehender Verbote zu Gebet und Gottesdienst getroffen hatten. In der Gefangenschaft erneuerten die 16 seliggesprochenen Märtyrerinnen ihr Ordensgelübde und stiegen auf der Place de Genève betend und singend die Stufen hinauf zum Schafott.

Ein wundervolles Werk, eine wundervolle Mischung aus Musik und Literatur, gesungener Glaube, Teil dessen, woran ich wünsche, Anteil zu haben. Unbedingt und ohne Einschränkung zu empfehlen.

The Lion, the Witch, and the Wardrobe
C.S. Lewis hat mehr geschrieben als nur christliche Apologetik. Wie ich hier schon schrieb, wurde ich vor ziemlich vielen Jahren auf ihn als einen Autor verwiesen, der in einem Naheverhältnis zu J.R.R. Tolkien, dem Herrn der Ringe, stehe. Im besonderen die Narnia-Chroniken seien bezaubernde Fantasy. Der erste Band der Chroniken - The Lion, the Witch, and the Wardrobe - wurde und wird mittlerweile verfilmt. Am 8. Dezember soll der Film in die Kinos kommen. Anbei ein Interview mit dem Produzenten, Mark Johnson.

IGN talks to the producer on the set of The Lion, the Witch and the Wardrobe | Producer Mark Johnson is no stranger to big budget movies, but his latest endeavor, an adaptation of C.S. Lewis' beloved classic, The Chronicles of Narnia: The Lion, the Witch and the Wardrobe, could be his biggest to date. Besides taking home an Oscar for Rain Man, Johnson has produced such prominent films as The Natural, Bugsy and Donnie Brasco. ... - [IGN FilmForce].

Auch ein erster Trailer zum Film (18.4 MB) liegt bereits vor. Ob der Film den Charme des Buches zu fassen versteht? Zumeist sind Literaturverfilmungen ja doch (für mich) eher enttäuschend. Auch die vielgepriesene Verfilmung des 'Herrn der Ringe' ist nach meiner Meinung misslungen.

Dienstag, Februar 01, 2005

"Vielen sind wir fern geworden"
Zwei Bischöfe - Manfred Scheuer (Innsbruck) und Egon Kapellari (Graz-Seckau) - zwei Interviews zur Situation der Kirche in Österreich. "Vielen sind wir fern geworden", gesteht Kapellari ein, und meint weiter: "Wir sollen und wollen aber wieder für alle da sein." Darauf der Interviewer: "Tausende Kirchengänger haben das im Vorjahr anders gesehen." Das allerdings bezweifle ich. Es sind wohl in den seltensten Fällen die Kirchgänger, die aus der Kirche austreten, sondern eher jene, die irgendwann aufhörten, zur Kirche zu gehen. Fragte man mich, so ist viel der Vernachlässigung der Verkündigung geschuldet. Im Zeitalter nach dem Tridentinischen Konzil änderte sich selbst die Architektur der Kirchen, um der Homilie, sprachlicher Ort der Verkündigung, gebührend Platz zuzubilligen. Im Zeitalter nach dem 2. Vatikanischem Konzil sind die Kirchen elektronisch hochgerüstet, Lautsprecher transportieren jeden Räusper in die letzte Ecke des Kirchenraumes, doch eher selten etwas von dem, woran Katholiken eigentlich glauben. Darin liegt, wie ich meine, das eigentliche Versagen der Kirche in unserem Land, dass sie den Leuten vom Glauben nicht spricht.


Egon Kapellari: "Brauchen kein Facelifting" | ...
Standard:
50.000 Gläubige sind im Vorjahr ausgetreten. Warum ist die Kirche so unglaubwürdig geworden?
Kapellari: Es gibt mehrere Gründe. Auseinandersetzungen betreffend einige Personen und Strukturen waren einer davon. Der tiefste Grund für das Schrumpfen der großen christlichen Kirchen in Westeuropa liegt aber sicher darin, dass Gott, dass Christus vielen Getauften fremd geworden ist. ... - [Der Standard].

Manfred Scheuer: "Manches hausgemacht" | ...
Standard:
Herr Bischof, glauben Sie, dass bei den Austritten der Tiefpunkt erreicht ist?
Scheuer: Das eine ist eine Frage der Statistik, das andere eine der Intensität des Glaubens. Ich sehe neue Ansätze, dass auch junge Menschen sich vom Evangelium wieder packen lassen. Es hat in der Geschichte immer Zeiten der Zu- und der Abnahme gegeben. Man sagt aber auch, im Winter wächst das Brot. ... - [Der Standard].

Die Taube und der Papst


Frierende Friedenstaube will beim Papst bleiben | Nur mit päpstlicher Hilfe konnte eine Taube in Rom davon überzeugt werden, in die Freiheit zu fliegen. Papst Johannes Paul II. und zwei Kinder wollten am Sonntag (301.2005) Tauben als Symbol des Friedens freilassen, aber die Vögel kehrten sofort zurück ... - [Deutsche Welle].