Vom Beten
Zur Zeit lese ich gerade Thomas Keatings Das Gebet der Sammlung, ein kleines Buch aus dem Vier-Türme-Verlag der Abtei Münsterschwarzbach. Ein Buch über das Beten. Beten ist ein seltsames Geschäft. Einerseits ist es von großer Einfachheit: es gibt wohl niemanden, der es nicht zustande brächte, besonders in Zeiten der Not. Ich für mein Teil denke da an die eine oder andere haarige Situation auf der Strasse, wo es knapp herging, und mir dabei wie ein Blitz der Gedanke - vielmehr: das Gebet - "Christus" durch den Kopf fuhr, ein Hilferuf und Griff nach dem letzten Rettungsseil, wenn man so will. Ehrlicher ist wohl keins meiner Gebete gewesen.
Aber auch sonst gibt es Gelegenheiten, wo Beten von größter Einfachheit und Selbstverständlichkeit ist, in der Liturgie etwa, oder im Chorgebet, wo die eigene Stimme eine unter mehreren Stimmen ist und mein Gebet wie ein Schwimmer im Fluss von der Strömung des gemeinschaftlichen Gebets getragen wird.
Und dann - das leider unvermeidliche "andererseits" - geht man - ich - in eine Kirche, kniee mich hin, beginne zu beten ... und ertappt mich dabei, dass ich zwar damit begann zu Gott zu sprechen, schließlich aber nur mehr zu mir selber spreche, über die eigenen Probleme und Gedanken zu räsonieren beginne. Und was, über die vorgegebenen Gebete hinweg, hätte ich Gott schon zu sagen, was er nicht schon vor aller Zeit von mir und über mich wusste? Wobei natürlich mein Gebet nicht Gott dient, sondern mir. Ich bin es, nicht Gott, der des Gebets bedarf. Aber wie beten? Jedenfalls nicht so, dass ich "plappere wie die Heiden", mehr zu mir, denn zu Gott spreche, und nicht so, dass ich mich in den Worten verfange, und an ihnen hängen und kleben bleibe.
Eine lange Einleitung für die wenigen Worte, die ich eigentlich über dieses Buch schreiben wollte. Verfasst wurde es also von Thomas Keating, Trappist und vormaliger Abt der Abtei Saint Joseph in Massachusetts in den Vereinigten Staaten. Sein an die Praxis angelehntes Büchlein, ausdrücklich an Laien adressiert die mitten in der Welt und im Berufsleben stehen, hat mir einen Weg eröffnet zu einem Gebet, das nicht viele Worte braucht. Um genau zu sein, benötigt es nur eines, ein "heiliges Wort", wie Keating es nennt. Und auch dieses nur dann, wenn es notwendig ist um zum eigentlichen Gebet zurückzufinden.Zu mehr habe ich jetzt keine Zeit. Heute abend darüber mehr. Nur soviel noch, dass ich nunmehr begonnen habe die ersten stolpernden Schritte auf den Weg zu setzen, den dieses kleine Buch beschreibt: Das Gebet der Sammlung.


6 Comments:
Empfehlen kann ich auch das sehr kleine Büchlein "Das Jesusgebet" aus dem Pustet-Verlag. Vielleicht 60 Seiten, mehr nicht, aber die reichen für ein Leben.
ich finde dom thomas keating exzellent, aber vielleicht bin ich voreingenommen, weil ich einfach die benediktinische und vor allem die zisterziensischeTrappistische Tradition so sehr liebe
und noch was: nach wie vor "lebe" ich vom Buch:"Seigneur apprends-nous á prier" dom André Louf's ocso-mont des cats -obs eine deutsche übersetzung gibt weiß ich nicht, nehms aber doch an
Danke für den Hinweis auf André Louf, tatsächlich gibt es von ihm einige Werke auf deutsch, noch mehr auf englisch. Französisch nutzt mir leider mangels Sprachkenntnis gar nichts.
Hallo, ich habe das Büchlein von Thomas Keating auch gelesen und ich hole es immer wieder raus um es zu lernen. "Die Wolke des Nichtwissens" oder Literatur rund ums Jesusgebet (Herzensgebet) könnte ich zum Thema weiterempfehlen! Gruß Thomas
Ich bin nicht unbedingt gläubig, jedoch fasziniert das Beten an sich mich. Es erinnert mich an die Meditation. Beides hilft dem Geist sich zu beruhigen und zu stärken.
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