unhistorisch-unkritisch
Ein Musterbeispiel für eine misslungene Diskussion über die historisch-kritische Methode der Bibelinterpretation, gescheitert an der Ignoranz der von mir schon erwähnten Berufschristen. Und da einer abseits vom Fach - Ralf - es sich herausnahm Fragen zu stellen, Antworten heischte, wurde ihm gerade daraus, seinem Fragen und Drängen auf Antwort, ein Strick gedreht. Die Diskussion, sagt man, ermüdet; diese Art der Auseinandersetzung, sagt man, ermüdet; da klinkt man sich, sagt man, lieber aus der Diskussion aus. In Wahrheit sind das, kenne ich meinen Popper nur recht, geradezu klassische Beispiele einer Haltung, die sich nicht mit dem verträgt, worauf man meint, sich berufen zu dürfen: Wissenschaft. Die nämlich hat eine Unverträglichkeit wider die Immunisierung gegen Kritik. Dabei hätte Ralf durchaus prominente Unterstützung für seine Fragen anführen können, nämlich den Papst, der bei aller Würdigung der historisch-kritischen Bibelinterpretation doch durchaus kritisch an ihr Gemäuer klopft.
Die oben zitierte Diskussion, wenn man es denn überhaupt als solche bezeichnen will, ist eine gute Illustration der Gründe, die mich zum Rückzug aus solchen Diskussionen trieben. Zumal Glaube, denke ich, ohnehin weniger diskutiert, als vielmehr bezeugt werden will.


4 Comments:
Ich kann dich gut verstehen. Die Entwicklung besagten Forums ist erschreckend, aber angesichts der Gründungsgeschichte nicht überraschend. Wir sehen am Protestantismus, wie sich der Geist der Spaltung sich selbst bestärkend fortpflanzt.
Nur, die kritische Frage sei gestattet: Wie konsequent hast du dich tatsächlich aus der Diskussion zurückgezogen, wenn du sie erstens dort liest und zweitens hier öffentlich kommentierst? Es scheint mir eher der Versuch zu sein, auf der Basis des Geplappers eine echte Diskussion zu beginnen. Natürlich wird niemand antworten, dafür ist die deutschsprachige Blogosphäre zu unterentwickelt.
Das ist eigentlich eine Frage nach dem Sinn eines, genauer: meines Blogs. Was will ich mit diesem Blog? Was ist sein Zweck? Darüber habe ich mir schon öfter Gedanken gemacht.
Was ich - im Gegensatz zu Deiner Annahme - eigentlich nicht will: Diskussionen in der Blogosphäre entzünden. Solche virtuellen Diskussionen enden, wie ich mittlerweile eingesehen habe, früher oder später stets in der Aus- und Abgrenzung, und in einer gegenseitigen Verhärtung der Positionen. Das wäre vermutlich auch bei einer Diskussion in einem Blog nicht anders, und das habe ich lange genug gehabt und gesehen.
Mein Blog ist für mich ein bisschen wie ein Zuchtmittel oder eine gerade Linie: es hält mich am Thema, lässt mich immer wieder neu meine Gedanken und meine Überzeugungen neu formulieren. Dazu braucht es allerdings Material; das gewinne ich mir als jemand, der gerne und viel liest, oft aus Büchern und Artikel, aus Diskussionsforen insgesamt eigentlich selten, gelegentlich kommt es aber doch vor. Dass ich in dem konkreten Fall eine Diskussion in diesem einen Forum reflektiere, ist sicherlich auch darin begründet, dass mein Ausstieg daraus erst einige Tage alt ist; ganz bin ich also sicherlich noch nicht gelöst. Wobei mein Ausstieg sich nicht auf dieses eine Forum beschränkt, ich habe mich auch andernorts (mykath) abgemeldet.
Mein Blog ist nun sicherlich kein Ersatz für solche Diskussionsforen, nicht für mich, und sicherlich nicht für andere. Tatsächlich hatte ich auch schon erwogen es offline zu nehmen; denken kann ich auch, wenn keiner meine Gedanken liest; neben allerlei menschlicher Schwäche, die für das online-Dasein meiner Linie spricht, spricht noch etwas anderes dafür: es hat für mich zwar keinen Diskussions-, dafür aber Bekenntnischarakter. Ich schreibe über Dinge, zu denen ich mich bekenne. Aus diesem Grunde habe ich auch ein Impressum in mein Blog eingefügt; ein Bekenntnis ohne Kenntnis der Person, die es ablegt, erschiene mir leer. Mein Blog ist, wenn Du so willst, passend zum Fest des gestrigen Tages meine ganz persönliche Fronleichnamsprozession. Ich trage meinen Glauben unter den Himmel des Blogmos. Ich bekenne ihn. Ihn zu diskutieren hat für mich seinen Reiz weitgehend verloren. Ich diskutiere schließlich auch nicht mit anderen über die Liebe zu meiner Frau.
Tja, so sehe ich den Sinn meines Blogs.
Etwas voreilig, euer Urteil. Man sollte den Tag nicht vor dem Abend loben und die Diskussion nicht vor ihrem Ende tadeln. Und die Diskussion hat gerade erst angefangen. Wenn Du, Erich, in zwei Wochen wieder aus Italien zurück kommst, solltest du vielleicht noch mal in diese Diskussion hineinschauen - Deine Stellungnahme fände ich ganz angebracht.
Gruß,
Lucia.
Eine Stellungnahme im Rahmen der Diskussion, liebe Lucia, das wird kaum möglich sein: Cicero hat auf meinen Wunsch hin vor meiner Reise meinen Account kassiert. Und hier in meinem Blog bzw. direkt an dieser Stelle möchte ich das lieber nicht tun ... was nicht heisst, dass ich das Thema als solches gedanklich nicht weiter verfolge. Ich habe im Urlaub einiges dazu gelesen (übrigens auch von Joseph Ratzinger) und nicht wenig darüber nachgedacht.
lg
Erich
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