Santo Subito
"Ich habe noch eine sehr freudige Ankündigung zu machen", sagte Papst Benedict XVI während eines Treffens mit römischen Klerikern in seiner eigenen Bischofskirche, der Lateran-Basilika. Und verlas daraufhin einen lateinischen Text. Darin verkündete er den sofortigen Beginn des Prozesses zur Seligsprechung Johannes Paul II.In Polen, das war nicht anders zu erwarten, ist man über diese Ankündigung hoch erfreut. Stellvertrend für viele andere Stimmen Franciszek Macharski, der heute dem Bistum Krakau vorsteht, jener Diözese, deren Hirt Karol Woytila einst gewesen war: "Was ich empfinde? Eine enorme Freude! Dieser Papst war für mich der Heilige Vater. Heilig eben! Dieser Papst, der uns allen so nahe war, war wahrhaft ein Geschenk Gottes an uns, in diesen schwierigen Zeiten. Seine Art zu leben, zu sprechen, mit uns zu sein und zu beten - er war so strahlend, er war ein lebendes Zeugnis."
Es erheben sich allerdings auch andere Stimmen, ironischerweise nicht selten aus jener Ecke, die Kirche und Vatikan recht gerne zu wenig und zu langsame Veränderung vorwirft. "Warum", klagen diese nun, "diese Hast?" Eine der Stimmen, von mir in diesem Diskussionsforum vernommen, mutmaßte, es würde das Verfahren nur deswegen so schnell in Gang gesetzt, weil "die" - wer immer »die« auch sein mögen - die also "wollen Ruhe im Karton haben! Je länger man darauf warten müsste, desto lauter würden die Rufe nach Seligsprechung beziehungsweise desto länger würde der verstorbene Papst dem neuen die »Show« stehlen. Also lieber schnell weg mit der Sache vom Tisch ... ".
Ein recht seltsamer Gedanke, der zudem impliziert, Benedict XVI hätte bei nunmehr schon einigen Gelegenheiten die Wahrheit, gelinde gesagt, sozusagen poetisch überhöht, romantisch gefärbt, oder, um es schlichter zu sagen: er hätte geheuchelt und gelogen. "Wir können sicher sein, dass unser geliebter Papst jetzt am Fenster des Hauses des Vaters steht, uns sieht und uns segnet. Ja, segne uns, Heiliger Vater." Derart urteilte anlässlich der Predigt beim Begräbnis seines lieben Freundes und Vorgängers Kardinal Ratzinger vor den Gläubigen. Eine Seligsprechung ist ja nichts anderes als die Bekundung der Überzeugung der Kirche, es wäre ein bestimmter Mensch auf Grund seines Glaubens, der sich bezeugt durch sein Leben, im Hause des Vaters. Kardinal Ratzinger hat diese persönlich Überzeugung öffentlich kundgetan. Der ganzen Kirche sagte er, wir könnten dessen sicher sein, der ganzen Kirche sagte er damit, wir könnten der Seligkeit des verstorbenen Heiligen Vaters Johannes Paul II sicher sein.
Warum also das Erstaunen, dass er nun die Kirche beauftragte diese von ihm öffentlich kundgetane Überzeugung formal zu prüfen, um sie dann nochmals, diesmal im Namen und Auftrag der gesamten Kirche, dem Volk Gottes zu bestätigen?
Jahre, meinen nun manche, gar viele Jahre würde es bis dahin noch dauern; fast als Trostspruch ist diese scheinbare Gewissheit formuliert. Ich hingegen versuche mich nun als Prophet: es wird, wenn Gott will, dieser Papst sein, dieses Pontifikat, das die Seligsprechung Johannes Paul II sehen wird. Und noch eine zweite Prophezeiung knüpfe ich an: es wird, wenn Gott es so will, dieser Papst sein, Benedict XVI, der seinen Freund und Vorgänger Johannes Paul II, den Menschen Karol Woytila, heilig spricht. Ich biete darob eine Wette an. Wer hält dagegen?


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