Sonntag, April 03, 2005

Wider die Beckmesser
So vieles wird nun über Johannes Paul II gesagt, auch und gerade im Fernsehen. Noch liegt er nicht unter der Erde, schon höre ich - gerade jetzt im Ersten Deutschen von Heiner Geissler und Hans Küng - dass er, gewiss, das eine oder andere so schlecht nicht machte, aber - und dieses "aber" sagen sie in Großbuchstaben - am Ende ja doch so besonders nicht gewesen sei. Küng hat mich nie sonderlich angesprochen, aber nunmehr erscheint er mir als rechter Kleingeist, der einfach nicht erträgt, ein gutes Wort über den Papst einfach einmal so stehen zu lassen, selbst nicht zu dieser Stunde. Wenn es im Christsein um die Praxis, den gelebten Glauben, und weniger um die mehr oder minder geistreiche theologische Theorie geht (was immer auch Küng darunter verstehen mag, Heiner Geissler mit seinen (überflüssigen) Wortspenden nicht zu vergessen), dann ist Küng wahrhaft ein Zwerg, und Karol Woytila ein Riese.

Die ganze Woche der Osteroktav wird im Monastischen Stundenbuch zur Vesper der Psalm 112 gebetet, und gestern, als ich ihn betete im Gedenken an den zu diesem Zeitpunkt um seinen Tod ringenden Papst, schien er mir wie eine Entgegnung auf die Beckmesser zu sein, die nunmehr aus allen Ecken und Enden - und noch bevor die Leich' kalt ist, wie man in Österreich sagt - ihre Stimmen zu einem Choral der Mißbilligung und Abschätzung erheben.

Wohl dem Mann, der den Herrn fürchtet und ehrt
und sich herzlich freut an seinen Geboten.

Seine Nachkommen werden mächtig im Land,
das Geschlecht der Redlichen wird gesegnet.

Wohlstand und Reichtum füllen sein Haus,
sein Heil hat Bestand für immer.

Den Redlichen erstrahlt im Finstern ein Licht:
der Gnädige, Barmherzige und Gerechte.

Wohl dem Mann, der gütig und zum Helfen bereit ist,
der das Seine ordnet, wie es recht ist.

Niemals gerät er ins Wanken;
ewig denkt man an den Gerechten.

Er fürchtet sich nicht vor Verleumdung;
sein Herz ist fest, er vertraut auf den Herrn.

Sein Herz ist getrost, er fürchtet sich nie;
denn bald wird er herabschauen auf seine Bedränger.

Reichlich gibt er den Armen,
sein Heil hat Bestand für immer;
er ist mächtig und hoch geehrt.

Voll Verdruss sieht es der Frevler,
er knirscht mit den Zähnen und geht zugrunde.
Zunichte werden die Wünsche der Frevler.

Nun ist es tatsächlich so, dass er von oben herabschaut auf seine Bedränger. In der Zukunft wird er, wie ich glaube, zur Ehre der Altäre erhoben. Um einen Küng oder Geissler weiss dann aber niemand mehr. Beim Christ sein geht es eben tatsächlich um's Christsein, getätigt durch das eigene Leben. Und das umfasst mehr als 678 Seiten zwischen zwei Buchdeckel.