nicht beeindruckt
"Nicht beeindruckt" sei er angesichts Michelangelos David gewesen, erklärte der deutsche Maler und Bildhauer Hans-Georg Kern vulgo
Georg Baselitz. Und geht es nach
Robert Morris ist der 'David'
"mit Sicherheit ein Kitsch-Objekt". Der eine ist also nicht beeindruckt, der andere hält die Statue für Kitsch.
Laut dem
Wortschatz-Lexikon hat 'Kitsch' die Synonyme
"Firlefanz, Geschmacklosigkeit, Kinkerlitzchen, Kram, Plunder, Ramsch, Scheinkunst, Schund, Tand", ist Synonym von
"Edelkitsch, Geschmacklosigkeit, Schleuderware, Schrott, Schund, Schundware, Stilwidrigkeit, Tandwerk, Ungeschmack, Unwert" und wird von Ausdrücken wie
"Abgeschmacktheit, Geschmacklosigkeit, Schund, Wertloses" referenziert.
Fasst man das zusammen, ist Michelangelos 'David' geschmackloser Firlefanz, die 4 Meter und 9 Zentimeter große Statue ein Kinkerlitzchen, einfach nur Kram, Plunder, Tand, billigster Ramsch, ein Mist, Schrott, wider allen Stiles, eine wertlose Abgeschmacktheit, ein Schund. Bei solchen Bannflüchen sollte mich eigentlich nicht nur des Geldes wegen mein Besuch bei dem Giganten aus Marmor reuen. Aber ich bekenne, und ich bekenne es gerne: nichts bereue ich, gar nichts. Nicht eine Lira, keinen Cent, auch nicht die aufgewendete Zeit, keinen einzigen Augenblick; ich für mein Teil war nämlich beeindruckt.
Die oben zitierten Urteile stehen in Zusammenhang mit einer Ausstellung, über die sich in Italien die Gemüter erhitzen. 'David' feierte nämlich im September Geburtstag: 500 Jahre jung ist der alte Knabe nun. Man sieht's ihm wahrlich nicht an. Zu diesem runden Anlass eröffnete die
Galleria dell'Accademia, Wohnstätte des Geburtstagskindes, zeitgenössischen Künstlern (Georg Baselitz,
Luciano Fabro,
Jannis Kounellis, Robert Morris,
Thomas Struth) die Möglichkeit sich künstlerisch mit Michelangelos Werk auseinanderzusetzen.
Forme per il David nennt sich die Ausstellung, deren Exponate sich zumindest physisch rund um den marmornen Giganten gruppieren.
Baselitz, den, wie schon erwähnt, die Statue nicht beeindruckte, rotzt mit einem hölzern wirkenden 1,65 Meter hohen Bronzefuß wider sie an. Wenn schon der Fuß so groß ist, wie groß wäre dann erst ein 'David' aus Baselitz Hand? Oder so ähnlich, möglicherweise.
Fabros Installation wiederum zitiert Michelangelos 'Jüngstes Gericht'. In der Mitte allerdings hat sich der Künstler selbst dargestellt, nackt, mit erigiertem Penis. Sehr potent.
Kounellis stellte zwischen den beiden 'Sklaven', von Michelangelo nicht vollendete Arbeiten, Hohlwände auf, gefüllt mit Kohle. Eine sozialkritische Anspielung? Wer weiss? Ich nicht.
Morris Videoinstallation zeigt Akademiker, die mehr oder minder sinnreiche Kommentare -
"David, zieh dir Hosen an und spiel die Luftgitarre" - austauschen.
Thomas Struth schließlich bannt auf drei riesigen Fotos Besucher der Galleria dell'Accademia, wie sie dem 'David' in Shorts und T-Shirts und mit offenen Augen und Mündern huldigen. Offene Augen und offener Mund: da könnte glatt ich abgebildet sein. Ich trug allerdings keine Shorts, sondern eine lange Hose (eine Levis
501, glaube ich, falls mich das für irgend etwas entschuldigt).
Auf seine Art ist die Austellung tatsächlich eine Referenz vor Michelangelos Werk. Was aber kann der Besucher davon mit nach Hause nehmen? Dass Baselitz größer noch als Michelangelo könnte? Das eine oder andere Bonmont aus Morris Installation?
"In the room the women come and go / Talking of Michelangelo"? Oder Fabros Penis? Aber nein, der wird ja noch für die Ausstellung gebraucht.
Eklat zum 500-Jahr-Jubiläum |
Werke zeitgenössischer Kunst vor der 500 Jahre alten David-Statue sorgen für Aufruhr in Florenz. Während das Meisterwerk Michelangelos (1475-1564) nach einer langen - und höchst umstrittenen - Reinigung seit September wieder öffentlich in Florenz zu sehen ist, zeigt die weltberühmte Galleria dell'Accademia nun erstmals in ihrer langen Geschichte auch Installationen zeitgenössischer Künstler, die in Italien Debatten und Empörung ausgelöst haben. - [
ORF]