Montag, August 16, 2004

Ende einer Pilgerfahrt? Oder: Totgesagte leben länger?
Wie nicht anders zu erwarten: Spekulationen über den baldigen Tod Johannes Paul II, angeheizt durch einige Äusserungen des belgischen Kardinal Godfried Danneels, der von manchen, darunter auch von John Allen, dem Vatikan-Experten des National Catholic Reporter, als einer der möglichen Kandidaten für dessen Nachfolge gehandelt wird. "Wenn der Papst sagt: 'Ich beende hier meine Pilgerfahrt', dann kann das in zwei Bedeutungen verstanden werden", sagte Danneels. "So wurde es zumindest auch (von den Menschen) auf der Wiese verstanden. Es klang beinahe wie der Abschied von Lourdes und vielleicht auch von seinem Leben."

Papst Johannes Paul II. - "Ich beende hier meine Pilgerfahrt" | Der belgische Kardinal Godfried Danneels deutet Äußerungen von Papst Johannes Paul II. nach dessen Schwächeanfall in Lourdes am Wochenende als Hinweis auf dessen bevorstehenden Tod. ... - [Optinews].

Neue Sorgen um die Gesundheit des Papstes | Es waren zwei kurze, kaum verständlich artikulierte Sätze während der Predigt von Papst Johannes Paul II. bei der Festmesse am Sonntag in Lourdes, die bei Kircheninsidern die Alarmglocken anschlagen lassen. Polnisch murmelte er während der französisch gehaltenen Homilie zunächst: "Helft mir!" Danach wurde ihm ein Glas Wasser gereicht. Und später wieder in seiner Muttersprache gleichsam zu sich selbst, dass er durchhalten müsse. Noch nie bei den abertausenden öffentlichen Auftritten des Papstes hat sich Ähnliches ereignet. ... - [Die Presse].

Ein Zittern
Ein schöner Artikel von Paul Badde in der Welt über Papst Johannes Paul II Wallfahrt nach Lourdes. Lesenswert.

Mit dem Papst unterwegs in Lourdes | Ein Zittern überfällt den Papst in der Grotte von Lourdes, gerade unter dem Felsspalt, wo 1858 eine "weiße Dame" dem berühmtesten Kind des Dorfes erschienen ist. Er hat von dem sanften Wasser ihrer Heilquelle getrunken. Der "weißen Dame" selbst hat er aus Rom eine Rose mitgebracht und vor die Füße gelegt, wie Päpste früherer Zeiten sie einmal den katholischen Königinnen zu schicken pflegten. Doch jetzt zittert er. ... Fällt er? Stürzt er? Er sackt ab in sich selbst hinein, taucht weg in eine andere Welt, als helfende Hände ihn schon wieder auffangen, wie man einen Behinderten auffängt, und sanft auf seinen Sitz drücken, wo er sich nun endlich wieder der Versunkenheit hingibt, in die er gerade hineingleiten wollte. In seine Welt des Gebets, in der er inzwischen nur noch ganz und gar zu Hause scheint. ... Das Zittern hat keine halbe Minute gedauert, weniger als ein Ave Maria lang. Unser Dorfpfarrer ist einmal so zusammengesackt, mitten im Gebet, als er vor vielen Jahren auf der Kanzel der Kirche starb. Der Papst hingegen verkündet nur wenig später, dies sei "eines der schönsten Feste" seines Lebens. ... - [Die Welt].

Donnerstag, August 12, 2004

Ohne Rücksicht auf den Wahrheitsgehalt
Vor einiger Zeit berichtete ich über einen Artikel von Klaus Berger in der Tagespost - "Wie sich die Kirche in Deutschland 'knacken' lässt" - den ich kurz kommentierte. Es ging dabei um einen Besuch junger Priester in der Redaktion von Spiegel-Online und um ein Gespräch, das dort mit einem stellvertretenden Chefredakteur geführt wurde. Einige Tage später erreichte mich eine Mail von "Spiegel"- Justitiar Jan Siegel, der mich aufforderte diesen Beitrag innerhalb von 48 Stunden von meinem Blog zu entfernen, da er - laut Herrn Siegel - unrichtige Behauptungen enthalte. Auch die Tagespost habe den gegenständlichen Artikel bereits wieder offline genommen. Als Verbreiter, teilte er mir mit, hafte ich gleichermaßen wie der Urheber. Sollte ich den Beitrag nicht offline nehmen, müsse er - Justitiar Jan Siegel - sich eine formale Geltendmachung von Unterlassungsansprüchen und gegebenenfalls eine Richtigstellung überlegen. Daraufhin nahm ich den Beitrag aus meinem Blog.

Nun ist in der Tagespost nach Paragraph 10 des Landespressegesetzes Bayern eine vom Spiegel beziehungsweise dem oben angesprochenen stellvertretenden Chefredakteur formulierte Gegendarstellung erschienen: ohne Rücksicht auf den Wahrheitsgehalt, wie die Tagespost knochentrocken hinzufügt.

Nun, so sieht man wenigstens, wer aller ein solches Blog liest. Das ist doch auch etwas? Aber halt: wie ich mit etwas Google-Hilfe herausfand, bin ich nicht der einzige, der zur Rücknahme veranlasst wurde. Von mindestens zwei anderen Websites sind Berichte zu der Sache gleichfalls verschwunden: ohne Rücksicht auf den Wahrheitsgehalt. Knochentrocken.

Mittwoch, August 11, 2004

Rächtschraiprephorm
Die Diskussion über Rechtschreibreform hin, Rechtschreibreform her, ist wirklich ganz und gar Deutschland. Glückliches Land, das keine anderen Probleme zu kennen scheint, nichts von seinen 4.233.417 Arbeitslosen weiss, sich gedanklich nicht mit einem Budgetdefizit von knapp 4 Prozent belastet, nicht not hat sich seiner demographischen Implosion gewahr zu werden ... Glückliches Land, das statt dessen die Muse hat sich zu spalten entlang der dringlichen Frage nach ss oder ß.

Dogmatik online
Der Glaube der Kirche - online-Ausgabe der mehrbändigen Dogmatik von Prof. Dr. Michael Schmaus.

Dienstag, August 10, 2004

The Pope and the Catholic Church's doctrinal czar
John Allen porträtiert für die Los Angeles Times Kardinal Ratzinger, Leiter der Kongregation für die Glaubenslehre.

The Blunt Hard-Liner at Pope John Paul's Side | In a 1995 interview, Cardinal Joseph Ratzinger, the Catholic Church's doctrinal czar, was asked to describe what Pope John Paul II meant when he said the third millennium would be a "springtime of the human spirit." Ratzinger sketched the pope's hopeful vision that, after two millenniums of division, the third millennium would be one of unity among peoples and religions, in which the entire human family would come together to build God's kingdom. Then Ratzinger added dryly: "At the moment, I do not yet see it approaching."

That in a nutshell captures the difference between John Paul II and the Bavarian theologian who has been his intellectual guru since 1981 and who is back in the headlines this week with a new critique of feminism. ...
- [Los Angeles Times (kostenlose Registrierung erforderlich)].

Donnerstag, August 05, 2004

Doré Bibel
Der Stern der WeisenEine Neuerwerbung über Abebooks - neu im Sinne von "neu gekauft": eine Ausgabe der Doré Bibel. Diese Bibel ist die bis heute meistverkaufte und global beliebteste Bilderbibel überhaupt.

"J’illustrirai tout!" 1861 fasste Gustave Doré den Entschluss eine illustrierte Weltbibliothek zu schaffen. Alle Hauptwerke der Weltliteratur wollte er als illustrierte Reihe in einheitlichem Großformat vorlegen. Als erstes Werk erschien 1861 die Illustrationen zu Dantes Göttlicher Komödie.

1866 folgten die 230 Holzstiche zur Bibel, die Doré-Bibel, sein größter Erfolg. Innerhalb kürzester Zeit erschienen verschiedenste Ausgaben, Pracht- und Volksbibeln, in mehreren europäischen Sprachen. Die Holzstiche überwanden auch sämtliche Hürden zwischen den verschiedenen christlichen Gemeinschaften; sie erschienen in katholischen, lutherischen und reformierten, russisch-orthodoxen, griechisch-orthodoxen, anglikanischen, methodistischen, baptistischen und freikirchlichen Bibelausgaben. Ebenso fanden sie Eingang in verschiedene Ausgaben des Tanach, der jüdischen Bibel.

Die von mir erworbene Ausgabe ist eine Neuauflage des Werks, erschienen in den 70er-Jahren des letzten Jahrhunderts. Der den Illustrationen beigegebene Bibeltext wurde der Prachtausgabe von 1898 entnommen, die im Verlag Eduard Hallberger in der Übertragung von Franz von Allioli erschien.

Dienstag, August 03, 2004

Parabel
Falls es aber in einem späteren Zeitalter geschieht, dass die Vernunft versagt und die Wissenschaft keine Antworten findet, sondern nur Wissen und Macht vermehrt, ohne das Gewissen oder den Zweck zu verbessern; wenn alle Utopien in der unwandelbaren Ausnutzung der Schwachen durch die Starken grausam zusammenbrechen, dann werden die Menschen verstehen, warum sich dereinst ihre Vorfahren in der Barbarei dieser frühchristlichen Jahrhunderte von Wissenschaft, Wissen, Macht und Stolz abwendeten und auf ein Jahrtausend zu demütigem Glauben, zu Hoffnung und Nächstenliebe ihre Zuflucht nahmen. - [Will Durant, Kulturgeschichte der Menscheit, Bd. 5].

Auf welcher Sprosse der Leiter stehen wir? Persönlich glaube ich ja, dass unser System, unsere Kultur, die Flugbahn einer Parabel beschreibt, die ihren höchsten Punkt bereits überstieg. Mit etwas Glück ist der Weg nach unten noch lang; aber runter kommen sie immer. Damit ist nicht der Glaube an Christus gemeint. Die Kirche durchwandert Zeit und Kulturen. Wohin aber werden sich die Abkömmlinge einer Kultur wenden, die eigene Wege ging? Wo - oder bei wem - finden sie Zuflucht?

Parabel, griechisch parabole, also Gleichnis, so sagt man man auch zu einer Erzählung, die eine Wahrheit in Form einer kurzen Geschichte verbildlicht. Jede Geschichte ist einmal zu Ende. Dann fängt eine andere an.

Der antirömische Affekt
"Das glorreiche Volk der Franken, dessen Gründer Gott selbst ist, tapfer in Waffen, stark im Frieden, weise im Rat, edel an Körper, strahlend in Gesundheit, vorragend an Schönheit, kühn, schnell, abgehärtet ... dies ist das Volk, welches das grausame Joch der Römer von seinem Nacken schüttelte. ..."

Eine Passage aus dem Vorwort der Lex Salica, dem salischen Gesetz aus dem frühen sechsten Jahrhundert, das vier ehrwürdige Stammesoberhäupter verfasst, und drei aufeinanderfolgende Volksversammlungen überprüft und gutgeheissen haben sollen.

"... das grausame Joch der Römer ...". Dazu passt gut, dass die Ermordung eines Römers gemäß der Lex Salica mit einer Geldstrafe in Höhe von 67,5 Schillingen zu Buche schlug, die Tötung eines freien Franken hingegen mit 200 Schillingen geahndet wurde. So gesehen war der Mord an einem Römer fast schon ein Schnäppchen, quasi ein Gelegenheitskauf. Mit Rom konnten also die Franken, Stammväter der Deutschen und Franzosen, schon Anno Dazumal nicht. Ist's wirklich nur Zufall, dass die Reformation, das "Los von Rom", gerade in Deutschland ihren Ausgangspunkt nahm? Ist's wirklich nur Zufall, dass jedes Papier aus Rom halb Deutschland in Zuckungen des Abscheus versetzt? Oder ist der antirömische Affekt fast schon so etwas wie eine Erbkrankheit, möglicherweise eine Allergie, unauslöschlich in die Gene gedrückt? Frage ich mich das ernsthaft? Frage ich mich.

Causa Krenn: Meinungsumfrage
Causa Krenn: Meinungsumfrage
Quelle: Der Standard

Montag, August 02, 2004

Ist Schmerz, sobald an eine neue Schicht
die Pflugschar reicht, die sicher eingesetzte,
ist Schmerz nicht gut? Und welches ist der letzte,
der uns in allen Schmerzen unterbricht?

Wieviel ist aufzuleiden. Wann war Zeit, das andre, leichtere Gefühl zu leisten?
Und doch erkenn ich, besser als die meisten
einst Auferstehenden, die Seligkeit.


Rainer Maria Rilke, Herbst 1913, Paris
Gedichte an die Nacht

Gottes Schar
Aus schlechtem Holz. Die Gedanken über Johannes von Gott ließ ich halbfertig zurück. Heute in der Abendmesse, beim "Vater Unser", verhakten sich meine Gedanken an den Versen "Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden". Dieser Wille Gottes für uns hier auf Erden schien mir plötzlich wie eine Pflugschar zu sein, die meine Erde aufbrechen will. Ich aber versage mich diesem Willen, meine Erde bleibt hart. Keine schwache Stelle bietet die verkrustete Oberfläche meines arrangierten Christentums dem Eisen des Wortes. Am 20. Jänner des Jahres 1539 predigt der berühmte Bußprediger Johannes von Ávila auf einem Hügel gegenüber der Alhambra. Wohl viele Menschen mögen die Rede des berühmten Mannes vernommen haben. Wieso ist aber unter diesen vielen gerade einer, der auf Grund dieser Predigt schier den Verstand verliert? Was sprach Johannes von Avila, welche Worte hat er gebraucht, dass der Buchhändler Joao Ciudad im Anschluß an sie wie ein Verrückter durch die Straßen der Stadt irrt, seine Bücher zerreisst, sein gesamtes Hab und Gut verschenkt, bitterlich weint und klagt, Christus laut um Verzeihung anfleht? Welche schwache Stelle fand Gottes Schar in des Mannes guter Christlichkeit, dass sie sein Innerstes nach Aussen kehrt? Warum dieser eine Mann, wo doch viele andere die gleichen Worte vernahmen und ruhigen Sinnes blieben, wohl auch sie gute Christen allesamt? Ich, das weiss ich, trage trotz anderslautender Rede doch Sorge darum nach Möglichkeit nicht in die Hände des lebendigen Gottes zu fallen. Mein Erdreich halte ich fest und bedeckt, dass Gottes Pflugschar mich nur an der Oberfläche und nicht zu tief ritze. Es ist die fette Erde, die sich willig dem Pflug schickt; mein karges steiniges Erdreich verweigert sich. Aber wie ging es zu? Welche schwache Stelle fand Gottes Schar in Joao Ciudad, dass aus seinem umgebrochenen Boden Johannes von Gott erwuchs?

Sonntag, August 01, 2004

Anschlagsserie gegen christliche Kirchen | Bei einer beispiellosen Anschlagsserie auf christliche Kirchen im Irak am Sonntag sind nach neuesten Behördenangaben mindestens 15 Menschen getötet und rund 50 weitere verletzt worden. In Bagdad starben bei der Explosion von Autobomben vor drei Kirchen und auf einem Klostergelände mindestens 14 Menschen. Unter den Toten waren auch Frauen und Kinder, wie Rettungskräfte sagten. ... - [Der Standard].

Sommerhitze: Baden Baden
Baden Baden (mp3-Datei). - [Quelle: Radiopannen, via Jürgen].

"Das sind die, welche aus der großen Drangsal gekommen sind"
In Guatemala wurde gestern in den Aussenbezirken der Hauptstadt Guatemala-City der 45-jährige Pfarrer Eusebio Manuel Sazo Urbina auf offener Straße erschossen. Von unbekannter Seite waren ihm zuvor Morddrohungen zugegangen. Der Pfarrer der Kirche "Divino Salvador del Mundo" folgte einem Ruf zu einem Sterbenden. Auf dem Weg dorthin erfolgte der Angriff. Von zwei Schüssen in Nacken und Bauch getroffen, fiel der Geistliche schwer verletzt zu Boden. Sein Angreifer floh in einem Auto, das auf der Straße auf ihn wartete. Pfarrer Sazo Urbina starb im Krankenhaus "San Juan de Dios" an seinen Verletzungen. - [misna].

Da fragte mich einer der Ältesten: "Wer sind diese, die weiße Gewänder tragen, und woher sind sie gekommen?" Ich erwiderte ihm: "Mein Herr, das musst du wissen." Und er sagte zu mir: "Es sind die, die aus der großen Bedrängnis kommen; sie haben ihre Gewänder gewaschen und im Blut des Lammes weiß gemacht. Deshalb stehen sie vor dem Thron Gottes und dienen ihm bei Tag und Nacht in seinem Tempel; und der, der auf dem Thron sitzt, wird sein Zelt über ihnen aufschlagen. Sie werden keinen Hunger und keinen Durst mehr leiden und weder Sonnenglut noch irgendeine sengende Hitze wird auf ihnen lasten. Denn das Lamm in der Mitte vor dem Thron wird sie weiden und zu den Quellen führen, aus denen das Wasser des Lebens strömt, und Gott wird alle Tränen von ihren Augen abwischen." (Offb 7, 13-17 ).