Hier wird Christus gegessen
Gestern nachmittag fuhr ich nach Michaelbeuern, gut 30 Kilometer nördlich von Salzburg. Ziel meines kleinen Ausflugs war die gleichnamige Benediktinerabtei, eine sehr alte Gründung: bereits um 736 existierte hier eine Mönchszelle. Durch die Ungarnkriege kam es zu einer Unterbrechung des mönchischen Lebens. Um 977 erfolgte nach einer Güterschenkung durch Kaiser Otto II der Wiederaufbau. Trotz des kirchlichen Feiertages - Pfingstsonntag - sah ich auf den Wiesen beidseits der Straße durch das Oichtental die Bauern bei der Heuernte. Im Gegensatz zum vorigen Jahr war der Frühling heuer ausreichend mit Niederschlägen gesegnet, die Wiesen müssen jetzt gemäht werden, soll das hochgeschossene Gras nicht umfallen und an Wert verlieren. Und der Wetterbericht für die nächsten Tage ist nicht so, dass längeres Warten zu empfehlen wäre.
Die Abtei organisiert jedes Jahr eine Sonderausstellung, die hauptsächlich aus den eigenen Besitztümern des Klosters bestückt wird. "Zum Ruhm und zur Ehre Gottes - Meisterwerke sakraler Kunst aus der klösterlichen Schatzkammer", so das Thema diesen Jahres. Zuvor aber hatte ich noch Gelegenheit an einer Führung durch das Kloster teilzunehmen, die bei den ältesten Räumlichkeiten des Kloster begann, einem mittelalterlichen Refektorium (Speisesaal) zur Armenspeisung. Den Tag zuvor noch war ich im Dommuseum zu Salzburg gewesen und bewunderte dort Johann Michael Rottmayrs Spiel mit den Farben. In der Abteikirche konnte ich nun ein weiteres Bild aus Rottmayrs Hand bewundern, das Christi Auferstehung zum Inhalt hat. Das Bild zeigt das Grab, die trauernden Frauen, die römischen Soldaten, alles in gedeckten, erdigen Tönen gehalten. Darüber erhebt sich, gekleidet in strahlende, lichtstarke Farben, Jesus Christus, der auferstandene Herr. Diese Komposition, erdschwer dunkle Farben unten, himmlisch helle darüber, nutzte geschickt die durch die Architektur der Kirche vorgegebenen Verhältnisse von Licht und Dunkel. Die ursprünglich romanische Abteikirche, im Laufe der Jahrhunderte mehrmals umgebaut und umgestaltet, war zu Rottmayrs Zeit ein sehr dunkler Bau. Um Altar und Altarbild aus der dunklen Masse des Kirchenraumes hervorzuheben, wurde auf Verlangen von Rottmayr in die Ostmauer des Altarraumes ein Fenster gebrochen. Auf diese Weise fällt morgens, pünktlich zur Konventmesse, Sonnenlicht gleich einem Scheinwerferkegel auf sein Bild. Die Kirche wurde nach dem 2. Weltkrieg von vielen Hinzufügungen der Jahrhunderte entkleidet und sozusagen wieder re-romanisiert. Zusätzliche Fenster hellten sie deutlich auf, sodass nunmehr der von Rottmayr angestrebte Effekt - ein dunkles Kirchenschiff, durch das der auferstandene Herr wie eine farbige Fackel strahlt - etwas von seiner Leuchtkraft einbüsste.
In der alten Bibliothek waren noch etliche alte Handschriften zu bewundern. Es ist wirklich kaum vorstellbar mit welcher kalligraphischen Präzission die Menschen jener Zeit zu schreiben imstande waren.
Den Abschluß fand die Führung in der schon angesprochenen Sonderausstellung: Silberaltarschmuck aus der Barockzeit, Kelche, Monstranzen, Lavabogarnituren und vieles andere mehr. Das Stück, das mich am meisten beeindruckte, zeichnet sich durch einen sehr geringen Materialwert aus: eine schlichte Steintafel, gefasst von einem ebenso schlichtem Holzrahmen, ein Reiseportatile (Reisealtarstein) aus dem 13. Jahrhundert. Der Holzrahmen trägt eine lateinische Inschrift, deren deutsche Übersetzung ich mir zu merken vornahm. Soweit mir dies möglich war, lautet die Inschrift in etwa so: Hier wird Christus gegessen. Obwohl gegessen, bleibt er unversehrt.
Ein sehr sinnliches, geradezu handgreifliches Verständnis von Eucharistie.
Den heutigen Tag verbrachte ich in Passau, gewidmet dem vierten Kapitel der Geschichte der Menschen am Inn, der letzten Station der Oberösterreichischen Landesausstellung grenzenlos. Ich bin zu müde, um jetzt noch darüber zu schreiben. Vielleicht morgen.



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Schließlich, ziemlich genau zwischen Flußkilometer 17.6 und 17.4, weist mir ein Schild den Weg zur Kirche von Raitenhaslach. Jetzt noch die Steigung aus dem hier engen Flußtal hinauf und hinaus auf jene Verflachung, die die Kirche beherbergt. Übrigens hat sich das Wetter zum Schlechteren gewendet; bislang leuchtete durch große Lücken zwischen den Wolken ein blauer Himmel mit viel Sonne herab, nun aber, da sich mein Weg seinem Ende nähert, haben sich diese Lücken fast gänzlich geschlossen. Und endlich, endlich - 
