Montag, Mai 31, 2004

Hier wird Christus gegessen
Gestern nachmittag fuhr ich nach Michaelbeuern, gut 30 Kilometer nördlich von Salzburg. Ziel meines kleinen Ausflugs war die gleichnamige Benediktinerabtei, eine sehr alte Gründung: bereits um 736 existierte hier eine Mönchszelle. Durch die Ungarnkriege kam es zu einer Unterbrechung des mönchischen Lebens. Um 977 erfolgte nach einer Güterschenkung durch Kaiser Otto II der Wiederaufbau. Trotz des kirchlichen Feiertages - Pfingstsonntag - sah ich auf den Wiesen beidseits der Straße durch das Oichtental die Bauern bei der Heuernte. Im Gegensatz zum vorigen Jahr war der Frühling heuer ausreichend mit Niederschlägen gesegnet, die Wiesen müssen jetzt gemäht werden, soll das hochgeschossene Gras nicht umfallen und an Wert verlieren. Und der Wetterbericht für die nächsten Tage ist nicht so, dass längeres Warten zu empfehlen wäre.

Die Abtei organisiert jedes Jahr eine Sonderausstellung, die hauptsächlich aus den eigenen Besitztümern des Klosters bestückt wird. "Zum Ruhm und zur Ehre Gottes - Meisterwerke sakraler Kunst aus der klösterlichen Schatzkammer", so das Thema diesen Jahres. Zuvor aber hatte ich noch Gelegenheit an einer Führung durch das Kloster teilzunehmen, die bei den ältesten Räumlichkeiten des Kloster begann, einem mittelalterlichen Refektorium (Speisesaal) zur Armenspeisung. Den Tag zuvor noch war ich im Dommuseum zu Salzburg gewesen und bewunderte dort Johann Michael Rottmayrs Spiel mit den Farben. In der Abteikirche konnte ich nun ein weiteres Bild aus Rottmayrs Hand bewundern, das Christi Auferstehung zum Inhalt hat. Das Bild zeigt das Grab, die trauernden Frauen, die römischen Soldaten, alles in gedeckten, erdigen Tönen gehalten. Darüber erhebt sich, gekleidet in strahlende, lichtstarke Farben, Jesus Christus, der auferstandene Herr. Diese Komposition, erdschwer dunkle Farben unten, himmlisch helle darüber, nutzte geschickt die durch die Architektur der Kirche vorgegebenen Verhältnisse von Licht und Dunkel. Die ursprünglich romanische Abteikirche, im Laufe der Jahrhunderte mehrmals umgebaut und umgestaltet, war zu Rottmayrs Zeit ein sehr dunkler Bau. Um Altar und Altarbild aus der dunklen Masse des Kirchenraumes hervorzuheben, wurde auf Verlangen von Rottmayr in die Ostmauer des Altarraumes ein Fenster gebrochen. Auf diese Weise fällt morgens, pünktlich zur Konventmesse, Sonnenlicht gleich einem Scheinwerferkegel auf sein Bild. Die Kirche wurde nach dem 2. Weltkrieg von vielen Hinzufügungen der Jahrhunderte entkleidet und sozusagen wieder re-romanisiert. Zusätzliche Fenster hellten sie deutlich auf, sodass nunmehr der von Rottmayr angestrebte Effekt - ein dunkles Kirchenschiff, durch das der auferstandene Herr wie eine farbige Fackel strahlt - etwas von seiner Leuchtkraft einbüsste.

In der alten Bibliothek waren noch etliche alte Handschriften zu bewundern. Es ist wirklich kaum vorstellbar mit welcher kalligraphischen Präzission die Menschen jener Zeit zu schreiben imstande waren.

Den Abschluß fand die Führung in der schon angesprochenen Sonderausstellung: Silberaltarschmuck aus der Barockzeit, Kelche, Monstranzen, Lavabogarnituren und vieles andere mehr. Das Stück, das mich am meisten beeindruckte, zeichnet sich durch einen sehr geringen Materialwert aus: eine schlichte Steintafel, gefasst von einem ebenso schlichtem Holzrahmen, ein Reiseportatile (Reisealtarstein) aus dem 13. Jahrhundert. Der Holzrahmen trägt eine lateinische Inschrift, deren deutsche Übersetzung ich mir zu merken vornahm. Soweit mir dies möglich war, lautet die Inschrift in etwa so: Hier wird Christus gegessen. Obwohl gegessen, bleibt er unversehrt.

Ein sehr sinnliches, geradezu handgreifliches Verständnis von Eucharistie.

Den heutigen Tag verbrachte ich in Passau, gewidmet dem vierten Kapitel der Geschichte der Menschen am Inn, der letzten Station der Oberösterreichischen Landesausstellung grenzenlos. Ich bin zu müde, um jetzt noch darüber zu schreiben. Vielleicht morgen.

Sonntag, Mai 30, 2004

Komm, o Geist der Heiligkeit!

Veni Sancte Spiritus | Komm, o Geist der Heiligkeit!
et emitte caelitus | Aus des Himmels Herrlichkeit
lucis tuae radium. | Sende Deines Lichtes Strahl.

Veni pater pauperum, | Vater aller Armen Du,
veni dator munerum, | Aller Herzen Licht und Ruh,
veni lumen cordium. | Komm mit Deiner Gaben Zahl!

Consolator optime, | Tröster in Verlassenheit,
dulcis hospes animae, | Labsal voll der Lieblichkeit,
dulce refrigerium. | Komm, o süßer Seelenfreund!

In labore requies, | In Ermüdung schenke Ruh,
in aestu temperies, | In der Glut hauch Kühlung zu,
in fletu solatium. | Tröste den, der Tränen weint.

O lux beatissima, | O Du Licht der Seligkeit,
reple cordis intima | Mach Dir unser Herz bereit,
tuorum fidelium. | Dring in unsre Seelen ein!

Sine tuo numine | Ohne Deinen Gnadenschein
nihil est in homine, | Steht der arme Mensch allein,
nihil est innoxium. | Kann nicht gut und sicher sein.

Lava, quod est sordidum, | Wasche, was beflecket ist,
riga, quod est aridum, | Heile, was verwundet ist,
sana, quod est saucium. | Tränke, was da dürre steht,

Flecte, quod est rigidum, | Beuge, was verhärtet ist,
fove, quod est frigidum, | Wärme, was erkaltet ist,
rege, quod est devium. | Lenke, was da irre geht!

Da tuis fidelibus | Heil'ger Geist, wir bitten Dich,
in te confidentibus | Gib uns allen gnädiglich
sacrum septenarium. | Deiner sieben Gaben Kraft!

Da virtutis meritum, | Gib Verdienst in dieser Zeit
da salutis exitum, | Und dereinst die Seligkeit
da perenne gaudium. | Nach vollbrachter Wanderschaft.

Amen. Alleluja.

Samstag, Mai 29, 2004

Genie der barocken Farbe
Die Verherrlichung des heiligen Karl BorromäusJohann Michael Rottmayr - Genie der barocken Farbe, so lauten Titel und Thema der diesjährigen Sonderausstellung des Dommuseums zu Salzburg. Heute nachmittag besuchte ich sie. Wer schon einmal im Dom war und nach oben blickte, sah beidseits des Langhauses Balkone, dahinter große Fenster. Und hinter diesen Fenstern liegt das Museum, von dessen Höhe her sich interessante Blicke ins Kirchenschiff und auf dessen Freskenschmuck bieten. Beim Wetter hatte ich mich etwas verschätzt. Zwar schien draussen die Sonne, doch drinnen war's kalt. Ich fror, wie man sagt, wie ein Schneider. Dennoch lohnte der Gang.

Rottmayr gilt als der bedeutendste Maler des Barock im süddeutschen und österreichischem Raum. Er wurde vor 350 Jahren in Laufen an der Salzach geboren. Zu dieser Zeit war die heute in Bayern gelegene Stadt noch Teil des Fürsterzbistums. Aus diesem Grunde sind hier und in der gesamten Umgebung zahlreiche Bilder von ihm zu finden. Auch der Freskenschmuck der erzbischöflichen Residenz ist aus seiner Hand an die Decken geflossen.

Zwei der in der Ausstellung gezeigten Bilder, "Martyrium des Heiligen Bartholomäus" und "Pflege des Heiligen Sebastian", malte Rottmayr, wie mir der Audioguide ins Ohr flüsterte, für zwei Seitenaltäre der Klosterkirche von Raitenhaslach. Mit ihren hellen Tönen fügten sie sich seinerzeit wohl ausgezeichnet in deren zarte Farbenpracht. Und dies trotz des eher grausigen Sujets. Bekanntlich wurde der Heilige Bartholomäus bei lebendigem Leibe gehäutet. Auf dem Bild wird der Beginn dieser Marter gezeigt. Der Blick des Heiligen allerdings ist ergeben nach oben gerichtet, von wo ihm zwei Engel Palmzweig und Lorbeerkranz als Zeichen seines Blutzeugnisses reichen.

Auch das von mir im Blog zitierte Bild "Die Verherrlichung des heiligen Karl Borromäus" wird in der Ausstellung gezeigt. Die dargestellte Szene enthält eine Ansicht auf die Salzburger Kollegienkirche, dahinter der Mönchsberg, ganz im Hintergrund ist der Untersberg zu sehen.

Der Zahnbrecher
Kremser Schmidt: Der ZahnbrecherSchrieb ich nicht vor einigen Tagen, ich wäre beim Zahnarzt gewesen? Bei aller Kultur- und Zivilisationskritik, den Jean-Jacques Rousseau unserer Tage möchte ich sehen, der nicht bei weit geöffnetem Mund unter dem Zugriff des Zahnarzts - ich persönliche ziehe eine Zahnärztin vor - um jedes Quentchen Fortschritt in der Zahnmedizin froh und dankbar ist. Das aber nur nebenbei (und weil mir noch ein weiterer Gang zu meiner Zahnärztin ins Haus steht).


Das Bild "Der Zahnbrecher" ist Bestandteil der Ausstellung Reiselust & Kunstgenuß, eine Zwei-Länderausstellung barocker Gemälde in den Prämonstratenserstiften Geras im niederösterreichischen Waldviertel und Neu-Reisch/Nova Rise in Südostböhmen.

Drei Brüder
Bruder Sonne, Schwester Mond. Franco Zeffirellis Film über den jungen Franz von Assisi findet seine Fortsetzung. Im November des heurigen Jahres wird der italienische Starregisseur mit den Dreharbeiten in Umbrien, Marokko und Tunesien beginnen. Zu Ostern nächsten Jahres soll der Film unter dem Titel "Drei Brüder" in die Kinos kommen. Laut Zeffirelli stützt sich das Drehbuch auf geschichtliche Quellen. Geschildert wird die Reise des Heiligen nach Jerusalem, seine Begegnungen und Auseinandersetzungen mit Kreuzrittern, Christen, Moslems, dem Sultan Al Malik. Nach Zeffirellis Ansicht sei das Thema durchaus aktuell stehe doch die Welt "am Rande eines großen Religionskrieges".

"Mein Film wird kein Monumentalstreifen sein, er wird karg aber tief sein. Es wird keine Stars geben, die Rolle des Franz wird ein italienischer Schauspieler übernehmen".

Franco Zeffirellis Nahost-Mission | Sequel zu "Bruder Sonne, Schwester Mond" über Reise von Franz von Assisi nach Jerusalem in Vorbereitung. Der italienische Regieveteran Franco Zeffirelli will eine Fortsetzung seines Films "Bruder Sonne, Schwester Mond" (1972) drehen. Der Titel des Films, der ab November gedreht werden und an Ostern 2005 in die Kinos kommen soll, ist "Drei Brüder". ... [Der Standard].

Freitag, Mai 28, 2004

Schreiber von Geschichte(n)
Geschichtsschreiber standen, wie ich im 6. Band von Will Durants "Kulturgeschichte der Menschheit: Das frühe Mittelalter" las, bei Franz von Assisi in geringem Ansehen. Sie selber, meinte der Heilige kritisch, vollbrächten keine großen Taten, strebten aber nach Anerkennung dafür, dass sie aufzeichneten, was andere Großes vollbrachten. Als Durant dies schrieb, musste er sicherlich lächeln. Zu diesem Zeitpunkt hatte er bereits über viele hundert Seiten hinweg eben dies getan. Was aber hätte der Heilige Franz über die Zunft der Blogger gesagt, die ihre Netze durch das weltweite Netz ziehen? Geht selber mal Fischen? Zieht mal selbst einen Fisch an Land?

Donnerstag, Mai 27, 2004

Kulturgeschichte der Menschheit
Vor fast schon 30 Jahren ... lieber Himmel! ist es wirklich schon so spät? ... vor etwa 28 oder 29 Jahre also erwarb ich einige Bände des wohl großartigsten Versuchs (zumindest soweit mir bekannt) einer Geschichtsschreibung der menschlichen Kultur, deren zeitlicher Rahmen sich von der Altsteinzeit bis in die Napoleonische Ära erstreckt. Ich spreche von Will und Ariel Durant, ihrem Monumentalwerk einer "Kulturgeschichte der Menschheit", an der sie 50 Jahre lang schrieben und von dessen Fortführung sie erst der Tod dispensierte. In meinen jüngeren Jahren wechselte ich häufiger den Wohnsitz. Dabei kam mir irgendwo, irgendwann, die Reihe vollständig abhanden. Lange schon wollte ich diese Lücke in meinem Bücherbestand, die mir von Zeit zu Zeit mißliebig zu Bewusstsein kam, schließen. Doch ist das Werk in deutscher Übersetzung seit einer letzten Taschenbuchausgabe Anfang der achtziger Jahre vergriffen. Nachdem ein früherer Versuch es antiquarisch zu erwerben scheiterte - ein anderer Käufer war mir zuvorgekommen - gelang es mir kürzlich es über das Suchportal des Zentralen Verzeichnises Antiquarischer Bücher zu einem verhältnismäßig moderaten Preis zu erwerben. Heute morgen kam es an, ein 16 Kilogramm schweres Paket. 18 Bände, aufeinander gestapelt erreichen sie die lichte Höhe von einem Meter. Rund 10000 Seiten Kultur und Geschichte. Den ganzen Abend schon greife ich nach diesem und jenem Band, lese hier und dort und da hinein, prüfend, ob mich meine doch schon leicht über die Zeit vergilbte Erinnerung getrogen hätte; doch nein, die Bücher sind tatsächlich so lebendig und fesselnd geschrieben, wie ich es seit damals in meiner Erinnerung trug. Also reihe ich mich wieder ein in die illustre Schar seiner Leser: Among his most impassioned readers (and friends) were Mahatma Gandhi, George Bernard Shaw, Clarence Darrow and Bertrand Russell – although it was always for the common man, rather than the scholastic or academic audience, that Durant wrote. - [Will Durant Foundation]. Es gibt schlechtere Gesellschaft, möchte ich meinen.

Mittwoch, Mai 26, 2004

zwei Hinzufügungen zu "Links für Katholiken"
The Catholic Encyclopedia | 1908 Preface. The Catholic Encyclopedia, as its name implies, proposes to give its readers full and authoritative information on the entire cycle of Catholic interests, action and doctrine. What the Church teaches and has taught; what she has done and is still doing for the highest welfare of mankind; her methods, past and present; her struggles, her triumphs, and the achievements of her members, not only for her own immediate benefit, but for the broadening and deepening of all true science, literature and art -- all come within the scope of the Catholic Encyclopedia. ... Alt, aber gut.

Biographisch-Bibliographische Kirchenlexikon | ... Mit über 14.000 Einträgen zu Gelehrten aus den Gebieten der Theologie, Geschichte, Literatur und Philosophie. Mit seinen biographischen und bibliographischen Daten wird das BBKL auf Jahrzehnte hinaus allen seinen Benutzern einen Wissenvorsprung bringen, ob als Nachschlagewerk für den Wissenschaftler, Sammler alter Bücher und Handschriften oder aber als sinnvolle Ergänzung zur Handbibliothek des Antiquars. ... Solide, ohne Schnörkel.

durchkreuzte Wissenschaft
"Den gekreuzigten Heiland kennen lernen, soll die einzige Wissenschaft der Trappisten sein." Mit diesem Satz reiht sich Armand-Jean Le Bouthilier de Rancé nahe bei Bernhards Ausruf "Glühen ist besser als Wissen" ein. Selbstverständlich ist de Rancé damit als Fundamentalist reinsten Wassers entlarvt. Das allerdings wird ihn weniger kümmern. Zum einen trat er schon am 27. Oktober des Jahres 1700 seinen Heimgang an, zum anderen wäre ihm eine solche Bezeichnung als Ehrung erschienen. Er war es ja auch, er war zweifelsohne Fundamentalist. Ein Haus ohne Fundament ist auf Sand gebaut. Was mit solchen Häusern geschieht, sollten wir wissen.

lieber mit Christus irren
Ein Freund aus lange versunkenen Tagen stieß, ich weiss nicht wie, auf mein Blog und schrieb mir daraufhin eine Mail. Unter anderem äusserte er auch eine gewisse Verwunderung ob meiner Zuwendung zu Kirche und Glaube. Darin mag sich die Frage verbergen, wie sich dies ohne viel Worte begründen lässt. In einem Satz und ohne zusätzliche Erläuterung gesagt: Ich beschloss eines Tages lieber mit Christus zu irren, als ohne Ihn recht zu behalten.

Autoverrecka
Ein Anruf heute nachmittag. Meine Frau, vom Pannenstreifen der Tauernautobahn. Mein ... nun gut: unser Auto, eine Panne! Alle elektronischen Warnlampen begannen mit einem Male zu blinken und leuchten, der Motor schaltete automatisch ab. Da musste sie, wie sie mir sagte, an jenen Spruch denken, den ich ihr in den letzten Tage so häufig dozierte: "S'Weibersterb'n bringt koa Verderb'n. Aber's Roßverrecka kann an Bauern schrecka." Dabei hatte ich auch so nebenbei angemerkt, der Satz müsse an die heutige Zeit angepasst werden, also nunmehr so lauten: "S'Weibersterb'n bringt koa Verderb'n. Aber's Autoverrecka kann mi schrecka." Manche geschmacklosen Scherze werden vom Leben unverzüglich bestraft. Mein armes Auto. Abgeschleppt vom Pannendienst, muss es morgen als erstes zum Onkel Automechanikerdoktor. Ich bin sicher, er wird es retten. Es kann nicht, nein, es kann einfach nicht so jung schon verrecka.

Dienstag, Mai 25, 2004

Adressänderung
Blogger hat, wie es scheint, die Adressen der von ihm verwalteten Blogs umgestellt, und damit auch meine. Das einleitende "www" wurde gestrichen. So lautet meine neue Adresse nunmehr kurz und bündig: http://domine.blogspot.com

Montag, Mai 24, 2004

grenzenlos. 3. Kapitel
Auf der Reise zum dritten Kapitel der Geschichte der Menschen am Inn. Zuvor aber, und weil es nahezu auf dem Weg liegt, ein kurzer Abstecher nach Raitenhaslach. Die Stadt Burghausen erwarb letztes Jahr mit Ausnahme des Gasthofs samt dazugehörigem Biergarten die gesamte Liegenschaft rund um das ehemalige Kloster. Was wird wohl die Stadt damit beginnen? Einiges hat sich bereits getan. Unter einem trüben Himmel folge ich dem neu angelegten Rundweg, gehe an der Kirche vorbei und weiter der Klostermauer entlang. Steil stürzt von dieser der Hang zur Salzach hin ab. Dann weiter zum Prälatengarten und über einen Stiegenaufgang hinauf zum ehemaligen Festsaal des Klosters, dem Steinernen Saal, den ich erstmals besichtigen kann. Ein langgezogener hoher Raum mit gewölbter Decke, an der zarter Stukk ein Fresko rahmt, das sich nahezu über die gesamte Länge des Raumes erstreckt. Die vier Elemente, Feuer, Erde, Wasser und Luft, gemalt in duftigen Farben und überraschend gut erhalten, wenngleich an einigen Rissen im Gewölbe Wasser eindrang und leichte Schäden bewirkte. Seit kurzem wird dieser schöne Raum wieder für Konzerte und Empfänge genutzt, ein gewaltiger Aufstieg zurück zu ehemaligem Glanz, bedenkt man, dass er in der Vergangenheit auch schon einmal als Trockenboden für nasse Wäsche diente. Noch ein kurzes Verweilen in der Klosterkirche farbenprächtigem Bilderbuch des Glaubens, dann setze ich meine Reise fort. Allerdings ist es nun doch schon später geworden, als mir für Passau lieb sein kann. Also disponiere ich kurzerhand um. Anstelle der Pracht der geistlichen Fürsten von Passau begebe ich mich nach Schärding, um dem Leben der einfachen Bürger in den Städten am Inn nachzuspüren.

Der Gang durch die Ausstellungsräume ist ein Gang durch die Geschichte dieser Städte. Es ist ein Weg entlang vieler Einzelschicksale. So berührt er auch kurz jenes der Margaretha Hafenprätl, gegen die ihr Ehemann Klage führte, weil sie ihn "mit pößen, verpotnen, uppigen, zornigen Worten, Werffen und Stossen traktiert hatte", sintemal sie auch - oh Weh! - nächtens das Haus ohne Erlaubnis ihres Mannes verließ, gar Fremde ohne dessen Wissen in selbiges Eintritt gewährte, sich weiters auf Kirchtagen und in Wirtshäusern herumtrieb. Der Stadtrat warf sie ins Gefängnis und legte ihr die Geige an. Nicht, dass sich dieser besonderen Geige jemals hätte ein Ton entlocken lassen, es wäre denn der Delinquenten Jammern, Seufen und Klagen. Die Halsgeige hatte drei Öffnungen, eine für den Hals, zwei für die Hände. Darin wurde die Frau eingespannt und der Öffentlichkeit vorgeführt. Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen. Das Instrument wurde darum auch Schandgeige genannt.

"... Irdischer Himmel des guten, irdische Höll' des bösen Ehestands ...". Margaretha Hafenprätl und ihr Mann könnten darob mit oder ohne Geige ein Liedlein singen. Aber auch wenn die Ehe nicht durch "pöße, verpotne, uppige, zornige Worte", oder gar durch "Werffen und Stossen" zur irdischen Höll' geriet, war das Familienglück kein ungetrübt irdischer Himmel. Der Degendorfer Ratsherr Wilhelm Prandtner heiratete am 7. Oktober des Jahres 1647 die Schärdinger Bürgerstochter Sabina Huedtstockhin. In 19 Ehejahren gebar sie ihm zwölf Kinder. Sieben von diesen starben kurz nach der Geburt.

"Den 19 August anno 1648, hatt mein frdl. liebe Hausfrau, zwischen 11 und 12 Uhr zu Mittag, eine Thochter nahmens Maria Regina gebohren, und gleich darauf nach der Hl. Tauf zwischen 6 und 7 Uhr wiederumben gestorben, gott wolle allen Christgläubigen Seelen eine söllige auferstehung verleihen. Amen".

Von der Wiege bis zur Bahre. Der Weg von dem einen zu dem anderen war häufig ziemlich kurz.

"O Tod o grausamkeit! o nie erhörter Wuth!
Was hat dir Leyds getan das kaum gebohrne Kind
Fragt euren Vatter nur: der weiss es gar zu gut
O theurer Apfel bis: o bittre Frucht der Sünd."


Bei aller Plage, allen Sorgen, allem Leid, die Menschen in diesen Städten am Inn, sie wussten sich in ihrer Mehrheit doch in ihrem Glauben geborgen. Ihnen blieb Hoffnung, wo alles andere verloren war. Und uns? Ich entsinne mich eines Liedtextes von Wolf Biermann, wenn ich nicht irre, vor vielen Jahren im Fernsehen gehört, seitdem nicht mehr vergessen:

O weh! was soll nur aus uns werden?
es herrscht so große not!
vom himmel auf die erden
stürzen sich die engel tot!


Ein trauriges Epitaph der Hoffnungslosigkeit einer Zeit ohne Gott.

Die Krähen schreien und ziehen schwirren Flugs zur Stadt. Bald wird es schneien, - wohl dem der jetzt noch Heimat hat.

Wohl dem, der jetzt noch Glaube und Hoffnung hat, von Liebe ganz zu schweigen. Wohl dem. Aber diese Wege liegen weitab von Schärding. Für heute schlage ich das Buch zu. Gut' Nacht.

Sonntag, Mai 23, 2004

orthodoxer Konflikt
Jeder Konflikt hat seine Geschichte. Auch jener, der die orthodoxe Kirche zu spalten droht. Auf Athens News ein recht informativer Artikel über den geschichtlichen Hintergrund dieses Streits unter Brüdern.

Wer hätte gedacht, von gewusst ganz zu schweigen, dass ziemlich nah an der Wurzel der heutigen Probleme ein deutscher Protestant steht? Ich spreche von Leopold Maurer, seines Zeichens Regent von Prinz Otto I. von Bayern. Der bayerische Prinz aus dem Hause Wittelsbach (er wurde übrigens in Salzburg geboren ... eine nicht weiter wichtige Randbemerkung eines gemäßigten Lokalpatrioten) bestieg 1832 den Thron: Otto I., "Von Gottes Gnaden, König von Griechenland". Im Jahr seiner Thronbesteigung war er gerade mal 16 Jahre jung. An seiner Seite Leopold Maurer, der die tatsächliche Regierungsarbeit verrichtete. Dabei legte er auch den Grundstein des heutigen Konflikts.

"... Maurer and Farmakidis were the architects of the unilateral "declaration of independence" of the Eastern Orthodox Apostolic Church of the Kingdom of Greece, as expressly stated in the first church charter, published on July 23, 1833, which tore away the Greek dioceses from the Mother Church of Constantinople. A five-member permanent synod was established as the highest church authority, but the church administratively had the imported king as its head, and not the patriarch, who was viewed by some major intellectuals such as Adamantios Koraes as labouring under the Ottoman tyranny. The royal trustee had to be present at all synod meetings. Any act without his approval was considered null and void - no synodal decision could be executed with his "approved" indication on it - and he could even propose matters for discussion. Three members of the synod were bishops and two could be lower clergy, which is how Farmakidis was appointed. ..."

Alles in allem also ein schnödes politisches Spiel mit dem Ziel, eine unter staatlicher Aufsicht stehende Nationalkirche zu schaffen. Was teilweise wohl auch gelang, wenngleich von Zeit zu Zeit der Staat seine Häupter und Systeme wechselte.

Samstag, Mai 22, 2004

drent und herent
Doblham, Gerichtsbezirk Griesbach, Inventar des Dienstknechtes Phillip, aufgenommen am 26. Mai 1668 anlässlich seines Ablebens:

1 gespirte Truchen, darinnen 1 rupfes hemet, 2 khrägen, 1 alt wolene leibpfaidt, 1 alt praunes baar sockhen, 1 anders par strimpf, 1 khlebers paar päg, 2 zwilchene paar hosen, 1 liderner mannsleib, 2 schwarze hiet

Drent und herent: Leute vom Lande, Bauern, Knechte und Mägde. Der Knecht Phillip, weit über 300 Jahre tot, hätte er wohl gedacht, dass nun tausende Menschen erfahren, was er an irdischem Reichtum zum Zeitpunkt seines Todes besaß? Obwohl, von Reichtum ist in seinem Falle nicht zu sprechen. Das Inventar des Fürsterzbischofs von Passau sieht sicherlich gänzlich anders aus. Davon kann sich dieser allerdings zum Zeitpunkt dessen Abfassung auch nichts mehr kaufen.

Ich bin, wie aus dieser Einleitung vielleicht schon ersichtlich, beim zweiten Kapitel der Geschichte der Menschen am Inn angelangt, das im Stift Reichersberg aufzuschlagen ist, der Geschichte der Bauern, drent und herent. Der Mensch ist ein Augentier, aber so richtig Farbe gewinnt Gesehenes erst durch die Beimengung von Tönen. Also begrüsst mich beim Einlass in die Ausstellung der Schrei einer Kuh. Einige Ausstellungsräume weiter wird durch lebensgroße Puppen eine Szene im Dorfwirtshaus nachgestellt. Der unüberhörbare Furz eines schwer bezechten Mannes, gefolgt von Würgen und Brechen, bringt selbst den zerstreutesten Geist zurück ins Thema der Ausstellung. Kinder haben an diesem unverhohlen Räuspern, Spucken, Furzen, Brechen und Würgen sicherlich ihre helle Freude. Und auch bei Erwachsenen ist diese Inszenierung ein Renner, sozusagen ein Ausstellungsquotenhit. Der bayerische Barock, so hart Arbeit und Leben für die Landbevölkerung auch waren, räumte genügend Zeit für derlei Lustbarkeiten ein. Neben den 52 Sonntagen gewährten 19 gebotene und 53 übliche Feiertage eine vorgeschriebene Arbeitsruhe. Verstöße dagegen wurden behördlich geahndet. Ahndung, die ländliche Rechtssprechung, eine stets gegenwärtige Seite im Leben der Menschen am Inn. Besonders das Wirtshaus war ein gefährliches Pflaster, in dem man schnell einmal eine auf's Maul, gar ein Messer in den Leib bekam, oder sich am Ende vor Gericht wiederfand. Gefängnisse für langwierige Aufenthalte waren nicht vorgesehen, also wurde Recht durch die Verhängung von Geldstrafen gesprochen, soferne denn solches zu holen war. Im anderen Falle bevorzugte man die schnelle Ahndung eines Vergehens durch körperliche Züchtigung. Wer aber genügend Geld hatte, konnte sich selbst von Totschlagdelikten loskaufen. Das Leben war hart für diese Menschen, auf deren Schultern wir als ihre Nachfahren stehen. Nicht wirklich größer als diese an Vernunft und Verstand, dünkt es uns doch, als wären wir Riesen, weil wir auf sie entlang der Geschichte hinuntersehen; nun ja, so manches dünken wird aus dem Dünkel geboren.

Meine Frau, noch müde vom ersten Kapitel dieser Geschichte, der Schilderung von Adelsherrschaft und Klosterleben im ehemaligen Kloster Aspach, hatte ein Schläfchen im historischen Herrengarten des Stiftes dem Gang durch die Ausstellung vorgezogen. Dort fand ich sie, auf einer Bank hingeräkelt, und ließ sie sogleich an meinem neu erworbenen Wissen partizipieren. Insbesondere berichtete ich ihr von jener Bauernweisheit, die wohl einst aus der Not geboren ward: "S'Weibersterb'n bringt koa Verderb'n. Aber's Roßverrecka kann an Bauern schrecka."

Ein geflügeltes Wort, das ich in den letzten Tagen noch mehrfach mit erhobenem Zeigefinger ihr zur Belehrung zum Besten gab.

Freitag, Mai 21, 2004

grenzenlos
grenzenlos - Geschichte der Menschen am Inn

An 4 Orten beidseits des Inns, drent und herent, zwei in Oberösterreich, zwei in Bayern gelegen, findet die diesjährige oberösterreichische Landesausstellung statt. Der Überschreitung staatlicher Grenzen entsprechend trägt sie den Titel grenzenlos - Geschichte der Menschen am Inn. Ausstellungsorte auf bayerischer Seite sind die Veste Oberhaus in Passau sowie das ehemalige Benediktinerkloster Asbach; in Oberösterreich findet die Ausstellung im Stift Reichersberg und in der Stadt Schärding Raum. Jeder der vier Ausstellungsorte ist einem anderen Kapitel in der langen Geschichte der Menschen am Fluß gewidmet. Aspach schildert Adelsherrschaft und Klosterleben entlang des Inns; im Stift Reichersberg, diesseits des Inns, wird dem Leben der Bauern, drent wie herent, gedacht; Schärding erzählt von den Menschen in den Städten; Passau schließlich berichtet von Herrschaftszeiten, Glanz und Elend der bischöflichen Fürstenstadt. Am gestrigen Feiertag, Christi Himmelfahrt, begann ich damit, im Kloster Asbach und Stift Reichersberg die ersten beiden Kapitel aufzuschlagen.

Die Ausstellung in Asbach, nunja, recht brav, doch unspektakulär präsentiert, reiht sich Exponat an Exponat. Und dennoch verleihen die Dinge dem Dunkel der langen Geschichte des Landes am Inn Namen und Gesichter. Sie treten hervor, erzählen ihre Geschichte, um wieder in ihr, der Geschichte, zu versinken, abgelöst durch andere Dinge, die von anderen Dingen, anderen Zeiten und anderen Menschen berichten.

Gleich zu Beginn der Ausstellung kündet die Nachbildung eines 1988 aus dem Inn geborgenen römischen Grabsteins vom Leben und Tod des Weinhändlers Essimnus:

D(is) M(anibus)
P(ublio) Tenatio Ess
imno negot
ianti vinar
iario domo
Iulia Triden
tum
(obito) anno(rum) LVII
P. Tenatius Pater
nus patri
pientissimo
fecit


Den göttlichen Totengeistern, dem Publius Tenatius Essimnus, dem Weinhändler, mit der Heimat Trient, gestorben mit 57 Jahren, hat Publius Tenatius Paternus seinem sehr rechtschaffenen Vater (dieses Grabmal) aufgestellt.

Mord, Totschlag, Brandschatzung, Notzucht und schwerer Raub: darum weiss das Richtschwert der Herrschaft Aholming gut Bescheid. Vor allem aber entsinnt sich sein Stahl einer Zeit, als die mit diesen Taten verbundene Strafe, die Blutgerichtsbarkeit, im wahrsten Sinne des Wortes noch Handarbeit war.

Unvergleichlich friedvoller ist da schon des Probstes Heinrich von Gloggnitz Arbeit von Hand, der sich die 1421 vollendete Abschift der Bibel verdankt. 540 Rollen Pergament fassen die wunderschön illuminierte, großformatige Formbacher Bibel.

Nach der Begegnung mit Adelshäusern und Mönchen steht das Leben der Bauern beidseits des Inns auf dem Programm. Dazu morgen noch mehr ... falls ich Zeit dafür finde: ich fahre nämlich, so nichts dazwischen kommt, zur nächsten Station dieser Reise durch die Geschichte des Landes am Inn: Passau.

Mittwoch, Mai 19, 2004

Das Klosterbuch

Das Klosterbuch
Aus dem Haus der bayerischen Geschichte: Das Klosterbuch - Vom Leben in den alten Klöstern. Ein Bericht in Tönen und Bildern über die Säkularisation bayerischer Klöster (und wer heute weiss, was damals sinnlos verschleudert und zerstört wurde, möchte sich ob dieser stattlichen staatlichen Dummheit bekümmert die Haare raufen).

The Sacrifice of the Lady
Sonia GandhiDas kam unerwartet, selbst für ihre Feinde: Sonia Gandhis Verzicht auf die Macht. Indische Zeitungen titulierten sie bereits als PM, Prime Minister; selbst der Tag ihrer Angelobung schien festzustehen. Und nun dies: ihr großer Verzicht. Sonia, wie ihre Anhänger sie nennen, hielt das Amt bereits fest in Händen. Seine Ausübung allerdings hätte die schweren Dissonanzen in der indischen Bevölkerung nicht zu mildern vermocht, deren Mißtöne aller Voraussicht nach noch verschärft. Also verzichtete sie auf die Einbringung der Ernte ihrer jahrelangen Arbeit an der Spitze der Kongress-Partei, trat einen Schritt zurück ... und gewann damit an Größe. Ein seltenes Schauspiel, weit über die politische Arena hinaus: eine Frau, ein Mensch, der seine Überzeugungen über seine Überzeugungen, das rechte Handeln über das Rechthaben stellt. Wohl dem, der gleiches von sich sagen kann, mag er oder sie sich Christ nennen, oder nicht.

Catholic leaders say Sonia Gandhi refusal is "a very Christian decision" | Catholic leaders are speaking out on the heroism of Sonia Gandhi’s surprise decision to refuse the Prime Minister position, declaring her move not to accept the glory as a “very Christian” decision, as the trappings of power did not attract her. ... - [AsiaNews].

Tantum ergo sacramentum
Schon öfter gesucht, heute gefunden: Tantum ergo sacramentum als mp3-Datei.

Dienstag, Mai 18, 2004

Salve, Regina
Salve, Regina

Heute vormittag: Termin beim Zahnarzt
Da kam Freude auf. Im Gegensatz zur Werbung: er hat gebohrt. Und da ich Spritzen mehr noch verabscheue als den bloßen Schmerz - solange der Schmerz sich nur irgendwie ertragen lässt - verzichtete ich auf eine lokale Betäubung. Lustig war's nicht. Dafür darf ich noch einmal hin. Na, da ist meine Freude aber gewachsen ...

Montag, Mai 17, 2004

Prime Minister
Noch im März forderte Shankaracharya Nishchalanand Saraswati, prominenter religöser Führer unter den Hindus, alle christlichen Missionare müssten des Landes verwiesen werden, da diese gegen Indien arbeiteten. Und nun, wenige Wochen später, ist das Land drauf und dran von einer Frau regiert zu werden, deren Geburtsland Italien ist und die als Katholikin aufwuchs. Vor ihr liegt ein schwerer Gang. Das vorauszusagen ist keine große Kunst.

Sonia GandhiCatholic Bishops welcome the verdict of the people | In an exclusive interview with AsiaNews, Bishop Fernandez said that he himself was very pleased with the victory of the secular parties, and was happy with the choice of Mrs. Sonia Gandhi for the post of Prime Minister of India. He said he looked forward to the restoration of Secular Democratic India, stating that Christian and Muslims minorities had been living in fear in the rural country, and felt that the Bharatiya Janata Party (BJP) ruling party was not supportive of them. The hard-line policies of the Rashtriya Seva Sangh (RSS) and the Vishwa Hindu Parishad (VHP) were reflected in many instances of violence and brutality committed against the religious minorities. They felt that the RSS and VHP inflamed communal hatred, and endorsed a culture of fear and suspicion in the Christian and Muslim communities. - [AsiaNews].

wer ist der Größte im Himmelreich?
"... Florian Kolfhaus, ein junger Geistlicher, der zur Zeit seine Studien an der vatikanischen Elite-Universität Gregoriana abschließt, hatte auf dem Podium in der Regensburger Donau-Arena die These in den Raum gestellt, die "größere Berufung" sei vielleicht ja doch das Priestertum. ..."

Ein Wettstreit auf dem Kongress "Freude am Glauben" in Regensburg, wessen Berufung denn nun die größere sei. Fast unmöglich, dabei nicht an den Rangstreit unter den Jüngern zu denken: In jener Stunde kamen die Jünger zu Jesus und fragten: Wer ist im Himmelreich der Größte? Da rief er ein Kind herbei, stellte es in ihre Mitte und sagte: Amen, das sage ich euch: Wenn ihr nicht umkehrt und wie die Kinder werdet, könnt ihr nicht in das Himmelreich kommen. Wer so klein sein kann wie dieses Kind, der ist im Himmelreich der Größte. (Mt 18, 1-4).

Ich fürchte fast, Hochwürden Kolfhaus hat in seiner Ausbildung etwas Essentielles versäumt. Nicht der Stand verschafft Größe. Der Heilige Franziskus mühte sich darum ein Geringer im Lande zu sein, Minderbruder, einfacher Laie, niemals Priester, wiewohl er dem Amt des Priesters besondere Ehrfurcht bezeugte. Und dennoch beugten und beugen, damals wie heute, vor der Größe dieses Geringen Menschen jeglicher Herkunft und allen Standes die Knie. Groß ist, wem es gelingt umzukehren zur Kleinheit. Wo man steht und was man ist, ist dabei ohne Belang. In der Kirche gibt es nur eine einzige Karriere, die lohnt: ins Himmelreich kommen.

Vorahnungen von der Ewigkeit | Beim Kongress "Freude am Glauben" in Regensburg lieferten sich Prominente, Priester und Publikum am Wochenende einen friedlichen Wettstreit um die "größere Berufung". Fast wäre es zum offenen Streit darüber gekommen, welche Berufung angesehener ist im Himmel: die zum Priestertum oder die zur Ehe. ... - [Passauer Neue Presse].

Sonntag, Mai 16, 2004

Es gibt keinen ... auch nicht einen
"In einer derartigen, unmenschlichen Weise Gefangene zu behandeln, könnte ich mir jetzt bei unseren bundesdeutschen Soldaten nicht vorstellen", kommentierte der deutsche Militärbischof Walter Mixa die Folterung irakischer Gefangener durch Soldaten und Geheimdienstangehörige der Vereinigten Staaten von Amerika. Und so ist es immer. Unsere Jungs, unsere Töchter, nein, die tun so etwas nicht. Das können wir uns nicht vorstellen. Eben darum passiert es immer wieder. Und wir sind auch immer wieder entsetzt: wie konnten sie denn das tun? Unsere Jungs? Unsere Töchter? Wie konnten sie das nur tun?

Niemand ist vor dem Bösen gefeit. Nicht wir, nicht unsere Söhne und Töchter, auch nicht "unsere bundesdeutschen Soldaten". "Es gibt keinen, der gerecht ist, auch nicht einen" (Römer 3,10). Mixa sollte das eigentlich wissen.

Militärbischof Mixa: "Bei deutschen Soldaten hätte es keine Folterungen gegeben | Der Skandal um Misshandlungen irakischer Gefangener weitet sich aus, ohne dass es zu Rücktritten kommt, obwohl die öffentliche Meinung weltweit zutiefst erschüttert ist. Donald Rumsfeld soll Misshandlungen genehmigt haben, um an Informationen über Terror-Aktivitäten zu kommen. Das US-Verteidigungsministerium weist dies empört von sich. Nur eins ist im Moment klar: Die USA ziehen ihre Truppen nicht aus dem Irak ab. Gegen eine pauschale Verurteilung der Soldaten hat sich der deutsche Militärbischof Walter Mixa angesichts der Folterungen durch amerikanische und britische Truppen im Irak ausgesprochen ... - [Radio Vatikan].

Samstag, Mai 15, 2004

Die Milgram-Experimente
Im Jahr 1974 schockierte der amerikanische Psychologe Stanley Milgram die Öffentlichkeit mit der Publikation seines Buches Obedience to Authority. Darin schilderte er eine Reihe von Experimenten, heute als Milgram-Experimente bekannt, nach deren Befunden die Mehrzahl der Menschen bereit sind andere Menschen systematisch zu quälen. Dazu bedurfte es nur der Anweisungen einer übergeordneten Autorität. Die Täter sind vollkommen unauffällige Durchschnittsmenschen, Menschen, wie es so schön heisst, wie Du und ich. Milgrams Arbeit erfuhr heftige Ablehnung, bedeutete sie doch den Abschied von dem schönen Gedanken, der Mensch, im Kern seines Wesens sei er doch edel und gut.

Dazu Milgram im Original: "The results, as seen and felt in the laboratory, are to this author disturbing. They raise the possibility that human nature, or - more specifically - the kind of character produced in American society, cannot be counted on to insulate the citizens from brutality and inhumane treatment at the direction of malevolent authority."

In diesen Zusammenhang passen die jüngsten Meldungen, nach denen die US-Soldaten im Irak bei der Folter von Gefangenen geheimen Anweisungen Folge leisteten, die von höchster Autorität, dem Verteidigungsminister der Vereinigten Staaten von Amerika, Donald Rumsfeld, abgesegnet worden waren. Geheimdienstoffziere kondensierten den Inhalt dieser Anweisungen zu den Worten: "Schnappt euch die, die ihr braucht, und macht mit ihnen, was ihr wollt." Die Folterungen im Abu-Ghraib-Gefängnis sollen laut Insider-Informationen aus Geheimdienstkreisen nicht auf die kriminellen Neigungen einzelner Reservisten zurückzuführen sein, sie sind vielmehr Frucht dieser von Rumsfeld ausdrücklich gebilligten Anweisungen. Der Milgram-Effekt par excellence. Als Katholik habe ich kein Problem mit Milgrams bitterer Einsicht, der von ihm erwogenen Möglichkeit, es läge in des Menschen Natur brutal und unmenschlich zu handeln, so nur eine böswillige Autorität dieses verlangt: denn das Trachten des Menschen ist böse von Jugend an (Gen 8,21).

Seymour M. Hersh: The Gray Zone | The roots of the Abu Ghraib prison scandal lie not in the criminal inclinations of a few Army reservists but in a decision, approved last year by Secretary of Defense Donald Rumsfeld, to expand a highly secret operation, which had been focussed on the hunt for Al Qaeda, to the interrogation of prisoners in Iraq. Rumsfeld’s decision embittered the American intelligence community, damaged the effectiveness of élite combat units, and hurt America’s prospects in the war on terror. - [The New Yorker].

Freitag, Mai 14, 2004

Kitschlied
So las ich im Diskussionsforum mykath.de, Kitschlied sei es, das alpenländische "Stille Nacht". Einem anderen gefriert gar beim Singen des Lieds das Blut in den Adern, ein Lied "ohne jede Tiefe ... ansonsten ganz einfach fürchterlich". - [Quelle].

Da sträuben sich mir kriegerisch sämtliche Haare zu Berge. Kitschig? "Stille Nacht"? Und dieser Tort aus einem Lande, das für seine Gartenzwerge berühmt ist! Kitschig? Hah! Wer solches meint, gibt berechtigten Grund an seinem guten Geschmacke zu zweifeln! Nicht nur, weil dieses Lied meiner engeren Heimat entsprang, wollen sich meine Haare nicht mehr friedsam auf's Schädeldach legen. Einen Fußweg von vielleicht 15 Minuten von hier, wo ich sitze und schreibe, wurde der Dichter des Liedes, Joseph Franz Mohr, geboren. Nur wenige Kilometer von hier, wo sich meine Haare wie Lanzen sträuben, wurde das Lied vom Lehrer Franz Xaver Gruber im Schulhaus von Arnsdorf komponiert. Und nur wenige Kilometer von hier schließlich, im dunklen und kalten Kirchenschiff der Kirche St. Nicola in Oberndorf an der Salzach, sangen Komponist und Textdichter, Baß und Tenor, zur Weihnachtsmette das eben geborene Lied zur Geburt des göttlichen Kindes. Der Hilfspriester Mohr begleitete seinen und seines Gefährten Gesang auf der Gitarre.

Nicht nur also, weil das Lied ein Stück Heimat ist, wollen sich meine Haare nicht und nicht legen. Was kann das Lied dafür, dass es in tausenden Einkaufszentren zu Tode gedudelt wird? Zudem auch - ausser hier bei uns - kaum irgendwo die originale Fassung erklingt. Bei Franz Xaver Gruber findet die Melodie ihren hohen Ruhepunkt auf dem Wort "Ruh". In der üblicherweise verbreiteten Version hingegen wird die höchste Note schon zuvor angesteuert, nämlich bei der ersten Silbe von "himmlisch". Darauf folgt eine verminderte Dreiklangzerlegung, woraus sich ein Übermaß an Süße, sozusagen eine melodische Überzuckerung, ergibt.

Hier die erste Strophe, wie sie gesungen gehört. Mehr zum Lied auf den Webseiten der Stille Nacht Gesellschaft.

Wer wagt nun noch, dieses Lied, diesen glücklichen Wurf melodischer Innigkeit, als Kitsch zu bezeichnen? Wer könnte noch so bar jeglichen musischen Feingefühls sein? Wer? Wer? Der komme mit mir vor das Haus! Ich prügle mich auch mit Banausen!

Donnerstag, Mai 13, 2004

Memento Mori
Kamaldulenser Kamaldulenser Kamaldulenser Kamaldulenser

Selig sind die Toten, die in dem Herren sterben

painful origin
"Buddhists, as most citizens in this country are, carry a different baggage walking into the theater. People adhering to the religion founded on peace and meditation may wonder, judging from this film, why a more popular faith like Christianity had such a bloody, painful origin"

Mel Gibsons Film "The Passion of the Christ" trifft das buddhistische Asien. Jede Wette: es sieht einen anderen Film als wir. Erkenntnis liegt im Auge des Betrachters. Wir sehen, was wir sind ... oder meinen, zu glauben.

Passion of the Christ raises questions among Buddhist audiences | The Passion of the Christ has left viewers stunned and questioning the religious meaning of Christ’s violent death since the blockbuster film directed by Mel Gibson was released April 29th in the overwhelmingly Buddhist country.More than 90 percent of Thailand’s population are Buddhist. Very few have read the Bible. The long episodes of violence and beatings in the Passion caused not a few in the audience to scratch their heads. ...- [AsiaNews].

Mittwoch, Mai 12, 2004

die 5. Versuchung
Europa könne "nicht ohne oder gegen die Christen, ohne oder gegen das Christentum gebaut werden", so der österreichische "Europa-Bischof" Egon Kapellari ... Europa habe sich - trotz aller Säkularisierungen - "so etwas wie eine christliche Leitkultur bewahrt", betonte Kapellari. - [ORF Religion: Kapellari - Es gibt kein Europa ohne oder gegen die Christen].

Die Identifikation Europas, des politischen Gebildes, mit dem Christentum, ist dies tatsächlich anzustreben? Bei Staaten, allen Staaten, allen Reichen, denke ich stets an die Versuchung Jesu in der Wüste: "All die Macht und Herrlichkeit dieser Reiche will ich dir geben; denn sie sind mir überlassen und ich gebe sie, wem ich will." (Lk 4,7).

In T.S. Elliots "Murder In the Cathedral" muss sich der Heilige Thomas Becket, Erzbischof von Canterbury, vormals Lordkanzler des jungen Königs Heinrich II, 4 Versuchungen stellen. Er wird ihrer Herr, der Versuchung von leichtem Leben und Laster, der Versuchung von Einfluss und Macht, der Versuchung von Patriotismus, Heimat und Vaterland (auch dies ist eine Versuchung: denn wir haben hie keine bleibende Statt, sondern die zukünftige suchen wir) und schließlich, ein unerwarteter Besuch, die letzte Versuchung: das Richtige aus den falschen Gründen zu tun. Auch dieser Verlockung weiß sich der Heilige zu erwehren. Er tut das Richtige, weil es richtig ist, aus keinem anderen Grund. Es gibt aber noch eine weitere Versuchung, die im Stück den Heiligen Thomas verschonte, eine 5. Versuchung: das Falsche aus den richtigen Gründen zu tun. Dieser besonders heimtückischen Versuchung ist die Kirche im Lauf der Geschichte immer und immer wieder erlegen. Das Bündnis mit der Macht, dem Staat, den Reichen dieser Erde: das Falsche, mögen die Gründe für ein solches Bündnis auch gut und richtig sein. Christi Botschaft ist nicht an die Reiche dieser Erde gerichtet, sondern an jeden einzelnen Menschen: denn wir haben hie keine bleibende Statt.

Montag, Mai 10, 2004

Die Kirche von Raitenhaslach
Hier also findet mein Weg seine Mündung. Auch Raitenhaslach ist alter Salzburger Besitz. Schon um 798 wird der Ort in den "breves notitae" erwähnt, die Erzbischof Arno von Salzburg zur Sicherung des Kirchenbesitzes aufzeichnen ließ. Karl der Große persönlich bestätigte 790 den Kirchenbesitz, somit auch die Zugehörigkeit von Raitenhaslach zum Salzburger Erzbistum. Das allerdings hat die Bayern später nicht weiter beeindruckt. Und wie so vieles andere auch nahmen sie sich mit Gewalt, was ihnen von Rechts wegen nicht zustand. Ich für mein Teil gestehe allerdings zu, dass Salzburg selbst ursprünglich ein bayerisches Bistum war. Erzbischof Konrad I. von Salzburg war es schließlich, der 1146 die Zisterzienser nach Raitenhaslach rief. Damit ist Raitenhaslach die älteste Gründung des Ordens in Altbayern, dem heutigen Ober- und Niederbayern.

Damit aber genug Staub der Geschichte. Wie ich bei meiner Annäherung sehe, hat sich einiges seit meinem letzten Besuch in den Tagen nach Weihnachten getan. Der Vorplatz wurde gerade neu gestaltet. Nunmehr können die Autos der Besucher nicht mehr bis direkt vor den Eingang gepark werden. Stattdessen zieht lichter Kies ein schmales Band bis vor das Portal, über das die Besucher zur Kirche schlendern, darunter auch ich. Ein Blick auf die Uhr oben im Turm verrät mir die Zeit: zwei Minuten vor fünf. Meine Frau ist noch nicht eingetroffen, also nütze ich die Zeit um mich vor meinen Gott in einem seiner mir besonders lieben Häuser zu stellen. Und wieder, so wie bei jedem Besuch, trete ich ein ins Paradies. Das ist durchaus nicht als frommer oder ästhetischer Überschwang zu bewerten, vielmehr wird so die Vorhalle der Kirche unter der Orgelempore genannt. Einige wenige Schritte, und ein färbiges Bilderbuch des Glaubens wird vor meinen Augen aufgetan. Der große einschiffige Raum mit Wandpfeiler und Tonnengewölbe bildet den hellen Rahmen für eine wundervolle Innenausstattung. Die Decke wird von einem Freskenzyklus geschmückt, der Szenen aus dem Leben des Ordensheiligen Bernhard von Clairvaux zum Inhalt hat. Der Stukk, in manchen barocken Kirche mitunter fast die Bilder erdrückend, die Abteikirche von Kremsmünster ist ein Beispiel dafür, rankt sich hier in zarter Innigkeit über Wände und Decke. Wie bei allen Zisterzienserkirchen ist das Blatt des Hochaltares der Mutter Jesu, Mariä Himmelfahrt, geweiht. Ach, ich könnte lange noch weiterschreiben, von jenem wunderbaren Vorhang aus blau, gold und silber bemalten Stukk, der allgegenwärtigen freudig stimmenden Farbenpracht, doch fürchte ich, damit zu langweilen. Immerhin noch ein kleiner Tipp: im Paradies vorne ist linkerhand nach dem Eingang ein seltenes Kunstwerk zu bestaunen. In eine wie ein großer Schrank gestaltete Wandnische ist ein Heiliges Grab eingebaut, das den Triumph Christi über Tod und Teufel dargestellt. Die Szene ist gleich einer Bühnenkulisse gestaltet. Ein Schalter betätigt den Durchlauf eines Dioramas, das über Seilgewinde mit einigem Ächzen und Stöhnen die gesamte Leidensgeschichte unseres Herrn und Erlösers, vom Garten Gethsemane bis hin zur Kreuzigung, zu erzählen weiss.

Sonntag, Mai 09, 2004

Raitenhaslacher Wallfahrt
Eigentlich glaubte ich Samstag eine geblockte Lehrveranstaltung halten zu müssen. Freitag stellte ich fest, dass mir meine Termine durcheinandergeraten waren, ich war sozusagen eine Woche zu früh. Was also tun mit dem unververhofft frei gewordenen Tag? Warum nicht endlich jene Wallfahrt vollbringen, die ich vor Monaten versprach? Also fahre ich Samstag Mittag mit der Salzburger Lokalbahn nach Norden über die Landesgrenze von Salzburg hinaus nach Trimmelkam, schultere meinen Rucksack und gehe los. Es ist genau 6 Minuten vor 1 Uhr Mittag. Nach meiner Rechnung müsste ich die Strecke, etwas mehr als 20 Kilometer, wie ich grob der Karte entnehme, in 4 Stunden hinter mich gebracht haben. Vor fast genau einem Jahr war ich von hier mit dem Fahrrad nach Raitenhaslach gepilgert. Damals brannte die Sonne vom Himmel. Dieses Mal wird mir ein Mix aus Woken und Sonne spendiert. In der Ortschaft Ostermiething will ich kurz in die Kirche einkehren, doch ist gerade eine Hochzeit im Gange. Man will ja das junge Glück weiter nicht stören, also gehe ich vorbei, nicht ohne dem Brautpaar im Geiste alles Gute zu wünschen. Mein Weg führt mich hinunter an die Salzach, die ich bei Stromkilometer 30 und irgendetwas begrüßen darf. Von nun an geht es beständig den Fluss entlang. Einige Radfahrer, einige Spaziergänger, ein paar Jogger, und ich; ein ruhiger Weg um diese Jahrezeit, gerade recht, um sich zu besinnen, vor allem aber, um aus vielen "Ave Marias" Kränze zu flechten. Wer's noch nicht weiss: der Sommer ist da, oder doch so gut wie. Zwar soll eine Schwalbe noch keinen Sommer machen, doch da deren etliche auf Mückenfang auf den Fluss hinabstoßen, will ich's gern glauben. Über die Brücke bei Tittmoning wechsle ich hinüber auf die andere Seite der Salzach. Während ich noch über die Brücke gehe, beginnen plötzlich die Glocken der Kirche von Tittmoning zu läuten. Nun ja, zwar ist es alter Brauch vorbeiziehende Wallfahrer mit Glockengeläute zu grüßen, doch woher wussten die Tittmoniger von mir? Ich habe mich doch recht kurzfristig zu dieser Wallfahrt entschlossen? ;-)

Tittmoning ist altes Salzburger Eigentum. Fürsterzbischof Eberhard II., zu seiner Zeit einer der bedeutendsten Fürsten des Heiligen Römischen Reiches, erbaute als Grenzbefestigung gegen die Begehrlichkeit der Bayern die Burg. Später wurde sie zum Jagdschloß umgebaut und diente den Fürsterzbischofen als Sommerresidenz, sozusagen ein heimisches Pendant zum päpstlichen Castel Gandolfo. Nun ja, am Ende obsiegten die bayerischen Begehrlichkeiten und Tittmoning fiel mit dem gesamten Rupertiwinkel an Bayern. Als Salzburger sei mir der kleine patriotische Exkurs mitten auf dem Wege gestattet.

Auf deutscher, nein, ich korrigiere: auf bayerischer Seite geht es weiter den Fluss entlang, erst auf der Krone des Hochwasserdammes, dann direkt am Ufer. Alle zweihundert Meter zählen Pfeiler und Tafeln Flusskilometer ab. Wie lange es wohl noch ist? Mein anfänglich recht frisches Tempo beginnt mehr und mehr zu welken. Längst bin ich beim schmerzensreichen Rosenkranz angelangt. Nun kann es aber so weit nicht mehr sein, denke ich. Man sollte nicht so viel Überflüssiges denken. Fluss und Weg winden sich ein um's andere Male. Zwischendurch rufe ich meine Frau an, Handy macht's möglich, wenngleich die Verbindung in dem engen Flusstal recht brüchig ist. Sie kommt mit dem Auto nach, und nachdem ich einige Male 17 Uhr, 5 Uhr, ja, f ü n f, fünf, ja, genau, um 5, vor der Kirche, nein, Kirche, ja, Kirche, ins Handy rufe, haben wir, hoffe ich zumindest, Zeit- und Treffpunkt auf einen gemeinsamen Nenner gebracht.

RaitenhaslachSchließlich, ziemlich genau zwischen Flußkilometer 17.6 und 17.4, weist mir ein Schild den Weg zur Kirche von Raitenhaslach. Jetzt noch die Steigung aus dem hier engen Flußtal hinauf und hinaus auf jene Verflachung, die die Kirche beherbergt. Übrigens hat sich das Wetter zum Schlechteren gewendet; bislang leuchtete durch große Lücken zwischen den Wolken ein blauer Himmel mit viel Sonne herab, nun aber, da sich mein Weg seinem Ende nähert, haben sich diese Lücken fast gänzlich geschlossen. Und endlich, endlich - Gott sei's getrommelt und gepfiffen* - kann ich die Kirche von ihrer Portalseite her sehen, bin nur mehr wenige Meter von ihr entfernt. Zur Klosterkirchen von Raitenhaslach - Klosterkirche ist heute nicht mehr ganz richtig, da auch das Raitenhaslacher Zisterzienserkloster der Säkularisierung in Bayern zum Opfer fiel - zu Raitenhaslach also, eine meiner liebsten Kirchen und als solche Ziel meiner Wallfahrt, morgen noch mehr. Für heute wünsche ich eine gute Nacht.

* Albericus Hirschberger OCist (1709-1745), Kirchensonate Nr. 1 C-Dur (1743)

Samstag, Mai 08, 2004

Wallfahrt
Ich löste heute ein Versprechen ein, das ich vor Monaten gab: eine Fußwallfahrt von der Endstation der Salzburger Lokalbahn, einem Ort namens Trimmelkam, zur Kirche von Raitenhaslach. Ein Marsch von etwas mehr als 20 Kilometer. Entsprechend müde bin ich nun, aber auch zufrieden. Heute habe ich nicht mehr den Geist darüber zu schreiben, vielleicht morgen abend, nach Muttertag.

Freitag, Mai 07, 2004

... the only Friends
It's no wonder that so many Americans are obsessed with the finale of the sitcom "Friends" right now. They're the only friends we have, and even they're leaving. - Der NYT-Kolumnist Thomas L. Friedman über die Geschehnisse im Gefängnis Abu Ghraib und die Auswirkungen auf die Beliebtheit Amerikas in der Welt.

Restoring Our Honor | We are in danger of losing something much more important than just the war in Iraq. We are in danger of losing America as an instrument of moral authority and inspiration in the world. I have never known a time in my life when America and its president were more hated around the world than today. I was just in Japan, and even young Japanese dislike us. - [The New York Times].

Donnerstag, Mai 06, 2004

Meine italienische Reise
In einem Monat bin ich bereits wieder einmal für einige Tage in Italien, erst eine Woche in Rom, danach noch eine Woche in Assisi. In Rom werden meine Frau und ich - sie darf auch mit ;-) - unweit der Basilika San Giovanni in Laterano wohnen. Eine Freundin meiner Frau hat eine Bekannte, die eine Bekannte hat, die kennt jemanden in Rom, so kamen wir zu einem komfortablen Appartment.

Nach längerer Abstinenz wieder im Blogger-Geschäft.