Collapsing Catholicism in Europe
Allerorten Spekulationen über den zukünftigen Nachfolger für die Schuhe des Fischers, so auch in der
Washington Post, verfasst von
George Weigel, aus dessen Feder eine
Biographie Johannes Paul II stammt. Weigel zählt drei Problemstellungen auf, die nach seiner Ansicht die Wahl des nächsten Papstes entscheidend beeinflussen werden. Eine davon bezeichnet er als "Collapsing Catholicism in Europe". Mehr noch, er spricht vom demographischen Selbstmord unseres Kontinents, und sieht zwischen beidem, dem Zusammenbruch der katholischen Kirche und dem demographischen Disaster, dass in keinem einzigen Land Europas die Geburtenrate die Sterberate auch nur annähernd erreicht, einen Zusammenhang, nämlich eine schwere Krise der kulturellen Moral. Diese führt er auf eine radikale Säkularisierung zurück, die ihrerseits das Gefühl der Bürger für ihre Verantwortung für die Zukunft untergräbt. - [
Washington Post: A Crossroad for the Catholic Church ].
Ihr dürft mich einen Pessimisten heissen, aber ich glaube, dass Weigel in den wesentlichen Grundzügen recht hat. Die Zerfallserscheinungen eines katholischen Volksglaubens stehen erst am Anfang. Es knistert ja schon unüberhörbar im Gebälk, die Finanzmittel werden knapp, manche Diözesen stehen finanziell mit dem Rücken zur Wand. Bald schon wird sich die Kirche die Dienste bezahlter Pastoralassistenten nicht mehr leisten können, Klöster mangels Nachwuchs geschlossen werden, die Zahl der tatsächlich praktizierenden Katholiken wird weiter schrumpfen, die Austritte von nur mehr per Taufschein mit der Kirche verbundenen Personen werden stetig weitergehen. Am Ende steht eine Kirche, deren Mitgliederzahlen in den meisten Ländern im einstelligen oder niedrigen zweistelligen Prozentbereich liegen; eine Kirche, die ebenso überaltert sein wird wie die europäische Gesellschaft insgesamt.
Ähm ... sagte ich schon, dass ich nicht unbedingt Optimist bin?
Ich überlege gerade, ob sich daraus nicht auch manche Forderungen des liberalen Flügels in der Kirche erklären. Vielleicht hören auch sie das Knacken der Balken und meinen, durch den Abwurf von nach ihrer Ansicht wohl überflüssigen Ballastes, darunter das katholische Eucharistieverständnis, der Zölibat, der Vorbehalt des Priesteramtes für Männer und vieles andere mehr, diesem Schicksal entgehen zu können. Persönlich bin ich der Ansicht, dass sie im Gegenteil Öl ins Feuer schütten. Mag ja sein, dass dann mehr Leute länger in der Kirche bleiben. Aber wenn die Kirche ist wie die Welt, wozu wäre sie dann noch vonnöten? In solchem Falle gilt mir das Wort Ödon von Horvaths:
Was morsch ist, ist reif, dass es falle. Ich setze aber auch gleich hinzu, dass dies primär ein europäisches Problem ist. Die Zukunft der Weltkirche, vor allem in Afrika und Asien, spiegelt sich darin - Gott sei Dank! - nicht wieder, die sieht durchaus hoffnungsfroh aus.