Samstag, Februar 28, 2004

Pater Raymund Schwager +
Raymund SchwagerEine traurige Nachricht, traurig für uns, die wir zurückbleiben müssen: völlig unerwartet verstarb gestern, am 27. Februar, Pater Raymund Schwager, Jesuit und Professor für Dogmatische Theologie an der Theologischen Fakultät der Universität Innsbruck. - [Diözese Innsbruck: Raymund Schwager ist tot].

Seine Kommentare zum Zeitgeschehen in Kirche und Welt, nachzulesen im Innsbrucker Theologischen Leseraum, waren ein wenig wie stabile Orientierungspunkte für mich, die ich gerne aufsuchte und gelegentlich in meinem Blog zitierte ... wie dürr alle Worte vor dem Tod stehen, ich mag nicht mehr weiterschreiben.

Requiem aeternam dona eis, Domine, | Ewige Ruhe gib ihnen, Herr,
et lux perpetua luceat eis. | Und ewiges Licht leuchte ihnen.
Te decet hymnus, Deus, in Sion, | Dir gebührt Lobgesang, Gott, in Zion,
Et tibi reddetur votum in Jerusalem. | Und Anbetung soll dir werden in Jerusalem.
Exaudi orationem meam, | Erhöre mein Gebet, Herr,
Ad te omnis caro veniet. | Zu dir kommt alles Fleisch.

Mittwoch, Februar 25, 2004

Most of his critics had never seen the movie
Cartoon
Cartoon by Tom Stiglich

Fr. Benedikt Groeschel, C.F.R: Son of God

Aschermittwoch
"Bedenke, Mensch, dass du Staub bist und wieder zum Staub zurückkehren wirst."

T.S. Eliot: Ash-Wednesday
I
Because I do not hope to turn again
Because I do not hope
Because I do not hope to turn
Desiring this man's gift and that man's scope
I no longer strive to strive towards such things
(Why should the aged eagle stretch its wings?)
Why should I mourn
The vanished power of the usual reign?

Because I do not hope to know again
The infirm glory of the positive hour
Because I do not think
Because I know I shall not know
The one veritable transitory power
Because I cannot drink
There, where trees flower, and springs flow, for there is nothing again

Because I know that time is always time
And place is always and only place
And what is actual is actual only for one time
And only for one place
I rejoice that things are as they are and
I renounce the blessed face
And renounce the voice
Because I cannot hope to turn again
Consequently I rejoice, having to construct something
Upon which to rejoice

And pray to God to have mercy upon us
And pray that I may forget
These matters that with myself I too much discuss
Too much explain
Because I do not hope to turn again
Let these words answer
For what is done, not to be done again
May the judgement not be too heavy upon us

Because these wings are no longer wings to fly
But merely vans to beat the air
The air which is now thoroughly small and dry
Smaller and dryer than the will
Teach us to care and not to care
Teach us to sit still.

Pray for us sinners now and at the hour of our death
Pray for us now and at the hour of our death.

Montag, Februar 23, 2004

Zeitverschwendung
war es nicht, die Lektüre der Autobiographie Paul Feyerabens, im Gegenteil. So las ich mich auch rasch durch. Das größte Kompliment, dass ich einem Buch machen kann: der Wunsch, es möge noch nicht zu Ende sein. Der Titel des Buches - Zeitverschwendung - verweist auf die schon von mir zitierten letzten Worte. Letztlich war alles Gedachte Zeitverschwendung, gemessen an dem, was am Ende seines Lebens zählte: die Liebe. Das ist einerseits traurig, dieses hingeworfene harte Urteil über den Großteil des eigenen Lebens: verschwendete, vergeudete Zeit. Andererseits war es ihm in seinen letzten Jahren vergönnt dieses Bessere zu finden dem alles andere in seinem Leben nicht gewachsen war.

Mittwoch, Februar 18, 2004

Zeitverschwendung
"Ich möchte, dass nach meinem Ableben nicht Aufsätze und nicht letzte philosophische Erklärungen von mir zurückbleiben, sondern Liebe. Ich hoffe, dass sie weiterbesteht und nicht zu sehr beeinträchtigt wird von der Art meines Ablebens, dass ich mir friedlich wie ein Koma wünsche, ohne einen Todeskampf, ohne schlechte Erinnerungen zurückzulassen. Was immer jetzt geschieht, unsere kleine Familie kann ewig leben - Grazina, ich und unsere Liebe. Das ist es, was ich mir wünsche:nicht dass mein Geist weiterlebt, sondern allein die Liebe."

So weit die letzten Worte in Paul Feyerabends letztem Buch - Zeitverschwendung - seine Autobiographie, die ich heute morgen mit der Post erhielt. Wegen dieser Worte, die ich irgendwo irgendwann mal im Internet fand, habe ich dieses Buch erworben. Er schrieb sie nur wenige Wochen vor seinem Tod. Und so, ganz nach seinem Wunsch, war es ihm auch vergönnt zu sterben, friedlich, ohne Todeskampf, im Dämmerschlaf eines Komas, im Beisein seine Frau Grazia, die seine Hand hielt. An ihrer Hand ging er hinweg. Vor Jahren, in einer der interessantesten Vorlesungen die ich während meines Studiums hörte, wurde mir Paul Feyerabend erstmals nahe gebracht. Damals lebte er noch. Vor einer Woche, am 11. Februar, war sein 10. Todestag. Ruhe in Frieden, Paul, und möge Dir die Erde leicht sein. Wer so auf die Liebe vertraute, wird nicht enttäuscht.

Montag, Februar 16, 2004

Pain and Passion
Mel Gibson im Interview beim US-Fernsehsender ABC.

Pain and Passion | At "the height of spiritual bankruptcy" more than a decade ago, abusing alcohol and drugs, the actor Mel Gibson said he once contemplated hurling himself out a window. - [ABCNews].

Wer?
Wenn die Wissenschaft ein Mittel gegen den Tod fände, wir etwa über herangezüchtete Klone und Übertragung unseres Bewusstseins in diese ewig leben könnten, von einem Zeitalter ins nächste, was würden wir tun? Auf die gewisse Unsterblichkeit verzichten, um uns ins Ungewisse des Todes zu stürzen? Auf die Hoffnung vertrauen, der Tod wäre bloß eine Türe, ein Vorhang, hinter dem jener eine steht, der uns die Unruhe in Herz pflanzte? Oder würden wir festhalten, was wir sicher besitzen? Wer würde unter diesen Umständen den Tod wählen? Sterben, wo die anderen leben? Sterben, um in der Hoffnung zu leben? Wer würde denn? Wer?

"... a nasty little document"
Je näher der offiziellen Premierentermin von "The Passion of the Christ" in den USA rückt, desto hektischer die Berichterstattung in den Medien, desto schriller auch die Stimmen jener, die gegen den Film und seinen angeblichen Antisemitismus protestieren. Dabei werden schon auch mal recht grelle Töne produziert, wird deutlich gesagt, was sonst vielleicht nur gedacht oder angedeutet wird. So etwa auch von Naomi Seidman, Direktorin des Centers for Jewish Studies an der Graduate Theological Union in Berkeley. Zwar hat sie den Film nicht gesehen, auch plant sie nicht, ihn sich anzusehen. Das ist für sie aber auch völlig ohne Belang. "This movie is a representation of the New Testament, which is a nasty little document.''

"... a nasty little document."

"nasty" lässt sich mit böse, ekelig, garstig, gehässig, gemein, hässlich, scheußlich, übel, unangenehm und widerlich übersetzen. Ich vermute, wohl nicht ganz unbegründet, Frau Seidman hält jedes dieser Adjektive für angemessen.

"You can't just reproduce the hateful atmosphere in which the Gospels were written,'' führt Seidman weiter aus. "You have to understand the polemics of the time. Angry people say nasty, hurtful things. The New Testament arises out of that environment.''

Das Neue Testament, ein Dokument des Hasses? Hat Frau Seidman den Geist, der aus den Evangelien zu uns spricht, durchschaut? Selig, die keine Gewalt anwenden ... die Barmherzigen ... die Frieden stiften ... Schließ ohne Zögern Frieden mit deinem Gegner ...: das also ist sie, die gefährliche, verletzende und hasserfüllte Atmosphäre der Frohbotschaft. Mit ihrer tiefschürfende Analyse hat Frau Seidman friedvoll und versöhnlich das ihr mögliche zum Verständnis zwischen Juden und Christen, Judentum und Christentum, beigetragen. Jetzt wissen wir endlich Bescheid. - [San Francisco Chronicle: Most contentious story ever told].

Freitag, Februar 13, 2004

wo Kirche wächst
Wir nehmen ab, sie nehmen zu. Während sich bei uns Kirchen und Priesterseminare leeren, die Zahl der Gläubigen schrumpft, geht die Uhren andernorts anders. In den vergangenen 5 Jahren nahm die Gesamtbevölkerung in einem der letzten kommunistischen Länder, die Sozialistische Republik Vietnam (Cộng hoà xã hội chủ nghĩa Việt Nam), um 5,3 Prozent zu. Im gleichen Zeitraum steigerte sich die Zahl der Menschen katholischen Glaubens um 14,4 Prozent. Vietnam hat eine Bevölkerung von 80 Millionen Menschen, rund 10 Millionen davon sind katholisch.

Die vietnamesische Regierung lockert seit einiger Zeit den Druck, den sie über viele Jahre hinweg auf die Kirche ausübte. In der nordvietnamesischen Diözese Haiphong erlaubte sie die Weihe von elf Männern zu katholischen Priestern. Weiters dürfen ehemalige Untergrundpriester seit kurzem öffentlich in der Seelsorge tätig sein. Zur Zeit sind im Land rund 2700 Priester tätig. Nicht weniger als 1300 Seminaristen bereiten sich gegenwärtig auf das Priesteramt vor. Wer weiss? Vielleicht begegnen wir in etlichen Jahren einige von ihnen als Missionare in einem dann glaubensverlorenen Europa. - [ORF Religion: Katholische "Rekord"-Priesterweihe im Norden Vietnams].

Donnerstag, Februar 12, 2004

Disturbing signs
Zur Situation der Christen in Ägypten.
" ... The Egyptian Constitution and law guarantee equality of rights and duties for both Muslims and Christians. Yet in reality, Egypt recognizes the conversion of Christians to Islam but does not so for Muslim converts to Christianity. A Christian who has become a Muslim can obtain a new I.D. card in less than 24 hours, documenting his new Islamic names. This procedure, on the other hand, is impossible for Christians who are former Muslims. For the Egyptian state registry office, they remain Muslims forever.

Such religious discrimination creates huge problems, particularly for Muslim women converts to Christianity before getting married to Christian men. Egyptian law, inspired by the Shariah (Koranic law), banns mixed marriages between a Muslim woman and a Christian man. According to the Shariah, a Christian man must first convert to Islam before marrying a Muslim woman. To do otherwise is punishable by death. ..."
- [AsiaNews: Persecutions of Muslim converts to Christianity continue].

... smothered by Islam and the West
Ein Interview mit Kardinal Stephanos II. Ghattas, Patriarch von Alexandrien und der mit Rom unierten koptisch-katholischen Kirche.
" ... While there is much good will, there are many difficulties. Rome has begun ecumenical dialog with our Orthodox brothers and sisters and has agreed on an important common Christological declaration, reducing the issue of Monophysitism to that of a verbal undertone. Theological matters are not those causing problems. A lot of other bad blood is involved, coming not only come from Copts, but from the other Orthodox communities. Shenouda hoped that all Christians in Egypt would be reunited under the Coptic Orthodox Church after successful ecumenical dialog and agreement on the common Christological Declaration. It didn’t turn out this way. Hence, ecumenical dialog is suffering slightly. Today members of the Orthodox Church dismiss the issue of a common Christological Declaration as a fact which has concerned Rome and the Coptic pope, but which has not been approved by the Holy Synod. Thus, the Orthodox Church most likely will not commit itself to true dialog with Catholics. Despite these problems, I ardently hope the Lord will lead us to unity. ..." - [AsiaNews: We Christians are smothered by Islam and the West].

Montag, Februar 09, 2004

Erik "Plovpenning"
Heute ist der Gedenktag des seligen Erik "Plovpenning". Da meine Eltern sich nicht um Namenspatrone und derlei kirchliche Dinge kümmerten, weiss ich nicht, wer mein Namenspatron ist, Erik "Plovpenning" oder Erik von Schweden, der erst am 18. Mai mit dem Gedenken "dran" ist. Ich hoffe, die beiden würdigen Herrscher nehmen's mir nicht allzu übel, doch fühle ich zu keinem von beiden sonderlich viel Emphatie. Ob's zulässig ist, sich selber einen Namenspatron auszuwählen, der anders heisst als man selbst? ...

Seinen eigenartigen Namen - Plovpenning - erwarb sich der Selige durch die Einführung einer Steuer, die der Finanzierung eines Kreuzzugs dienlich sein sollte: ein Pfennig (Penning) für jeden Pflug (Plov); somit also Erik (Erich) Pflugpfennig, nach heutiger Ausdrucksweise, Ackerbautechnologie und Währung wohl Erik (Erich) Traktoreuro.

Der Selige wird mir meinen kleinen Scherz, wie ich hoffe, verzeihen, vielleicht auch selber ein wenig schmunzeln. Sein Ende, um wieder ernst zu werden, war nicht sonderlich erfreulich; es war sein Bruder Abel, der ihn, seinen König, gewaltsam um's Leben brachte.

wall of shame
Die Mauer Ein Brief von Schwester Marie Dominique Croyal, Leiterin des Home Notre Dame des Douleurs in Jerusalem. Das "Notre Dame des Douleurs" ist ein Heim für 52 alte Menschen, die dort von 4 Nonnen versorgt werden. Wenige Meter vor diesem Heim wird die Mauer errichtet, die vorgeblich Frieden schaffen soll, aber Gewalt gebären wird. Schwester Marie Dominique berichtet in ihrem Brief von den Folgen des Mauerbaus für die einfachen Bürger.

" ... We are worried. Together with us there are thousands of people today living in anxiety as the wall is being built without any opposition or protest. We were not even warned and our care center is more isolated than even due to the pitiful condition of the road. Moreover, each day we have rescue staff in various places, since the neighborhood has become a military zone. ... This week many reporters and photojournalists have come to our neighborhood, which has become a land of desolation and humiliation. We all hope that interviews conducted by various newspapers, radio and television stations will reawake public opinion and the conscience of politicians. Moreover, we all hope that you will speak out in our favor against this wall of shame, so that it will be demolished. We are counting on your prayers so that leaders from both nations will begin talking again. We are counting on your action and we thank you in advance for wanting the spread such information. ..." - [AsiaNews: The Wall and its consequences for ordinary citizens].

Who killed Jesus?
Newsweek versucht sich an einer Antwort: Who Killed Jesus? | Mel Gibson's powerful but troubling new movie, 'The Passion of the Christ,' is reviving one of the most explosive questions ever. What history tells us about Jesus' last hours, the world in which he lived, anti-Semitism, Scripture and the nature of faith itself.

Immerhin ein versöhnlicher Schluss: " ... Amid the clash over Gibson's film and the debates about the nature of God, wheth-er you believe Jesus to be the savior of mankind or to have been an interesting first-century figure who left behind an inspiring moral philosophy, perhaps we can at least agree on this image of Jesus of Nazareth: confronted by violence, he chose peace; by hate, love; by sin, forgiveness—a powerful example for us all, whoever our gods may be. ...".

Sonntag, Februar 08, 2004

Collapsing Catholicism in Europe
Allerorten Spekulationen über den zukünftigen Nachfolger für die Schuhe des Fischers, so auch in der Washington Post, verfasst von George Weigel, aus dessen Feder eine Biographie Johannes Paul II stammt. Weigel zählt drei Problemstellungen auf, die nach seiner Ansicht die Wahl des nächsten Papstes entscheidend beeinflussen werden. Eine davon bezeichnet er als "Collapsing Catholicism in Europe". Mehr noch, er spricht vom demographischen Selbstmord unseres Kontinents, und sieht zwischen beidem, dem Zusammenbruch der katholischen Kirche und dem demographischen Disaster, dass in keinem einzigen Land Europas die Geburtenrate die Sterberate auch nur annähernd erreicht, einen Zusammenhang, nämlich eine schwere Krise der kulturellen Moral. Diese führt er auf eine radikale Säkularisierung zurück, die ihrerseits das Gefühl der Bürger für ihre Verantwortung für die Zukunft untergräbt. - [Washington Post: A Crossroad for the Catholic Church ].

Ihr dürft mich einen Pessimisten heissen, aber ich glaube, dass Weigel in den wesentlichen Grundzügen recht hat. Die Zerfallserscheinungen eines katholischen Volksglaubens stehen erst am Anfang. Es knistert ja schon unüberhörbar im Gebälk, die Finanzmittel werden knapp, manche Diözesen stehen finanziell mit dem Rücken zur Wand. Bald schon wird sich die Kirche die Dienste bezahlter Pastoralassistenten nicht mehr leisten können, Klöster mangels Nachwuchs geschlossen werden, die Zahl der tatsächlich praktizierenden Katholiken wird weiter schrumpfen, die Austritte von nur mehr per Taufschein mit der Kirche verbundenen Personen werden stetig weitergehen. Am Ende steht eine Kirche, deren Mitgliederzahlen in den meisten Ländern im einstelligen oder niedrigen zweistelligen Prozentbereich liegen; eine Kirche, die ebenso überaltert sein wird wie die europäische Gesellschaft insgesamt.

Ähm ... sagte ich schon, dass ich nicht unbedingt Optimist bin?

Ich überlege gerade, ob sich daraus nicht auch manche Forderungen des liberalen Flügels in der Kirche erklären. Vielleicht hören auch sie das Knacken der Balken und meinen, durch den Abwurf von nach ihrer Ansicht wohl überflüssigen Ballastes, darunter das katholische Eucharistieverständnis, der Zölibat, der Vorbehalt des Priesteramtes für Männer und vieles andere mehr, diesem Schicksal entgehen zu können. Persönlich bin ich der Ansicht, dass sie im Gegenteil Öl ins Feuer schütten. Mag ja sein, dass dann mehr Leute länger in der Kirche bleiben. Aber wenn die Kirche ist wie die Welt, wozu wäre sie dann noch vonnöten? In solchem Falle gilt mir das Wort Ödon von Horvaths: Was morsch ist, ist reif, dass es falle. Ich setze aber auch gleich hinzu, dass dies primär ein europäisches Problem ist. Die Zukunft der Weltkirche, vor allem in Afrika und Asien, spiegelt sich darin - Gott sei Dank! - nicht wieder, die sieht durchaus hoffnungsfroh aus.

Donnerstag, Februar 05, 2004

Religionsunterricht
Religion lernt man in der Schule. Vielleicht, mag sein. Aber "lernt" man dort auch zu Glauben? Die koptisch-orthodoxe Kirche vermittelt ihren Glauben abseits staatlicher Systeme in Sonntagsschulen. Patriarch Schenuda III., seit 1971 Oberhaupt der koptisch-orthodoxen Kirche, widmete sich schon als Student der Kunstgeschichte dem Unterricht in den Sonntagsschulen. Von seinem Vorgänger auf dem Stuhl des Patriarchen wurde ihm später die gesamte Sonntagsschulbewegung unterstellt, die er nach seiner Wahl zum Patriarchen weiterhin besonders förderte. Aus dieser Bewegung erwuchsen der koptischen Kirche eine Fülle an Berufungen. Zahlreiche Priesterstudenten, noch mehr Eintritte in Klöster, die zuvor mangels Nachwuchs einem scheinbar unvermeidlichen Ende entgegendämmerten, und nun binnen weniger Jahre hundert und mehr Mönche zählen. In Freddy Derwahls Buch - Eremiten - Die Abenteuer der Einsamkeit - wird einiges von dieser besonderen Aufbruchsstimmung in der koptischen Kirche wiedergegeben. - [Kopten-Papst Schenuda III. 80].

Ich bin übrigens für die Abschaffung des staatlichen katholischen Religionsunterrichts in den Schulen. Vielleicht lehrt er Religion, mag sein. Aber dass er Glaube lehrt, glaube ich nicht; mitunter wage ich mich an den Gedanken, der staatliche Religionsunterricht wäre am Ende gar eine Art "Schutzimpfung" oder "Isolierung" gegen gelebten Glauben.

"Ut unum sint" oder "Damit zusammen wächst, was zusammen gehört"
Das soll für ein Nachbarland gegolten haben. Umso mehr gilt es für die Beziehungen zwischen der katholischen Kirche des Westens und den altorientalischen Kirchen des Ostens. In Kairo hat nach jahrelangen Vorarbeiten zur Ausräumung des viele jahrhundertealten historischen und theologischen Schutts die erste Runde eines nunmehr offziellen theologischen Dialogs stattgefunden, in "sehr herzlicher Atmosphäre", wie beiden Seiten betonen. - [Erste Dialogrunde zwischen Katholiken und Altorientalen abgeschlossen].

Nach dem Konzil von Chalcedon ging die altorientalische Kirchenfamilie ihre eigenen Wege. Sie lehnte die auf dem Konzil erarbeitete Formel der "Zwei-Naturen-Lehre" strikt ab. Nach dieser Lehre ist Jesus Christus "wahrer Gott" und "wahrer Mensch" zugleich.

"Der eine und selbe ist vollkommen der Gottheit und vollkommen der Menschheit nach, wahrer Gott und wahrer Mensch, bestehend aus einer vernünftigen Seele und dem Leibe. Der eine und selbe ist wesensgleich dem Vater der Gottheit nach und wesensgleich auch uns seiner Menschheit nach, 'er ist uns in allem ähnlich geworden, die Sünde ausgenommen' (Hebr 4,15). Vor aller Zeit wurde er aus dem Vater gezeugt seiner Gottheit nach, in den letzten Tagen aber wurde derselbe für uns und um unseres Heiles willen aus Maria, der Jungfrau, der Gottesgebärerin, der Menschheit nach geboren: Wir bekennen einen und denselben Christus, den Sohn, den Herrn, den Einziggeborenen, der in zwei Naturen (physis) unvermischt, unverwandelt, ungetrennt und ungesondert besteht. Niemals wird der Unterschied der Naturen wegen der Einigung aufgehoben, es wird vielmehr die Eigentümlichkeit einer jeden Natur bewahrt, indem beide in eine Person (prosopon) oder Hypostase zusammenkommen. Wir bekennen nicht einen in zwei Personen getrennt und zerrissen, sondern ein und denselben einziggeborenen Sohn, das göttliche Wort, den Herrn Jesus Christus..." (NR 178; DS 301-303). - [Raymund Schwager: Dogmengeschichte der Christologie - Das Konzil von Chalkedon (451)].

Der Stein des Anstoßes für die altorientalischen Kirchen lag in der Aussage des Konzils, dass "die Eigentümlichkeit einer jeden Natur gewahrt" bleibt. Dies interpretierten sie als Bekenntnis zur Teilung von Christus in zwei Söhne. Rund 1500 Jahre später, in der "Wiener christologischen Formel" aus dem Jahr 1971, gelang eine theologische Auflösung des Knotens. In dieser Formel wurde von beiden Seiten, der katholischen Kirche sowie der altorientalischen Kirchenfamilie festgestellt, dass beide Kirchenfamilien im Grunde ein gleiches Bekenntnis zu Christus vereint, "dass unser Gott und Erlöser, Jesus Christus, Gottes Fleisch gewordener Sohn ist; vollkommen in seiner Gottheit und vollkommen in seiner Menschheit. Seine Gottheit war von seiner Menschheit keinen einzigen Moment, nicht einen Augenblick getrennt. Seine Menschheit ist eins mit seiner Gottheit, ohne Vermischung, ohne Vermengung, ohne Teilung, ohne Trennung". In der Folge anerkennen beide Seiten ihre jeweiligen christologischen Bekenntnisformeln als rechtgläubig.

Ende Jänner 2005 sollen die Gespräche in Rom, genauer im Vatikan, zum Thema "Kirche als Gemeinschaft" weitergeführt werden. Die Erwartungen in die Weiterführung des Dialogs sind hoch gesteckt. In theologischer Hinsicht scheinen die wesentlichsten Hindernisse ausgeräumt, die Wiederherstellung der zerbrochenen Einheit scheint nicht mehr ausgeschlossen. Und wie gut würde der allzu kopflastigen Kirche des Westens eine Brise vom spirituellen und liturgischen Reichtum der orientalischen Kirchen tun.

mongolische Pastorale: wo Kirche wächst
Kaum 200 Menschen umfasst die katholische Kirche der Mongolei. Etwa ein Drittel von ihnen versammelte sich an drei Wochenenden im Jänner in der Kathedralpfarre St. Peter und Paul um aktuelle Fragen des kirchlichen Lebens, insbesondere der Mission, zu besprechen. - [ORF Religion: Erste katholische Pastoralsynode in der Mongolei].
Zu Ostern wird sich die kleine Schar Katholiken beträchtlich vergrößern; 106 Katechumenen warten darauf in die Kirche aufgenommen zu werden. - [AsiaNews: Catholic Church's love meets catechumens needs].

Semper reformanda: "Die Verbesserung der Effizienz und Unternehmenskultur ist bei uns eine ständige Agenda"
"... Markus Swarovski erweckt den Eindruck, er traue seinen Kristallgeschichten fast mehr als manche kirchlichen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen den biblischen Erzählungen, obwohl die letzteren doch ganz anders in die Tiefe des Menschlichen und Göttlichen hineinreichen und sich während zweitausend Jahren auf ganz andere Weise bewährt haben ...". Raymund Schwager zum "kirchlichen" Glauben der Konzerne an ihre (Unternehmens-)Heilgeschichte: Swarovski-Konzern - eine alternative Kirche?.

Mittwoch, Februar 04, 2004

Die Passion Christi
Constantin Film, der Verleih, der Mel Gibsons Film über die Passion Jesu Christi am 8. April in die deutschen Kinos bringt, richtete zum Film eine eigene Website ein: Die Passion Christi. Darin ist auch ein Gästebuch enthalten, in dem die Zuschauer ihre Gedanken, Gefühle und Reaktionen ausdrücken können. Zur Zeit enthält das Buch noch keinen Eintrag, das wird sich aber sicherlich bald ändern, insbesondere nach dem 8. April. Dann könnte ein Studium der Einträge recht interessant sein.

Montag, Februar 02, 2004

Alle Wege führen nach Rom
Vor vielen Jahren war ich mal dort, mit Auto, Frau und 2 Kindern*, einen heißen Nachmittag lang, ein "kleiner" Ausflug vom Bolsena See. Aus welchen Gründen auch immer, meine Erinnerungen an die ewige Stadt sind recht rudimentär, ein bisschen Engelsburg und Aurelianische Mauer (Parkplatz für unser Auto), ein bisschen Vatikan (Zeigefinger der Kinder auf die putzigen Schweizergardisten), ein bisschen Spanische Treppe (rechterhand ein MacDonalds) ... ach, eine Kulturschande, Asche über mein Haupt.

Jetzt aber überlegen Andrea und ich ernsthaft im Juni für 14 Tage der Stadt die ihr gebührende Referenz zu erweisen. Auto, darüber sind wir uns einig, scheidet aus. Wir wollen uns weder die Anstrengung und den Stress einer 10stündigen Hatz über die Autobahnen, noch den römischen Straßenverkehr zumuten, zumal meine Kreise im Urlaub zunehmend kleiner werden. Weniger sehen, dies aber länger, ist mehr.

Flug oder Zug, das ist die Frage. Von Graz mit Fairline Austria um 30 Euro fliegen? Oder von Innsbruck mit der Bahn - RailSpecial Italien - um 29 Euro? Ich tendiere zum Zug. Bleibt noch die Frage nach dem Quartier. Wir würden gerne bescheiden in einem der Klöster nahe dem Zentrum nächtigen. Vorschläge?

* Reihenfolge alphabetisch - und nicht nach Wertigkeit!

Sonntag, Februar 01, 2004

Blogger unterstützt im kostenlosen Blog-Bereich RSSify nicht. Ich versuche mal darum herum doch noch RSS-tauglich zu werden, ob's klappt werde ich hoffentlich bald mal erfahren. Zwei verschiedene Varianten, um das gleiche Ziel zu erreichen: RSSify vom WCC sowie blogrss von Blogmatrix. Eine davon wird es hoffentlich tun. Mal sehen. Vergesst nicht, mir Bescheid zu geben.

Die Kleine Regel des Meister Romuald
Nimm Platz in deiner Zelle, als wenn du im Paradies wärest. Lass die ganze Welt hinter dir und vergiss sie. Erforsche deine Gedanken, wie ein erfahrener Fischer, der nach dem Fisch Ausschau hält. Der Pfad, dem du nachgehen sollst, ist in den Psalmen – verlasse ihn niemals. Tratst du erst vor kurzem ins Kloster ein und erlangst du trotz deines guten Willens nicht das, wonach dich verlangt, so nutze jede passende Gelegenheit, in deinem Herzen Psalmen zu singen und sie mit eigenem Verstand zu verstehen. Wenn jedoch dein Verstand wandert, während du liest, gebe nicht nach; eile zurück und wende deinen Verstand den Wörtern noch mal zu. Sei dir vor allem dessen bewusst, dass du in der Gegenwart Gottes weilst, verhalte dich also so wie jemand, der vor dem Kaiser steht. Reinige dich gänzlich und sei in Erwartung froh über die Güte des Herrn wie ein Küken, das nur das isst, was die Mutter ihm bringt.

Orthodoxinfo
Die schönen Webseiten der orthodoxe Gemeinde Hl. Symeon Stylites bieten reiche Informationen über den orthodoxen Glauben. Besonders hervorheben möchte ich für's erste die Abhandlung Über das Gebet aus den Briefen des Bischofs Theophan der Einsiedler, die sehr praxisbezogen sind, etwa in der Art der "Dummy"-Buchserie, also "Gebet für Dummys", somit bei realistischer Selbsteinschätzung genau das Richtige für mich.