Peter und Paul
Vor 3 Wochen stand ich zwischen den beiden Apostelfürsten, vielmehr ihren Abbildern in der Cerasi-Kapelle in Santa Maria del Popolo in Rom aus der Hand des Malers Michelangelo Merisi, den die Welt als Caravaggio kennt. Caravaggio, seine Bilder, waren eine der besonderen Entdeckungen meines Aufenthalts in Rom. Dank besonderer Umstände - Renovierungsarbeiten in der Kirche - konnte ich in die Kapelle hinein und die Bilder in aller Ruhe sowohl aus der Ferne, als auch aus unmittelbarer Nähe betrachten.

Besonders beeindruckend fand ich die Bekehrung des Heiligen Paulus. Caravaggio verzichtete vollständig auf die Darstellung von Hintergrund. Ihn interessierte nicht die reale Landschaft des Weges nach Damaskus, einzig der ungeheuerlich weite Weg, den der Heilige in diesem Moment in seinem Inneren durchläuft, ist Gegenstand des Bilds. Der Apostel, vom Pferd geschmettert, liegt wie betäubt auf dem Rücken. Die Augen sind geschlossen, sein Gesicht scheint nach innen zu fallen, die gestreckten Arme hingegen sind nach oben hin offen. Dies ist keine Geste der Abwehr mehr. Hier wird jener Christus, den Saulus verfolgte, von Paulus willkommen geheissen. Über dem extrem in die Tiefe des Bildes verkürzten Körper des Apostels steht dessen Pferd, sucht vorsichtig Raum für die Hufe, darauf bedacht, seinen in den Staub geworfenen Herren nicht zu verletzen.
Dem Bild gegenüber hängt Caravaggios Interpretation des Martyriums des Heiligen Petrus. Auch hier interessiert den Maler einzig das zentrale Ereignis, das Thema seines Bildes ist. Mit Licht schält er die Gestalten des ans Kreuz geschlagenen Heiligen und seiner Henkersknechte aus dem Dunkel, in dem er eine Landschaft ungesehen belässt. Petrus, der dreimal seinen Herren verleugnete, der dreimal gefragt wurde, ob er ihn, seinen Herren, liebe, ist nun selber daran Arme und Hände am Kreuz auszustrecken. Sein Blick ist von den Henkersknechten abgewendet, scheint über das Bild hinauszugehen, auf etwas - oder jemand? - gerichtet, den ich nicht sehen kann. Ob er in diesem Moment der Fragen gedenkt? "Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich?" Petrus hat Antwort gegeben.


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