Montag, Dezember 29, 2003

"Das sind die, welche aus der großen Drangsal gekommen sind"
Erzbischof Michael Aidan CourtneyIn Burundi starb heute der Apostolische Nuntius des Landes, Erzbischof Michael Aidan Courtney. Am Sonntag wurden auf ihn und drei Begleiter Schüsse abgegeben. Wer die Tat zu verantworten hat, ist zur Zeit nicht bekannt. Während zwei seiner Begleiter unverletzt blieben und einer eine leichte Verwundung am Arm erlitt, wurde der Erzbischof von drei Kugel schwer verletzt. Er starb im Laufe einer Notoperation ohne das Bewusstsein wiedererlangt zu haben. "Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt." (Joh 11, 25) - [Der Standard].

Da fragte mich einer der Ältesten: "Wer sind diese, die weiße Gewänder tragen, und woher sind sie gekommen?" Ich erwiderte ihm: "Mein Herr, das musst du wissen." Und er sagte zu mir: "Es sind die, die aus der großen Bedrängnis kommen; sie haben ihre Gewänder gewaschen und im Blut des Lammes weiß gemacht. Deshalb stehen sie vor dem Thron Gottes und dienen ihm bei Tag und Nacht in seinem Tempel; und der, der auf dem Thron sitzt, wird sein Zelt über ihnen aufschlagen. Sie werden keinen Hunger und keinen Durst mehr leiden und weder Sonnenglut noch irgendeine sengende Hitze wird auf ihnen lasten. Denn das Lamm in der Mitte vor dem Thron wird sie weiden und zu den Quellen führen, aus denen das Wasser des Lebens strömt, und Gott wird alle Tränen von ihren Augen abwischen." (Offb 7, 13-17).

Sonntag, Dezember 28, 2003

um jenen einen Satz zu schreiben
Predigten sind nicht selten ein Kapitel für sich. Leider eines, dass ich in diesen Fällen kaum höre, weil meine Gedanken in fremde Gefilde abirren. Es ist sicherlich mein Fehler, dass ich es einfach nicht zustande bringen Predigten zu folgen, die mir wie die vorweggenommenen Antworten aus der Kummerkastenkolumne der örtlichen Tageszeitung erscheinen. Ein wenig Psychologie und Psychotherapie, ein wenig Lebenshilfe, ein wenig Soziologie ... und meine Gedanken sind überall, nur nicht beim Thema der Predigt. Vor der Predigt wird bekanntlich das Evangelium verlesen. Mir erscheint es oft - aber vielleicht selektiere ich jetzt in meiner Erinnerung - als würde eigentlich wenig darauf Bezug genommen. Vor einiger Zeit hörte ich von geschulter Schauspielstimme Passagen aus dem Lukasevangelium vorgetragen. In dieser Form, nicht als gelesenes, sondern gehörtes Wort Gottes, erschrak ich fast vor dessen Radikalität. So gesehen ... vielmehr: gehört ... ist Jesu Botschaft nichts für schwache Gemüter. Und wieder einmal muss ich mich ermahne mich selber an der Nase zu fassen und endlich, endlich zur Sache zu sprechen.

Zur Sache also: gestern bei der Patroziniumsfeier von St. Johannes am Imberg hielt Domdechant Prälat Johannes Neuhardt eine Predigt wie ich sie mag. Er sprach zum Evangelium der Patroziniumsfeier, Joh 1, 19-38, vom Zeugnis, das Johannes der Täufer über Jesus gab: "Seht, das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinwegnimmt" (Joh 1,29); vom Bild des Lammes, von dem manche Exegeten vermuten, es ginge auf den aramäischen Ausdruck 'thalja' zurück, der sowohl 'Knecht' als auch 'Lamm' heißen kann. Damit schlägt Johannes der Evangelist eine Brücke zurück zu den Prophezeiungen Jesajas, den Reden vom Lamm, das man zum Schlachten führt (Jes 53, 7), vom Knecht Gottes, zermalmt von unserer Schuld (Jes 53, 5).

Für die Auswahl dieser Passage zum Patrozinium gibt es einen einfachen Grund: im gesamten Neuen Testament treten die beiden Schutzheiligen von St. Johannes am Imberg, der Täufer wie der Evangelist, nur an dieser einen Stelle zusammen auf: Am Tag darauf stand Johannes wieder dort und zwei seiner Jünger standen bei ihm (Joh 1, 35). Einer der beiden Jünger war Andreas, der Bruder des Simon Petrus. Im anderen, dessen Name nicht genannt wird, vermutet man Johannes den Evangelisten, der hier über selbsterlebtes berichtet. Die erste Rede Jesu im Johannesevangelium ist eine einfache Frage: "Was wollt ihr?" Darauf die Jünger: "Rabbi" - das heißt übersetzt: Meister, "wo wohnst du?" (Joh 1, 38).

.... Ah, und wieder merke ich, dass ich weit, sehr weit aushole, um jenen einen Satz zu schreiben, um den es mir eigentlich ging, den ich aus jener Predigt hoffentlich über die Zeit hinweg vor meinem Vergessen retten kann.

Dieser eine Satz ging so: Eine Frage ist ein Gebet des Verstands.

Darüber lohnt es sich nachzudenken. Und durch die Übernahme dieses Satzes in mein Blog ist auch die Gefahr des Vergessens für eine Weile gebannt.

Samstag, Dezember 27, 2003

Heute im 'Lateran'
Auch wenn es wohl nur wenige wissen, wohl selbst viele Salzburger nicht, unsere Stadt hat seinen eigenen Lateran, wenngleich in recht bescheidenen Dimensionen, das kleine Kirchlein St. Johannes am Imberg. Denn wie das 'etwas' größere Vorbild, die Basilika San Giovanni in Laterano in Rom, ist sie den beiden Heiligen Johannes, dem Täufer wie dem Evangelisten, geweiht. Heute, am Festtag des Heiligen Johannes Evangelista, war Patroziniumsfeier, geleitet von Domdechant Prälat Johannes Neuhardt, musikalisch umrahmt von Hans Leo Hasslers Missa Dixit Maria (kleine Hörprobe). Während der Messe erfolgte nach altem Brauch St. Johannis Weinsegnung: Auf die Fürbitte des Apostels Johannes, segne, + guter Gott, den neuen Wein; er ist Ertrag unserer Arbeit, aber noch mehr deine Gabe. Der Wein vereine uns in froher Gemeinschaft. Er werde uns hoffnungsfrohes Zeichen für die Gemeinschaft der Heiligen beim himmlischen Hochzeitsmahl. Schenk uns nach diesem Leben die Vollendung, Vater, denn du hast den besten Wein bis zuletzt aufgehoben und reichst ihn durch Christus, unsern Herrn. Amen. Der 'Johanniswein' ist ein Sinnbild für die Liebe des Apostels Johannes, von der St. Johannes in seinem ersten Brief spricht (1 Joh 4,7-21). Im Anschluss an die Messe, nach dem in diesen Tagen bei uns selbstverständlich vollkommen unverzichtbarem Stille Nacht!, erfolgte denn auch ein Ausschank des Weins - Trinke die Liebe des hl. Johannes im Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes - angereichert mit weihnachtlichem Gebäck. Als denn, liebe Leser: Prost! Trinkt die Liebe des Heiligen Johannes und stoßt mit mir an! Vor mir steht ein Glas Vin Santo, Jahrgang '97, von Lungarotti aus Umbrien (die Webseite lohnt unbedingt einen Besuch! ein ästhetischer Genuß).

Christmette
Aufstieg auf den 'Monte Cappuccini', dem Kapuzinerberg, bei bitterer Kälte; es ist die bislang kälteste Nacht dieses Winters. Fast eine Stunde zu früh bin ich auf dem steilen Prügelweg, der hinauf zu Kloster und Kirche führt. Ich möchte vermeiden, dass es mir ein klein wenig wie Maria und Josef ergeht und ich am Ende keinen (Sitz-)Platz in der Herberge, in meinem Falle: der Kirche, finde; zu Weihnachten ist sie schnell einmal bis auf den letzen Platz und darüber hinaus gefüllt. Soweit ich weiß, ist die Kapuzinerkirche die einzige weit und breit, die dieses zentrale und freudige Mysterium unseres Glaubens, die Menschwerdung Gottes, Christi Geburt, entsprechend zentral, nämlich im Hochaltarbild, feiert. Und wie bei den Hirten auf dem Bild werden auch unsere Gesichter licht von dem Glanz, der ausstrahlt von dem göttlichen Kind in der Krippe.

Stille Nacht! Heilige Nacht!
Alles schläft; einsam wacht
Nur das traute heilige Paar.
Holder Knab im lockigten Haar,
Schlafe in himmlischer Ruh!
Schlafe in himmlischer Ruh!
...
Stille Nacht! Heilige Nacht!
Wo sich heut alle Macht
Väterlicher Liebe ergoß
Und als Bruder huldvoll umschloß
Jesus die Völker der Welt,
Jesus die Völker der Welt.

Donnerstag, Dezember 25, 2003

Von Ersten und Letzten
Eben stellte ich mit einer gewissen Erheiterung fest, dass Google bei Eingabe von Jesu Namen in der lateinischen Fassung - Iesu - mein Blog an erster Stelle reiht. Zuviel der Ehre. Im Himmel sollen ja die Ersten die Letzten sein. Aber besser der Letzte im Himmel, als gar nicht dabei.

Mittwoch, Dezember 24, 2003

Getrude Fussenegger: Wer wussten denn schon ...
Wer wußte denn schon in jenen Tagen
Im gewaltigen Rom
Von dem entlegenen Nest
Am Rande der Wüste Bethlehem?
Wer von den Intelligenten,
daß sich dort in einem schmutzigen Stall
Etwas Wichtiges habe begeben können?
Auch heute schlafen zu viele traumlos
Auf den Kissen der Eitelkeit.

Ich verkünde Euch eine große Freude
Stundenbuch: Verkündigung an die Hirten


Rainer Maria Rilke: Marienleben - Verkündigung über den Hirten
Steht auf, ihr Männer. Männer dort am Feuer,
die ihr den grenzenlosen Himmel kennt,
Sterndeuter, hierher! Seht, ich bin ein neuer
steigender Stern. Mein ganzes Wesen brennt
und strahlt so stark und ist so ungeheuer
voll Licht, daß mir das tiefe Firmament
nicht mehr genügt. Laßt meinen Glanz hinein
in euer Dasein: O die dunklen Blicke,
die dunklen Herzen, nächtige Geschicke,
die euch erfüllen. Hirten, wie allein
bin ich in euch. Auf einmal wird mir Raum.
Stauntet ihr nicht: Der große Brotfruchtbaum
warf einen Schatten. Ja, das kam von mir.
Ihr unerschrockenen, o wüßtet ihr,
wie jetzt auf eurem schauenden Gesichte
die Zukunft scheint. In diesem starken Lichte
wird viel geschehen. Euch vertrau ich's denn
ihr seid verschwiegen; euch Gradgläubigen
redet hier alles. Glut und Regen spricht,
der Vögel Zug und Wind und was ihr seid,
keins überwiegt und wächst zur Eitelkeit
sich mästend an. Ihr haltet nicht
die Dinge auf im Zwischenraum der Brust,
um sie zu quälen. So wie seine Lust
durch einen Engel strömt, so treibt durch euch
das Irdische. Und wenn ein Dorngesträuch
aufflammte plötzlich, dürfte noch aus ihm
der Ewige euch rufen, Cherubim,
wenn sie geruhten neben eurer Herde
einherzuschreiten, wunderten euch nicht:
ihr stürztet euch auf euer Angesicht,
betetet an und nenntet dies die Erde.

Doch dieses war. Nun soll ein Neues sein,
vor dem der Erdkreis ringender sich weitet.
Was ist ein Dörnicht uns: Gott fühlt sich ein
in einer Jungfrau Schoß. Ich bin der Schein
von ihrer Innigkeit, der euch geleitet.

Dienstag, Dezember 23, 2003

Joseph
Martin Schongauer: Die Geburt Christi (Ausschnitt)


Rainer Maria Rilke: Marienleben - Argwohn Josephs
Und der Engel sprach und gab sich Müh'
an dem Mann, der seine Fäuste ballte:
aber siehst du nicht an jeder Falte,
daß sie kühl ist wie die Gottesfrüh.

Doch der andre sah ihn finster an,
murmelnd nur: Was hat sie so verwandelt?
Doch da schrie der Engel: Zimmermann,
merkst du's noch nicht, daß der Herrgott handelt?

Weil du Bretter machst, in deinem Stolze,
willst du wirklich den zur Rede stelln,
der bescheiden aus dem gleichen Holze
Blätter treiben macht und Knospen schwelln?

Er begriff. Und wie er jetzt die Blicke,
recht erschrocken, zu dem Engel hob
war der fort. Da schob er seine dicke
Mütze langsam ab. Dann sang er Lob.

Montag, Dezember 22, 2003

Eine Weihnachtsgeschichte: Und siehe der Stern, den sie im Aufgang gesehen hatten, ging vor ihnen her ...
Die Magoi sahen also ganz so, wie sie zu Herodes gesagt hatten, seinen Stern, den Stern des Weltherrschers und Erlöserkönigs, Jupiter, aufgehen. Dies geschah am 13. Adura des Jahres 304 der Seleukidenära, das war der 16. März des Jahres 7 vor der Zeitenwende. Für den 3. Nisannu des neuen Jahres 305 (4. April 7 vor der Zeitenwende) erwarteten sie den heliaktischen Aufgang des Sterns der Juden, des Saturn. In den folgenden Wochen näherte sich Jupiter dem Saturn, um ihn schließlich am 29. Mai zu erreichen. Dies war die erste Konjunktion im Sternbild der Fische. Der schnellere Jupiter überholte nun den Saturn, bis die beiden Planeten schließlich in der zweiten Julihälfte stillstanden und anschließend rückläufig wurden. Dies alles, der Tanz der beiden Gestirne über den nächtlichen Himmel, ist auf den Tontafeln von Sippur verzeichnet: "Auf Befehl meines Herrn und meiner Herrin, eine Bestimmung ...".

Am 15. September ging Jupiter akronychisch auf. Während im Westen die Sonne versank, erhob sich im Osten der Stern des Weltherrschers und trat in Opposition zur Sonne. Ebenso tat sein nahe bei ihm stehender Begleiter, Saturn, der Stern der Juden. Um Mitternacht konnten die Magoi die beiden Gestirne in der Mitte des Himmes nahe dem Frühlingsknotenpunkt, das ist der Punkt, an dem die Sonne zu Frühlingsbeginn steht, sehen. Jupiter näherte sich Nacht für Nacht mehr dem Saturn an, um ihn am 3. Oktober und wiederum im Sternbild der Fische zu erreichen. Beide Gestirne zogen gemeinsam die ganze Nacht über den Himmel. Dies war die zweite Konjunktion, die die Tafeln von Sippur voraussagten. Wieder eilte der schnellere Jupiter seinem Begleiter voraus. Beide verzögerten ihren Lauf über den Himmel und verharrten schließlich in den beiden Nächten vom 12. bis zum 14. November unbeweglich am Himmel. Daraufhin zogen die beiden Planeten wieder nach Osten, in Richtung des Sonnenaufgangs. Jupiter eilte wieder auf den Saturn zu, um diesen am 5. Dezember in der dritten und letzten Konjunktion im Sternbild der Fische zu erreichen.

Zu Beginn des Jahres 7 vor der Zeitenwende gingen die beiden Gestirne heliaktisch auf, am Ende des selben Jahres heliaktisch unter. Das ganze Jahr vollzogen sie ihren stillen Tanz über den Himmel, begegneten einander dreimal und näherten sich bis auf etwa 2 Vollmonddurchmesser einander an. Das ganze Jahr über, von ihrem heliaktischem Aufgang bis zu ihrem heliaktischen Untergang, lagen sie nie weiter als 3° voneinander entfernt.

Die Magoi, durch ihre Tafeln des Tanzes der beiden Gestirne im voraus gewahr, hatten wohl schon bei deren heliaktischem Aufgang ihre Reise angetreten, die sie über 1200 Kilometer nach Jerusalem führte, wo sie den König Herodes durch ihre Frage in Schrecken versetzten: "Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben seinen Stern aufgehen sehen und sind gekommen, um ihm zu huldigen." (Mt 2,2).

Herodes ließ alle Hohenpriester und Schriftgelehrten des Volkes zusammenkommen und erkundigte sich bei ihnen, wo der Messias geboren werden solle. Sie antworteten ihm: "In Betlehem in Judäa; denn so steht es bei dem Propheten: Du, Betlehem im Gebiet von Juda, bist keineswegs die unbedeutendste unter den führenden Städten von Juda; denn aus dir wird ein Fürst hervorgehen, der Hirt meines Volkes Israel." (Mt 2,5-6)

Mit dieser Auskunft ließ Herodes die Magoi ihre Suche fortsetzen, ihnen dabei allerdings einschärfend, sie mögen ihm, wenn sie das Kind gefunden hätten, Nachricht geben. Dazu in einer späteren Weihnachtsgeschichte aber noch mehr. Nach diesen Worten des Königs machten sich die Magoi wieder auf den Weg.

Und siehe, der Stern, den sie hatten aufgehen sehen, zog vor ihnen her bis zu dem Ort, wo das Kind war; dort blieb er stehen. (Mt 2,9). Der Stern stand still. Der Stillstand eines Planeten am Himmel erfolgt nur scheinbar vor dem Hintergrund der Fixsterne. Dieser scheinbare Stillstand entsteht durch die Umlaufbahnen von Erde und Planet um die Sonne, die zu diesen Gelegenheiten genau aufeinander zu oder voneinander fort verlaufen. Und siehe (Mt 2,9), schrieb der Evangelist (die Einheitsübersetzung 'verschluckt' leider das 'siehe'), und wiederholt damit auf griechisch die babylonische Wendung 'tammar' (und siehe), die auf zahlreichen Keilschrifttafeln astronomische Beobachtungen einleitet.

Der Weg von Jerusalem nach Bethlehem verläuft in südlicher Richtung. Wenn den Magoi der Stern über ihrem Weg leuchtete, so müssen sie Jerusalem am Abend durch das Jaffator verlassen haben, da zu diesem Zeitpunkt Jupiter am südlichen Himmel stand; sie marschierten direkt auf den Stern zu. Als sie den Stern sahen, wurden sie von sehr großer Freude erfüllt (Mt 2,10), erhielten sie doch derart bestätigt, den rechten Weg eingeschlagen zu haben. Dieser Weg, die Straße nach Bethlehem, biegt kurz vor Erreichen der Stadt nach Osten hin ab, sodass das Doppelgestirn direkt über ihr am Himmel stand. Durch den himmelsmechanisch bedingten Stillstand von Jupiter und Saturn verharrten die beiden 'himmlischen' Künder der Geburt des Retterkönigs über Stunden hinweg unbeweglich am Firmament. Zudem war die Stadt als Ort der Geburt des Retterkönigs aus der Ferne wie in einen Kegel aus Licht getaucht, dem Zodikallicht, an dessen Spitze Jupiter und Saturn unbeweglich verharrten. Sie gingen in das Haus ... (Mt 2,11) - üblicherweise wird das griechische Wort 'oikia' mit 'Haus' übersetzt, doch ist auch die Bedeutung 'Dorf' möglich. In diesem Falle lautete die Passage: Sie gingen in das Dorf und sahen das Kind und Maria, seine Mutter; da fielen sie nieder und huldigten ihm. Dann holten sie ihre Schätze hervor und brachten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe als Gaben dar. (Mt 2,11). Es war wohl die Nacht vom 12. auf den 13. November des Jahres 7 vor der Zeitenwende. Uns wird in 2 Tagen der Heiland geboren.

Der Sternenhimmel zur Zeit von Christi Geburt.

Gentile da Fabriano: Adoration of the Magi

Sonntag, Dezember 21, 2003

Eine Weihnachtsgeschichte: "Wir haben seinen Stern aufgehen sehen ..."

Als Jesus zur Zeit des Königs Herodes in Betlehem in Judäa geboren worden war, kamen Sterndeuter aus dem Osten nach Jerusalem und fragten: "Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben seinen Stern aufgehen sehen und sind gekommen, um ihm zu huldigen." (Mt 2,2).

Das Evangelium nennt weder Anzahl noch Namen, doch sagt es uns, dass diese Fremden aus dem Osten, dem Morgenland, kamen. Es nennt auch ihre Profession: Sterndeuter, eigentlich 'Magoi', Magier, wie wir heute sagen. Das Wort 'Magoi', stammt aus dem Persisch-Babylonischen und bezeichnete ursprünglich ein eigenes Volk, später dann die Mitglieder einer Priesterkaste. In der Bibel (Dan 2,2) sind die Magoi orientalische Astrologen, Zeichendeuter und Wahrsager, auch Chaldäer genannt. Um die Zeitenwende herum war es im Zweistromland eine Art Amtstitel für die im Dienste des Staates und der Religion stehenden Sternbeobachter, Astronomen, die zugleich auch Sterndeuter, Astrologen, waren. Sie, die Sternbeobachter und Sterndeuter, berichten, sie hätten des neugeborenen Königs der Juden Stern aufgehen sehen.

Der griechische Text des Evangeliums enthält sowohl im ersten, als auch im zweiten Vers des 2. Kapitels den Begriff 'anatole'. Als Mehrzahl gebraucht ist 'anatole' eine geographische Bezeichnung für den Osten, das Morgenland. Entsprechend werden im ersten Vers die Magoi als aus dem Morgenland kommend beschrieben. Im zweiten Vers allerdings steht 'anatole' in der Einzahl und ändert damit seine Bedeutung. Es wird zu einem astronomischen Begriff, der den heliaktischen Aufgang eines Gestirns bezeichnet, das meint das Sichtbarwerden eines Fix- oder Wandelsterns (Planeten) kurz vor Sonnenaufgang. Die häufig auch für den zweiten Vers herangezogene Übersetzung 'Morgenland' (wir haben seinen Stern im Morgenland gesehen) ist daher eigentlich falsch (die wegen diverser 'Übersetzungsschnitzer' oft und gerne geschmähte Einheitsübersetzung ist hier korrekt).

1925 übersetzte der Orientalist Paul Schnabel eine fast 2000 Jahre alte babylonische Keilschrifttafel, die in dem Ruinenhügel der alten Tempelstadt Sippur, nördlich von Babylon, ausgegraben wurde. Es handelt sich dabei um einen astronomischen Kalender, der im voraus alle wichtigen Himmelsbeobachtungen für das Jahr 7 v. Chr. angibt: "Auf Befehl meines Herrn und meiner Herrin, eine Bestimmung ...". Das Hauptthema der Tafel sind Berechnungen zur großen dreifachen Konjunktion der Planeten Jupiter und Saturn im Sternbild der Fische die für das Jahr 7 v. Chr. erwartet wurde.

In der Antike galt der Jupiter als Königsstern, der Stern des Weltherrschers. Nach Claudius Ptolemäus, dem berühmtesten Astronomen des Altertums, war Jupiters Einfluss am größten, wenn er sich im Sternbild der Fische, seinem astrologischen Haus, befand. Im Evangelium wird von "seinem Stern" gesprochen. In der altsyrischen Übersetzung des Matthäusevangeliums steht hier das Wort 'kaukeba' , das dem babylonischen 'kakkabu' entspricht, einer spätbabylonische Bezeichnung für den Jupiter.

Der Saturn stand für die Magoi, die babylonischen Sterndeuter, für das Land 'amurru', dem Westland, das war Syrien. In der hellenistischen Sterndeutung galt der Saturn als Stern der Juden. Dass der Saturn für die Juden selbst eine besondere Bedeutung hatte, ist aus einer Passage im Buch des Propheten Amos ersichtlich: "Ihr werdet den Gott Sakkut als euren König vor euch hertragen müssen und den Kewan, euren Sterngott, eure Götter, die ihr euch selber gemacht habt. Ich will euch in die Gebiete jenseits von Damaskus verbannen, spricht der Herr; Gott der Heere ist sein Name." (Amos 5, 26-27). Kewan ist der babylonische Name für den Saturn. Wie mehrere Keilschrifttexte zeigen, beschäftigten sich die Magoi intensiv mit dem Land 'amurru', aus dem sie einen Retterkönig, einen 'Heiland', heraufziehen sahen, einen Weltherrscher, der Gerechtigkeit brächte, Friede und Freude allen Landen und Glück allen Völkern.

Die Magoi der Temelstadt Sippur erwarten also nach ihren Vorausberechnungen für das Jahr 7 v. Chr. eine Konjunktion der Planeten Jupiter und Saturn. Im Durchschnitt vollzieht sich ein solches Ereignis etwa alle 20 Jahre. Eine dreifache Konjunktion, wie sie ihnen ihre Berechnungen vorhersagte, vollzieht sich hingegen nur alle 258 Jahre. Noch seltener, nämlich nur alle 794 Jahre, ist eine dreifache Konjunktion im gleichen Sternbild des Tierkreises zu beobachten. Eine dreifache Konjunktion von Saturn und Jupiter, die sich nicht nur im gleichen Sternbild, sondern darüber hinaus auch noch im astrologischen Haus des Jupiters vollzog, musste für die Magoi ein Fanal am Himmel darstellen, Künder eines erderschütternden Ereignisses. Sie sahen seinen Stern, Jupiter, im Aufgang: das erste Erscheinen des Jupiters im Frühaufgang erwarteten sie ihren Tafeln nach für den 13. Adura des Jahres 304 der Seleukidenära, das ist der 16. März des Jahres 7 vor der Zeitenwende.

Fortsetzung folgt.

Samstag, Dezember 20, 2003

Eine Weihnachtsgeschichte: Herodes "der Große"
Im Jahr 40 vor der Zeitenwende verlieh der römische Senat auf Empfehlung Caesar Octavianus, dem späteren Caesar Augustus, einem Mann, Herodes mit Namen, Sohn des Antipater, der vordem bereits den Römern überaus dienstbar war, den Titel eines Königs von Judäa. Wiewohl kein Jude, sondern Idumäer, war Herodes damit König der Juden. Allerdings voerst noch König ohne Land. Zu jener Zeit herrschte nämlich Antigonus aus dem Königsgeschlecht der Hasmonäer als König und Hohepriester von Jerusalem aus über Judäa. Rom benötigte eine harte Faust im Lande, um die störrischen Juden zu zähmen und Herodes versprach, eine solche zu sein. Mit Hilfe römischer Truppen eroberte er das Land und deren Haupststadt Jerusalem. Antigonus, der letzte König Judäas aus dem Hause der Makkabäer, wurde gefangengenommen und von den Römern enthauptet. Es geschah zum erstenmal, dass Rom an einem fremden König ein solches Urteil vollstreckte, doch meinte es, anders nicht Ruhe im Lande herstellen zu können. Der römische Legat "Sosius glaubte eben auf keine andere Weise die Juden dahin bringen zu können, dass sie den Herodes an Antigonus' Stelle als König anerkennten, weil sie nicht einmal durch die Folter dazu gezwungen werden konnten, ihn, den Herodes, König zu nennen." (Flavius Josephus, Jüdische Altertümer XV, 1, 2).

Herodes Politik der eisernen Faust im Auftrag Roms begann mit der Säuberung des Hohen Rates, des höchsten jüdischen Gerichtshofes, der 71 Mitglieder umfasste. 45 von diesen wurden hingerichtet und durch Gefolgsleute des Herodes ersetzt. Da Herodes nicht Jude war, konnte er auch nicht das traditionell mit dem Königstitel verbundene Amt des Hohepriesters übernehmen. Statt dessen beanspruchte er das Recht, diesen nach eigenem Belieben zu ernennen.Weiters widmete er seine besondere Aufmerksamkeit den Angehörigen des ehemaligen Königshauses der Hasmonäer. Um seiner Herrschaft zumindest ein wenig mit der Aura des ererbten jüdischen Königtums zu verklären, ehelichte er die Jüdin Mariamme, ein Sprößling der Familie der Makkabäer. Mit Unterstützung des Antonius, des römischen Herrschers im Osten des Reiches, erreichte Mariamme, dass Herodes ihren Bruder Aristobul zum Hohepriester ernennen musste. Aristobul war mit gerade erst 16 Jahren fast noch ein Knabe. Eines schönen Tages gelangten der König und sein jugendlicher Hohepriester bei einem Spaziergang durch die königlichen Gärten des Palastes in Jericho an ein Schwimmbecken, in welchem sich einige Getreue des Königs bei vergnügtem Spiele tummelten. Herodes überredete den jungen Hohepriester, daran teilzunehmen. Aristobul legte seine Kleider ab und gesellte sich zu des Königs Getreue im Becken. Diese empfingen ihn mit fröhlichem Geschrei, neckten ihn und tauchten ihn zum Spaße mit dem Kopf unter Wasser. Leider vergaßen sie, ihn auch wieder heraufzulassen. Als ob dieses Geschehens vor Antonius Klage wegen Mordes gegen den König geführt wurde, suchte Herodes den Antonius auf. Mit schwer gefüllten Taschen kam er, mit leichten Taschen ging er; immerhin trug er nunmehr einen Freispruch darin.

Weltpolitisch hatte Herodes ganz auf Antonius gesetzt. Als dieser aber in der Schlacht bei Actium den Truppen des Caesar Octavian unterlag, eilte er nach Rhodos, wo Octavian residierte. Zuvor allerdings ließ er noch den früheren Hohepriester Hyrkan II, zu dieser Zeit 72 Jahre alt und wohl kaum eine ernstliche Bedrohung, in einem fingierten Prozess zum Tode verurteilen und hinrichten.

Nach seiner Ankunft in Rhodos sprach er bei einer Audienz zu Octavian: "Worum ich dich bitte ist, nicht in Anschlag zu bringen, wessen Freund, sondern welch guter Freund ich war!" (Flavius Josephus, Jüdische Altertümer XV, 6, 6). Octavian versprach ihm, dass er, Herodes, König von Jüdäa bleiben würde. Ein wenig mag auch die Zahlung von 800 Talenten Überzeugungsarbeit geleistet haben. 800 Talente, das waren fast 5 Millionen Denare; der gesamte römische Staatsschatz umfasste bei Regierungsantritt des Tiberius (14 nach Christus) nur fünfmal mehr. Diese gewaltige Summe, die Herodes aus dem kleinen Land und seinen 2,5 Millionen Einwohnern herauspresste, erwarb ihm nachhaltig die Wertschätzung Octavians, des Caesar Augustus.

Einige Jahre später ließ der König seine Frau Mariamme hinrichten. Sie sei, lautete die Anklage, dem König untreu gewesen. "Mariamme, die Tochter der Makkabäer," berichtet Favius Josephus ( Jüdische Altertümer XV, 7, 5), "ging in den Tod, aufrecht und stolz, ohne auch nur die Farbe zu wechseln." In weiterer Folge wurde auch die Mutter der Mariamme, die sich gegen den König verschworen hatte, hingerichtet.

Zu diesem Zeitpunkt sah Herodes bereits überall Feinde. Niemand war mehr seines Lebens sicher. Hingerichtet wurde Kostobar, der Mann seiner Schwester Salome. Hingerichtet wurden zwei Söhne des Herodes, Alexander und Aristobul, die das Unglück hatten, nicht nur des Herodes Söhne zu sein, sondern auch noch die falsche Frau zur Mutter zu haben, nämlich Mariamme aus der Familie der Makkabäer, den alten Rivalen des Königs. Als Augustus in Rom von der Hinrichtung hörte, rief er: "Lieber ein Schwein (griechisch 'hys') des Herodes als sein Sohn (griechisch 'hyos')." Mit den beiden Söhnen des Königs starben der Offizier Tiron und 300 seiner Soldaten. Tiron hatte sich nach des Königs Geschmack allzugut mit seinen beiden Söhnen verstanden. Vorsorglich wurden auch all jene, die das 'Beweismaterial' gegen die Söhne geliefert hatten, durch Hinrichtung 'entsorgt'. Im gleichen Jahr ließ Herodes 6000 Pharisäer verhaften, die dem Kaiser den Treueeid verweigerten. Einige von ihnen, berichtet Josephus Flavius, prophezeiten die baldige Ankunft des Messias, des wahren Königs über Israel. Herodes ließ sie allesamt hinrichten. Jerusalem war vor Angst wie erstarrt. Alle zitterten vor dem Wahn des Königs, der überall Rivalen und Feinde drohen sah.

In diesem schrecklichen Jahr, dem Jahr 7 vor der Zeitenwende, kamen Männer aus dem Osten nach Jerusalem und fragten: "Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben seinen Stern aufgehen sehen und sind gekommen, um ihm zu huldigen." Als König Herodes das hörte, erschrak er und mit ihm ganz Jerusalem. ( Mt 2, 2-3).

Übers Gebirg Maria geht (mp3)

Domenico Ghirlandaio: Heimsuchung

Übers Gebirg Maria geht
zu ihrer Bas Elisabeth.
Sie grüßt die Freundin, die vom Geist
freudig bewegt Maria preist
und sie des Herren Mutter nennt;
Maria ward fröhlich und sang:
"Mein Seel´ den Herrn erhebet,
mein Geist sich Gottes freuet;
er ist mein Heiland, fürchtet ihn,
er will allzeit barmherzig sein."

Was bleiben immer wir daheim?
Laßt uns auch aufs Gebirge geh´n,
da eins dem andern spreche zu,
des Geistes Gruß das Herz auftu,
der Mund in wahrem Glauben sing:
"Mein Seel den Herrn erhebet..."

Talmud confirms an early Gospel of Matthew
An ancient Jewish parody that quotes the New Testament's Gospel of Matthew may refute a major argument by biblical scholars who challenge the credibility of the Bible. ... But a literary tale dated by some scholars at 72 A.D. or earlier, which comes from an ancient collection of Jewish writings known as the Talmud, quotes brief passages that appear only in the Gospel of Matthew. In his 1999 book, Passover And Easter: Origin And History To Modern Times, Israel Yuval of Jerusalem's Hebrew University says that Rabban Gamaliel, a leader of rabbinical scholars in about 70 A.D., is "considered to have authored a sophisticated parody of the Gospel according to Matthew." ... - [Toronto Star: Talmud confirms an early Gospel of Matthew].

Donnerstag, Dezember 18, 2003

[aus dem Mainstream]

Mel Gibsons Passion

Jesus-Film: Wie es ist | Der Papst kann sich zu bestimmten Dingen autoritativ, kraft seines Amtes äußern. Seine Unfehlbarkeit gilt in einem streng definierten Bereich: Dort, wo er sich ex cathedra zu Glaubens- und Sittenfragen äußert, spricht er für die Kirche, die als Ganze nicht irren kann. Aber es gibt Sätze, die unabhängig von der Amtsautorität durch eine höhere Klarheit wirken. Sie sind lakonisch, oder, wie man auch sagt: lapidar. Das Wort kommt von lapis, der Stein: Sätze, die man sich in Stein gehauen vorstellen kann, sind es, die man lapidar nennt. Und mit einem solchen Satz aus gerade einmal fünf Worten hat Johannes Paul II. nun auf eine Debatte reagiert, die seit Monaten die Öffentlichkeit beschäftigt. ... - [FAZ].

Papst hat nichts gegen Gibsons Jesus-Film | Papst Johannes Paul II. hat sich in einer Privatvorführung Mel Gibsons umstrittenen Jesus-Film «The Passion» angesehen. Und der Vatikan hat die Darstellung abgesegnet. ... - [netzeitung].

Maria durch ein Dornwald ging
Kyrie eleison.
Maria durch ein Dornwald ging,
der hat in sieben Jahr kein laub getragen.
Kyrie eleison.

Was trug Maria unter ihrem Herzen?
Kyrie eleison.
Ein kleines Kindlein ohne Schmerzen,
das trug Maria unter ihrem Herzen, Kyrie eleison.

Da hab'n die Dornen Rosen getragen, Kyrie eleison.
Als sie das Kind durch den Wald getrag'n,
da hab'n die Dornen Rosen getragen.
Kyrie eleison.


Maria durch ein Dornwald ging (mp3)

Mittwoch, Dezember 17, 2003

Daumen hoch: "Es ist, wie es war"
Die Gerüchte, Papst Johannes Paul II hätte Mel Gibsons Film "The Passion of the Christ" gesehen, haben sich bestätigt. Laut dem Wallstreet Journal wurde der Film am Freitag, dem 5. Dezember, auf DVD dem Privatsekretär des Papstes, Erzbischof Stanislaw Dziwisz, übergeben. Am Wochenende, spät nachts, führten sich die beiden in den privaten Räumen des Papstes den Film zu Gemüte. Laut Erzbischof Dziwisz empfand der Papst den Film als sehr kraftvoll. Der Film erzähle die Geschichte, die Passion Christi, so, wie sie sich vollzogen habe. Der Papst fasste sein Urteil in 5 Worten zusammen: "It is as it was." - [OpinionJournal Wallstreet Journal: 'It Is as It Was' Mel Gibson's "The Passion" gets a thumbs-up from the pope ].

Stille Nacht
Zum dritten Mal in Folge sagte der christliche Bürgermeister von Bethlehem, Hanna Nasser, alle offiziellen Feiern zur Geburt Jesu ab. Die katholische Christmette des lateinischen Patriarchen von Jerusalem, Michel Sabbah, in der Katharinenkirche neben der Geburtsbasilika ist von der Absage nicht betroffen. Nur 1300 Touristen wollen Weihnachten in der Geburtsstadt des Heilands verbringen. Der Stadt, die einst vom Pilgerstrom wirtschaftlich profitierte, geht es schlecht. Jeder zweite Laden in Bethlehem ist pleite. Die Andenkenläden rund um die Geburtskirche sind geschlossen. Weihnachten in Bethlehem: traurige stille Nacht. - [ORF Religion: Auch heuer wieder traurige Weihnachten in Bethlehem].

runter vom Schlitten
Unabhängig davon, was man von der Forderung der Rektorenkonferenz zur Schließung von vier katholischen und einer evangelischen theologischen Fakultät in Bayern halten mag, die Vorgehensweise erinnert fatal an die Geschichte von jener Schlittenfahrtgesellschaft, der die Wölfe hinterherjagen. Der Schwächste wird vom Schlitten gestossen, dass sich die Wölfe daran laben und so die gute Gesellschaft auf dem Schlitten Gelegenheit habe sich in Sicherheit zu bringen. Aus der Presse erfuhren die Bischöfe, dass die Rektoren der bayerischen Universitäten die theologischen Fakultäten den Wölfen - sprich: den Sparplänen der Regierung - zum Fraß vorwerfen wollen. Das, meinte selbst der Leitwolf des Rudels, Stoiber gerufen, sei ganz schlechter Stil. - [Yahoo! Nachrichten Deutschland: Bayern gerät mit den Kirchen über Kreuz].

zum Frieden erziehen
Die Botschaft Papst Johannes Pauls II zum Weltfriedenstag am 1. Januar 2004: Eine stets aktuelle Aufgabe: zum Frieden erziehen.

Dienstag, Dezember 16, 2003

Chor der Sixtinischen Kapelle: Hymnen für Advent und Weihnachten
RALLEGRATI, O VERGINE MARIA (mp3)
GIÀ L'UNIVERSO (mp3)
VERBO DEL DIO VIVENTE (mp3)
BENEDETTO IL GREMBO VERGINALE (mp3)
LA LUCE DELLA STELLA (mp3)

Montag, Dezember 15, 2003

"Das sind die, welche aus der großen Drangsal gekommen sind"
In Guatemala wurde nahe der Hauptstadt Guatemala-City der 72-jähriger katholische Priester José Maria Ruiz Furlan erschossen. Der Pfarrer war wegen seines Einsatzs für die Menschenrechte bekannt und geachtet. Nach seiner Ermordung demonstrierten mehrere Tausend Mitglieder seiner Pfarre mit dem Ruf: "Gerechtigkeit". - [misna].

Da fragte mich einer der Ältesten: "Wer sind diese, die weiße Gewänder tragen, und woher sind sie gekommen?" Ich erwiderte ihm: "Mein Herr, das musst du wissen." Und er sagte zu mir: "Es sind die, die aus der großen Bedrängnis kommen; sie haben ihre Gewänder gewaschen und im Blut des Lammes weiß gemacht. Deshalb stehen sie vor dem Thron Gottes und dienen ihm bei Tag und Nacht in seinem Tempel; und der, der auf dem Thron sitzt, wird sein Zelt über ihnen aufschlagen. Sie werden keinen Hunger und keinen Durst mehr leiden und weder Sonnenglut noch irgendeine sengende Hitze wird auf ihnen lasten. Denn das Lamm in der Mitte vor dem Thron wird sie weiden und zu den Quellen führen, aus denen das Wasser des Lebens strömt, und Gott wird alle Tränen von ihren Augen abwischen." (Offb 7, 13-17).

PowerPoint macht dumm
Das ist "in a nutshell" die Meinung Edward Tuftes, emeritierter Professor für Politikwissenschafen, Computerwissenschaften und Statistik, einflussreicher ... nun ja, zumindest berühmter ... nun ja, wenigstens in den USA in einschlägigen Kreisen recht bekannter Informationstheoretiker, in "unpowerpointischer" Länge formuliert in seinem neuesten Essay: The cognitive style of PowerPoint (hier kurz zusammengefasst ... kurz ... hm, in Anbetracht des Inhalts des Essays ein Widerspruch in sich selbst).

Tufte identifiziert in PowerPoint eine Gefahr für den menschlichen Intellekt, da die vollkommene PowerPointererisierung von Inhalten diese auch vollkommen trivialisiert und simplifziert. "Alas, slideware often reduces the analytical quality of presentations. In particular, the popular PowerPoint templates (ready-made designs) usually weaken verbal and spatial reasoning, and almost always corrupt statistical analysis."

Der New York Times war es Anlass genug für einen Artikel: PowerPoint Makes You Dumb. Die Zeitung kann dies sogar mit einem bemerkenswerten Beispiel belegen, nämlich dem Absturz der Raumfähre Columbia am 1. Februar 2003, bei dem alle sieben Astronauten an Bord ums Leben kamen. Bekanntlich verursachte ein Loch im Hitze-Schutzschild des Shuttles den Absturz. In einem Bericht der NASA zum Unfall wird aber noch ein weiterer "Schuldiger" benannt: PowerPoint. Als NASA-Ingenieure während der Mission eine mögliche Flügelbeschädigung diskutierten, formulierten sie dies in Form von PowerPoint-Slides, angefüllt mit konfus verschachtelten Schlagwort-Auflistungen. ''It is easy to understand how a senior manager might read this PowerPoint slide and not realize that it addresses a life-threatening situation'' stellt der NASA-Bericht trocken fest.

Bei meinen eigenen Vorträgen habe ich schon seit längerem weitgehend auf PowerPoint verzichtet. Auch mir wurde aus dem Bauch heraus irgendwann einmal klar, dass hier die Verpackung (PowerPoint) den Inhalt auffrisst.

Sonntag, Dezember 14, 2003

Heimsuchung
Rogier van der Weyden:Heimsuchung


Rainer Maria Rilke: Marienleben - Mariä Heimsuchung
Noch erging sie's leicht im Anbeginne,
doch im Steigen manchmal ward sie schon
ihres wunderbaren Leibes inne,-
und dann stand sie, atmend, auf den hohn

Judenbergen. Aber nicht das Land,
ihre Fülle war um sie gebreitet;
gehend fühlte sie: man überschreitet
nie die Größe, die sie jetzt empfand.

Und es drängte sie, die Hand zu legen
auf den andern Leib, der weiter war.
und die Frauen schwankten sich entgegen,
und berührten sich Gewand und Haar.

Jede, voll von ihrem Heiligthume,
schützte sich mit der Gevatterin.
Ach der Heiland in ihr war noch Blume,
doch den Täufer in dem Schoß der Muhme
riß die Freude schon zum Hüpfen hin.

Freitag, Dezember 12, 2003

katholisches Europa
Wie Radio Vatikan meldet nimmt die halbe Bevölkerung Italiens, also 50%, mindestens einmal im Monat an einer Messe teil, immer noch 32 bis 38 Prozent allwöchentlich. Zwar weiss ich nicht, wie die Zahlen hierzulande aussehen, sicherlich aber weit - sehr weit! - darunter. Und gänzlich anders scheinen die Uhren in Polen zu gehen. Laut einer Umfrage erwarten die Polen mehrheitlich, dass sich die Regierung im politischen Leben nach der Lehre der Kirche richte. Dreiviertel der Befragten betonten, der katholischen Kirche zu vertrauen. Würde man diese Frage hier bei uns stellen, wieviele Leute würden ähnlich antworten? 1%? Oder gar - seien wir kühn! - 2%? - [Radio Vatikan].

Donnerstag, Dezember 11, 2003

Hans Küng und das Geschäft mit den Seelen
Im Innsbrucker Theologischen Leseraum bilanziert Raymund Schwager Hans Küngs Bilanz über das Pontifikat Johannes Paul II, die der bekannte deutsche Theologe, den der Hessische Rundfunk auch schon mal zum "Gegen-Papst" hochstilisierte, anläßlich des 25jährigen Papstjubiläums verfasste. Küng hält Johannes Paul II für einen "Papst vieler großer Gaben und vieler falscher Entscheidungen". Zu den falschen Entscheidungen, falsch im Verständnis von Küng, versteht sich, zählen die kirchliche Sexualmoral, der Priesterzölibat, die Verweigerung der Frauenordination, die Behinderung von Ökumene und Kollegialität und anderes mehr. Weiters kreidet er dem Papst "diktatorische Macht", "triumphalistischen Absolutismus", "inquisitorische Verfolgung", "römischen Imperialismus" und "weltfremden Rigorismus" an. Die Konsequenz, so Küng (man kann den moralinsauer erhobenen Zeigefinger fast sehen), sei millionenfache Kirchenflucht und innere Emigration. So weit, so wenig neu. Interessant ist nunmehr Schwagers Gegenrechnung. Wenn denn dies, so Schwager, die angeführten Fehler von Papst und römisch-katholischer Kirche, Millionen Menschen Anlaß für einen Rückzug aus der Kirche gaben, warum, ja, warum sei dann die Kirchenflucht bei den evangelischen Gemeinschaften nicht geringer, sondern gar noch stärker ausgeprägt?

The Churching of AmericaIm Fortgang seiner Bilanz zitiert Schwager eine amerikanische Studie The Churching of America. Winners and Losers in Our Religious Economy, verfasst von Roger Finke und Rodney Stark. Die beiden Autoren untersuchten Religion als "Geschäft", innerhalb dessen die verschiedenen Kirchen um "Seelen" konkurrieren. Sie beschränkten sich dabei auf die USA sowie den Zeitraum zwischen 1776 und 1990. Obwohl in der populären Meinung vielfach vermutet, hat der Anteil der Gläubigen am kirchlichen Leben nicht abgenommen, sondern konnte deutlich zulegen: 1776 beteiligten sich nur 17% der Amerikaner am kirchlichen Leben, 1990 hingegen 62%. Aber nicht alle Kirche konnten von diesem Wachstum profitieren. Neben eindeutigen Gewinnern orteten die Autoren auch ebenso eindeutige Verlierer. Gewinnen konnten stets solche Kirchen, die sich nicht an die jeweilige kulturelle Hauptströmung, den Meinungs'mainstream', anpassten. Aus katholischer Sicht besonders bemerkenswert: während die katholische Kirche lange Zeit dem Ansturm der verschiedenen protestantischen Gemeinschaften mehr als nur gewachsen war, musste sie nach dem 2. Vatikanum einen Rückgang hinnehmen; in der Terminologie von Finke und Stark: sie verloren Marktanteile, also Gläubige, an die Konkurrenz. Man kann wohl unschwierig Themen wie Frauenordination, Aufgabe des Priesterzölibats, Änderung der Sexualmoral etc. als Bestandteile eines fast nicht mehr hinterfragbaren Mainstream der öffentlichen und veröffentlichten Meinung identifizieren. Nach Finke und Stark wäre eine Adoption dieser Themen, ihre Übernahme ins kirchliche Leben, eine Verliererstrategie. Übrigens soll sich auch ein besonders Bemühen um Ökumene nicht auszahlen: gerade jene Kirchen auf der Verliererstraße bemühten sich darum. Und verloren weiter Anteile am "Geschäft". Der vollständige Artikel von Raymund Schwager, seine weitere Gegenrechnung zu Küngs Bilanz, hier: Innsbrucker Theologischer Leseraum: Zur Bilanz von Hans Küng zum Papstjubiläum.

Mittwoch, Dezember 10, 2003

wer "macht" Kirchentage?
Nach einer Meldung von Yahoo Nachrichten Deutschland beabsichtigen evangelische und katholische Christen in Deutschland aufgrund des Erfolgs? des ökumenischen Kirchentages 2003 in Berlin diesen zwischen 2008 und 2010 zu wiederholen. Da stellt sich mir die Frage: wer "macht" eigentlich Kirchentage? Und was, wenn die katholische Amtskirche kein Interesse an einer solchen Veranstaltung hätte? Ist ein Kirchentag eine "Laiengeschichte"? - [Yahoo Nachrichten Deutschland: Zweiter ökumenischer Kirchentag geplant].

Welttag der Menschenrechte
Jacques MaritainHeute ist der Welttag der Menschenrechte. Zu diesem Anlass sollte man auch eines Mannes gedenken, der viel zur Erklärung der Menschenrechte beitrug: Jaques Maritain (1882-1973), Franzose, katholischer Philosoph, politischer Denker, Hauptvertreter des modernen Thomismus.

Philippe Chenaux beschreibt Maritain im "Lexikon der französischen Intellektuellen" (Dictionnaire des intellectuels français, Paris 1996) mit den Worten: "Man könnte sagen, dass Jacques Maritain der größte katholische Intellektuelle des Jahrhunderts war. Auf jeden Fall hat er kontinuierlich an den großen Debatten seiner Zeit teilgenommen – durch seine Schriften und sein Engagement, aber auch durch seinen Einfluß in Europa, Nord- und Südamerika."

1947 fungiert Maritain als Leiter der französischen Delegation an der Generalversammlung der UNESCO in Mexiko. Er wirkt maßgeblich an der Ausformulierung der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte mit. Die Erklärung umfasst 30 Artikel. Maritain schlug 26 Artikel vor, 22 davon fanden Eingang in die Endfassung. Auch wenn heute fast schon vergessen (ein Grund mehr daran zu erinnern): durch die Erklärung der Menschenrechte pulst (auch) katholisches Blut.

Dienstag, Dezember 09, 2003

Mel Gibsons "The Passion of the Christ"
Einer Meldung der englischen Sektion von Zenit entnehme ich, dass Mel Gibsons Film "The Passion of the Christ" im Vatikan einer geschlossenen Gesellschaft hochrangiger Vertreter vorgeführt wurde. Der Meldung zufolge fand der Film große Zustimmung. Zenit konnte einen der Zuseher, den Dominikaner Augustine Di Noia, Untersekretär der Kongregation für die Doktrin des Glaubens, exklusiv interviewen. Anbei einige Auszüge aus dem Interview, das hier in voller Länge nachgelesen werden kann.

Zenit: Mel Gibson's "The Passion of the Christ" has been a newsmaker for months -- well before its scheduled release. As one of the handful of people who have actually seen it, what is your overall impression of the film?

Father Di Noia: Seeing this film will be an intensely religious experience for many people. It was for me. Stunning cinematography and consistently brilliant acting, combined with the director's profound spiritual insight into the theological meaning of the passion and death of Christ -- all contribute to a production of exquisite artistic and religious sensitivity. Anyone seeing this film -- believer and unbeliever alike -- will be forced to confront the central mystery of Christ's passion, indeed of Christianity itself: If this is the remedy, what must the harm have been? The Curé of Ars says somewhere that no one could have an idea or explain what Our Lord has suffered for us; to grasp this, we would have to know all the harm sin has caused him, and we won't know this until the hour of our death. In a way that only great art can do, Mel Gibson's film helps us grasp something almost beyond our comprehension. At the outset, in the Garden of Gethsemane, the devil tempts Christ with the unavoidable question: How can anyone bear the sins of the whole world? It's too much. Christ nearly shrinks at the prospect, but then convincingly proceeds to do just that -- to take on, according to his Father's will, the sins of the whole world. It's astonishing really. There is a powerful sense, sustained throughout the film, of the cosmic drama of which we are all a part. There is no possibility of neutrality here, and no one can remain simply an onlooker in these events. The stakes are very high indeed -- something that, apart from Christ himself, is most clearly intuited only by his mother Mary and by the ever-present devil. Gradually the viewer joins the characters in a dawning realization about this as the action moves inexorably from the Mount of Olives to the Mount of Calvary.

Zenit: Is the film faithful to account of the passion of Christ in the New Testament?

Father Di Noia: Remember, there are four accounts of the passion of Christ in the New Testament, concerned chiefly to present the religious meaning of these events. In "The Death of the Messiah" -- probably the most complete and most balanced study of the Passion narratives ever written -- Father Raymond Brown demonstrated that, while there are some differences among them, they are in substantial agreement overall. Mel Gibson's film is not a documentary but a work of artistic imagination. He incorporates elements from the Passion narratives of Matthew, Mark, Luke and John, but remains faithful to the fundamental structure common to all four accounts. Within the limits possible in an imaginative reconstruction of the passion of Christ, Gibson's film is entirely faithful to the New Testament.

Zenit: There have been reports that the film is excessively violent. What did you think?

Father Di Noia: It's not so much violent as it is brutal. Christ is treated brutally, chiefly by the Roman soldiers. But there is no gratuitous violence. The artistic sensibility at work here is clearly more that of Grünwald and Caravaggio than that of Fra Angelico or Pinturrichio. We are talking about a film, of course, but Gibson has clearly been influenced by the depiction of the sufferings of Christ in Western painting. The utter ruination of Christ's body -- graphically portrayed in this remarkable film -- must be set within this context of artistic depiction. What many artists merely suggest, Gibson wants to show us. In a manner entirely consistent with the Christian theological tradition, Gibson dramatically presents to us the Incarnate Son who is able to bear what an ordinary person could not -- both in terms of physical and mental torment. In the end, the ruined body of Christ must be seen with the eyes of Isaiah the prophet who described the Suffering Servant as bruised beyond recognition. The physical beauty of Jim Caviezel serves to accentuate the overall impact of the progressive disfigurement which Christ undergoes before our eyes -- with the terrible result that, like the Suffering Servant, "he had no form or comeliness that we should look at him, and no beauty that we should desire him" [Isaiah 53:2]. It requires the eyes of faith to see that the disfigurement of Christ's body represents the spiritual disfigurement and disorder caused by sin. Gibson's portrayal of the scourging of Christ -- from which many viewers may be tempted to turn their gaze -- presents graphically what St. Paul says in Second Corinthians: "For our sake he [God] made him to be sin who knew no sin, so that in him we might become the righteousness of God" [5:21]. When you see the ruined body of Christ in this film, you know what it means "to be sin."

Zenit: Over the years, many directors have tried their hand at films about Jesus, or the passion. Does Mel Gibson's film that strike you as being particularly original?

Father Di Noia: ... Certainly, "The Passion of the Christ" is much more intensely focused on the suffering and death of Christ than most other films in this genre. But, as an initial reaction, three things about Gibson's film strike me as being quite distinctive. One is the portrayal of the devil, hovering in the background, and sometimes in the foreground, as a constant, eerily menacing presence. I can't think of another film that has done this with such dramatic effectiveness. Another thing is Christ's solitude: Somehow, though surrounded by crowds of people, the film shows that Jesus is really alone in enduring this terrible suffering. Finally, there is the depiction of the Last Supper by means of a series of flashbacks interwoven with the action of the film. Lying on the blood-drenched stone pavement after the scourging, Christ eyes the blood-spattered feet of one of the soldiers, and the film flashes back, significantly, to the washing of his disciples' feet at the Last Supper. Similar flashbacks throughout the rest of the passion and crucifixion bring us to the breaking of bread and the drinking of the cup: The audience, through Christ's eyes, witnesses him saying "This is my body" and "This is my blood." The sacrificial, and thus eucharistic, meaning of Calvary is depicted through these haunting flashbacks. There is a powerful Catholic sensibility at work here. In his recent encyclical on the Eucharist, Pope John Paul II says that Christ established the memorial of his passion and death before he suffered -- in anticipation of the actual sacrifice of the cross. In Mel Gibson's artistic imagination, Christ "remembers" the Last Supper even as he enacts the sacrifice it memorializes. For many Catholics who see these images, Mass will never be the same. In any case, issues of originality entirely aside, Mel Gibson's film will undoubtedly be considered to be among the very best.

Zenit: There has been a lot of controversy about the film's alleged anti-Semitism or anti-Judaism. Can you tell ZENIT what you think about this?

Father Di Noia: Speaking as a Catholic theologian, I would be bound to condemn anti-Semitism or anti-Judaism in any recounting of the passion and death of Christ -- and not just because of the terrible harm that has been done to Jewish people on these grounds, but also because, as I have already suggested, this represents a profound misreading of the passion narratives. But let me answer your question plainly: There is absolutely nothing anti-Semitic or anti-Jewish about Mel Gibson's film. It is regrettable that people who had not seen the film, but only reviewed early versions of the script, gave rise to the charge that "The Passion of the Christ" is anti-Semitic. I am convinced that once the film is released and people get a chance to see it, the charge of anti-Semitism will simply evaporate. ...

Zenit: What will the film's impact be?

Father Di Noia: You know that throughout Christian history, the faithful have been encouraged to meditate on the passion of Christ. The spirituality of every great saint -- the names of St. Francis, St. Dominic, St. Catherine of Siena, come immediately to mind -- has been marked by a devotion to the passion of Christ. Why was this? Because it was recognized that there was no surer way to summon from the human heart the love that even begins adequately to respond to the love of God who gave his Son for our sake. I think that Mel Gibson's film will move people to this kind of love. Your heart would have to be made of stone for it to remain unmoved by this extraordinary film and by the unfathomable depth of divine love it endeavors to bring to life on the screen.

Gerüchten zufolge, die durch's amerikanische katholische Internet geistern, soll Papst Johannes Paul II der Aufführung beigewohnt haben.

Der Film wurde auch bei einem amerikanischen Cineasten-Festival, dem Ain't It Cool News movie marathon vorgeführt. 230 Cineasten aus der ganzen Welt, aus allen möglichen politischen und religiösen Gruppierungen, sahen den Film ... und feierten ihn am Ende 5 Minuten lang stehend. Einer der Zuseher:
" ... Mel Gibson's THE PASSION OF THE CHRIST is a monumental statement of faith and it's possibly the most important religious film ever made. And unfortunately it's going to be completely misunderstood by people and groups with agendas. The fact is, this is a powerful film and this needs to be seen by the widest audience possible. This is an Important Film. Possible the first real Important Film of the 21st Century. ... But with THE PASSION OF THE CHRIST Mel Gibson has created Art. It has all the beauty of the works of the Middle Ages depicting the death of Jesus Christ. Inspired by the paitings of Caraveggio, various written works as well as the Gospels, Gibson has created an unparalleled work of art that will stand the test of time as one of the greatest religious films ever made. I think a lot of the hatred coming towards THE PASSION OF THE CHRIST comes from those who primarily have not seen it. I have. Read closely. It is not anti-semitic. Not in the least bit. ... My wife is Jewish, and she didn't feel like it was offensive at all. Our friend at BNAT, Roger Kaufman, also is Jewish, and he admired the skill and emotion of the film. They viewed the film in the context that it deserves - as a film, a work of art, not an abstract ideal. ... This film played to Jews, Christians, agnostics, atheists, and all sorts of people with all sorts of religious backgrounds, and they knew to understand and approach this film on the contextual level it deserves. I think you need to approach THE PASSION OF THE CHRIST as a story, a film, and it shouldn't be second-guessed with religious or political agendas. It stands as a work of art. It's almost certain to be the best film of 2004. It is the first Great Film of the 21st Century."

Montag, Dezember 08, 2003

Hochfest der ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau und Gottesmutter Maria
Evangelium nach Lukas, Kapitel 1, Verse 26-38


Verkündigung der Geburt Jesu
26 Im sechsten Monat wurde der Engel Gabriel von Gott in eine Stadt in Galiläa mit Namen Nazaret gesandt,
27 zu einer Jungfrau, die mit einem Mann namens Josef, aus dem Haus David, verlobt war. Der Name der Jungfrau war Maria.
28 Der Engel trat bei ihr ein und sagte: "Freue dich, Begnadete, der Herr ist mit dir."
29 Sie erschrak über die Worte und überlegte, was dieser Gruß zu bedeuten habe.
30 Da sagte der Engel zu ihr: "Fürchte dich nicht, Maria; denn du hast bei Gott Gnade gefunden.
31 Siehe, du wirst empfangen und einen Sohn gebären: dem sollst du den Namen Jesus geben.
32 Er wird groß sein und Sohn des Allerhöchsten genannt werden. Gott, der Herr, wird ihm den Thron seines Vaters David geben.
33 Er wird über das Haus Jakob herrschen in Ewigkeit, und seines Reiches wird kein Ende sein."
34 Da sagte Maria zu dem Engel: "Wie wird das geschehen, da ich keinen Mann erkenne?"
35 Der Engel antwortete ihr: "Heiliger Geist wird über dich kommen, und Kraft des Allerhöchsten wird dich überschatten. Darum wird auch das Kind, das geboren wird, heilig und Sohn Gottes genannt werden.
36 Siehe, auch Elisabet, deine Verwandte, hat noch in ihrem Alter einen Sohn empfangen, und sie, die als unfruchtbar galt, ist schon im sechsten Monat.
37 Denn bei Gott ist kein Ding unmöglich."
38 Da sagte Maria: "Siehe, ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe nach deinem Wort." Und der Engel schied von ihr.


Fra Fillipo Lippi: Verkündigung

Ave, Maria


Günther Schiwy, Weg ins Neue Testament, Bd. 1, S 293-295

Nach dem Präludium, das den Leser vorbereitete, und in dem Gottes Eingreifen die Mitwirkung der Eltern nicht ausschloß, wird nun die Hauptperson vorgestellt: jene Frau, die ohne den Willen eines Mannes Mutter wurde, die Mutter Jesu. Wie sehr das Kommen Gottes Gnade ist, wird darin besonders deutlich, daß die Initiative eines Mannes ausgeschaltet wird.

26-27 Im sechsten Monat verknüpft die Szene mit der vorhergehenden. Nun wird der Engel Gabriel von Gott in die Stadt Nazaret in Galiläa gesandt (apostel). Daß Maria Jungfrau war, wird ausdrücklich zweimal gesagt. Doch war sie bereits verlobt mit Josef, einem Mann aus dem Haus (aus der Familie) Davids.

28 »Chaire, Freue dich«!, so grüßten einander die Griechen. Es steht hier wohl an Stelle des semitisch-alttestamentlichen Grußes »Schalom« = Friede (Gottes sei mit dir!). Im Wortspiel fährt der griechische Text fort: Freue dich (betont Lukas), der widerfahren ist charis (= Huld, Heil, Gnade) in einzigartiger Fülle: da sie zur Mutter Gottes erwählt wurde. Der Engel spricht dann wie einer seinesgleichen einst zu Gideon: »Ihm zeigte sich der Engel Jahwes und sprach zu ihm: Jahwe (= der Herr) mit dir, starker Held« (Ri 6, 12)! Das ist nicht Wunsch, sondern bereits Wirklichkeit: Maria steht bei Gott in »Gnade«, wie wir gewöhnlich übersetzen.

Mit dem griechischen Wort charis (Anmut, Lieblichkeit; Gunst, Huld, Wohlwollen, Fürsorge), deutsch Gnade (althochdeutsch ganada: Wohlwollen, Gunst), ist im Neuen Testament jene sich herabneigende, personale, absolut ungeschuldete Huld Gottes gegenüber dem Menschen gemeint, die schon das Alte Testament erfahren durfte, aber deren Herkunft von Christus (der die der Menschheit geschenkte Gnade ist) und deren bleibende Abhängigkeit von dem »Ereignis« Jesu Christi erst die neutestamentliche Offenbarung aufgedeckt hat. - In der urchristlichen Verkündigung, vor allem bei Paulus belegt, ist charis gleichsam die Kurzformel für das neutestamentliche Evangelium überhaupt, für die uns durch Christus geschenkte Teilnahme am Leben Gottes. In Christus weiß sich der Mensch nicht nur irgendwie aus der selbstverschuldeten Katastrophe gerettet und zu irgendeiner Nähe Gottes berufen, sondern zum ewigen Leben Gottes von Angesicht zu Angesicht, zur Teilnahme an der göttlichen Natur, zur Nachfolge Christi bis hinein in das dreipersönliche innere Leben Gottes selbst.

29-30 Das Wort (logos) des Grußes verwirrt (betont Lukas) Maria: sie ist sich keiner solchen Auszeichnung bewußt. Der Engel beruhigt sie: Fürchte dich nicht!, besteht aber auf der besonderen Gnade Gottes, die er nun erläutert.

Eine ähnliche Formulierung findet sich im Sintflutbericht, jener sittlichen und heilsgeschichtlichen Deutung einer Überschwemmungskatastrophe, wie sie scheinbar rein naturgesetzlich die Menschheit immer wieder trifft: »Als Jahwe sah, daß die Schlechtigkeit der Menschen groß war auf Erden, und daß alle Gedankengebilde ihres Herzens immerfort nur böse waren, bereute Jahwe, daß er den Menschen auf Erden geschaffen hatte, und er betrübte sich (darob) innerlich. Und Jahwe sprach: Ich will den Menschen, den ich geschaffen habe, wieder vom Erdboden wegtilgen, angefangen vom Menschen bis zum Vieh, bis zu dem Gewürm und bis zu den Vögeln des Himmels, denn es reut mich, daß ich sie gemacht habe. Noach aber fand Gnade in den Augen Jahwes« (Gen 6, 5 - 8). Die Gnade, die dieses Mädchen fand, ist indes von viel höherem Rang.

31-33 Ihr Kind wird groß sein und Sohndes Höchsten genannt werden. Die Verheißung erinnert an Jes 9, 6. Statt den leiblichen Vater Jesu zu erwähnen - ihn gibt es nicht -, betont der Engel, daß sich in dem Kind alle dem David, dem Vater seines Geschlechtes, gegebenen Verheißungen erfüllen werden, daß Jesus der dem Haus Jakobs zugesicherte Messias sein wird.

34 Marias Frage soll wohl nach der Absicht des Schriftstellers die Antwort des Engels vorbereiten, aus der klar hervorgeht, daß es in diesem Fall keines Mannes bedarf. Maria fragt nicht, weil sie wie Zacharias nicht glaubt (Lk 1, 45). Wohl auch nicht, weil sie sich entschlossen hätte, um Gottes willen nie einen Mann zu erkennen. So zu denken lag gerade frommem jüdischem Denken fern. Im Gegenteil war Maria bereits verlobt, aber weil sie noch nicht heimgeführt worden war, mußte ihr die angekündigte Schwangerschaft die Frage aufdrängen. Wie soll dies geschehen, da ich (noch) keinen Mann erkenne, mit Josef noch keinen ehelichen Umgang habe und nach der gottgewollten Ordnung auch noch nicht haben darf? Gerade weil Maria dem Wunsch Gottes unverzüglich nachkommen möchte, fragt sie nach einer Weisung, ob sie sich etwa Josef gegenüber anders zu verhalten habe.

35 Die Antwort des Engels, so wunderbar und bestürzend sie auch ist, läßt keinen Zweifel: Maria wird als Jungfrau gebären. Heiliger Geist (betont Lk), das ist die Kraft Gottes, des Höchsten, wird das Wunder bewirken. Gott selbst wird Einzug halten noch unbegreiflicher als einst auf der Wüstenwanderung, da er inmitten seines Volkes Wohnung nahm: »Nun bedeckte die Wolke das Offenbarungszelt, und die Herrlichkeit Jahwes erfüllte die Wohnstätte. So konnte Mose nicht in das Offenbarungszelt eintreten; denn die Wolke hatte sich darüber niedergelassen (beschattete es: Septuaginta) und die Herrlichkeit Jahwes hatte die Wohnstätte erfüllt« (Ex 40, 34-35). Darum wird, was geboren werden soll, heilig genannt werden, Sohn Gottes.

Eine unausrottbare, aber noch allzu menschliche Ahnung dieses einzigartigen Vorgangs findet sich in vielen Religionen, auch in den hellenistischen. Überall der Wunsch, das Göttliche möge sich unlösbar mit dem Menschlichen verbinden, göttliche Lebenskräfte mögen das Menschliche durchpulsen und erlösen. Man läßt Götter mit Frauen dieser Erde »göttliche Menschen« zeugen, man erfindet Geschichten, in denen Götter Menschengestalt annehmen, man sieht in den Weisen, Frommen und Gewaltigen dieser Welt das Göttliche, »aufgeklärtere« Geister suchen sich wenigstens ein menschliches Bild von Gott zu machen: »Wir verleihen der Gottheit einen menschlichen Körper gleichsam als ein Gefäß der Einsicht und Vernunft. Weil uns alles fehlt, wodurch wir Gott zur Anschauung bringen könnten, suchen wir mittels des Sinnlichen und Darstellbaren das Unsichtbare und Nichtdarstellbare ins Licht zu setzen; wir bedienen uns also eines Sinnbildes« (Dion Chrysostomus, + 110 n.Chr.).
Die tatsächliche Erfüllung dieser Sehnsucht der Menschheit in Jesus übersteigt alle Vorstellung: Kein »göttlicher Mensch« wird gezeugt, sondern der ewige Gott selbst beginnt seine menschliche Existenz, wird wahrer Mensch, ohne aufzuhören, wahrer Gott zu sein. Diese von der Schrift bezeugte Tatsache darf nicht mißgedeutet werden: weder so, daß man Jesus die wahre Menschheit abspricht, sie zur bloßen Verkleidung Gottes macht, Gott nicht die ganze Lebensfülle der menschlichen Natur, sondern nur einen menschlichen Leib zugesteht, der von Gott als der »Seele« Jesu belebt werde (dieser »Doketismus« macht die Menschwerdung Gottes zu einem Scheinmanöver; wäre doch Jesus nur Gott und hätte dann nicht als echtes Glied der Menschheit Sühne leisten und nicht der zweite Adam werden können); noch so, daß man die wahre Gottheit Jesu leugnet, nicht festhält, daß dieser Mensch Gott selbst ist, daß das göttliche WORT der letzte Träger auch der menschlichen Wirklichkeit Jesu ist (wäre das nicht so, dann hätte in Jesus der Abgrund zwischen Gott und Mensch nicht überbrückt werden, dann hätte der Mensch Jesus uns nicht erlösen können, weil er nur Mensch und somit schuldverfangen gewesen wäre; dann wären wir nicht gerettet worden, weil unser Heil gerade darin besteht, daß Gott den Menschen so annimmt, daß der Mensch zur Wirklichkeit Gottes selbst wird).

36-37 Was Elisabet widerfahren ist, mag Maria ein Zeichen sein, daß bei Gott kein Ding unmöglich ist, ist sie doch trotz ihres Alters bereits im sechsten Monat. Über das Verwandtschaftsverhältnis der beiden Frauen zueinander wissen wir nichts Genaueres.

38 Maria ist bereit: Gottes Wille möge an ihr geschehen. Einst »kamen Davids Diener zu Abigajil nach Karmel und sprachen zu ihr: David hat uns zu dir gesandt, um dich als seine Frau heimzuführen. Sie erhob sich, verneigte sich mit dem Angesicht zur Erde und sprach: Deine Magd will nur Sklavin sein, um den Knechten meines Herrn die Füße zu waschen! Dann machte sich Abigajil eilends auf und bestieg den Esel« (1Sam 25, 40-41).

Samstag, Dezember 06, 2003

Verkündigung
Sandro Botticelli: Verkündigung

Rainer Maria Rilke: Marienleben - Mariä Verkündigung
Nicht daß ein Engel eintrat ( das erkenn),
erschreckte sie. So wenig andre, wenn
ein Sonnenstrahl oder der Mond bei Nacht
in ihrem Zimmer sich zu schaffen macht,
auffahren, pflegte sie an der Gestalt,
in der ein Engel ging, sich zu entrüsten;
sie ahnte kaum,daß dieser Aufenthalt
mühsam für Engel ist. ( O wenn wir wüßten,
wie rein sie war. Hat eine Hirschkuh nicht,
die, liegend, einmal sie im Wald eräugte,
sich so in sie versehn, daß in ihr,
ganz ohne Paarigen, das Einhorn zeugte,
das Tier aus Licht, das reine Tier .)
Nicht, daß er eintrat, aber daß er dicht,
der Engel, eines Jünglings Angesicht
so zu ihr neigte, daß sein Blick und der,
mit dem sie aufsah, so zusammenschlugen,
als wäre draußen plötzlich alles leer
und, was Millionen schauten, trieben, trugen,
hineingedrängt in sie: nur sie und er;
Schaun und Geschautes, Aug und Augenweide
sonst nirgends als an dieser Stelle-: sieh,
dieses erschreckt. Und sie erschraken beide.

Dann sang der Engel seine Melodie.

Wenn einer eine Reise tut
dann kann er was erzählen. Die Schwierigkeit ist eher aus der Fülle dessen, was ich sah, worüber ich sprach, was ich bedachte, auszuwählen. Jedenfalls sind wir wieder zurück. Vielleicht, dass ich gelegentlich manches in mein Blog einfließen lasse.