Samstag, Mai 31, 2003

Die letzte Maiandacht
GrafikbezeichnungMaria Plain. Die letzte Maiandacht in diesem Jahr. Von der Kuppe des kleinen Berges, auf dem die Wallfahrtsbasilika steht, blickt man auf Salzburg hinab und weit über's Land. Eine halbe Stunde vor Beginn verdichten sich die im Westen zusammengeballten Wolken zu einem mächtigen Gewitter. Blitze, lange nachhallender Donner. Der Regen prasselt wie ein nasser schwerer Vorhang zur Erde nieder. In der Basilika ist es dunkel. Die Kerzen werden entzündet, Lampen und Scheinwerfer eingeschaltet. Vorne im dämmrigen Kirchenschiff blüht blau-golden der Hochaltar. Das Glöckchen setzt den Punkt für den Beginn. Auf der Orgelempore stimmt der Lamprechtshausener Frauenchor das „Salve Regina“ an. Hier beginnt der Mitteleuropäische Katholikentag schon heute: wir beten erstmals das Gebet des Mitteleuropäischen Katholikentags, rufen Christus, seine Mutter Maria und die Heiligen an. Den Schlussstein des Katholikentags, sagt der Pater, der die Andacht liturgisch leitet, wird eine Wallfahrt nach Mariazell im Mai des nächsten Jahres setzen. Mir kommt der Gedanke, dass es ein Abenteuer wäre, zu Fuß von Salzburg nach Mariazell zu gehen. Wie weit ist das überhaupt? 200 Kilometer? 300? Mit dem Auto so an die 3 oder 4 Stunden. Zu Fuß wohl ein klein wenig länger, eine Woche oder 10 Tage vielleicht? Das Allerheiligste wird ausgesetzt, Anbetung der Eucharistie. Welche Katholiken sind es, frage ich mich, die den diversen Umfragen nach, wie sie gerade jetzt anläßlich des ökumenischen Kirchentags durch die Medien laufen, in der Eucharistie nichts besonders Anbetungswürdiges sehen? Von den vielen Anwesenden - die Basilika ist bis auf den letzten Sitzplatz gefüllt, hinten drängen sich jene, für die nur Stehplätze blieben - von diesen Menschen kaum einer. Alle knien und beten Christus im ausgesetzten Allerheiligsten an. Draussen fällt immer noch nass und schwer Regen. Tantum Ergo Sacramentum, singt der Chor. Der Pater erteilt uns den eucharistischen Segen. Die Andacht ist zu Ende. Der Chor singt noch einige Marienlieder, Abschied vom Mai, Mariens Monat.



Gott, Kreis und Quadrat
"Warum", klagt Claudia im Thread Ist Gott rätselhaft und verwirrend?, im Forum von kath.de, "ist jemand, der ALLES kann, nicht in der Lage, einen Kreis zu quadrieren ...?"
Die Antwort, so sie nur erwünscht wäre, ist einfach. Gott ist in der Lage einen Kreis zu quadrieren. Nur, dass man dann nicht mehr Kreis dazu sagt, sondern Quadrat. Wer weiss, vielleicht sind alle Quadrate Kreise und alle Kreise Quadrate, umgewandelt von Gott?



Rainer Maria Rilke: Das Marienleben
Vom Tode Mariae. I. Stück

Derselbe große Engel, welcher einst
ihr der Gebärung Botschaft niederbrachte,
stand da, abwartend daß sie ihn beachte,
und sprach: Jetzt wird es Zeit, daß du erscheinst.
Und sie erschrak wie damals und erwies
sich wieder als die Magd, ihn tief bejahend.
Er aber strahlte und, unendlich nahend,
schwand er wie in ihr Angesicht - und hieß
die weithin ausgegangenen Bekehrer
zusammenkommen in das Haus am Hang,
das Haus des Abendmahls. Sie kamen schwerer
und traten bange ein: Da lag, entlang
die schmale Bettstatt, die in Untergang
und Auserwählung rätselhaft Getauchte,
ganz unversehrt, wie eine Ungebrauchte,
und achtete auf englischen Gesang.
Nun da sie alle hinter ihren Kerzen
abwarten sah, riß sie vom Übermaß
der Stimmen sich und schenkte noch von Herzen
die beiden Kleider fort, die sie besaß,
und hob ihr Antlitz auf zu dem und dem...
(O Ursprung namenloser Tränen-Bäche).
Sie aber legte sich in ihre Schwäche
und zog die Himmel an Jerusalem
so nah heran, daß ihre Seele nur,
austretend, sich ein wenig strecken mußte:
schon hob er sie, der alles von ihr wußte,
hinein in ihre göttliche Natur.


Die letzte Maiandacht dieses Jahres. Sei gegrüßt, Königin des Himmels: Ave, Regina del cielo (MP3).



Öffnet die Türen für Christus!
Botschaft Papst Johannes Pauls II. an die erste Stadtmission in Wien.
" ... Die gegenwärtige Situation der säkularisierten Städte kann leicht vergessen lassen, dass Christen zur "Stadt" einen ganz besonderen Bezug haben. Die schnelle Ausbreitung des Christentums in der Zeit der frühen Kirche verdankt sich vor allem dem Wirken der Apostel in den damaligen Städten. ... Die Berufung zur Neuevangelisierung geht aus der Berufung zur Heiligkeit hervor. Nur wer sich, allen Schwierigkeiten zum Trotz, ehrlich um ein Leben nach dem Willen Gottes bemüht, kann glaubwürdig und wirksam Zeuge Christi, seiner Frohen Botschaft und seiner Kirche sein. Folgt daher der Berufung zur Heiligkeit ..." - [ZENIT].

In einem Schreiben an Erzbischof Christoph Kardinal Schönborn bittet der Papst die neuen "Missionare", in der Mehrheit Laien, "ein klares und gewinnendes Zeugnis von der Kraft und der Schönheit des katholischen Glaubens" zu geben. - [ZENIT].
Nebenbei angemerkt erscheint es durchaus symptomatisch, dass im Original der Meldung der Begriff Missionar in Zusammenhang mit Laien unter Anführungszeichen gestellt wird.

Die beiden "Veranstaltungen", der ökumenische Kirchentag und die Stadtmission bzw. der Internationale Kongress für eine Neue Evangelisation verkörpern für mich 2 vollkommen verschiedene Strömungen in der Kirche. Die eine im Rampenlicht der Berichterstattung, die andere wesentlich weniger sensationell. Die eine beschäftigt sich viel mit sich selbst, die andere beschäftigt sich mit einer neuen Evangelisierung. Die eine sucht ihr Heil in einer Reform der Strukturen und der Glaubensinhalte, die andere ihr Heil in der Verkündigung des Heils für andere. Da kommt mir unwillkürlich das Gleichnis vom Sämann in den Sinn. Die einen, bei denen das Wort zertreten wird, von den Vögeln des Himmels gefressen, verdorrt und erstickt, die anderen schließlich, die am Wort festhalten, der guten Kunde, und die durch Ausdauer Frucht bringen. Jede nachhaltige Reform der Kirche beginnt dummerweise zuerst bei sich selbst, beim einzelnen Gläubigen. Das macht wirkliche Reformen in der Kirche so schwierig, ist es doch unendlich einfacher mit spitzem Finger auf die böse Amtskirche zu weisen, bestehende Strukturen zu tadeln, den übernommenen Glauben an die Zeit anzupassen, als sich selber im Sinne des Evangeliums zu ändern.

Freitag, Mai 30, 2003

Gerettet oder verdammt? Dante's Inferno Hell Test gibt es Dir kund

The Dante's Inferno Test has sent you to Purgatory! ... Ah, gerettet!
You have escaped damnation and made it to Purgatory, a place where the dew of repentance washes off the stain of sin and girds the spirit with humility. Through contrition, confession, and satisfaction by works of righteousness, you must make your way up the mountain. As the sins are cleansed from your soul, you will be illuminated by the Sun of Divine Grace, and you will join other souls, smiling and happy, upon the summit of this mountain. Before long you will know the joys of Paradise as you ascend to the ethereal realm of Heaven.

Here is how you matched up against all the levels:
LevelScore
Purgatory (Repenting Believers)Extreme
Level 1 - Limbo (Virtuous Non-Believers)Low
Level 2 (Lustful)Moderate
Level 3 (Gluttonous)Low
Level 4 (Prodigal and Avaricious)Very Low
Level 5 (Wrathful and Gloomy)High
Level 6 - The City of Dis (Heretics)Very Low
Level 7 (Violent)High
Level 8- the Malebolge (Fraudulent, Malicious, Panderers)High
Level 9 - Cocytus (Treacherous)Moderate


Versucht es selber: Take the Dante's Inferno Hell Test



Apropos Kirchentag - der Mitteleuropäische Katholikentag steht vor der Tür
Mit der Verlesung eines gemeinsamen Hirtenbriefs (PDF) der Bischöfe aus Österreich, Bosnien, Kroatien, Polen, Slowakei, Slowenien, Tschechien und Ungarn am Sonntag, den 1. Juni, beginnt offiziell der erste Mitteleuropäische Katholikentag. Da Deutschland nicht dabei ist, bedeutet dies, dass Deutschland kein Teil Mitteleuropas ist? Nun ja, sei dem so oder anders, jedenfalls beginnt die eigentliche Auftaktveranstaltung am 10. Juni im Stephansdom mit einer "Europa Friedensvesper". Sie beinhaltet eine Meditation von Kardinal König, die Homilie von Kardinal Schönborn, eine Päpstliche Friedensbotschaft sowie eine Prozession der Ikone von Maria Pócs. Als erstes Ziel des Katholikentages wird die Weitergabe und Feier des Glaubens genannt, verstanden als Neuevangelisierung im Kontext unserer Zeit. Somit also keineswegs innerchristliche Nabelschau, sondern Verkündigung der Frohbotschaft, der Schönheit und Ästhetik des Glaubens. Ohne dieses sind solche Veranstaltungen nichts weiter als Massenhappenings, christliche Konsumgüter mit geringer Haltbarkeit.



Kirchenrechtliche Folgen für Gotthold Hasenhüttl?
Nach der "Sensation" des gemeinsamen Abendmahls prüft die Deutsche Bischofskonferenz die kirchenrechtlichen Folgen für Gotthold Hasenhüttl. Mögliche Sanktionen sollen aber erst nach dem Ökumenischen Kirchentag beraten werden. Der Berliner Erzbischof Georg Kardinal Sterzinsky wird mit dem zuständigen Bischof die "kirchenrechtliche Relevanz des Vorgangs" prüfen. Der "zuständige Bischof" ist der Grazer Diözesanbischof Egon Kapellari. Hasenhüttl selbst ist sich aber sicher, dass ihm keiner könne, da er sich nach seiner Ansicht "an alle Vorschriften des römisch-katholischen Kirchenrechts" gehalten habe.- [ORF Religion]

Wann findet die Kirche den Mut, sich klar gegen jene abzugrenzen, die nach aussen hin als katholische Priester auftreten, deren Inhalte aber mit dem Glauben der Kirche nicht mehr viel zu tun haben? Am Ende wird sie um eine solche Auseinandersetzung ja doch nicht umhin kommen. Sie kann nicht "Everybody's Darling" sein, so menschlich die Sehnsucht danach auch sein mag . Ihr Platz ist zwischen den Stühlen, wenn's darauf ankommt, liegt sie mit der Welt über Kreuz.



[aufgeschnappt]
"Europäer holen sich ihre Krankheiten beim Sex. Wir Chinesen beim Essen." - [Kulinarium, Ö1]



nur für Frühaufsteher: partielle Sonnenfinsternis
SonnenfinsternisMorgen geht über Österreich und Deutschland die Sonne als dünne Sichel auf. In Salzburg wird die Sonne gegen 5:20 Uhr kurz vor dem Höhepunkt der Verfinsterung über den östlichen Horizont klettern.- [mehr Infos]




Gotthold Hasenhüttl
Was treibt Gotthold Hasenhüttl, katholischer Theologe und Priester, dazu an, sich derart gegen Lehre und Amt der Kirche zu exponieren? Eine einfache Frage, die ebenso einfach zu beantworten ist: er hält das alles für großen Quatsch.
Von Hasenhüttl stammt eine 2-bändige Dogmatik mit rund 1600 Seiten: Glaube ohne Mythos. 2 Bände. Band 1: Offenbarung, Jesus Christus, Gott. Band 2: Mensch, Glaubensgemeinschaft, Symbolhandlungen, Zukunft.
Daraus ein paar aus Besprechungen aufgeschnappte Zitate.
"In der Sprache der christlichen Symbole, Gott, Jesus Christus, Heil usw. bietet sie Hilfen zum Selbstverständnis menschlichen Daseins und zur Identitätsfindung an." (I, 21)
Gott ... "eine menschliche Projektion, die erdacht wurde, um eine Sinnvorgabe zu erlangen und die eigene Existenz wie die der Welt abzusichern. Gott ist ein Projekt, das die Überwindung des empfundenen Mangels und der unabgegoltenen Sehnsüchte sowie den Traum von einem erfüllten, sinnvollen Leben garantiert. Eine solche Vorgabe gibt es nicht. Sie macht den Menschen zu einem Untertan und Gott zu einem seienden Wesen." (I, 698f)
"Es ist Gott, wenn der eine dem andern hilft."
"Ein überfließendes Glas Sekt, ein überflüssiger Gegenstand in meinem Zimmer, eine überflüssige Urlaubsreise, überflüssiges Geld, ein "überflüssiger" Mensch, der mir als Geschenk begegnet ist usw. In diesem Sinne ist Gott eminent "überflüssig". Auf einen notwendigen (Lückenbüßer-)Gott lässt es sich gerne verzichten. Gott ist auch kein benötigter Gebrauchsgegenstand für ein intellektuelles Denkgebäude, für Gefühlsleben oder Gefühlsarmut, er ist kein moralischer Zeigefinger, der uns bei der Stange hält - dafür ist er wirklich "überflüssig", aber als ein Gott, der überflüssig ist, ist er nicht überflüssig, sondern die schönste Prädikation des Menschen vom Menschen!" (I,704f)




Colin Powell beim Papst
Colin Powell, der amerikanische Außenminister, wird kommenden Montag vom Papst empfangen. Gegenstand der Besprechung ist die Situation im Heiligen Land sowie die Lage im Nahen Osten nach dem Irakkrieg. Die Verstimmung der amerikanischen Regierung über die Kritik aus dem Vatikan, vor allem - aber nicht nur - über die Kriegspolitik gegenüber dem Irak, ist beträchtlich. Dass dennoch der amerikanische Außenminister eine Audienz beim Papst erbat, kann als Zeichen interpretiert werden, wie sehr die USA die Stützung durch die moralische Autorität des Papstes sucht und ihrer bedarf. Man sehe ja nur, wie letztlich demütigend das Land mit seinen widerwilligen Verbündeten, speziell Deutschland, umgeht. Die Kritik des Heiligen Stuhls wird zwar auch ignoriert, doch wagt man es nicht, den Vatikan öffentlich unter Druck zu setzen oder ihm gar zu drohen. - [ZENIT]

Donnerstag, Mai 29, 2003

Gott musste „spirituellem Schwung“ weichen
Kein Gottesbezug in der Präambel (PDF) der EU-Verfassung. So sieht es zumindest der Entwurf des Verfassungstextes vor, den das Präsidium des EU-Konvents heute verabschiedete. Gleichheit, Freiheit, Respekt vor der Vernunft, alles das findet sich im Entwurf zum Verfassungstext wieder. Ebenso wird darauf verwiesen, dass die Verfassung vom kulturellen, religiösen und humanistischen Erbe Europas inspiriert ist. Gott selber aber mußte dem Hinweis auf einen „spirituellen Schwung“ weichen, der laut dem Verfassungstext die Geschichte Europas durchzog und seine Spuren hinterließ. Wohin es Europa ohne Gott, aber mit "spirituellem Schwung" wohl treiben wird? Stay tuned! Wir werden es bald erfahren.



Jesus was gay - $51,000 says so
51.000 Australische Dollar, das sind rund € 28.560 oder, in "altem" Geld, 393.100 Schilling bzw. 56.157 Deutsche Mark: soviel war es der Universität Queensland wert, diese "Erkenntnis" zu gewinnen. Über 3 Jahre hinweg bezuschusste sie Rolland McCleary, dem heute die Doktorwürde verliehen wurde für seine Doktorarbeit über homosexuelle Spiritualität. Da konnte McCleary sich wohl kaum lumpen lassen: nicht nur Jesus, nein, auch 4 der Apostel waren schwul. Um aber McCleary die Ehre zu geben, bei einem der Apostel ist er sich seiner Sache nicht völlig sicher. Nach Ansicht des frischgebackenen Doktors ist es für Schwule einfacher Christen zu sein. "You don't have to be gay to be Christian, but it would be easier", meint er. Solche Erkenntnis gewann er unter anderem durch das sorgfältige Studium von Jesu Horoskop. Auch verweist er auf das Neuen Testaments: "The starting point is the matter of John, who always referred to himself as Jesus's beloved disciple." McCleary hat die Absicht Homosexuellenspiritualität als eigene akademische Disziplin zu verankern. - [news.com.au]

Liebe Freunde, ich ziehe nächstens um. Ihr erreicht mich zukünftig an der Universität von Queensland. Ich lasse mir meinen Ph.D. finanzieren. Als Thema böte sich an, Jesus als verkleidete Lesbe zu entlarven. Meine Tarotkarten sind sich da vollkommen sicher.



US plans death camp
Die Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika arbeitet an Plänen zum Umbau des Gefangenenlagers Guantanamo Bay in ein "death camp" mit einem Zellenblock für jene Gefangenen, die zur Hinrichtung bestimmt sind - einer "death row" - sowie einer eigenen Exekutionskammer. Verhandlung, Verurteilung und Hinrichtung, alles an einem Ort, im Lager auf Guantanamo Bay, ohne Jury, ohne das Recht das Urteil anzufechten. Bekannt wurden diese Pläne durch Major-General Geoffrey Miller, der für 680 Verdächtige aus 43 Ländern verantwortlich ist.- [news.com.au]
Im Irak werden von den Vereinigten Staaten einige Tausend Iraker illegal als Kriegsgefangene festgehalten. Menschenrechtsorganisationen, selbst dem Roten Kreuz, wird der Zugang zu den Gefangenen verwehrt. Anders als bei den Gefangenen in Kuba gibt es auch keinerlei Zweifel über den rechtlichen Status der Festgehaltenen - es sind Kriegsgefangene. Damit fallen sie unter den Schutz des Genfer Abkommen über die Behandlung von Kriegsgefangenen. Nach vorliegenden Berichten soll ihre Behandlung statt dessen an Folter grenzen. Alle Anträge, die Bedingungen zu kontrollieren, unter denen die Gefangenen gehalten werden, wurden entgegen den Bestimmungen der Genfer Konvention bislang entweder nicht beantwortet oder abgelehnt. - [Guardian]

Ab wann hört eine "Demokratie nach westlichem Muster" eigentlich auf, eine Demokratie nach westlichem Muster zu sein? Sind die USA noch eine Demokratie nach europäischem Verständnis? Ich jedenfalls verstehe das Land nicht mehr. Aber vielleicht habe ich es auch niemals wirklich verstanden.



Stift Admont: Museumseröffnung und Tag der offenen Tür
Morgen, Freitag eröffnet das obersteirische Benediktinerstift Admont nach Abschluss der Umbauten des dreistöckigen Südtrakts der Klosteranlage sein neues Museum. Es beinhaltet u.a. die weltweit größte Klosterbibliothek, eine umfangreiche Kunst- und Naturhistorische Sammlung aber auch eine stetig wachsende Sammlung zeitgenössischer Kunst. Damit schlägt es eine inhaltliche Brücke über mehr als ein Jahrtausend Kunst - von den historischen Kunstschätzen des Stiftes bis zur Kunst der Gegenwart.



Chinas Kirche im Schatten von SARS
Nach einem Bericht des römisch-katholischen China-Experten und Leiter des vatikanischen Missionsnachrichtendienstes Fides Pater Bernardo Cervellera plant die chinesische Regierung ihre Kontrolle über die katholische Kirche Chinas zu verschärfen. Während die internationale Aufmerksamkeit auf die Anstrengungen zur Bekämpfung der Lungenkrankheit SARS gerichtet ist, sollen sozusagen in deren Schatten die bereits Ende März beschlossenen neuen Normen für den Umgang mit der katholischen Kirche, die auf Peking und die Katholiken-Hochburg Hebei eingeschränkt waren, auf das gesamte Land ausgedehnt werden. Diese Normen beinhalten eine stärkere Anbindung der katholischen Diözesen an die regimenahe "Patriotische katholische Vereinigung".Diese hat im Sinne der Regierung die Aufgabe, die Unabhängigkeit der chinesischen Kirche gegenüber dem Vatikan zu verstärken und bislang regierungsunabhängige Untergrund-Katholiken auf Parteikurs zu zwingen. -[ORF Religion].



Sisters of Charity of St. Elizabeth - Stop E$$O
Exxon Mobil, der Mutterkonzern von Esso, erhöht seine finanzielle Unterstützung jener Lobby-Gruppen, die die Klima-Erwärmung durch menschlichen Einfluss bestreiten. Jährlich wird deren Lobby-Arbeit mit jährlich über einer Million Dollar gefördert. Der Konzern, der seinerseits die Globale Erwärmung öffentlich bezweifelt, ist damit deren bedeutendster Geldgeber. Diese Lobby-Gruppen wenden sich gegen eine Politik zur Beschränkung von CO2-Emissionen durch Restriktionen für Industrie und Verkehr. Sie bestreiten die Existenz des Treibhauseffekts, der laut Wissenschaftern zur globalen Erwärmung führt.- [Der Standard].

Bei der diesjährigen Aktionärsversammlung, die diese Woche stattfand, kam es zu Protestaktionen und Demonstrationen von Umweltaktivisten. Zugleich fanden allerdings Gegendemonstrationen von Unterstützern des derzeitigen Konzernkurses statt, die zeitweilig an bloßer Kopfzahl jene der Umweltdemonstranten übertraf. Die Pro-Exxon's skandierten als Antwort auf die Kritik "Give oil a chance". - [New York Times].

Auf der Aktionärsversammlung stieß diese Politik des Konzerns allerdings auf ein überraschend hohes Ausmaß an organisiertem Widerstand. So unterstützten 22 Prozent der Aktionäre einen Antrag auf Anfrage, wie der Konzern auf die Risken einer Globalen Erwärmung reagiere; 21 Prozent forderten einen Bericht, in welchem Ausmaß Exxon in erneuerbare Energie zu investieren bereit sei. Zwar konnte keiner der Anträge eine Mehrheit der Stimmen gewinnen, dennoch sind sie ein Signal für einen Stimmungswechsel und die Bereitschaft bestimmter Akionärsgruppen, die Sorge um Umwelt und Klima ins Kalkül zu ziehen. In diesen Kampf gegen die Industriegiganten haben sich Umweltschutzgruppen mit religiösen Gruppierungen zusammengeschlossen. Schwester Barbara Aires, "Coordinator of Corporate Responsibility" der Sisters of Charity of St. Elizabeth in New Jersey, ist der Ansicht, dies sei "a trend that I don't think is going to disappear. I think more institutional investors are looking for assessments of the triple bottom line — social, environmental and financial — not simply financial." - [New York Times].

Ich selber habe übrigens schon vor einiger Zeit aufgehört bei Esso zu tanken. Stop E$$O - gib dieser Art von Politik keine Chance.



München wirft "Fenster" raus
Gestern beschloss der Münchener Stadtrat offiziell die rund 14. 000 Computer der städtischen Verwaltung vom Microsoft-Betriebssystem Windows auf Linux umzustellen. Desgleichen soll anstelle von Microsoft Office ein Office-Paket aus dem Open-Source-Bereich zum Einsatz kommen. Zwar hatte Microsoft weitreichende Rabbate angeboten, doch war es nicht alleine der Preis, der die Entscheidung beeinflusst haben dürfte. Vizechef Boris Schwartz von der Grünen-Stadtratsfraktion erklärte, damit hätte München eine Bresche in die monopolartige Stellung des Marktführers Microsoft geschlagen. München will sich durch diese Entscheidung auch eine größere Unabhängigkeit von einzelnen Herstellern erkaufen. - [Der Standard].

Mittwoch, Mai 28, 2003

Eucharistische Gastfreundschaft vs. Gastmahl der Nächstenliebe
Während die einen in Berlin die Eucharistische Gastfreundschaft ausriefen, luden die anderen in Wien zum "Gastmahl der Nächstenliebe". Mehr als 300 Arme und Ausgegrenzte wurden letzten Montagabend in der Wiener Minoritenkirche zu einem Festmahl geladen. Das Essen servierte diverse Politprominenz. Die Armen und Ausgegrenzten wurden trotzdem satt.



BlogMatcher
Noch ein nettes Tool für Blogger: Blogmatcher.
Aus dem FAQ von Blogmatcher: BlogMatcher is a program that helps people find weblogs that match their interests and find like-minded blogs. When given an URL to a weblog (called "Reference Blog") the system finds other blogs that appear to discuss similar topics.



Jeder spricht vom ökumenischen Kirchentag
öffne die Tür für Christusalso ist es Zeit, etwas anderes dagegen zu halten. In Wien begannen letztes Wochenende die Stadtmission und der Internationale Kongresses für eine neue Evangelisation. Noch bis kommenden Sonntag geht die Kirche unter dem Motto "Öffnet die Türen für Christus!" bewusst "auf die Straße". In Banken, Einkaufszentren, Kaffeehäusern, Universitäten und Geschäften lädt sie die Menschen ein, sich auf Gott, Christus, Glaube und Kirche einzulassen. Kongress und Mission sind eine gemeinsame Initiative der Kardinäle Schönborn (Wien), Jean-Marie Lustiger (Paris), Jose da Cruz Policarpo (Lissabon) und Godfried Danneels (Brüssel). Die Koordination der Organisation und Durchführung vertrauten sie der Gemeinschaft Emmanuel an. In gewisser Weise ein Kontrastprogramm zu Berlin. Während dort manche zu meinen scheinen, etwas so besonders wäre der katholische Glaube nun auch wieder nicht, wird in Wien das Besondere nicht nur gesehen, sondern auch noch als besonders erstrebenswert angepriesen. Hier das Missionsprogramm für morgen und die nächsten Tage.



185. Generalkapitel der Franziskaner-Minoriten
Am Sonntag beginnt laut einer Zenit-Meldung in der Portiunkulakirche von Assisi das 185. Generalkapitel der Franziskaner-Minoriten. Dabei soll der 119. Nachfolger des heiligen Franziskus durch die Wahl mit der Leitung des Ordens betraut werden. Das zentrale Thema des Kapitels lautet "Brüderlichkeit in der Mission". (vollständiger Artikel).



Ökumenischer Kirchentag
Heute beginnt der Ökumenische Kirchentag in Berlin. Wird er den großen Umbruch bringen, den manche mit allen Mitteln herbeiführen wollen? Aufstand der "Wir sind (die gute) Kirche" gegen die "böse Amtskirche"? Mag sein, dass sich in Deutschland nicht Ökumene, sondern eine neue Reformation abspielt. Wäre schließlich nicht das erste Mal. Mit wem auch immer "Wir sind (die gute) Kirche" den Dialog zur Einheit der Kirchen sucht, mit vielen Menschen in der eigenen Kirche suchen sie ihn nach meinem Eindruck nicht. Wer in manchen Punkten aus Gewissens- und Glaubensgründen nicht zustimmen kann, der ist für "Wir sind (die gute) Kirche" wohl hoffnungslos reaktionär. Eigentlich auch traurig, dass dem Medienrummel nach "Star" der Veranstaltung "His Holiness", der 14. Dalai Lama, ist. Als würden weder die katholische noch die evangelische Kirche spirituelle "Schwergewichte" beherbergen. Wobei ich noch nicht einmal glaube, dass der Dalai Lama ein solches Schwergewicht ist. Das ist natürlich dieser Tage eine schlimme Ketzerei gegen den interreligiösen Dialog.

Dienstag, Mai 27, 2003

Das Hunderste Schaf
"Ist es nicht ein Vorzug, dieses hunderste Schaf zu sein? Zählen wir uns nicht zu leicht zu den 99 Schafen, die ruhig und treu in der Herde bleiben. Hat das verirrte Schaf nicht den Vorzug den Herrn für sich allein zu haben?"
René VoillaumeVor einigen Tagen starb René Voillaume, der Gründer der Kleinen Brüder Jesu, der späten Gefährten des Charles de Foucauld, mit 97 Jahren. Das Hunderste Schaf, der Vorzug, es zu sein, ist das nun tröstlich, oder eher traurig? Betrachte ich den Großteil meines Lebens, muss ich mich ohne Zweifel als eines dieser Hundersten Schafe sehen. Dass ich gesucht und - so hoffe ich! - für immer gefunden wurde, ist tröstlich. Aber zu vieles liegt hinter mir, abgebrannte Ruinen, klirrende Kälte, Hinterhöfe ohne Licht, zu viel, als dass ich den Blick ruhig rückwärts wenden könnte. Charles de Foucauld wurde 2001 vom Vatikan der "heroischen Tugendgrad" zuerkannt. Für 2005 wird die Seligsprechung erwartet. Doch eigentlich spielt das keinerlei Rolle. Dass Bruder Charles ein Heiliger war, ist ohnehin keine Frage. Ich habe mir aus dem Durcheinander meiner Bücher seine Tagebuchaufzeichnungen hervorgekramt, die er 1898 während der Einkehrtage in Efraim verfasste. Einfache Gedanken, keine Akrobatik des Gehirns. Statt dessen ein wortwörtlich nehmen. Heute empfinde ich das als Erleichterung.



Mander, s'ischt Zeit
MS schäumtMicrosoft schäumt. Seine Getreuen steigen auf die Barrikaden, greifen zur Waffe. Dass die Münchener Stadtväter und -mütter der Linuxiösen Konkurrenz den Vorzug geben wollen, lässt dem Softwaregiganten das Blut bis in die Augen steigen und rot sehen. Nach einem Bericht im Standard fordert Hans-Jürgen Croissant, Firmensprecher des vor Wut schäumenden Riesen, im Namen seines Unternehmens fairen Wettbewerb. "Unseren Mitbewerbern wurde einseitig die Chance eingeräumt, ihre ursprüngliche Offerte auf der Grundlage detaillierter Kenntnis des Angebots der Microsoft Deutschland GmbH nachzubessern." Microsoft hat nun seinerseits "ein in einigen Punkten konkretisiertes bzw. näher spezifiziertes überarbeitetes Angebot zugeschickt." Mit anderen Worten: getreu den Anweisungen von Microsoft-Vertriebschef Orlando Ayala ist man wohl bereit die Preisschraube solange nach unten zu drehen, bis am Ende doch die eigenen Produkte genommen werden (müssen). (vollständiger Artikel).



Find out who's linking to you
Ein nettes Tool für Blogger: Link Cosmos von Technorati . Wer ist mit wem verlinkt? Welche Storys werden in anderen Blogs zitiert? Den URL eines Blogs eintragen, Abfrage starten - und schon zeigt einem Link Cosmos jene Blogs und Bloggers, die auf dieses Blog bzw. Einträge darin verweisen. Als Beispiel die Abfrage auf mein Blog:

Blog URL Veni, Domine Iesu!

3 Inbound Blogs, 8 Inbound Links to Veni, Domine Iesu!
Blog last updated 40 minutes ago
Ranked by freshness (Rank by Blog authority)

1: Zeit und Ewigkeit 6 inbound blogs, 12 inbound links (Last updated 1 day 17 hours 50 minutes ago)
Erich hat seinen Rückzug aus dem
(Link created 1 day 18 hours 5 minutes ago) (Cosmos)

2: Credo ut intelligam 8 inbound blogs, 9 inbound links (Last updated 40 minutes ago)
Formica blogensis sp. Erich hat vor ein paar Tagen über seinen Beitrag zum Ameisenhaufen des globalen Bloggertums meditiert . Gerade habe ich durch einen Hinweis von Fr. Jim Tucker von der
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3: Zeit und Ewigkeit 6 inbound blogs, 12 inbound links (Last updated 1 day 17 hours 50 minutes ago)
Weblogs: << # St. Blog's Parish ? >> Fonomat (dt.) Credo, ut intelligam (dt.) Veni, Domine Iesu! (dt.)
(Link created 6 days 15 hours 33 minutes ago) (Cosmos)

4: Zeit und Ewigkeit 6 inbound blogs, 12 inbound links (Last updated 1 day 17 hours 50 minutes ago)
Ein herzliches Willkommen geht an einen alten Bekannten und neuen katholischen Blogger. Veni, Domine Iesu! heißt das Weblog.
(Link created 8 days 13 hours 15 minutes ago) (Cosmos)

5: der fonolog 6 inbound blogs, 16 inbound links (Last updated 18 hours 18 minutes ago)
Zeit und Ewigkeit Credo ut intelligam Veni, Domine Iesu!
(Link created 9 days 11 hours 57 minutes ago) (Cosmos)

6: Credo ut intelligam 8 inbound blogs, 9 inbound links (Last updated 40 minutes ago)
Weblogs: Zeit und Ewigkeit der fonolog Veni, Domine Iesu!
(Link created 9 days 12 hours 15 minutes ago) (Cosmos)

7: Credo ut intelligam 8 inbound blogs, 9 inbound links (Last updated 40 minutes ago)
Wieder einer! Ein neues deutschsprachiges Weblog meldet sich im Blogmos: Veni, Domine Iesu! Ad multos annos - und daß der verheißungsvolle Beginn mit Rilke, Raitenhaslach, Rilke, Irak, Matrix sich fortsetze!
(Link created 9 days 12 hours 30 minutes ago) (Cosmos)



Blog, the musical
Bei scipio gelesen, angeklickt und angehört, Güteklasse: amüsant: Blog, the musical - relativ lange Ladezeit, aber lohnend!
Nähere Details dazu hier.

Montag, Mai 26, 2003

Ich verschob mein Weblog von blogspot zu meinem eigenen Provider. Ob's in Hinblick auf die Ladezeiten etwas bringt? Fono?

Nachtrag: ich habe es wieder rückgängig gemacht. Irgendwie sind die Archive nicht richtig 'mitgegangen'. Wenn ich mal mehr Zeit habe, werde ich mich damit eingehender beschäftigen.



Von Mönchen, Journalisten und Bierbrauern

Vergangenes Wochende fand in Wien die erste internationale Blogger-Konferenz, Blogtalk, statt. Telepolis liefert eine gute Zusammenfassung der verschiedenen Referate (vollständiger Artikel).
Ein netter Splitter daraus ist die Parabel, mit der Jose Luis Orihuela, Professor an der Universität von Navarra, sein Referat einleitete. Mit der Erfindung der Druckerpresse wurden plötzlich Hunderte Mönche, die in den Skriptorien der Klöster ihr Leben damit zubrachten, Bücher handschriftlich zu kopieren, arbeitslos. "Was", fragte Orihuela rhetorisch, "taten sie? - Manche begannen zu denken. - Manche aber begannen Bier zu brauen." So hat der Buchdruck ganz nebenbei der Welt etliche leckere Biersorten beschert. Nun, da die Blogger zunehmend begännen, Nachrichten selbständig zu publizieren, meinen manche, wird es den Journalisten so gehen wie einst den Schreibern in den Klöstern. Welche Biere wohl Journalisten brauen?



"Verlieren Sie unter keinen Umständen gegen Linux!"

Wer hätte das gedacht? Nach einer Meldung des Standard wird München trotz verlockender Rabattangebote, die Steve Ballmer, 'chief executive officer' von Microsoft, höchstpersönlich der Stadt vorlegte - er unterbrach dazu sogar extra seinen Skiurlaub in der Schweiz - München also wird allem Anschein nach und wenn nicht noch etwas sehr unerwartetes passiert, auf Linux umstellen!
Die Rathausfraktionen von SPD und Grünen entschieden am Montag, in der Stadtverwaltung die veralteten Windows-NT-Computer samt den üblichen Microsoft-Programmen durch das freie Betriebssystem Linux und ein Office-Paket aus dem Open-Source-Bereich zu ersetzen. Die endgültige Entscheidung fällt allerdings erst am 28. Mai bei einer Sitzung des Stadtrats. SPD und Grüne haben im Rathaus mit insgesamt 43 von 80 Sitzen eine Mehrheit.

Eine schwere Niederlage für Microsoft. Vor kurzem erst berichtete die New York Times von einer internen Mail des Softwarekonzerns. Die Mail mit dem Betreff "Verlieren Sie unter keinen Umständen gegen Linux!" soll von Microsoft-Vertriebschef Orlando Ayala stammen und mit dem Hinweis "vertraulich" an Microsofts Spitzenführungskräfte gerichtet gewesen sein. Darin soll Ayala erklärt haben, dass im Falle eines möglichen Scheiterns eines großen Geschäfts so lange an der Preisschraube gedreht werden müsse, bis am Ende doch Microsoft-Produkte genommen würden.

Sonntag, Mai 25, 2003

Ave Maris stella
Desoff Choirs, Paul Boepple, Director. 1960s.

... es ist immer noch Mai, Marienmonat. Etwas zum Hören, Giovanni da Palestrina.




Ein Leser meines Blogs schrieb mir, dass es wegen des _ im Namen des Blogs, http://domine_iesu.blogspot.com/, manchen Leuten nicht möglich sein dürfte, die Seite zu laden. Ach verflixt, jetzt wieder neu anfangen? Mal abwarten:ich habe im Forum kath.de im Thread Abschied für immer? einen Aufruf placiert, es möge doch der eine oder andere versuchen, die Seite aufzurufen und mir Bescheid zu geben, ob's da Probleme gibt. Falls es nur wenige trifft, würde ich lieber alles so lassen, wie es ist. Ich hasse umziehen. Wie ist es mit Euch, werte Leser? Habt Ihr Probleme? ... hm, ja, Probleme, wer hat die nicht? Ich kann gerne das eine oder andere abgeben, ganz umsonst. Will jemand?



Feuerwerk
Feuerwerk



a new intellectual elite

Bill Thompson, "technical writer" mit eigener wöchentlichen Kolumne, dem BillBlogBillBlog, für die Online-Ausgabe der BBC, hat für die Online-Publikation spiked einen interessanten Artikel: Blog eat Blogs über die O'Reilly Emerging Technologies Conference (ETCON) geschrieben. Darin vertritt er die Ansicht, dass es innerhalb der "blogoshpere", des Blogmos, Leute gibt, die er als "a new intellectual elite" bezeichnet, "a small influential group of people, who have managed to turn their self-publication obsession into a power base." Er bezeichnet diese Leute als "A-list-Bloggers", "a dominant class in network society." Durch gegenseitige Verlinkung hätten diese ein Netz aufgebaut, dessen Einfluss über den Blogmos hinaus direkt ins 'Real Life' reicht. Nach Ansicht Thompsons haben diese A-List-Bloggers in den USA und in bestimmten Bereichen sogar schon zuviel Einfluss und Macht. Diese Macht bedürfe wie jede andere Macht der Kontrolle. Thompson meint, dies wäre die Aufgabe der freien Presse: "This isn't about not liking blogs. It's about not liking unaccountable concentrations of influence, about believing it is still true that 'the first duty of the press is to obtain the earliest and most correct intelligence of events of the time and instantly, by disclosing them, to make them the common property of the nation'."

In unseren Landen kann ich die Gefahr einer Machtkonzentration in den Händen einer Blogger-Elite nicht sehen. Am wenigsten im schmalen Segment jener Blogs, die sich vorzüglich mit religiösen Themen beschäftigen. Katholische Blogs gibt es hierzulande meines Wissens überhaupt nur 4. Davon ist eines, das meine, noch nicht einmal einen Monat alt. Immerhin: in schwachen Minuten kann ich mir mit dem Gedanken schmeicheln, einer recht exklusiven Gruppe anzugehören. Oder, wie Thompson schreibt, "These people are not quite an aristocracy. Perhaps they are simply the blogeoisie (pronounced bloj-wah-zee), a dominant class in network society.". Ich bin tatsächlich einer der katholischen "lords of the link". Fast schade, dass ich das nicht ernst nehmen kann. (vollständiger Artikel).



Apropos Robert, seine Homepage Domus Ecclesiae ist einen Besuch wert. Wobei 'Homepage' fast ein wenig despektierlich ist. Ich werde sie mal unter meine Links für Katholiken einreihen.

Samstag, Mai 24, 2003

Philipp der Kanzler: Vineam meam plantavi

Robert Ketelhohn hat dieses geistliche Lied Philipps des Kanzlers mal als Literaturrätsel gebracht. Dessen suggestive Sprache in der Übersetzung Roberts hat mich immer wieder einmal daran denken lassen.

Ich pflanzte meinen Weinberg an,
Die Kelter trat ich selbst allein.
Der Weinberg brachte nicht
Die Frucht, die ich erhoffte:
Mein Gewand befleckte
Ich mit Blut.


Ich liebte meine Pflanzung wohl,
Die Kelter trat ich selbst allein.
Den ich selber hatt' erschaffen,
den schuf ich selber neu:
Mein Gewand befleckte
Ich mit Blut.


Der ich der Welten Übel trug,
Die Kelter trat ich selbst allein.
In meines Blutes Schwall
Wusch ich ab die Schuld der Welt:
Mein Gewand befleckte
Ich mit Blut.


Ich selber trank den Essig,
Die Kelter trat ich selbst allein.
Ich selber hab' der Welt
Des Lebens Kelch bereitet:
Mein Gewand befleckte
Ich mit Blut.


Den Geißeln bin ich nicht gewichen,
Die Kelter trat ich selbst allein.
Ich nahm aus freiem Willen
Das Kreuz auf mich voll Furcht:
Mein Gewand befleckte
Ich mit Blut.


Die Hölle hab' ich ausgeraubt,
Die Kelter trat ich selbst allein.
Der in Banden hielt den Menschen,
Der ward von mir gestürzt:
Mein Gewand befleckte
Ich mit Blut.

__________________

Vineam meam plantavi,
Torcular solus calcavi.
Vinea non reddidit
Fructum quem speravi,
Indumentum sanguine
Meum inquinavi.


Facturam meam amavi,
Torcular solus calcavi.
Quem ego creaveram,
Ego recreavi,
Indumentum sanguine
Meum inquinavi.


Qui mundi mala portavi,
Torcular solus calcavi.
Unda mei sanguinis
Mundi culpas lavi,
Indumentum sanguine
Meum inquinavi.


Acetum ego potavi,
Torcular solus calcavi.
Ego vitæ poculum
Mundo præparavi,
Indumentum sanguine
Meum inquinavi.


Flagella non recusavi,
Torcular solus calcavi.
Ego sponte subii
Crucem quam expavi,
Indumentum sanguine
Meum inquinavi.


Infernum expoliavi,
Torcular solus calcavi.
Qui ligabat hominem,
Ego relegavi,
Indumentum sanguine
Meum inquinavi.




Blogtalk im Spiegel von Blogs

Ulrich aus Dresden berichtet in seinem Weblog von der Blogtalk-Konferenz in Wien. Im Iran soll es 12.000 Weblogs geben, in Polen 100.000, davon 62 Prozent von Frauen geschrieben. Was meint Ulrich? "Wer hätte das gedacht?"



teilweiser Rückzug

Nachdem sich Jürgen zur Gänze, Robert zum überwiegenden Teil und nun noch Jakob/Eugen aus dem Forum kath.de verabschiedeten, habe auch ich beschlossen, diese Türe bis auf einen kleinen Spalt zu schließen. Der fortwährende Grabenkampf zwischen den Fraktionen langweilt mich einfach nur mehr. Selbst der Ärger über einen teils recht fanatisch und missionarisch vorgetragenen Atheismus ist zum Desinteresse verkommen. Die Reaktionen der Teilnehmer an den Redescharmützeln sind längst schon vorhersehbar, das Pulver der Argumente wider den Glauben dutzende Male verschossen, alles dreht sich wieder und wieder im Kreis. Ob eigentlich Rennmäuse in ihren Laufrädern realisieren, dass sie trotz aller Anstrengung nicht einen Zentimeter vorwärts kommen?



Auf alten Spuren: Der 'Münchener Jakobsweg'

Heute wird der jahrhundertealte 'Münchener Jakobsweg' offiziell wieder eröffnet. Nach einer feierlichen Aussendungsfeier in der Münchner St. Jakobskirche am Anger (Beginn 14.00 Uhr) und einem anschließenden Pilgergebet vor dem Bildnis der Patrona Bavariae auf der Mariensäule des Münchner Marienplatzes werden etwa 200 Wallfahrer diesen Weg das erste Mal gehen. Der Münchener Jakobsweg führt von der Mariensäule nach Lindau am Bodensee und weiter nach dem österreichischen Bregenz.
Da heutzutage ohne Ökumene scheinbar nichts mehr geht, nimmt an der Aussendungsfeier in der St. Jakobskirche und am Pilgergebet vor der Mariensäule der evangelisch-lutherische Münchner Stadtdekan Hans Dieter Strack teil. Er wird die Pilger auch das erste Wegstück begleiten. So ändern sich eben die Zeiten. Martin Luther war noch der Ansicht, man möge der Heiligkeit nicht durch Wallfahrten nachlaufen, vielmehr solle „der Glaube sich im täglichen Leben bewähren, im Umgang mit der Welt." Katholiken und Orthodoxe sahen und sehen in Wallfahrten ein Zeichen für den Pilgerstand, in dem sich jeder Christ auf seinem Lebensweg befindet. Wir sind nur Gast auf dieser Erde. Unsere Heimat ist bei Gott. Während also evangelische Christen den Wert katholischer Tradition und Spiritualität für sich erschließen, gibt es auf katholischer Seite manche, denen alleine schon der Begriff 'katholische Tradition' verdächtig ist. Mehr zum Jakobsweg hier: Jakobsweb.

Freitag, Mai 23, 2003

Clash of Cultures

Viel wurde geschrieben, mehr noch in zahlreichen Talkshows darüber geredet: Clash of Cultures. Kampf der Kulturen. Der Westen gegen die arabische Welt. John Allen, Korrespondent des National Catholic Reporter in Rom, spricht allerdings in seinem letzten Word from Rome von einer anderen kulturellen und religiösen 'Luftmassengrenze', an deren Frontlinie es fortgesetzt zu Wetterleuchten kommt.Obwohl der Krieg gegen den Irak vorüber ist, dauert der Krieg der Worte zwischen Washington und dem Vatikan weiter an. "As things turn out, the 'clash of cultures' most exacerbated by the Iraq war may not be between Christianity and Islam, but between the Holy See and the United States."

Publizistisches Organ der letzten Wortattacken aus Rom ist das von Jesuiten geleitete religiös-kulturelle Journal Civiltà Cattolica. In der letzten Ausgabe vom 17. Mai bescheinigt das Journal den Vereinigten Staaten, das internationale Recht in eine Krise gestürzt zu haben. Kritisiert wird auch die fortgesetzte Praxis 600 Taliban in Guantanamo Bay auf Cuba festzuhalten, ohne ihnen einen rechtlichen Status zuzuerkennen. Unter den Festgehaltenen sind 5 Jugendliche zwischen 13 und 16 Jahren sowie 5 Männer über 80. Die Besatzungsmächte seien, wie das Journal weiter ausführt, dem Anschein nach mehr am irakischen Öl, denn am Wiederaufbau des Landes interessiert. Nach Allen sind viele Amerikaner unangenehm überrascht aus dem Vatikan Stimmen zu hören, die an die harschen antiamerikanischen Töne gemahnen, die ihnen ansonsten nur von der europäischen Linken zu Gehör gebracht werden.

Auf amerikanischer Seite findet die Kritik aus dem Vatikan wenig Verständnis, zogen doch in vergangenen Jahren katholische Kirche und Vereinigte Staaten in der Unterstützung des anti-sowjetischen Widerstands in Europa am gleichen Strang. Einige katholische Denker in den USA sahen zwischen den beiden 'Weltmächten', dem amerikanischen 'Imperium' und der katholischen Weltkirche, natürliche Verbündete wegen gemeinsamer Werte wie 'Pro-Familie' und 'Pro-Leben' und politischer Ziele wie 'Pro-Demokratie', 'Menschenrechte' und 'ökonomische Freiheit'. Aus diesem Grund ist die Irritation über die Kritik von Seiten des Vatikans beträchtlich. Auf vatikanischer Seite vermutet man im Handeln der USA ein Vermächtnis des Calvinismus erkennen zu können. So berichtete Kardinal Pio Laghi, der vom Papst unmittelbar vor Ausbruch des Kriegs zu Bush entsandt worden war, er hätte “something Calvinistic” in der vom Präsidenten eisern vorgetragenen Bestimmung zur Bekämpfung des internationalen Terrorismus wahrgenommen. Allen berichtet weiter, auch von offzieller Seite werde der Konflikt als “clash of civilizations between the United States and the Holy See" gesehen, "between a worldview that is essentially Calvinistic and one that is shaped by Catholicism." Bereits 1997 erklärte Kardinal Francis George von Chicago auf der amerikanischen Bischofssynode, die US-Bürger seien kulturell Calvinisten, auch solche, die den katholischen Glauben bekennen. Die amerikanische Gesellschaft, meinte der Kardinal, “is the civil counterpart of a faith based on private interpretation of Scripture and private experience of God.” Das stehe im Gegensatz zu einer Gesellschaft nach den Vorstellungen der katholischen Kirche, einer Gesellschaft "based on the Catholic Church's teaching of community and a vision of life greater than the individual." (Word from Rome, Vol. 2, No. 39, vollständiger Artikel).



Die Botschaft der Raupe

Der Staat Israel veröffentlichte eine Statistik über Häuserzerstörungen. Der Standard meldet, dass laut Angaben der israelischen Armee seit Anfang des Jahres 2002 174 Häuser von Palästinensern zerstört wurden. (vollständiger Artikel).
Dies sei, wie die Armee meint, gerechtfertigt, da die Häuser "palästinensischen Terroristen" gehört hätten und als "Verstecke für Waffen und gesuchte Palästinenser" genutzt worden seien. Jeff Halper vom Israeli Committee Against House Demolitions (ICAHD), Professor für Anthropology an der Ben Gurion Universität, sieht dies allerdings etwas anders. Denn zerstört werden auch die Häuser unschuldiger Einzelpersonen, die nicht in die kriminellen Taten iher Verwandten involviert waren. "Blutsverwandtschaft", schreibt Halper, "kann nicht die Grundlage zur Zerstörung irgend jemandes Hauses sein." Das ICAHD hat beim Obersten Gericht Israels Beschwerde gegen diese Vorgehensweise der israelischen Armee geführt, konnte aber mit seinen Argumenten nicht durchdringen. Nach Ansicht Halpers duldet und ermöglicht damit das Oberste Gericht Kriegsverbrechen. Die Planierraupe sei ein Symbol geworden. Die Botschaft, die sie an die Palästinenser verbreite, sei: "Ihr gehört hier nicht her. Wir vertrieben euch 1948 aus euren Häusern und verhinderten eure Rückkehr, und jetzt werden wir euch von dem ganzen Land Israel vertreiben." (vollständiger Artikel).
Vor 2 Tagen erst hat der Papst erneut zum Frieden im Heiligen Land aufgerufen: "Leider müssen wir auch das Heilige Land zu den Regionen der Welt zählen, die seit allzu langer Zeit des grundsätzlichen Guts des Friedens beraubt werden." (vollständiger Artikel).

Donnerstag, Mai 22, 2003

"Doch nicht mein, sondern dein Wille geschehe!"

Wer hat den Mut, so zu beten? Zu beten, und es tatsächlich wortwörtlich zu meinen? Was, wenn nun mein und Gottes Wille zusammen nicht fallen? Gott über meine Wünsche hinwegschreitet? Sein Wille mich bürstet ganz gegen Strich und Faden? Im "Vater Unser" bete ich, es möge Gottes Wille im Himmel und auf Erden geschehen; was aber, wenn sich sein und mein Wille nicht vertragen? Eine einfache Lösung wäre wohl, Gott zu bitten, es möge sein und mein Wille deckungsgleich sein, Gott möge doch bitte wollen, was ich begehre. Bei Jesus im Garten Getsemani hat's allerdings nicht geklappt. Und wenn das dem Herrn wiederfuhr, wird es dem Diener kaum anders ergehen. Dein Wille geschehe, Herr, ja, nur nicht gleich, nicht jetzt, nicht in dieser Sache ... ach, fiele doch mein Wille mit jenem Gottes zusammen. Wie verführerisch einfach erscheint der Gedanke, ganz dem Willen des Herrn zu lebe, ihm zu folgen wie ein Blatt dem Wind. Aber wenn es so einfach erscheint, sich dem Willen des Herrn anschmiegend zu beugen, warum, o Herr, fällt es mir dann so ungemein schwer?



Einen Menschen befriedigt es, einen Menschen zu verderben

«Wozu nimmst du dich in acht vor Gefahren, die dir vielleicht begegnen können, aber geradeso auch nicht begegnen können? Eine Feuersbrunst meine ich, einen Hauseinsturz, andere Unglücksfälle, die uns zustossen, nicht uns auflauern. Auf solche Bedrohungen vielmehr habe acht, solchen geh aus dem Weg, die uns beobachten, die uns überfallen. Eher selten sind Unglücksfälle, so schwer sie auch sind - einen Schiffbruch erleiden, mit dem Wagen umstürzen: Vom Menschen droht dem Menschen eine alltägliche Gefahr. Gegen diese Gefahr mache dich zum Kampf bereit; auf diese Gefahr richte dein gespanntes Augenmerk. Kein Übel ist verbreiteter, keines hartnäckiger, keines trügerischer. Und ein Seesturm droht erst noch, bevor er losbricht; Gebäude knistern und knacken erst noch, bevor sie einstürzen; der Rauch kündigt eine Feuersbrunst im Voraus an: Heimtückisch ist vom Menschen das Verderben, und umso sorgfältiger tarnt es sich, je näher es herankommt. Du irrst, wenn du den Mienen derer traust, die dir gegenübertreten: Von Menschen haben sie die Truggestalt, die Wesensart von Raubtieren, mit dem einzigen Unterschied, dass bei diesen das Verderben nur beim ersten Angriff droht: Die sie dabei unbehelligt lassen, denen spüren sie nicht nach. Einzig die Not ist es ja, die diese Tiere zum Reissen und Töten treibt; durch den Hunger oder durch die Furcht sehen sie sich zum Kampf gezwungen: Einen Menschen befriedigt es, einen Menschen zu verderben.»

So bitter urteilt Seneca in einem seiner letzten Briefe an Lucilius. Nicht lange danach - 65 n. Chr. - beschuldigte ihn Nero, er, Seneca, habe an der Verschwörung des Gaius Calpurnius Piso gegen ihn teilgenommen. Mit vielen anderen vornehmen Literaten wurde Seneca zum Selbstmord gezwungen. Fast schon prophetisch ist daher Senecas Ausspruch: "Einen Menschen befriedigt es, einen Menschen zu verderben." Es ist eben der Mensch dem Menschen nicht Wolf, sondern Mensch.



verbohrt

"Eine Diskussion", klagt Simone im Internetforum von kath.de, Thread Warum können Frauen keine Priester werden?, "bringt hier wohl eher weniger". "Leider!", wie sie später ergänzt, "Aufgrund der Verbohrtheit von vielen hier!"
Das ist eine der seltsamen Eigenschaften des menschlichen Miteinanders: dass stets die anderen, "die vielen", wer immer auch gerade die anderen, "die vielen", sein mögen, so verbohrt sind.

Mittwoch, Mai 21, 2003

Salve, Regína
mater misericordiae vita, dulcedo et spes nostra. Salve.
Ad te clamamus exsules filii Hevae. Ad te suspiramus gementes et flentes in hac lacrimarum valle.
Eia ergo, advocata nostra, illos tuos misericordes oculos ad nos converte.
Et Jesum, benedictum fructum ventris tui, nobis por hoc exsilium ostende.
O clemens, O pia, O dulcis virgo Maria.



Homo homini lupus

Da sagte David zu Gad: Ich habe große Angst. Ich will lieber dem Herrn in die Hände fallen, denn seine Barmherzigkeit ist groß. Den Menschen aber möchte ich nicht in die Hände fallen. (1Chr 21,13)

"Meine erste Frage lautet: Brauchen wir Erlösung? Und wenn ja, durch wen und von was? Darauf möchte ich antworten: Die gesamte Menschheitsgeschichte belegt: Wenn der Mensch den Sinn seines Daseins, d. h. seinen Gott, verloren hat, wird er sich selbst und den anderen zum Feind. "Der Mensch ist des Menschen Wolf", wie es der antike Schriftsteller Plautus klassisch formuliert hat. Und er wird darüber hinaus zum Opfer seines schlimmsten Feindes, des Todes oder des Verlustes der Welt. Also bedürfen wir der Erlösung. Einer Erlösung, die allerdings nur Der gewähren kann, der uns aus Liebe nach Seinem Bild, d. h anders als die gesamte übrige Schöpfung, erschaffen hat (Gen 1,26 ff.)." (Quelle: Metropolit Augoustinos von Deutschland).



Blogtalk

Ach, da beginne ich gerade erst mit meinem Weblog ... und stelle nun fest, dass ich nach Meinung von Thomas N. Burg, seines Zeichens Leiter des Zentrums für Neue Medien an der Donauuniversität Krems, einem 'Hype' Folge leiste. Aber halt: Burg ist alles andere als ein Gegner der Weblogs, kein Feind der Gemeinschaft der 'Blogger', im Gegenteil. Vom 23. bis 24. Mai findet am TechGate in Wien die von Burg veranstaltete Konferenz Blogtalk statt: BlogTalk - A European Conference On Weblogs: Web-based publishing, communication and collaboration tools for professional and private use.

Die Tagebücher des Ameisenhaufens nennt der Standard den ständig expandierenden Blogmos. Die Zahl der Blogger soll bereits in die Millionen gehen. Persönlich, also von Angesicht zu Angesicht, kenne ich keinen, und auch virtuell aus Diskussionsforen sind mir nur Fono mit seinem Fonolog und Benedikt mit seinem Log Zeit und Ewigkeit bekannt.

Wie es so mit 'Hypes' ist, schon heftet sich ein Rudel, zusammengesetzt aus Soziologen, Cyberethnologen und Internetphilosophen, der Schar der nichts ahnenden Blogger auf die Fersen.Sind wir nun tatsächlich die Gegenspieler des Imperiums? Und wann und wo schlägt dann das Imperium zurück? Sind Blogger die Vorreiter einer neuen Demokratie? Bestandteile eines "emergenten Systems"? "Smart Mobs"? "Small Pieces Loosely Joined"? Und wenn dem so wäre, müsste ich das dann als Blogger nicht wissen? Oder bin ich noch nicht lange genug im 'Bloggergeschäft'? Die alten Hasen im Metier werden es vielleicht besser wissen.

Dienstag, Mai 20, 2003

was ist der Mensch, daß du seiner gedenkst?

Geht es nach Thomas Hobbes, ist der Mensch dem Menschen ein Wolf - "Homo homini lupus". Nur sind Wölfe im Umgang miteinander eigentlich sehr sozial, so gesehen ist der Wolf recht human und es ist zu Bedauern, dass der Mensch nicht Wolf genug ist, um menschlich zu sein. Für Hobbes ist der Mensch ein Raubtier voll Bosheit, grausam, habgierig und egoistisch. Die einzige Möglichkeit das Raubtier zu zähmen, liegt in einer starken, autoritären Staatsmacht. Ohne diese, meint Hobbes im 13. Kapitel des Leviathan, ist ein Krieg aller gegen alle unvermeidlich: "Hieraus ergibt sich, daß ohne eine einschränkende Macht der Zustand der Menschen ein solcher sei, wie er zuvor beschrieben wurde, nämlich ein Krieg aller gegen alle." Angesichts dessen, was im Irak nach dem Sturz des Regimes Saddam Husseins passierte, ein Sturz, der fast einer Implosion der Staatsmacht gleichkam und die ein Vakuum hinterließ, das von den Amerikanern bis heute nur sehr zögerlich aufgefüllt wurde, bedenkt man also dies, die massenhaften Plünderungen und sinnlosen Zerstörungen, ist man geneigt Hobbes zuzustimmen. Was bleibt zu sagen noch übrig? Wäre der Mensch dem Menschen ein Wolf, wäre der Mensch glücklicher daran?



Maiandacht

Fra Angelico - Verkündigung
Fra Angelico: Verkündigung an Maria (um 1435 - 1440)
Fresko im Konvent von San Marco in Florenz


Giovanni da Palestrina: Ave Regina
For two choirs. Choir of the Carmelite Priory, London. John McCarthy, director. 1965 (mpeg, 4.5 MB).



ZENIT - Erzbischof von Glasgow ist Celtic-Fan

ZENIT, eine Nachrichtenagentur über Ereignisse betreffend die katholische Kirche mit dem Slogan 'ZENIT - Die Welt von Rom aus gesehen', vermeldet, der Erzbischof von Glasgow sei Celtic-Fan. Kurz vor dem bevorstehenden historischen Ausscheidungsspiel in Sevilla habe er den Spielern in einem Brief an Mannschaftstrainer O'Neill seine besten Fanwünsche zukommen lassen (vollständiger Artikel).
Das ist natürlich eine Nachricht, die die Welt von Rom aus gesehen wissen musste. Nun ja, ich bin kein Fußballfan.


Montag, Mai 19, 2003

An den Grenzen des Wissens

Um bei den (Natur)Wissenschaften zu bleiben: sehr interessant zu lesen ist John Horgans Buch 'An den Grenzen des Wissens - Siegeszug und Dilemma der Naturwissenschaften', ausgezeichnet als Wissenschaftsbuch des Jahres 1998. Die Auszeichnung wird jährlich auf Initiative der Zeitschrift Bild der Wissenschaft in insgesamt sechs Kategorien vergeben. Wenn Horgan Recht hat, ist die Naturwissenschaft knapp vor dem Ende. Man könnte auch sagen vor der Transformation in etwas, das Horgan als 'ironische Wissenschaft' bezeichnet; eine Wissenschaft, deren kühne Hypothesen nicht und niemals an der Realität gemessen werden können. Multiversen, Superstrings, Wheelers 'It from Bit', faszinierende Entwürfe, gewiss, doch scheinen dabei die Wahrheitskriterien primär ästhetischer Natur zu sein. Horgan hat für dieses Buch so ziemlich mit allen großen Namen der verschiedenen naturwissenschaftlichen Disziplinen gesprochen, dazu noch mit den Wissenschaftstheoretikern Popper, Kuhn und Feyerabend. Horgan bezeichnet sich im Buch, wenn ich mich recht entsinne, als Atheist. Um so interessanter sein Epilog, den er mit dem Unterkapitel 'Die Angst Gottes' einleitet. Angelangt oder auch gestrandet am, wie Horgan meint, Ende der wahren, reinen, empirischen Wissenschaft, besinnt er sich auf die Frage nach Gott. Mit dem Physiker John Wheeler, Schöpfer einiger der spektakulärsten wissenschaftlichen Spekulationen, mit seinem Namen verbunden sind die berühmten Schwarzen Löcher sowie die Multiversen, meint Horgan, die Wirklichkeit halte in ihrem Innersten keine Antwort, sondern eine Frage bereit: weshalb gibt es etwas und nicht nichts? Hinter dem Rätsel der Existenz, des nicht nichts sein, vermutet er einen Gott, der sich die Welt erdachte aus Einsamkeit und Todesangst. "Unsere Not", schliesst er sein Buch, "ist Gottes Not. Und nun, da die Wissenschaft - die wahre, reine, empirische Wissenschaft - an ihr Ende gelangt ist, stellt sich die Frage, woran sollte man sonst glauben?"

Das Buch gibt es als PDF-Dokument in voller Länge auch online: John Horgan: An den Grenzen des Wissens - Siegeszug und Dilemma der Naturwissenschaften.



Einstein Archive gehen online

Kein Zweifel: wer Einstein war, weiss nahezu jeder. Ebenso ohne Zweifel: nahezu jeder hat nichts von Einstein gelesen. Nun aber ist die Welt von Einsteins Gedanken nur einen Mausklick entfernt. Heute noch, im Rahmen eines Symposiums - Einstein's Legacy: The Einstein Papers Project - am American Museum of Natural History in New York, dass dem wohl bedeutendensten und einflussreichsten Wissenschaftler der Moderne, seinem Leben und Werk, gewidmet ist, werden mehr als 900 wissenschaftliche und nichtwissenschaftliche Dokumente im Internet veröffentlicht. Über die Webseite http://www.alberteinstein.info/ sind über 3000 digitalisierte Abbildungen seiner Schriften zugänglich. Neben Einsteins berühmtesten wissenschaftlichen Werken wie seine Schriften zur speziellen Relativitätstheorie werden auch seine niemals veröffentlichten Tagebuchaufzeichnungen dem staunenden Auge des mutmaßlich nicht viel verstehenden Laien - darunter auch meine Person - offen gelegt.

Nachtrag um 21:45 - jetzt ist es soweit, die 'Papers' sind online.

Einsteins Manuscripte online

Eine Kostprobe:Grundgedanken und Probleme der Relativitätstheorie



Der Mai

ist der Marienmonat. Darum auch die Gedichte aus Rilkes Marienleben. Sozusagen lyrische Maiandachten. Ave, Maria ...




Rainer Maria Rilke: Das Marienleben
Die Darstellung Mariae im Tempel


Um zu begreifen, wie sie damals war,
mußt du dich erst an eine Stelle rufen,
wo Säulen in dir wirken; wo du Stufen
nachfühlen kannst; wo Bogen voll Gefahr
den Abgrund eines Raumes überbrücken,
der in dir blieb, weil er aus solchen Stücken
getürmt war, daß du sie nicht mehr aus dir
ausheben kannst: du rissest dich denn ein.
Bist du so weit, ist alles in dir Stein,
Wand, Aufgang, Durchblick, Wölbung -,
so probier den großen Vorhang, den du vor dir hast,
ein wenig wegzuzerrn mit beiden Händen:
da glänzt es von ganz hohen Gegenständen
und übertrifft dir Atem und Getast.
Hinauf, hinab, Palast steht auf Palast,
Geländer strömen breiter aus Geländern
und tauchen oben auf an solchen Rändern,
daß dich, wie du sie siehst, der Schwindel faßt.
Dabei macht ein Gewölk aus Räucherständern
die Nähe trüb; aber das Fernste zielt
in dich hinein mit seinen graden Strahlen-,
und wenn jetzt Schein aus klaren Flammenschalen
auf langsam nahenden Gewändern spielt:
wie hältst du's aus?
Sie aber kam und hob
den Blick, um dieses alles anzuschauen.
(Ein Kind, ein kleines Mädchen zwischen Frauen.)
Dann stieg sie ruhig, voller Selbstvertrauen,
dem Aufwand zu, der sich verwöhnt verschob:
So sehr war alles, was die Menschen bauen,
schon überwogen von dem Lob
in ihrem Herzen. Von der Lust
sich hinzugeben an die innern Zeichen:
Die Eltern meinten, sie hinaufzureichen,
der Drohende mit der Juwelenbrust
empfing sie scheinbar: Doch sie ging durch alle,
klein wie sie war, aus jeder Hand hinaus
und in ihr Los, das, höher als die Halle,
schon fertig war, und schwerer als das Haus.

Giotto di Bondone, Cappella Scrovegni, Padua: Die Darstellung Mariens im Tempel


Giotto


Sonntag, Mai 18, 2003

83 Jahre

ist er nun. Ich erinnere mich noch an seine Wahl, da war ich 21. Nun bin ich ... naja, das kann sich jeder selber ausrechnen. Praktisch mein gesamtes bisheriges Leben als Erwachsener umfasst sein Pontifikat. Hier In pictures: Pope's 83rd birthday.

Ach, dass ich es nicht vergesse: Alles Gute zum Geburtstag!



Was die Matrix am Laufen hält

Läuft die Matrix unter Windows oder unter Unix/Linux? Über 4.500 Leser des Standards beteiligten sich an einer entsprechenden Umfrage. Die Mehrheit vermutete Unix/Linux als Deus ex machina, den treibenden Geist in der Maschine, Schöpfer der Welt für die träumende Menschheit. Und siehe da, die Fortsetzung zum ersten Teil, Matrix Reload, liefert Hinweise, dass die Welt, man will es kaum glauben, tatsächlich nicht von Microsoft regiert wird, sondern von Unix/Linux. Im Film versucht Trinity über eine Unix/Linux-Shell und dem Hacker/Securitytool Nmap nach einem fehlerhaften SSH-Server - den sie dann mittels Exploit übernimmt. 2001 haben einige Hacker/Cracker im 'real life' auf diese Weise zahlreiche Linux-Server gecrackt.

Nmap Run




Komm, Heiliger Geist

Heute war Firmgottesdienst in der Pfarre Lehen, geleitet von Alois Kothgasser, unserem 'neuen' Erzbischof. Wie lange er wohl noch der 'neue' sein wird? Kothgasser hat als Bischof von Innsbruck das Sozialstaat Österreich Volksbegehren unterzeichnet - meines Wissens als einziger Bischof Österreichs.
Am Ende des Firmgottesdienstes gab er den Firmlingen 3 Ratschläge mit auf den Weg. Als erstes, jeden Tag 'Komm, Heiliger Geist' zu beten. Als zweites, wenn sie, die Firmlinge, ihm irgendwo begegneten, mögen sie doch bitte auf ihn zuzutreten und ihm sagen, er hätte sie gefirmt: das gäbe ihm die Möglichkeit sie zu fragen: "Und, wie geht es Dir mit dem Heiligen Geist?". Ihm selber, sagte er, ginge es mit dem Heiligen Geist sehr gut (wohl dem Menschen, der dies uneingeschränkt von sich sagen darf!). Und als drittes, sich stets ein offenes Herz, offene Augen und offene Hände für die Armen zu erhalten. Arme, sagte der Erzbischof, haben wir nach Jesu Wort stets unter uns. Wer aber den Armen hilfreich begegnet, begegnet Christus.

Samstag, Mai 17, 2003

"Wake up! Free your mind, you are a slave to the matrix control."

Die Matrix wirft ihre Schatten auch ins 'real life'. Bei der Premiere brach die Fortsetzung des ersten Teils, 'Matrix Reloaded', alle Rekorde. Geschäftlich also ein großer Erfolg. Weniger bekannt dürfte sein, dass mit dem ersten Teil mehrere brutale Morde in Zusammenhang stehen. In der Samstagausgabe der Washington Post: 'Matrix' Made Them Do It wird von zumindest 4 Fällen berichtet, in denen sich die Täter ausdrücklich auf den Film beriefen. Ein 19jähriger, der sich kleidete wie die Helden des Films, ermordete im Februar seine Eltern mit einem Gewehr, gleich einem, das auch im Film eine Rolle spielte. Eine Frau, die von sich behauptete, sich in der Matrix gefangen zu wähnen, ermordete ihren Vermieter. Vor Gericht plädierte sie auf Unzurechnungsfähigkeit - und wurde tatsächlich freigesprochen. Lee Boyd Malvo, der sich als Heckenschütze von Washington vor Gericht verantworten muss, schrieb in seiner Zelle: "Wake up! Free your mind, you are a slave to the matrix control.", berichtet die Zeitung. Einzelfälle, gewiss. Möglicherweise einfach nur ...

Fehler in der Matrix
... Fehler in der Matrix?

Matrix wird eine gewisse Nähe zu religiösem Gedankengut nachgesagt. Neo, der Held, gilt manchen fast schon als neuer Heiland. Seine Überwindung des Todes scheint allerdings eher darauf zu beruhen, besser und schneller killen zu können als all seine Widersacher. Schon vor Matrix gab's Filme, die spirituelles Junk food verbreiteten. Aber ach, wie friedlich war doch vergleichsweise die Möwe Jonathan!



Irgendwo steckt der Wurm im Blog. Fehler in der Seite, ja, aber wo? Vielleicht die Einstellungen für die Archive?



Rainer Maria Rilke: Das Marienleben
Geburt Mariae


O was muß es die Engel gekostet haben,
nicht aufzusingen plötzlich, wie man aufweint,
da sie doch wußten: in dieser Nacht wird dem Knaben
die Mutter geboren, dem Einen, der bald erscheint.
Schwingend verschwiegen sie sich und zeigten die Richtung,
wo, allein, das Gehöft lag des Joachim,
ach, sie fühlten in sich und im Raum die reine Verdichtung,
aber es durfte keiner nieder zu ihm.
Denn die beiden waren schon so außer sich vor Getue.
Eine Nachbarin kam und klugte und wußte nicht wie,
und der Alte, vorsichtig, ging und verhielt das Gemuhe
einer dunkelen Kuh. Denn so war es noch nie.

Giotto di Bondone, Cappella Scrovegni, Padua: Die Geburt Mariens

Die Geburt Marias

Freitag, Mai 16, 2003

Amnesty berichtet von gefolterten irakischen Kriegsgefangenen

Laut der Online-Ausgabe des Standards vom 16. Mai handelt es sich um mindestens 20 Fälle. Der AI-Vertreter spricht von Folter, Elektroschocks, Schlägen, ausgeschlagenen Zähnen. In Summe ein Lehrstück, wie man einen Krieg gewinnt, um den Frieden zu verlieren. Papst Johannes Paul II. hatte recht mit seiner Ablehnung. Ich denke bei dieser Sache, und angesichts der vielen, die aus Überzeugung Notwendigkeit und Sinn dieses Krieges guthießen, an T.S. Elliots Stück Murder in the Cathedral. Darin wird der Heilige Thomas Becket vom Versucher auf besonders raffinierte Weise in Versuchung geführt: das Richtige aus den falschen Gründen zu tun. So ähnlich erscheint mir der Krieg gegen den Irak. Saddam Hussein und sein Regime zu stürzen, war sicherlich richtig, doch geschah es aus den falschen Gründen. Entsprechend bitter werden, wie ich fürchte, die Früchte sein.



Raitenhaslach, ein verstecktes Kleinod

Im wahrsten Sinne ganz am Rande liegt die ehemalige Klosterkirche Raitenhaslach, nämlich an der Salzach südlich von Burghausen an der Grenze zu Österreich. Einst das älteste Zisterzienserkloster Altbayerns (Ober- und Niederbayern), 1146 von Erzbischof Konrad I. von Salzburg gegründet, wurde es 1803, wie alle Klöster in Bayern, säkularisiert (aufgehoben). Über die Hälfte der Baulichkeiten des Klosters fielen der Spitzhacke zum Opfer, bedeutende Kunstschätze, wie die Deckenfresken in der Bibliothek, wurden sinnlos zerstört. Wer bemisst solche Schäden? Die Kirche aber hat als katholische Pfarrkirche überlebt. Ein eindrucksvoller barocker Bau, gestaltet als einschiffige tonnengewölbte Wandpfeileranlage, innen ausgestattet mit allem Zierat des Rokkoko.


Klosterkirche Raitenhaslach

Klosterkirche Raitenhaslach

Klosterkirche Raitenhaslach


Eigentlich sprechen mich eher romanische und gotische Kirchen an, Barock hingegen ist mir etwas zu prachtvoll, imperial, üppig. Raitenhaslach aber hat mich wirklich beeindruckt. Es ist eine recht zarte Pracht, die einen gerne aufnimmt. Besonders gefielen mir die Deckenfresken, die Szenen aus dem Leben des Heiligen Bernhard von Clairvaux schildern.
Sehr zu empfehlen ist der unmittelbar anschließende Gasthof mit großem Gastgarten. Das Essen ist gut, zudem auch noch Bier ausgeschenkt wird, das in der eigenen Brauerei, die als ehemalige Klosterbrauerei auch schon über 700 Jahre alt ist, produziert wird. Ein empfehlenswerter Ausflug, auch als Wallfahrtsort bestens geeignet - Nahrung für Seele, Auge und Leib, alles an einem Ort.


Rainer Maria Rilke: Das Marienleben
Maria Heimsuchung


Noch erging sie's leicht im Anbeginne,
doch im Steigen manchmal ward sie schon
ihres wunderbaren Leibes inne,-
und dann stand sie, atmend, auf den hohn

Judenbergen. Aber nicht das Land,
ihre Fülle war um sie gebreitet;
gehend fühlte sie: man überschreitet
nie die Größe, die sie jetzt empfand.

Und es drängte sie, die Hand zu legen
auf den andern Leib, der weiter war.
und die Frauen schwankten sich entgegen,
und berührten sich Gewand und Haar.

Jede, voll von ihrem Heiligthume,
schützte sich mit der Gevatterin.
Ach der Heiland in ihr war noch Blume,
doch den Täufer in dem Schoß der Muhme
riß die Freude schon zum Hüpfen hin.

Die Heimsuchung

Die Heimsuchung